Lutherbibel 1984 (LU84)
7

Christus, der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks

71

7,1-2
1. Mose 14,18-20
Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester Gottes des Höchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn; 2ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt: König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist: König des Friedens. 3Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens.
7,3
Joh 7,27
So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.

4Seht aber, wie groß der ist, dem auch Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute. 5Zwar

7,5
4. Mose 18,21
haben auch die von den Söhnen Levis, die das Priestertum empfangen, nach dem Gesetz das Recht, den Zehnten zu nehmen vom Volk, also von ihren eigenen Brüdern, obwohl auch diese von Abraham abstammen. 6Der aber, der nicht von ihrem Stamm war, der nahm den Zehnten von Abraham und segnete den, der die Verheißungen hatte. 7Nun ist aber unwidersprochen, dass das Geringere vom Höheren gesegnet wird. 8Und hier nehmen den Zehnten sterbliche Menschen, dort aber einer, dem bezeugt wird, dass er lebt. 9Und sozusagen ist auch Levi, der doch selbst den Zehnten nimmt, in Abraham mit dem Zehnten belegt worden. 10Denn er sollte seinem Stammvater ja erst noch geboren werden, als Melchisedek diesem entgegenging.

11Wäre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen – denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen –, wozu war es dann noch nötig, einen andern als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen, anstatt einen nach der Ordnung Aarons zu benennen? 12Denn wenn das Priestertum verändert wird, dann muss auch das Gesetz verändert werden. 13Denn der, von dem das gesagt wird, der ist von einem andern Stamm, von dem nie einer am Altar gedient hat. 14Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr

7,14
1. Mose 49,10
Mt 1,1-3
aus Juda hervorgegangen ist, zu welchem Stamm Mose nichts gesagt hat vom Priestertum.

15Und noch klarer ist es, wenn, in gleicher Weise wie Melchisedek, ein anderer als Priester eingesetzt wird, 16der es nicht geworden ist nach dem Gesetz äußerlicher Gebote, sondern nach der Kraft unzerstörbaren Lebens. 17Denn es wird bezeugt (Ps 110,4):

7,17
Kap
»Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« 18Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war; 19denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen –, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen. 20Und das geschah nicht ohne Eid. Denn jene sind ohne Eid Priester geworden, 21dieser aber durch den Eid dessen, der zu ihm spricht (Ps 110,4): »Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester in Ewigkeit.« 22So ist Jesus Bürge eines
7,22
Kap
viel besseren Bundes geworden.

23Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben ließ; 24dieser aber hat, weil er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum. 25Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und

7,25
Röm 8,34
1. Joh 2,1
bittet für sie. 26Denn einen solchen Hohenpriester mussten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel. 27Er hat es nicht nötig wie jene Hohenpriester, täglich
7,27
3. Mose 9,7
16,615
zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst opferte. 28Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit an sich haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt worden ist, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist.

8

Der Mittler des neuen Bundes

81Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen

8,1
Kap
Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel 2und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch. 3Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, was er opfern kann. 4Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. 5Sie dienen aber nur
8,5
Kol 2,17
dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte (2. Mose 25,40): »Sieh zu«, sprach er, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.«

6Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines

8,6
Kap
besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. 7Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht.

8Denn Gott tadelt sie und sagt (Jer 31,31-34): »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda

8,8
Kap
einen neuen Bund schließen, 9nicht wie der Bund gewesen ist,
8,9
2. Mose 19,5-6
den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. 10Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 11Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zu dem Größten. 12Denn ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.«

13Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.

