Lutherbibel 1984 (LU84)
12

Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus

121Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. 2Er tötete aber

12,2
Mt 20,20-23
Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

3Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. 4Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen. 5So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.

6Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. 7Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

12,7
Kap
8Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!

9Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. 10Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel. 11Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.

12Und als er sich besonnen hatte, ging er zum Haus Marias, der Mutter des

12,12
Kap
Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele beieinander waren und beteten. 13Als er aber an das Hoftor klopfte, kam eine Magd mit Namen Rhode, um zu hören, wer da wäre. 14Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, tat sie vor Freude das Tor nicht auf, lief hinein und verkündete, Petrus stünde vor dem Tor. 15Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Doch sie bestand darauf, es wäre so. Da sprachen sie: Es ist sein Engel. 16Petrus aber klopfte weiter an. Als sie nun aufmachten, sahen sie ihn und entsetzten sich. 17Er aber winkte ihnen mit der Hand, dass sie schweigen sollten, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis geführt hatte, und sprach: Verkündet dies dem Jakobus und den Brüdern. Dann ging er hinaus und zog an einen andern Ort.

Das Ende des Herodes Agrippa

18Als es aber Tag wurde, entstand eine nicht geringe Verwirrung unter den Soldaten, was wohl mit Petrus geschehen sei.

12,18
Kap
19Als aber Herodes ihn holen lassen wollte und ihn nicht fand, verhörte er die Wachen und ließ sie abführen. Dann zog er von Judäa hinab nach Cäsarea und blieb dort eine Zeit lang.

20Er war aber zornig auf die Einwohner von Tyrus und Sidon. Sie aber kamen einmütig zu ihm und überredeten Blastus, den Kämmerer des Königs, und baten um Frieden,

12,20
Hes 27,17
weil ihr Land seine Nahrung aus dem Land des Königs bekam. 21Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie. 22Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen!
12,22
Hes 28,2
23Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn,
12,23
Dan 5,20
weil er Gott nicht die Ehre gab. Und
12,23
2. Makk 9,9
von Würmern zerfressen, gab er den Geist auf.

24Und das Wort Gottes wuchs und breitete sich aus.

12,24
Kap
25Barnabas und Saulus aber kehrten zurück, nachdem sie in Jerusalem
12,25
Kap
die Gabe überbracht hatten, und
12,25
Kap
nahmen mit sich Johannes, der den Beinamen Markus hat.

13

Der Beginn der ersten Missionsreise

131Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde

13,1
Kap
Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk,
13,2
Kap
zu dem ich sie berufen habe. 3Da fasteten sie und
13,3
Kap
beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.

Auf der Insel Zypern

4Nachdem sie nun ausgesandt waren vom Heiligen Geist, kamen sie nach Seleuzia und von da zu Schiff nach Zypern. 5Und als sie in die Stadt Salamis kamen, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden; sie hatten aber auch

13,5
Kap
Johannes als Gehilfen bei sich.

6Als sie die ganze Insel bis nach Paphos durchzogen hatten, trafen sie einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden, der hieß Barjesus; 7der war bei dem Statthalter Sergius Paulus, einem verständigen Mann. Dieser rief Barnabas und Saulus zu sich und begehrte, das Wort Gottes zu hören. 8Da widerstand ihnen der Zauberer Elymas – denn so wird sein Name übersetzt – und versuchte, den Statthalter vom Glauben abzuhalten. 9Saulus aber, der auch Paulus heißt, voll Heiligen Geistes, sah ihn an 10und sprach: Du Sohn des Teufels, voll aller List und aller Bosheit, du Feind aller Gerechtigkeit, hörst du nicht auf, krumm zu machen die geraden Wege des Herrn? 11Und nun siehe, die Hand des Herrn kommt über dich, und du sollst blind sein und die Sonne eine Zeit lang nicht sehen! Auf der Stelle fiel Dunkelheit und Finsternis auf ihn, und er ging umher und suchte jemanden, der ihn an der Hand führte.

12Als der Statthalter sah, was geschehen war, wurde er gläubig und verwunderte sich über die Lehre des Herrn.

In Antiochia in Pisidien

13Paulus aber und die um ihn waren, fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien.

13,13
Kap
Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte zurück nach Jerusalem. 14Sie aber zogen von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien und gingen am Sabbat in die Synagoge und setzten sich. 15Nach der
13,15
Kap
Lesung des Gesetzes und der Propheten aber schickten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und ließen ihnen sagen: Liebe Brüder, wollt ihr etwas reden und das Volk ermahnen, so sagt es.

