Lutherbibel 1984 (LU84)
1

11Dies ist der Inhalt des Buches, das

1,1
Jer 36,4
Baruch, der Sohn Nerijas, des Sohnes Machsejas, des Sohnes Zidkijas, des Sohnes Hasadjas, des Sohnes Hilkijas, niedergeschrieben hat in Babel 2im fünften Jahr, am siebenten Tage des Monats, in dem die Chaldäer
1,2
2. Kön 25,8-9
Jerusalem erobert und mit Feuer verbrannt hatten.

Die Geldsammlung der Juden und ihr Brief nach Jerusalem

3

1,3-4
2. Kön 24,610-16
Und Baruch las dies Buch vor den Ohren Jechonjas,1,3 Jechonja = Jojachin (2. Kön 24,6). des Sohnes Jojakims, des Königs von Juda, und vor den Ohren des ganzen Volks, das dazukam, 4und vor den Ohren der Oberen und der Söhne der Könige und vor den Ältesten und vor dem ganzen Volk, Klein und Groß, das in Babel am Fluss Sud wohnte.

5Und sie weinten, fasteten und beteten vor dem Herrn 6und legten Geld zusammen, so viel wie jeder vermochte, 7und sandten es hin nach Jerusalem zu dem Priester Jojakim, dem Sohn Hilkijas, des Sohnes Schallums, und zu den andern Priestern und zu dem ganzen Volk, das bei ihm in Jerusalem war.

8Das geschah, nachdem Baruch am zehnten Tag des Monats Siwan die Gefäße des Hauses des Herrn, die aus dem Tempel weggenommen worden waren, empfangen hatte, damit sie wieder ins Land Juda gebracht würden: nämlich die silbernen Gefäße, die

1,8
2. Kön 24,17
Zedekia, der König von Juda, der Sohn des Josia, hatte machen lassen, 9als Nebukadnezar, der König von Babel, den Jechonja und die Oberen und die Schmiede und die Mächtigen und das Volk des Landes aus Jerusalem weggeführt und sie nach Babel gebracht hatte.

10Und sie schrieben ihnen: Siehe, wir senden euch Geld; dafür kauft Brandopfer, Sündopfer und Weihrauch und richtet Speisopfer zu und opfert auf dem Altar des Herrn, unseres Gottes. 11

1,11-12
1. Tim 2,1-2
Und
1,11
Jer 29,7
betet für das Leben Nebukadnezars, des Königs von Babel, und für das Leben
1,11
Dan 5,1-2
Belsazars, seines Sohnes, dass ihre Tage seien wie die Tage des Himmels über der Erde. 12So wird der Herr uns Kraft geben und unsere Augen hell machen, und wir werden leben unter dem Schatten Nebukadnezars, des Königs von Babel, und unter dem Schatten Belsazars, seines Sohnes, und ihnen lange Zeit dienen und Gnade vor ihnen finden. 13
1,13
Jak 5,14-16
Betet auch für uns zu dem Herrn, unserm Gott; denn wir haben uns versündigt an dem Herrn, unserm Gott, und sein Grimm und Zorn hat sich nicht von uns gewandt bis auf den heutigen Tag.

14Und lest dies Buch vor; denn wir haben es darum zu euch gesandt, damit ihr’s im Hause des Herrn vorlesen sollt am Feiertag und an andern Festtagen, 15und sprecht:

Bußgebet

(vgl. Dan 9,4-19)

Der Herr, unser Gott, ist gerecht; wir aber tragen heute mit Recht unsre Schande, wir, die Männer von Juda und die Einwohner von Jerusalem 16und unsre Könige, unsre Oberen, unsre Priester, unsre Propheten und unsre Väter, 17weil wir vor dem Herrn gesündigt und ihm nicht geglaubt haben 18und nicht gehorcht der Stimme des Herrn, unsres Gottes, nach seinen Geboten zu leben, die er uns gegeben hat. 19Ja, von der Zeit an, da der Herr unsre Väter aus Ägyptenland geführt hat, bis auf den heutigen Tag sind wir dem Herrn, unserm Gott, ungehorsam gewesen und haben es verachtet, seiner Stimme zu gehorchen.

