Lutherbibel 1984 (LU84)
17

In Thessalonich

171Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach

17,1
1. Thess 2,2
Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden. 2Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift, 3tat sie ihnen auf und legte ihnen dar,
17,3
Lk 24,26-2745-46
dass Christus leiden musste und von den Toten auferstehen und dass dieser Jesus, den ich – so sprach er – euch verkündige, der Christus ist. 4Einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und
17,4
1. Thess 1,1
2. Thess 1,1
Silas an, auch eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen, dazu nicht wenige von den angesehensten Frauen.

5Aber die Juden ereiferten sich und holten sich einige üble Männer aus dem Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um sie vor das Volk zu führen. 6Sie fanden sie aber nicht. Da schleiften sie Jason und einige Brüder vor die Oberen der Stadt und schrien: Diese,

17,6
Kap
die den ganzen Weltkreis erregen, sind jetzt auch hierher gekommen; 7die beherbergt Jason. Und diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen,
17,7
Lk 23,2
ein anderer sei König, nämlich Jesus. 8So brachten sie das Volk auf und die Oberen der Stadt, die das hörten. 9Und erst nachdem ihnen von Jason und den andern Bürgschaft geleistet war, ließen sie sie frei.

In Beröa

10Die Brüder aber schickten noch in derselben Nacht Paulus und Silas nach Beröa. Als sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden. 11Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und

17,11
Joh 5,39
forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte. 12So glaubten nun viele von ihnen, darunter nicht wenige von den vornehmen griechischen Frauen und Männern. 13Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, dass auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie und erregten Unruhe und verwirrten auch dort das Volk.

14Da schickten die Brüder Paulus sogleich weiter bis an das Meer; Silas und

17,14
Kap
Timotheus aber blieben zurück. 15Die aber Paulus geleiteten, brachten ihn bis nach Athen. Und nachdem sie den Auftrag empfangen hatten, dass Silas und Timotheus so schnell wie möglich zu ihm kommen sollten, kehrten sie zurück.

In Athen

16Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah. 17Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. 18Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen nämlich

17,18
1. Kor 4,12
das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt. 19Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag17,19 Siehe Sach- und Worterklärungen. und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? 20Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. 21Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.

22Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde,

17,24
1. Kön 8,27
wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer,
17,25
Ps 50,9-12
der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und
17,26
5. Mose 32,8
er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr,
17,27
Jes 55,6
er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29Da wir nun
17,29
1. Mose 1,27
göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen,
17,29
Jes 40,18
die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

30Zwar hat Gott über die

17,30
Kap
Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber
17,30
Lk 24,47
gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis
17,31
Kap
richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 33So ging Paulus von ihnen. 34Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

18

In Korinth

181Danach verließ Paulus Athen und kam nach Korinth 2und fand einen Juden mit Namen

18,2
Röm 16,3
Aquila, aus Pontus gebürtig; der war mit seiner Frau Priszilla kürzlich aus Italien gekommen, weil Kaiser Klaudius allen Juden geboten hatte, Rom zu verlassen. Zu denen ging Paulus. 3Und weil er das gleiche Handwerk hatte, blieb er bei ihnen und
18,3
Kap
arbeitete mit ihnen; sie waren nämlich von Beruf Zeltmacher. 4Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und überzeugte Juden und Griechen. 5Als aber
18,5
Kap
Silas und Timotheus aus Mazedonien kamen, richtete sich Paulus ganz auf die Verkündigung des Wortes und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus ist. 6Als sie aber widerstrebten und lästerten,
18,6
Kap
schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt;
18,6
Kap
ohne Schuld gehe ich von nun an zu den Heiden.

7Und er machte sich auf von dort und kam in das Haus eines Mannes mit Namen Titius Justus, eines Gottesfürchtigen; dessen Haus war neben der Synagoge. 8

18,8
1. Kor 1,14
Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause, und auch viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.

9

18,9-10
Jer 1,8
Es sprach aber der Herr durch eine Erscheinung in der Nacht zu Paulus:
18,9
1. Kor 2,3
Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! 10Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn
18,10
Joh 10,16
ich habe ein großes Volk in dieser Stadt. 11Er blieb aber dort ein Jahr und sechs Monate und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.

12Als aber Gallio Statthalter in Achaja war, empörten sich die Juden einmütig gegen Paulus und führten ihn vor den Richterstuhl 13und sprachen: Dieser Mensch überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetz zuwider. 14

18,14-15
Kap
Als aber Paulus den Mund auftun wollte, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es um einen Frevel oder ein Vergehen ginge, ihr Juden, so würde ich euch anhören, wie es recht ist; 15weil es aber Fragen sind über Lehre und Namen und das Gesetz bei euch, so seht ihr selber zu; ich gedenke, darüber nicht Richter zu sein.
18,15
Joh 18,31
16Und er trieb sie weg von dem Richterstuhl. 17Da ergriffen sie alle Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl und Gallio kümmerte sich nicht darum.

Die Rückkehr nach Antiochia

18Paulus aber blieb noch eine Zeit lang dort. Danach nahm er Abschied von den Brüdern und wollte nach Syrien fahren und mit ihm Priszilla und Aquila. Zuvor

18,18
Kap
ließ er sich in Kenchreä sein Haupt scheren, denn er hatte ein Gelübde getan.