16Da stand Paulus auf und winkte mit der Hand und sprach: Ihr Männer von Israel und ihr Gottesfürchtigen13,16 Siehe Sach- und Worterklärungen., hört zu! 17Der Gott dieses Volkes Israel hat unsre Väter erwählt und das Volk groß gemacht, als sie Fremdlinge waren im Lande Ägypten, und

13,17
2. Mose 12,3740-41
14,8
mit starkem Arm führte er sie von dort heraus. 18Und vierzig Jahre lang ertrug er sie in der Wüste
13,18
Ps 106,13-33
19und
13,19
5. Mose 7,1
vernichtete sieben Völker in dem Land Kanaan und
13,19
Jos 14,2
gab ihnen deren Land zum Erbe; 20das geschah in etwa vierhundertfünfzig Jahren. Danach gab er ihnen
13,20
Ri 2,16
Richter bis zur Zeit des
13,20
1. Sam 3,20
Propheten Samuel. 21Und von da an
13,21
1. Sam 8,5
baten sie um einen König; und Gott gab ihnen
13,21
1. Sam 10,21-24
Saul, den Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre. 22Und als er diesen verstoßen hatte, erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte (1. Sam 13,14): »Ich habe David gefunden, den Sohn Isais, einen Mann nach meinem Herzen, der soll meinen ganzen Willen tun.« 23Aus dessen Geschlecht hat Gott,
13,23
Jes 11,1
wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel, 24nachdem Johannes, bevor Jesus auftrat, dem ganzen Volk Israel die Taufe der Buße gepredigt hatte.
13,24
Lk 3,3
25Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er:
13,25
Joh 1,20
Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, er kommt nach mir,
13,25
Mk 1,7
Lk 3,16
Joh 1,27
dessen Schuhriemen zu lösen ich nicht wert bin.

26Ihr Männer, liebe Brüder, ihr Söhne aus dem Geschlecht Abrahams und ihr Gottesfürchtigen, uns ist das Wort dieses Heils gesandt. 27Denn die Einwohner von Jerusalem und ihre Oberen haben,

13,27
Joh 16,3
weil sie Jesus nicht erkannten, die Worte der Propheten, die an jedem Sabbat vorgelesen werden, mit ihrem Urteilsspruch erfüllt. 28Und obwohl sie nichts an ihm fanden, das den Tod verdient hätte,
13,28
Mt 27,22-23
baten sie doch Pilatus, ihn zu töten. 29Und als sie alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben steht, nahmen sie ihn von dem Holz und
13,29
Mt 27,59-60
legten ihn in ein Grab. 30Aber Gott hat ihn auferweckt von den Toten;
13,30
Kap
31und er ist
13,31
Kap
an vielen Tagen denen erschienen, die mit ihm von Galiläa hinauf nach Jerusalem gegangen waren; die sind jetzt seine Zeugen vor dem Volk. 32Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, 33dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Ps 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.« 34Dass er ihn aber von den Toten auferweckt hat und ihn nicht der Verwesung überlassen wollte, hat er so gesagt (Jes 55,3): »Ich will euch die Gnade, die David verheißen ist, treu bewahren.« 35Darum sagt er auch an einer andern Stelle (Ps 16,10):
13,35
Kap
»Du wirst nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.« 36Denn nachdem David zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, ist er entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen. 37Der aber, den Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen.

38So sei euch nun kundgetan, liebe Brüder, dass euch durch ihn Vergebung der Sünden verkündigt wird; und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet,

13,38
Röm 8,3-4
39ist der
13,39
Röm 10,4
gerecht gemacht, der an ihn glaubt. 40Seht nun zu, dass nicht über euch komme, was in den Propheten gesagt ist (Hab 1,5): 41»Seht, ihr Verächter, und wundert euch und werdet zunichte! Denn ich tue ein Werk zu euren Zeiten, das ihr nicht glauben werdet, wenn es euch jemand erzählt.«

42Als sie aber aus der Synagoge hinausgingen, baten die Leute, dass sie am nächsten Sabbat noch einmal von diesen Dingen redeten. 43Und als die Gemeinde auseinanderging, folgten viele Juden und gottesfürchtige Judengenossen dem Paulus und Barnabas. Diese sprachen mit ihnen und ermahnten sie, dass sie bleiben sollten in der Gnade Gottes.