1,19
Ps 106,6-43

20Darum sind nun über uns die Strafe und der

1,20
5. Mose 28,15-68
Fluch gekommen, die der Herr durch Mose, seinen Knecht, angekündigt hat, als der Herr unsre Väter aus Ägyptenland führte, um uns ein Land zu geben, in dem Milch und Honig fließt. 21Und wir gehorchten nicht der Stimme des Herrn, unsres Gottes, wie sie uns die Propheten sagten, die er zu uns sandte;
1,21
Jer 25,4
22sondern jeder trieb es weiter nach den Gedanken
1,22
Jer 11,8
seines bösen Herzens, und wir dienten fremden Göttern und taten, was böse war vor dem Herrn, unserm Gott.

2

21Und der Herr hat sein Wort gehalten, das er gegen uns geredet hat und gegen unsre Richter, Könige und Obere, die Israel regierten, und gegen Israel und Juda, 2

2,2-3
5. Mose 28,53
und er hat eine so große Strafe über uns ergehen lassen, dass unter dem ganzen Himmel nie geschehen ist, was über Jerusalem ergangen ist, wie geschrieben steht im Gesetz des Mose, 3dass jeder von uns das Fleisch seines Sohnes und seiner Tochter essen soll. 4Und er machte sie zu Sklaven in allen Königreichen ringsumher, zur Schmach und zum Fluch bei allen Völkern um uns, unter die sie der Herr zerstreut hat. 5Und sie werden immer unterdrückt und können nicht mehr hochkommen; denn wir haben uns versündigt an dem Herrn, unserm Gott, indem wir seiner Stimme nicht gehorcht haben.

6Der Herr, unser Gott, ist gerecht; wir aber und unsre Väter tragen heute mit Recht unsre Schande. 7Alles Unglück, das der Herr gegen uns geredet hat, ist über uns gekommen. 8Wir haben ja auch nicht gefleht zu dem Herrn, dass sich jeder abgewandt hätte von den Gedanken seines bösen Herzens. 9Doch

2,9
Jer 44,27
der Herr hat dies Unglück gewollt und hat’s über uns kommen lassen. Denn der Herr ist gerecht in allen seinen Werken, die er uns geboten hat; 10wir aber gehorchten seiner Stimme nicht und lebten nicht nach den Geboten des Herrn, die er uns gegeben hat.

11Und nun, Herr, Gott Israels, der du dein Volk aus Ägyptenland geführt hast mit starker Hand, durch Zeichen und Wunder, mit großer Macht und hoher Gewalt, und dir einen Namen gemacht hast, so wie es heute ist: 12Ach Herr, unser Gott, wir haben ja gesündigt und sind gottlos gewesen und haben Unrecht getan gegen alle deine Gebote. 13Lass ab von deinem Grimm über uns; denn nur noch wenige von uns sind übrig geblieben unter den Heiden, unter die du uns zerstreut hast.

14Erhöre, Herr, unser Gebet und unser Flehen und hilf uns um deinetwillen; lass uns Gnade finden bei denen, die uns weggeführt haben, 15damit alle Welt erkennt, dass du, Herr, unser Gott bist; denn Israel und seine Nachkommen sind ja nach dir genannt. 16

2,16
5. Mose 26,15
Sieh herab, Herr, von deinem heiligen Haus und denke doch an uns; neige, Herr, dein Ohr und höre doch; 17tu deine Augen auf, Herr, und sieh doch! Denn
2,17
Ps 6,6
nicht die Toten in der Unterwelt, deren Lebensodem aus ihrem Leibe gewichen ist, rühmen die Herrlichkeit und Gerechtigkeit des Herrn; 18sondern die leben und
2,18
Ps 74,21
sehr betrübt, gebeugt und schwach sind, mit ausgeweinten Augen und hungriger Seele, die rühmen, Herr, deine Herrlichkeit und Gerechtigkeit.