19Und sie kamen nach Ephesus und er ließ die beiden dort zurück; er aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden. 20Sie baten ihn aber, dass er längere Zeit bei ihnen bleibe. Doch er willigte nicht ein, 21sondern nahm Abschied von ihnen und sprach:

18,21
Jak 4,15
Will’s Gott, so will ich wieder zu euch kommen. Und er fuhr weg von Ephesus 22und kam nach Cäsarea und
18,22
Kap
ging hinauf nach Jerusalem und grüßte die Gemeinde und zog hinab nach Antiochia.

Der Beginn der dritten Missionsreise

23Und nachdem er einige Zeit geblieben war, brach er wieder auf und durchzog nacheinander das galatische Land und Phrygien und stärkte alle Jünger.

Apollos in Ephesus

24Es kam aber nach Ephesus ein Jude mit Namen

18,24
1. Kor 3,5-6
Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann und gelehrt in der Schrift. 25Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig von Jesus, wusste aber nur von der
18,25
Kap
Taufe des Johannes. 26Er fing an, frei und offen zu predigen in der Synagoge. Als ihn Aquila und Priszilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer aus. 27Als er aber nach Achaja reisen wollte, schrieben die Brüder an die Jünger dort und empfahlen ihnen, ihn aufzunehmen. Und als er dahin gekommen war, half er denen viel, die gläubig geworden waren durch die Gnade. 28Denn er widerlegte die Juden kräftig und
18,28
Kap
erwies öffentlich durch die Schrift, dass Jesus der Christus ist.

19

Paulus in Ephesus

191Es geschah aber, als Apollos in Korinth war, dass Paulus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand. 2Zu denen sprach er:

19,2
Kap
Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. 3Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. 4Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.
19,4
Mt 3,11
5Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. 6Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und weissagten.
19,6
Kap
7Es waren aber zusammen etwa zwölf Männer.

8Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes. 9Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. 10Und das geschah zwei Jahre lang, sodass alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen.

11Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus.

19,11
Kap
12So hielten sie auch die Schweißtücher und andere Tücher, die er auf seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die Krankheiten wichen von ihnen und die bösen Geister fuhren aus.
19,12
Kap

13Es

19,13
Lk 9,49
unterstanden sich aber einige von den Juden, die als Beschwörer umherzogen, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt. 14Es waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters mit Namen Skevas, die dies taten. 15Aber der böse Geist antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich wohl und von Paulus weiß ich wohl; aber wer seid ihr? 16Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, dass sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. 17Das aber wurde allen bekannt, die in Ephesus wohnten, Juden und Griechen; und Furcht befiel sie alle und der Name des Herrn Jesus wurde hochgelobt.

18Es kamen auch viele von denen, die gläubig geworden waren, und bekannten und verkündeten, was sie getan hatten. 19Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silbergroschen. 20So breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn und wurde mächtig.

19,20
Kap

21Als das geschehen war, nahm sich Paulus im Geist vor, durch Mazedonien und Achaja zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, und sprach: Wenn ich dort gewesen bin, muss ich auch

19,21
Kap
Rom sehen. 22Und er sandte zwei, die ihm dienten, Timotheus und
19,22
2. Tim 4,20
Erastus, nach Mazedonien; er aber blieb noch eine Weile in der Provinz Asien.

Der Aufruhr des Demetrius

23Es erhob sich aber um diese Zeit

19,23
2. Kor 1,8-9
eine nicht geringe Unruhe über den neuen Weg. 24Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, machte silberne Tempel der Diana19,24 Siehe Sach- und Worterklärungen. und verschaffte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn. 25Diese und die Zuarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisst, dass wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben; 26und ihr seht und hört, dass nicht allein in Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Provinz Asien dieser Paulus viel Volk abspenstig macht, überredet und spricht: Was mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter. 27Aber es droht nicht nur unser Gewerbe in Verruf zu geraten, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden und zudem wird ihre göttliche Majestät untergehen, der doch die ganze Provinz Asien und der Weltkreis Verehrung erweist. 28Als sie das hörten, wurden sie von Zorn erfüllt und schrien: Groß ist die Diana der Epheser! 29Und die ganze Stadt wurde voll Getümmel; sie stürmten einmütig zum Theater und ergriffen
19,29
Kap
Gajus und Aristarch aus Mazedonien, die Gefährten des Paulus.

30Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen’s ihm die Jünger nicht zu. 31Auch einige der Oberen der Provinz Asien, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, sich nicht zum Theater zu begeben. 32Dort schrien die einen dies, die andern das, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren. 33Einige aber aus der Menge unterrichteten den Alexander, den die Juden vorschickten. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte sich vor dem Volk verantworten. 34Als sie aber innewurden, dass er ein Jude war, schrie alles wie aus einem Munde fast zwei Stunden lang: Groß ist die Diana der Epheser!

35Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht weiß, dass die Stadt Ephesus eine Hüterin der großen Diana ist und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist? 36Weil das nun unwidersprechlich ist, sollt ihr euch ruhig verhalten und nichts Unbedachtes tun. 37Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer unserer Göttin sind. 38Haben aber Demetrius und die mit ihm vom Handwerk sind einen Anspruch an jemanden, so gibt es Gerichte und Statthalter; da lasst sie sich untereinander verklagen. 39Wollt ihr aber darüber hinaus noch etwas, so kann man es in einer ordentlichen Versammlung entscheiden. 40Denn wir stehen in Gefahr, wegen der heutigen Empörung verklagt zu werden, ohne dass ein Grund vorhanden ist, mit dem wir diesen Aufruhr entschuldigen könnten. Und als er dies gesagt hatte, ließ er die Versammlung gehen.