Lutherbibel 1984 (LU84)
7

71Wenn ich

7,1
Joel 4,1
meines Volkes Geschick wenden und Israel heilen will, so zeigt sich erst die Sünde Ephraims und die Bosheit Samarias, wie sie Lug und Trug treiben und die Diebe einsteigen und die Räuber auf der Straße plündern. 2Dennoch wollen sie nicht einsehen, dass ich alle ihre Bosheit merke. Ich sehe aber ihr böses Tun wohl, das sie allenthalben treiben. 3Sie erfreuen den König mit ihrer Bosheit und Obere mit ihren Lügen; 4sie sind allesamt Ehebrecher, glühend wie ein Backofen, den der Bäcker heizt, wenn er den Teig ausgeknetet hat und ihn durchsäuern und aufgehen lässt. 5»Heute ist unseres Königs Fest!« Da werden die Oberen toll vom Wein und er zieht die Spötter zu sich. 6Denn ihr Herz ist in heißer Glut wie ein Backofen, wenn sie Böses ersinnen. Ihr Grimm schläft die ganze Nacht, aber am Morgen brennt er lichterloh. 7Allesamt sind sie erhitzt wie ein Backofen, sodass sie ihre Richter fressen; ja, alle ihre Könige fallen, und es ist keiner unter ihnen, der mich anruft.

8Ephraim mengt sich unter die Völker; Ephraim ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet. 9Fremde fressen seine Kraft, doch er will es nicht merken; seine Haare sind schon grau geworden, doch er will es nicht merken. 10Wider Israel zeugt seine Hoffart, dennoch bekehren sie sich nicht zum HERRN, ihrem Gott, fragen auch trotz alledem nicht nach ihm. 11Denn Ephraim ist wie eine törichte Taube, die sich leicht locken lässt. Jetzt rufen sie Ägypten an, dann

7,11
Kap
laufen sie nach Assur. 12Aber indem sie hin und her laufen, will ich mein Netz über sie werfen und sie herunterholen wie Vögel unter dem Himmel; ich will sie strafen, wie es ihrer Gemeinde verkündet ist.

13Weh ihnen, dass sie von mir weichen! Sie sollen vertilgt werden; denn sie sind abtrünnig geworden von mir.

7,13
Ps 81,14-15
Ich wollte sie wohl erlösen; aber sie reden Lügen wider mich. 14Auch rufen sie mich nicht von Herzen an, sondern machen ein Geheul auf ihren Lagern. Sie ritzen sich wund um Korn und Wein, aber mir sind sie ungehorsam. 15Ich lehre sie Zucht und stärke ihren Arm; aber sie sinnen Böses gegen mich. 16Sie bekehren sich, aber nicht recht, sondern
7,16
Ps 78,57
sind wie ein schlaffer Bogen. Darum werden ihre Oberen durchs Schwert fallen wegen der Frechheit ihrer Zungen. Das soll ihnen in Ägyptenland zum Spott werden.

8

Israels falscher Gottesdienst

81Stoße laut in die

8,1
Jes 58,1
Posaune! Es kommt über das Haus des HERRN
8,1
5. Mose 28,49
wie ein Adler, weil sie
8,1
Kap
meinen Bund übertreten und sich gegen meine Gebote auflehnen. 2Wohl schreien sie zu mir: »Du bist mein Gott; wir, Israel, kennen dich.« 3Doch Israel verwirft das Gute; darum soll der Feind sie verfolgen.

4Sie

8,4
2. Kön 15,10142530
machen Könige, aber ohne mich; sie setzen Obere ein und ich darf es nicht wissen. Aus ihrem Silber und Gold machen sie Götzen, damit sie ja bald ausgerottet werden! 5
8,5-6
2. Mose 32,20
1. Kön 12,28
Dein Kalb, Samaria, verwerfe ich. Mein Zorn ist gegen sie entbrannt. Wie lange soll das noch andauern? Sie können doch nicht ungestraft bleiben, die Söhne Israel. 6Ein Goldschmied hat das Kalb gemacht und es kann doch kein Gott sein; darum soll das Kalb Samarias zerpulvert werden.

7Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten.

8,7
Jer 12,13
Ihre Saat soll nicht aufgehen; was dennoch aufwächst, bringt kein Mehl; und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen. 8Verschlungen wird Israel; die Heiden gehen mit ihnen um wie mit
8,8
Jer 22,28
einem Gefäß, das niemand haben will; 9denn
8,9
Kap
sie laufen nach Assur, einsam wie ein Wildesel, und Ephraim buhlt mit Geschenken. 10Auch wenn sie unter den Heiden austeilen, will ich sie doch jetzt einsammeln; sie sollen’s bald müde werden, Könige und Obere zu salben.

