Lutherbibel 1984 (LU84)
14

In Ikonion

141Es geschah aber in Ikonion, dass sie wieder in die Synagoge der Juden gingen und so predigten, dass eine große Menge Juden und Griechen gläubig wurde. 2Die Juden aber, die ungläubig blieben, stifteten Unruhe und hetzten die Seelen der Heiden auf gegen die Brüder. 3Dennoch blieben sie eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und

14,3
Kap
ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände. 4Die Menge in der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten’s mit den Juden und die andern mit den Aposteln. 5Als sich aber ein Sturm erhob bei den Heiden und Juden und ihren Oberen und sie sie misshandeln und steinigen wollten,
14,5
2. Tim 3,11
6merkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, nach Lystra und Derbe, und in deren Umgebung 7und predigten dort das Evangelium.

In Lystra

8Und es war ein Mann in Lystra, der hatte schwache Füße und konnte nur sitzen; er war gelähmt von Mutterleib an und hatte noch nie gehen können. 9Der hörte Paulus reden. Und als dieser ihn ansah und merkte, dass

14,9
Mt 9,28
er glaubte, ihm könne geholfen werden, 10sprach er mit lauter Stimme: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher. 11Als aber das Volk sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und riefen auf Lykaonisch:
14,11
Kap
Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herabgekommen. 12Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte. 13Und der Priester des Zeus aus dem Tempel vor ihrer Stadt brachte Stiere und Kränze vor das Tor und wollte opfern samt dem Volk.

14Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk und schrien: 15Ihr Männer, was macht ihr da?

14,15
Kap
Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. 16Zwar hat er in den vergangenen Zeiten alle Heiden ihre eigenen Wege gehen lassen;
14,16
Kap
17und doch hat er sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. – 18Und obwohl sie das sagten, konnten sie kaum das Volk davon abbringen, ihnen zu opfern.

19Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden dorthin und überredeten das Volk und

14,19
2. Kor 11,25
2. Tim 3,11
steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus und meinten, er wäre gestorben. 20Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.

Die Rückkehr nach Antiochia in Syrien

Am nächsten Tag zog er mit Barnabas weiter nach Derbe; 21und sie predigten dieser Stadt das Evangelium und machten viele zu Jüngern. Dann kehrten sie zurück nach Lystra und Ikonion und Antiochia, 22stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele

14,22
Röm 5,3-5
1. Thess 3,3
Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen. 23Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein,
14,23
Kap
beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren. 24Und sie zogen durch Pisidien und kamen nach Pamphylien 25und sagten das Wort in Perge und zogen hinab nach Attalia.

26Und von da fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia,

14,26
Kap
wo sie der Gnade Gottes befohlen worden waren zu dem Werk, das sie nun ausgerichtet hatten. 27Als sie aber dort ankamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündeten, wie viel Gott durch sie getan und wie er den Heiden
14,27
1. Kor 16,9
die Tür des Glaubens aufgetan hätte. 28Sie blieben aber dort eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.

15

Die Apostelversammlung in Jerusalem

151Und einige kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.

15,1
Gal 5,2
2Als nun Zwietracht entstand und Paulus und Barnabas einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordnete man an,
15,2
Gal 2,1
dass Paulus und Barnabas und einige andre von ihnen nach Jerusalem hinaufziehen sollten zu den Aposteln und Ältesten um dieser Frage willen. 3Und sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten von der Bekehrung der Heiden und machten damit allen Brüdern große Freude.

4Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie empfangen von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. Und sie verkündeten, wie viel Gott durch sie getan hatte. 5Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten. 6Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, über diese Sache zu beraten.

7Als man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisst, dass Gott vor langer Zeit unter euch bestimmt hat, dass

15,7
Kap
durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten. 8Und Gott, der die Herzen kennt, hat es bezeugt und ihnen den Heiligen Geist gegeben wie auch uns, 9und er hat keinen Unterschied gemacht zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben. 10Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, dass ihr
15,10
Mt 23,4
Gal 5,1
ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können? 11Vielmehr glauben wir,
15,11
Gal 2,16
Eph 2,4-10
durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, ebenso wie auch sie. 12Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.

13Danach, als sie schwiegen, antwortete

15,13
Kap
Jakobus und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, hört mir zu! 14Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Heiden gnädig heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk für seinen Namen zu gewinnen. 15Und dazu stimmen die Worte der Propheten, wie geschrieben steht (Am 9,11-12): 16»Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und will sie aufrichten, 17damit die Menschen, die übrig geblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, 18der tut, was von alters her bekannt ist.« 19Darum meine ich, dass man denen von den Heiden, die sich zu Gott bekehren, nicht Unruhe mache, 20sondern ihnen vorschreibe, dass sie sich enthalten sollen
15,20
3. Mose 19,4
von Befleckung durch Götzen und
15,20
3. Mose 19,29
von Unzucht15,20 Siehe Sach- und Worterklärungen. und vom Erstickten und
15,20
3. Mose 3,17
vom Blut. 21Denn Mose hat von alten Zeiten her in allen Städten solche, die ihn predigen, und
15,21
Kap
wird alle Sabbattage in den Synagogen gelesen.