44Am folgenden Sabbat aber kam fast die ganze Stadt zusammen, das Wort Gottes zu hören. 45Als aber die Juden die Menge sahen, wurden sie neidisch und widersprachen dem, was Paulus sagte, und lästerten. 46Paulus und Barnabas aber sprachen frei und offen:

13,46
Kap
Euch musste das Wort Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und haltet euch selbst nicht für würdig des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. 47Denn so hat uns der Herr geboten (Jes 49,6): »Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, damit du das Heil seist bis an die Enden der Erde.«

48Als das die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn, und alle wurden gläubig,

13,48
Röm 8,29-30
die zum ewigen Leben bestimmt waren. 49Und das Wort des Herrn breitete sich aus in der ganzen Gegend. 50Aber die Juden hetzten die gottesfürchtigen vornehmen Frauen und die angesehensten Männer der Stadt auf und stifteten eine Verfolgung an gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet. 51Sie aber
13,51
Kap
schüttelten den Staub von ihren Füßen zum Zeugnis gegen sie und kamen nach Ikonion. 52Die Jünger aber wurden erfüllt von Freude und Heiligem Geist.

14

In Ikonion

141Es geschah aber in Ikonion, dass sie wieder in die Synagoge der Juden gingen und so predigten, dass eine große Menge Juden und Griechen gläubig wurde. 2Die Juden aber, die ungläubig blieben, stifteten Unruhe und hetzten die Seelen der Heiden auf gegen die Brüder. 3Dennoch blieben sie eine lange Zeit dort und lehrten frei und offen im Vertrauen auf den Herrn, der das Wort seiner Gnade bezeugte und

14,3
Kap
ließ Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände. 4Die Menge in der Stadt aber spaltete sich; die einen hielten’s mit den Juden und die andern mit den Aposteln. 5Als sich aber ein Sturm erhob bei den Heiden und Juden und ihren Oberen und sie sie misshandeln und steinigen wollten,
14,5
2. Tim 3,11
6merkten sie es und entflohen in die Städte Lykaoniens, nach Lystra und Derbe, und in deren Umgebung 7und predigten dort das Evangelium.

In Lystra

8Und es war ein Mann in Lystra, der hatte schwache Füße und konnte nur sitzen; er war gelähmt von Mutterleib an und hatte noch nie gehen können. 9Der hörte Paulus reden. Und als dieser ihn ansah und merkte, dass

14,9
Mt 9,28
er glaubte, ihm könne geholfen werden, 10sprach er mit lauter Stimme: Stell dich aufrecht auf deine Füße! Und er sprang auf und ging umher. 11Als aber das Volk sah, was Paulus getan hatte, erhoben sie ihre Stimme und riefen auf Lykaonisch:
14,11
Kap
Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herabgekommen. 12Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte. 13Und der Priester des Zeus aus dem Tempel vor ihrer Stadt brachte Stiere und Kränze vor das Tor und wollte opfern samt dem Volk.

14Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk und schrien: 15Ihr Männer, was macht ihr da?

14,15
Kap
Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. 16Zwar hat er in den vergangenen Zeiten alle Heiden ihre eigenen Wege gehen lassen;
14,16
Kap
17und doch hat er sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. – 18Und obwohl sie das sagten, konnten sie kaum das Volk davon abbringen, ihnen zu opfern.

19Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden dorthin und überredeten das Volk und

14,19
2. Kor 11,25
2. Tim 3,11
steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus und meinten, er wäre gestorben. 20Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.

Die Rückkehr nach Antiochia in Syrien

Am nächsten Tag zog er mit Barnabas weiter nach Derbe; 21und sie predigten dieser Stadt das Evangelium und machten viele zu Jüngern. Dann kehrten sie zurück nach Lystra und Ikonion und Antiochia, 22stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele

14,22
Röm 5,3-5
1. Thess 3,3
Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen. 23Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein,
14,23
Kap
beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren. 24Und sie zogen durch Pisidien und kamen nach Pamphylien 25und sagten das Wort in Perge und zogen hinab nach Attalia.

26Und von da fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia,

14,26
Kap
wo sie der Gnade Gottes befohlen worden waren zu dem Werk, das sie nun ausgerichtet hatten. 27Als sie aber dort ankamen, versammelten sie die Gemeinde und verkündeten, wie viel Gott durch sie getan und wie er den Heiden
14,27
1. Kor 16,9
die Tür des Glaubens aufgetan hätte. 28Sie blieben aber dort eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.