11Ephraim hat sich viele Altäre gemacht; aber sie sind ihm zur Sünde geworden. 12Wenn ich ihm auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. 13Wenn sie auch

8,13
Jes 1,11
viel opfern und Fleisch herbringen und essen’s, so hat doch der HERR kein Gefallen daran, sondern er will ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden heimsuchen. Sie
8,13
5. Mose 28,68
sollen wieder zurück nach Ägypten! 14Israel vergisst seinen Schöpfer und baut Paläste, und Juda macht viele feste Städte; aber ich will
8,14
Jer 17,27
Am 2,5
Feuer in seine Städte senden, das soll seine Paläste verzehren.

9

Die Freude ist dahin, die Vergeltung ist da

91Du darfst dich nicht freuen, Israel, noch rühmen wie die Völker; denn du läufst mit deiner

9,1
Kap
Hurerei deinem Gott weg; gern nimmst du Hurenlohn auf allen Tennen. 2Darum sollen Tenne und Kelter sie nicht nähren, und der Wein soll ihnen fehlen. 3Sie sollen nicht bleiben im Lande des HERRN; sondern
9,3
Kap
Ephraim muss wieder nach Ägypten und muss in Assyrien Unreines essen. 4Dort werden sie dem HERRN kein Trankopfer vom Wein bringen, und ihre Schlachtopfer werden ihm nicht wohlgefällig sein. Ihr Brot soll sein wie das Brot der Trauernden, an dem unrein werden alle, die davon essen; denn ihr Brot müssen sie für sich allein essen, doch es soll nicht in des HERRN Haus gebracht werden. 5Was wollt ihr dann in den Festzeiten und an den Feiertagen des HERRN tun?

6Siehe, sie müssen fort wegen der Verwüstung. Ägypten wird sie sammeln und Memfis sie begraben.

9,6
Kap
Nesseln werden wachsen, wo jetzt ihr kostbares Silber ist, und Dornen in ihren Hütten. 7Die Zeit der Heimsuchung ist gekommen, die Zeit der Vergeltung; dessen wird Israel innewerden.

»Ein Narr ist der Prophet und wahnsinnig der Mann des Geistes!« Ja, um deiner großen Schuld und um der großen Anfeindung willen! 8Ephraim spähte wohl aus nach meinem Gott; aber nun stellen sie dem Propheten Fallen auf allen seinen Wegen, Anfeindung selbst im Hause seines Gottes. 9Tief verdorben ist ihr Tun wie in den

9,9
Kap
Tagen von Gibea; darum wird er ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden heimsuchen.

Israels Undank gegen Gottes Wohltaten

10Ich

9,10
5. Mose 32,10
fand Israel wie Trauben in der Wüste und sah eure Väter wie die ersten Feigen am Feigenbaum; aber hernach gingen sie zum
9,10
4. Mose 25,3
Baal-Peor und gelobten sich dem schändlichen Abgott und wurden so zum Gräuel wie ihre Liebhaber. 11Darum muss die Herrlichkeit Ephraims wie ein Vogel wegfliegen, dass sie weder gebären noch tragen noch schwanger werden sollen. 12Und wenn sie ihre Kinder auch großzögen, will ich sie doch kinderlos machen, sodass kein Mensch mehr da ist. Ja, weh ihnen, wenn ich von ihnen gewichen bin!

13Als ich Ephraim sah, war es

9,13
Hes 27,3
herrlich gepflanzt wie Tyrus; aber nun muss es seine Kinder herausgeben dem Totschläger. 14HERR, gib ihnen – was willst du ihnen geben? Gib ihnen unfruchtbare Leiber und versiegende Brüste! 15All ihre Bosheit geschieht zu Gilgal; dort werde ich ihnen feind. So will ich sie um ihres bösen Tuns willen aus meinem Hause stoßen und ihnen keine Liebe mehr erweisen; denn alle ihre Oberen sind abtrünnig.

16Ephraim ist geschlagen, seine Wurzel ist verdorrt, sodass sie keine Frucht mehr bringen können. Auch wenn sie gebären würden, will ich doch die ersehnte Frucht ihres Leibes töten. 17Mein Gott wird sie verwerfen, weil sie ihn nicht hören wollen, und sie sollen unter den Heiden umherirren.