8,13
Röm 10,4

9

Das einmalige Opfer Christi

91Es hatte zwar auch der erste Bund seine Satzungen für den Gottesdienst und sein irdisches Heiligtum. 2Denn es war da aufgerichtet die Stiftshütte: der vordere Teil, worin der

9,2
2. Mose 25,31
Leuchter war und der
9,2
2. Mose 25,23
Tisch und die
9,2
2. Mose 25,30
Schaubrote, und er heißt das Heilige; 3hinter dem zweiten Vorhang aber war der Teil der Stiftshütte, der das
9,3
2. Mose 26,33
Allerheiligste heißt. 4
9,4-5
2. Mose 16,33
25,10-22
4. Mose 17,23-25
Darin waren das goldene Räuchergefäß und die Bundeslade, ganz mit Gold überzogen; in ihr waren der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und der Stab Aarons, der gegrünt hatte, und die Tafeln des Bundes. 5Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenthron. Von diesen Dingen ist jetzt nicht im Einzelnen zu reden.

6Da dies alles so eingerichtet war,

9,6
4. Mose 18,3-4
gingen die Priester allezeit in den vorderen Teil der Stiftshütte und richteten den Gottesdienst aus. 7In den andern Teil aber ging nur
9,7
2. Mose 30,10
einmal im Jahr allein der Hohepriester, und das nicht ohne
9,7
3. Mose 16,214-15
Blut, das er opferte für die unwissentlich begangenen Sünden, die eigenen und die des Volkes. 8Damit macht der Heilige Geist deutlich, dass der
9,8
Kap
Weg ins Heilige noch nicht offenbart sei, solange der vordere Teil der Stiftshütte noch bestehe; 9der ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit: Es werden da Gaben und Opfer dargebracht,
9,9
Kap
die nicht im Gewissen vollkommen machen können den, der den Gottesdienst ausrichtet. 10Dies sind nur äußerliche Satzungen über
9,10
3. Mose 11,1-47
Speise und Trank und verschiedene
9,10
4. Mose 19,1-22
Waschungen, die bis zu der Zeit einer besseren Ordnung auferlegt sind.

11Christus aber ist gekommen als ein Hoherpriester der zukünftigen Güter durch die größere und vollkommenere Stiftshütte, die nicht mit Händen gemacht ist, das ist: die nicht von dieser Schöpfung ist. 12Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben. 13Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die

9,13
4. Mose 19,2917
Asche von der Kuh durch Besprengung die Unreinen heiligt, sodass sie äußerlich rein sind, 14um wie viel mehr wird dann das
9,14
1. Petr 1,18-19
1. Joh 1,7
Offb 1,5
Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen
9,14
Kap
reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! 15Und darum ist er auch der
9,15
Kap
Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.

16Denn wo ein Testament9,16 Das griechische Wort für »Testament« und »Bund« ist das gleiche. ist, da muss der Tod dessen geschehen sein, der das Testament gemacht hat. 17Denn ein Testament tritt erst in Kraft mit dem Tode; es ist noch nicht in Kraft, solange der noch lebt, der es gemacht hat. 18Daher wurde auch der erste Bund nicht ohne Blut gestiftet. 19Denn als Mose alle Gebote gemäß dem Gesetz allem Volk gesagt hatte, nahm er das Blut von Kälbern und Böcken mit Wasser und Scharlachwolle und Ysop und besprengte das Buch und alles Volk

9,19
4. Mose 19,6
20und sprach (2. Mose 24,8): »Das ist das Blut des Bundes, den Gott euch geboten hat.« 21Und die Stiftshütte und alle Geräte für den Gottesdienst
9,21
3. Mose 8,15
besprengte er desgleichen mit Blut. 22Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und
9,22
3. Mose 17,11
ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.

23So also mussten die Abbilder der himmlischen Dinge gereinigt werden; die himmlischen Dinge selbst aber müssen bessere Opfer haben als jene. 24Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt

9,24
Kap
für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen; 25auch nicht, um sich oftmals zu opfern, wie der Hohepriester alle Jahre mit fremdem Blut in das Heiligtum geht; 26sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber,
9,26
1. Kor 10,11
Gal 4,4
am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer
9,26
Kap
die Sünde aufzuheben. 27Und wie
9,27
1. Mose 3,19
den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: 28so ist auch Christus einmal
9,28
Kap
geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.