19Und nun, Herr, unser Gott, liegen wir vor dir mit unserm Gebet, nicht wegen der Gerechtigkeit unsrer Väter und unsrer Könige; 20denn du hast deinen Grimm und Zorn über uns ergehen lassen, wie du geredet hast durch die Propheten, deine Knechte: 21So spricht der Herr:

2,21
Jer 27,11-12
Beugt eure Schultern und seid untertan dem König von Babel, so werdet ihr im Lande bleiben, das ich euren Vätern gegeben habe; 22
2,22-23
Jer 25,8-11
wenn ihr aber der Stimme des Herrn nicht gehorchen und dem König von Babel nicht untertan sein werdet, 23so will ich von den Städten Judas und von Jerusalem den Jubel der Freude und Wonne und die Stimme des Bräutigams und der Braut wegnehmen, und das ganze Land soll wüst werden und niemand darin wohnen.

24Wir aber gehorchten deiner Stimme nicht und wurden dem König von Babel nicht untertan. Darum hast du dein Wort gehalten, das du geredet hast durch die Propheten, deine Knechte,

2,24
Jer 8,1-2
dass man die Gebeine unsrer Könige und die Gebeine unsrer Väter aus ihren Gräbern geworfen und zerstreut hat, 25sodass sie am Tag in der Sonne und des Nachts im Tau gelegen haben. So sind sie jämmerlich umgekommen durch Hunger, Schwert und Pest. 26Und um der Missetat willen des Hauses Israel und des Hauses Juda hast du dein Haus, das nach deinem Namen genannt war, so zerstören lassen, wie es jetzt ist.

27Und du, Herr, unser Gott, bist sehr gnädig und barmherzig mit uns umgegangen, 28

2,28-35
5. Mose 31,24-29
4,25-31
30,1-6
wie du durch Mose, deinen Knecht, geredet hast an dem Tag, als du ihm gebotest, dein Gesetz vor den Israeliten zu schreiben, und sprachst: 29Wenn ihr meiner Stimme nicht gehorchen werdet, so wird gewiss diese große und zahlreiche Menge ganz klein werden unter den Heiden, unter die ich sie zerstreuen will. 30Denn ich weiß genau, dass sie mir nicht gehorchen werden; denn es ist ein halsstarriges Volk.

Sie werden aber in dem Land, in dem sie gefangen sind, in sich gehen 31und erkennen, dass ich, der Herr, ihr Gott bin. Und ich will ihnen ein verständiges Herz geben und Ohren, die hören. 32Dann werden sie mich preisen in dem Land, in dem sie gefangen sind, und an meinen Namen denken 33und sich von ihrer Hartnäckigkeit und von ihren Sünden abkehren. Denn sie werden daran denken, wie es ihren Vätern ergangen ist, die vor dem Herrn sündigten. 34Und ich will sie zurückbringen in das Land, das ich ihren Vätern Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen habe, und sie sollen darin herrschen, und ich will sie mehren und nicht mindern. 35Und ich will

2,35
Jer 31,31-33
einen ewigen Bund mit ihnen aufrichten, dass ich ihr Gott sein will und sie mein Volk; und ich will mein Volk Israel nicht mehr aus dem Land vertreiben, das ich ihnen gegeben habe.

3

31Allmächtiger Herr, du Gott Israels, in Angst und Not schrei ich zu dir: 2Höre und sei gnädig, Herr; denn wir haben vor dir gesündigt! 3Du regierst in Ewigkeit; wir aber vergehen für immer.

4Allmächtiger Herr, du Gott Israels, höre nun das Gebet der Israeliten, die dem Tod im Rachen stecken, und das Gebet der Söhne, die sich an dir versündigt und der Stimme des Herrn, ihres Gottes, nicht gehorcht haben; darum ist auch die Strafe stets hinter uns her gewesen. 5Denke nicht an die Missetaten unsrer Väter, sondern denke jetzt an die Taten deiner Hand und an deinen Namen!

6Denn du bist ja der Herr, unser Gott; und wir wollen, Herr, dich loben. 7Denn darum hast du die Furcht vor dir in unser Herz gegeben, damit wir deinen Namen anrufen und dich in unserer Gefangenschaft loben. Denn alle Missetaten unsrer Väter, die vor dir gesündigt haben, haben wir aus unserm Herzen getilgt, 8wir, die jetzt in Gefangenschaft sind, in die du uns verstoßen hast zur Schmach, zum Fluch und zur Strafe für alle Missetaten unsrer Väter, die von dem Herrn, ihrem Gott, abgewichen sind.

