Lutherbibel 1984 (LU84)
11

Gottes Gericht über die Obersten des Volkes

111Und

11,1
Kap
der Geist hob mich empor und brachte mich zum Tor am Hause des HERRN, das gegen Osten liegt. Und siehe, im Eingang des Tores waren fünfundzwanzig Männer, und ich sah unter ihnen die Obersten im Volk, Jaasanja, den Sohn Asurs, und Pelatja, den Sohn Benajas. 2Und er sprach zu mir: Menschenkind, das sind die Männer, die Unheil planen und schädlichen Rat geben in dieser Stadt; 3denn sie sprechen: »Sind nicht vor Kurzem die Häuser wieder aufgebaut worden?
11,3
Kap
Die Stadt ist der Topf, wir sind das Fleisch.« 4Darum sollst du, Menschenkind, gegen sie weissagen.

5Und der Geist des HERRN fiel auf mich und er sprach zu mir: Sage: So spricht der HERR: So habt ihr geredet, ihr vom Hause Israel; und eures Geistes Gedanken kenne ich wohl. 6Ihr habt viele erschlagen in dieser Stadt, und ihre Gassen liegen voll Toter. 7Darum spricht Gott der HERR: Die ihr in der Stadt getötet habt, die sind das Fleisch, und sie ist der Topf; aber ihr müsst hinaus. 8Das Schwert, das ihr fürchtet, das will ich über euch kommen lassen, spricht Gott der HERR. 9Ich will euch aus der Stadt hinaustreiben und Fremden in die Hand geben und will Gericht über euch halten. 10Ihr

11,10
2. Kön 25,20-21
sollt durchs Schwert fallen; an der Grenze Israels will ich euch richten; und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. 11Die Stadt aber soll für euch nicht der Topf sein noch ihr das Fleisch darin, sondern an der Grenze Israels will ich euch richten. 12Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin; denn ihr seid nach meinen Geboten nicht gewandelt und habt meine Ordnungen nicht gehalten, sondern habt gelebt nach den Ordnungen der Heiden, die um euch her sind.

13Und als ich noch so weissagte, starb Pelatja, der Sohn Benajas. Da fiel ich auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach:

11,13
Kap
Ach, Herr HERR, willst du dem Rest Israels ganz und gar ein Ende machen?

Die Verheißung für die Weggeführten

14Da geschah des HERRN Wort zu mir: 15Du Menschenkind, die Leute, die noch in Jerusalem wohnen, sagen von deinen Brüdern und Verwandten und dem ganzen Haus Israel: Sie sind ferne vom HERRN, aber uns ist das Land zum Eigentum gegeben.

16Darum sage: So spricht Gott der HERR: Ja,

11,16
Kap
ich habe sie fern weg unter die Heiden vertrieben und in die Länder zerstreut und bin ihnen nur wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, in die sie gekommen sind. 17Darum sage: So spricht Gott der HERR:
11,17
Jer 24,5-6
29,14
Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israels geben. 18Dorthin sollen sie kommen und alle seine Götzen und Gräuel daraus wegtun. 19Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und
11,19
Kap
will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen
11,19
Jer 24,7
ein fleischernes Herz geben, 20damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und
11,20
Kap
sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 21Denen aber, die mit ihrem Herzen ihren Götzen und ihren Gräueln nachwandeln, will ich ihr Tun auf ihren Kopf kommen lassen, spricht Gott der HERR.

Die Herrlichkeit Gottes verlässt Jerusalem

22

11,22-23
Kap
Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und die Räder gingen mit, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. 23Und die Herrlichkeit des HERRN erhob sich aus der Stadt und stellte sich auf den Berg, der im Osten vor der Stadt liegt. 24Und
11,24
Kap
der Geist hob mich empor und brachte mich nach Chaldäa zu den Weggeführten in einem Gesicht durch den Geist Gottes. Und das Gesicht, das ich geschaut hatte, verschwand vor mir. 25Und ich sagte den Weggeführten alle Worte des HERRN, die er mir in Gesichten gezeigt hatte.