Die Beschlüsse der Apostelversammlung

22Und die Apostel und Ältesten beschlossen samt der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Beinamen Barsabbas und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern. 23Und sie gaben ein Schreiben in ihre Hand, also lautend:

Wir, die Apostel und Ältesten, eure Brüder, wünschen Heil den Brüdern aus den Heiden in Antiochia und Syrien und Zilizien. 24Weil wir gehört haben, dass einige von den Unsern, denen wir doch nichts befohlen hatten, euch mit Lehren irregemacht und eure Seelen verwirrt haben, 25so haben wir, einmütig versammelt, beschlossen, Männer auszuwählen und zu euch zu senden mit unsern geliebten Brüdern Barnabas und Paulus, 26Männer, die ihr Leben eingesetzt haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus. 27So haben wir Judas und Silas gesandt, die euch mündlich dasselbe mitteilen werden. 28Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: 29dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!

Die Benachrichtigung der Gemeinde in Antiochia

30Als man sie hatte gehen lassen, kamen sie nach Antiochia und versammelten die Gemeinde und übergaben den Brief. 31Als sie ihn lasen, wurden sie über den Zuspruch froh. 32Judas aber und Silas, die selbst

15,32
Kap
Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Reden und stärkten sie. 33Und als sie eine Zeit lang dort verweilt hatten, ließen die Brüder sie mit Frieden gehen zu denen, die sie gesandt hatten.15,33 Vers 34 findet sich erst in der späteren Überlieferung: »Es gefiel aber Silas, dort zu bleiben.« 35Paulus und Barnabas aber blieben in Antiochia, lehrten und predigten mit vielen andern das Wort des Herrn.

Der Beginn der zweiten Missionsreise

36Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen und nach unsern Brüdern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht. 37Barnabas aber wollte, dass sie auch

15,37
Kap
Johannes mit dem Beinamen Markus mitnähmen. 38Paulus aber hielt es nicht für richtig, jemanden mitzunehmen, der sie
15,38
Kap
in Pamphylien verlassen hatte und nicht mit ihnen ans Werk gegangen war. 39Und sie kamen scharf aneinander, sodass sie sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und fuhr nach Zypern. 40Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen. 41Er zog aber durch Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden.

16

In Kleinasien

161Er kam auch nach Derbe und Lystra; und siehe, dort war ein Jünger mit Namen

16,1
Kap
Timotheus, der Sohn
16,1
2. Tim 1,5
einer jüdischen Frau, die gläubig war, und eines griechischen Vaters. 2Der hatte einen guten Ruf bei den Brüdern in Lystra und Ikonion. 3Diesen wollte Paulus mit sich ziehen lassen und er nahm ihn und
16,3
Gal 2,3
beschnitt ihn wegen der Juden, die in jener Gegend waren; denn sie wussten alle, dass sein Vater ein Grieche war.

4Als sie aber durch die Städte zogen, übergaben sie ihnen

16,4
Kap
die Beschlüsse, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem gefasst worden waren, damit sie sich daran hielten. 5Da wurden die Gemeinden im Glauben gefestigt und nahmen täglich zu an Zahl.

6Sie zogen aber

16,6
Kap
durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort zu predigen in der Provinz Asien. 7Als sie aber bis nach Mysien gekommen waren, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; doch der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu. 8Da zogen sie durch Mysien und kamen hinab nach Troas.

Der Ruf nach Mazedonien

9Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! 10Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.

In Philippi

11Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis 12und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt. 13Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.

Die Bekehrung der Lydia

14Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde. 15Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.

Die Magd mit dem Wahrsagegeist

16Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen. 17Die folgte Paulus und uns überall hin und schrie: Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen.

16,17
Mk 1,2434
18Das tat sie viele Tage lang. Paulus war darüber so aufgebracht, dass er sich umwandte und zu dem Geist sprach: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst.
16,18
Mk 16,17
Und er fuhr aus zu derselben Stunde.

19Als aber ihre Herren sahen, dass damit ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Oberen 20

16,20
Kap
und führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden 21und verkünden Ordnungen, die wir weder annehmen noch einhalten dürfen, weil wir Römer sind. 22Und das Volk wandte sich gegen sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herunterreißen und befahlen, sie
16,22
2. Kor 11,25
Phil 1,30
1. Thess 2,2
mit Stöcken zu schlagen.

Paulus und Silas im Gefängnis

23Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. 24Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.

25Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie. 26Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab. 27Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. 28Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!

29Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. 30Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren,

16,30
Kap
was muss ich tun, dass ich gerettet werde? 31Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! 32Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. 33Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen 34und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

35Als es aber Tag geworden war, sandten die Stadtrichter die Amtsdiener und ließen sagen: Lass diese Männer frei! 36Und der Aufseher überbrachte Paulus diese Botschaft: Die Stadtrichter haben hergesandt, dass ihr frei sein sollt. Nun kommt heraus und geht hin in Frieden! 37Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen, die wir doch

16,37
Kap
römische Bürger sind, und in das Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausführen! 38Die Amtsdiener berichteten diese Worte den Stadtrichtern. Da fürchteten sie sich, als sie hörten, dass sie römische Bürger seien, 39und kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, die Stadt zu verlassen. 40Da gingen sie aus dem Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und als sie die Brüder gesehen und sie getröstet hatten, zogen sie fort.