Umkehr zur Weisheit

9

3,9-13
5. Mose 30,15-20
Höre, Israel, die Gebote des Lebens; achtet gut darauf, dass ihr Klugheit lernt! 10Wie kommt es, Israel, dass du im Land deiner Feinde bist, 11dass du in einem fremden Land alt wirst, dass du
3,11
4. Mose 19,11
dich unrein machst unter den Toten, dass du zu denen gerechnet wirst, die in die Grube fahren? 12Das ist die Ursache: weil du die
3,12
Sir 1,5
Spr 13,14
14,27
Quelle der Weisheit verlassen hast. 13Wärst du auf Gottes Weg geblieben, du hättest wohl immer im Frieden gewohnt.

14So lerne nun, wo es rechte Weisheit, Tüchtigkeit und Einsicht gibt, damit du zugleich erfährst, wo es langes Leben und Glück, leuchtende Augen und Frieden gibt. 15

3,15-23
Hiob 28,1-28
Wer weiß, wo die Weisheit wohnt? Wer ist in ihre Schatzkammern gekommen? 16Wo sind die Fürsten der Völker und die, die über die Tiere auf Erden herrschen, 17die mit den Vögeln unter dem Himmel spielen, die Silber und Gold sammeln, worauf die Menschen ihr Vertrauen setzen und wovon sie nie genug haben können, 18die das Silber bearbeiten und sich darum mühen und deren Werke nicht zu begreifen sind?

19Sie sind verschwunden und zu den Toten gefahren, und andere sind an ihre Stelle getreten. 20Die Nachkommen sahen zwar das Licht und wohnten auf dem Erdboden und fanden doch den Weg der Weisheit nicht 21und erkannten die Pfade nicht, die zu ihr führen; auch ihre Kinder erfassten sie nicht und sind irregegangen. 22

3,22-23
Jer 49,7
Hiob 4,1
In Kanaan hörte man nichts von ihr; in Teman sah man sie nicht. 23Die Kinder Hagars forschten der irdischen Weisheit zwar nach, die Kaufleute von Midian und Teman dichteten zwar Fabeln und strebten nach Einsicht; aber sie fanden doch den Weg zur Weisheit nicht, und an ihre Pfade dachten sie nicht.

24O Israel, wie groß ist das Haus Gottes! Wie weit ist die Stätte, die er besitzt!

3,24
Jes 66,1-2
25Sie ist groß und hat kein Ende und ist unermesslich hoch. 26
3,26-28
1. Mose 6,4
5. Mose 2,10-1220-21
Da waren vorzeiten Riesen, große, berühmte Leute und gute Krieger; 27die hat der Herr nicht erwählt noch ihnen den Weg der Erkenntnis offenbart. 28Und weil sie die Weisheit nicht hatten, sind sie untergegangen in ihrer Torheit.

29

3,29-30
5. Mose 30,11-14
Wer ist zum Himmel gefahren und hat sie geholt und aus den Wolken herabgebracht? 30Wer ist übers Meer gefahren und hat sie gefunden und für kostbares Gold hergebracht? 31Es gibt niemand, der den Weg weiß, wo man die Weisheit findet, noch über den Pfad zu ihr nachdenkt.

32Der aber alle Dinge weiß, kennt die Weisheit und hat sie durch seinen Verstand gefunden, er, der die Erde

3,32
Jes 66,22
auf ewige Zeit gegründet und sie mit vielerlei Tieren erfüllt hat, 33
3,33-35
Hiob 38,35
Sir 43,9-11
der den Blitz sendet und er fährt dahin, und wenn er ihn zurückruft, so gehorcht er mit Zittern. 34Die Sterne leuchten in ihrer Ordnung mit Freuden, und wenn er sie ruft, antworten sie: 35Hier sind wir!, und leuchten mit Freuden für den, der sie geschaffen hat. 36Das ist unser Gott, und keiner ist ihm zu vergleichen. 37Er hat jeden Weg der Erkenntnis gefunden und hat sie Jakob, seinem Diener, und Israel, seinem Geliebten, gegeben. 38Danach ist sie auf Erden erschienen und
3,38
Sir 24,7-13
hat bei den Menschen gewohnt.