12

Die Wegführung von König und Volk wird in Gleichnishandlungen dargestellt

121Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, du wohnst in einem Haus des Widerspruchs;

12,2
Jer 5,21
sie haben wohl Augen, dass sie sehen könnten, und wollen nicht sehen, und Ohren, dass sie hören könnten, und wollen nicht hören; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs. 3Du aber, Menschenkind, pack dir Sachen wie für die Verbannung und zieh am hellen Tage fort vor ihren Augen. Von deinem Ort sollst du ziehen an einen andern Ort vor ihren Augen. Vielleicht merken sie es, denn sie sind ein Haus des Widerspruchs. 4Du sollst deine Sachen am hellen Tage vor ihren Augen herausschaffen wie Gepäck für die Verbannung und am Abend hinausziehen vor ihren Augen, wie man zur Verbannung auszieht, 5und du sollst dir vor ihren Augen ein Loch durch die Wand brechen und da hinausziehen, 6und du sollst deine Schulter vor ihren Augen beladen und hinausziehen, wenn es dunkel wird! Dein Angesicht sollst du verhüllen, damit du das Land nicht siehst. Denn ich habe dich für das Haus Israel zum
12,6
Kap
Wahrzeichen gesetzt.

7Und ich tat, wie mir befohlen war, und trug mein Gepäck hinaus wie Gepäck für die Verbannung am hellen Tage, und am Abend brach ich mit der Hand ein Loch durch die Wand. Und als es dunkel wurde, belud ich meine Schulter und zog hinaus vor ihren Augen.

8Und frühmorgens geschah des HERRN Wort zu mir: 9Du Menschenkind, hat das Haus Israel, das Haus des Widerspruchs, nicht zu dir gesagt: Was machst du da? 10Sage zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Diese Last trifft den Fürsten zu Jerusalem und das ganze Haus Israel, das dort wohnt. 11Sprich: Ich bin euer Wahrzeichen; wie ich getan habe, so wird ihnen geschehen: Fortziehen müssen sie und gefangen weggeführt werden. 12

12,12
2. Kön 25,4
Ihr Fürst wird seine Habe auf die Schulter laden, wenn es dunkel wird, und ein Loch durch die Wand brechen und da hinausziehen; sein Angesicht wird er verhüllen, dass er nicht mit seinen Augen das Land sehe. 13Und ich will
12,13
Kap
mein Netz über ihn werfen, dass er in meinem Garn gefangen werde, und will ihn nach Babel bringen in der Chaldäer Land,
12,13
Jer 39,7
das er jedoch nicht sehen wird, und dort soll er sterben. 14Und alle, die um ihn her sind, seine Helfer und seinen ganzen Anhang, will ich in alle Winde zerstreuen und das Schwert ziehen hinter ihnen her. 15Dann sollen sie erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich sie unter die Heiden verstoße und in die Länder zerstreue. 16Aber
12,16
Kap
ich will von ihnen einige wenige übrig lassen vor dem Schwert, dem Hunger und der Pest. Die sollen von all ihren Gräueltaten erzählen unter den Heiden, zu denen sie kommen werden; und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin.

17Und des HERRN Wort geschah zu mir: 18Du Menschenkind, du sollst dein Brot essen mit Beben und dein Wasser trinken mit Zittern und Sorgen. 19Und sage zum Volk des Landes: So spricht Gott der HERR zu den Einwohnern Jerusalems über das Land Israels: Sie müssen ihr Brot essen mit Sorgen und ihr Wasser trinken mit Schaudern; denn ihr Land soll wüst werden und leer von allem, was darin ist, um des Frevels willen all seiner Bewohner. 20Und die Städte, die bewohnt sind, sollen verwüstet werden und das Land öde; und ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin.

Gegen die Verächter der Weissagung

21Und des HERRN Wort geschah zu mir: 22Du Menschenkind, was habt ihr da für ein Gerede im Lande Israels? Ihr sagt:

12,22
2. Petr 3,4
»Es dauert so lange und es wird nichts aus der Weissagung.« 23Darum sage zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Ich will diesem Gerede ein Ende machen, dass man es nicht mehr im Munde führen soll in Israel. Sage vielmehr zu ihnen: Die Zeit ist nahe und
12,23
Hab 2,3
alles kommt, was geweissagt ist. 24Denn es soll hinfort keine trügenden Gesichte und keine falsche Offenbarung mehr geben im Hause Israel. 25Denn ich bin der HERR. Was ich rede, das soll geschehen und sich nicht lange hinausziehen, sondern in eurer Zeit, du Haus des Widerspruchs, rede ich ein Wort und tue es auch, spricht Gott der HERR.

26Und des HERRN Wort geschah zu mir: 27Du Menschenkind, siehe, das Haus Israel spricht: Mit den Gesichten, die dieser schaut, dauert’s noch lange, und er weissagt auf Zeiten, die noch ferne sind. 28Darum sage ihnen: So spricht Gott der HERR: Was ich rede, soll sich nicht lange hinausziehen, sondern es soll geschehen, spricht Gott der HERR.

13

Gegen die falschen Propheten

131Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, weissage gegen die Propheten Israels und sprich zu denen, die aus eigenem Antrieb heraus weissagen »Höret des HERRN Wort!«: 3So spricht Gott der HERR:

13,3
Jer 14,14
Weh den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen und haben doch keine Gesichte!

4

13,4-5
Kap
O Israel, deine Propheten sind wie die Füchse in den Trümmern! 5Sie sind nicht in die Bresche getreten und haben sich nicht zur Mauer gemacht um das Haus Israel, damit es fest steht im Kampf am
13,5
Jes 2,12
Tage des HERRN. 6Ihre Gesichte sind nichtig und ihr Wahrsagen ist Lüge.
13,6
Kap
Sie sprechen: »Der HERR hat’s gesagt«, und doch hat sie der HERR nicht gesandt, und sie warten darauf, dass er ihr Wort erfüllt. 7Ist’s nicht vielmehr so: Eure Gesichte sind nichtig und euer Wahrsagen ist lauter Lüge? Und ihr sprecht doch: »Der HERR hat’s geredet«, wo ich doch nichts geredet habe.

8Darum spricht Gott der HERR: Weil ihr Trug redet und Lügen wahrsagt, siehe, darum will ich an euch, spricht Gott der HERR. 9Und

13,9
Kap
meine Hand soll über die Propheten kommen, die Trug reden und Lügen wahrsagen. Sie sollen in der Gemeinschaft meines Volks nicht bleiben und in das Buch des Hauses Israel nicht eingeschrieben werden und ins Land Israels nicht kommen – und ihr sollt erfahren, dass ich Gott der HERR bin.

10Weil sie mein Volk verführen und sagen:

13,10
Jer 6,14
»Friede!«, wo doch kein Friede ist, und weil sie, wenn das Volk sich eine Wand baut, sie mit Kalk übertünchen, 11so sprich zu den Tünchern, die mit Kalk tünchen: »Die Wand wird einfallen!« Denn es wird ein Platzregen kommen und Hagel wie Steine fallen und ein Wirbelwind losbrechen. 12Siehe, da wird die Wand einfallen. Was gilt’s? Dann wird man zu euch sagen: Wo ist nun der Anstrich, den ihr darüber getüncht habt?

13Darum spricht Gott der HERR: Ich will einen Wirbelwind losbrechen lassen in meinem Grimm und einen Platzregen in meinem Zorn und Hagel wie Steine in vernichtendem Grimm. 14So will ich die Wand niederreißen, die ihr mit Kalk übertüncht habt, und will sie zu Boden stoßen, dass man ihren Grund sehen soll. Wenn sie fällt, sollt ihr auch darin umkommen. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. 15Und ich will meinen ganzen Grimm an der Wand auslassen und an denen, die sie mit Kalk übertüncht haben, und will zu euch sagen: Hier ist weder Wand noch Tüncher – 16das sind die Propheten Israels, die Jerusalem wahrsagen und predigen »Friede!«, wo doch kein Friede ist, spricht Gott der HERR.

Gegen falsche Prophetinnen

17Und du, Menschenkind, richte dein Angesicht gegen die Töchter deines Volks, die aus eigenem Antrieb als Prophetinnen auftreten, und weissage gegen sie 18und sprich: So spricht Gott der HERR: Weh euch, die ihr Binden näht für alle Handgelenke und Hüllen für die Köpfe der Jungen und Alten, um Seelen damit zu fangen! Wollt ihr Seelen fangen in meinem Volk und Seelen für euch am Leben erhalten? 19Ihr entheiligt mich bei meinem Volk für eine Hand voll Gerste und einen Bissen Brot, dadurch dass ihr Seelen tötet, die nicht sterben sollten, und Seelen am Leben erhaltet, die nicht leben sollten, durch euer Lügen unter meinem Volk, das so gern Lügen hört.

20Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich will über eure Binden kommen, mit denen ihr die Seelen fangt, und will sie von euren Armen reißen und die Seelen, die ihr gefangen habt, befreien. 21Und ich will eure Hüllen wegreißen und mein Volk aus eurer Hand erretten, dass ihr sie nicht mehr fangen könnt. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. 22Weil ihr das Herz der Gerechten betrübt habt, die ich nicht betrübt habe, und

13,22
Jer 23,14
die Hände der Gottlosen gestärkt habt, damit sie sich von ihrem bösen Wandel nicht bekehren, um ihr Leben zu retten: 23darum sollt ihr nicht mehr Trug predigen und wahrsagen, sondern ich will mein Volk aus euren Händen erretten und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin.