Lutherbibel 1984 (LU84)
10

Der Hauptmann Kornelius

101Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die die Italische genannt wurde. 2Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott. 3Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius! 4Er aber sah ihn an, erschrak und fragte: Herr, was ist? Der sprach zu ihm:

10,4
Tob 3,24-25
Deine Gebete und deine Almosen sind vor Gott gekommen und er hat ihrer gedacht. 5Und nun sende Männer nach Joppe und lass holen Simon mit dem Beinamen Petrus. 6Der ist zu Gast bei einem
10,6
Kap
Gerber Simon, dessen Haus am Meer liegt. 7Und als der Engel, der mit ihm redete, hinweggegangen war, rief Kornelius zwei seiner Knechte und einen frommen Soldaten von denen, die ihm dienten, 8und erzählte ihnen alles und
10,8
Kap
sandte sie nach Joppe.

9Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde. 10Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, geriet er in Verzückung 11und sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. 12Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. 13Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! 14Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.

10,14
3. Mose 11,1-47
Hes 4,14
15Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.
10,15
Röm 14,14
16Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel.

17Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen an der Tür, 18riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre. 19Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; 20so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.

21Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin’s, den ihr sucht; warum seid ihr hier? 22Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 23Da rief er sie herein und beherbergte sie.

Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. 25Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 26Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf,

10,26
Kap
ich bin auch nur ein Mensch. 27Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. 28Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. 29Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.

30Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.

34Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit,

10,34
5. Mose 10,17
1. Sam 16,7
Röm 2,11
dass Gott die Person nicht ansieht; 35sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.
10,35
Joh 10,16
36Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und
10,36
Eph 2,17
Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

37Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist,

10,37
Mt 4,12-17
angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, 38wie Gott Jesus von Nazareth
10,38
Mt 3,16
gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. 40Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und
10,40
1. Kor 15,4-7
hat ihn erscheinen lassen, 41
10,41
Joh 14,1922
nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir
10,41
Lk 24,3043
mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. 42Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen,
10,42
Joh 5,22
dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. 43Von diesem
10,43
Jes 53,5-6
Jer 31,34
bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

44Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. 45Und die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; 46denn sie hörten, dass sie in

10,46
Kap
Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: 47Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den Heiligen Geist empfangen haben ebenso wie wir? 48Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. Da baten sie ihn, noch einige Tage dazubleiben.

11

Petrus in Jerusalem

111Es kam aber den Aposteln und Brüdern in Judäa zu Ohren, dass auch die Heiden Gottes Wort angenommen hatten. 2Und als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm 3und sprachen: Du bist zu Männern gegangen, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen!

11,3
Gal 2,12

4Petrus aber fing an und erzählte es ihnen der Reihe nach und sprach: 5

11,5-17
Kap
Ich war in der Stadt Joppe im Gebet und geriet in Verzückung und hatte eine Erscheinung; ich sah etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen vom Himmel; das kam bis zu mir. 6Als ich hineinsah, erblickte ich vierfüßige Tiere der Erde und wilde Tiere und kriechende Tiere und Vögel des Himmels. 7Ich hörte aber auch eine Stimme, die sprach zu mir: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! 8Ich aber sprach: O nein, Herr; denn es ist nie etwas Verbotenes oder Unreines in meinen Mund gekommen. 9Aber die Stimme antwortete zum zweiten Mal vom Himmel: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten. 10Das geschah aber dreimal; und alles wurde wieder gen Himmel hinaufgezogen. 11Und siehe, auf einmal standen drei Männer vor dem Hause, in dem wir waren, von Cäsarea zu mir gesandt. 12Der Geist aber sprach zu mir, ich solle mit ihnen gehen und nicht zweifeln. Es kamen aber mit mir auch diese sechs Brüder und wir gingen in das Haus des Mannes. 13Der berichtete uns, wie er den Engel in seinem Haus gesehen habe, der zu ihm sagte: Sende Männer nach Joppe und lass holen Simon, mit dem Beinamen Petrus; 14der wird dir die Botschaft sagen, durch die du selig wirst und dein ganzes Haus. 15Als ich aber anfing zu reden, fiel der Heilige Geist auf sie
11,15
Kap
ebenso wie am Anfang auf uns. 16Da dachte ich an das Wort des Herrn, als er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden.
11,16
Kap
17Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir zum Glauben gekommen sind an den Herrn Jesus Christus: wer war ich, dass ich Gott wehren konnte?

18Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott und sprachen: So hat Gott auch den Heiden die Umkehr gegeben, die zum Leben führt!

Erste Christen in Antiochia

19Die aber

11,19
Kap
zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden. 20Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. 21Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.
11,21
Kap

22Es kam aber die Kunde davon der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren; und sie sandten

11,22
Kap
Barnabas, dass er nach Antiochia ginge. 23Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh und ermahnte sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben; 24denn er war ein bewährter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und
11,24
Kap
viel Volk wurde für den Herrn gewonnen. 25Barnabas aber zog aus nach Tarsus,
11,25
Kap
Saulus zu suchen. 26Und als er ihn fand, brachte er ihn nach
11,26
Gal 2,11
Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele. In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.

27In diesen Tagen kamen

11,27
Kap
Propheten von Jerusalem nach Antiochia. 28Und einer von ihnen mit Namen
11,28
Kap
Agabus trat auf und sagte durch den Geist eine große Hungersnot voraus, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; dies geschah unter dem Kaiser Klaudius. 29Aber unter den Jüngern beschloss ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnten, eine Gabe zu senden. 30Das taten sie auch und schickten sie zu den Ältesten durch Barnabas und Saulus.
11,30
Kap

12

Der Tod des Jakobus und die Befreiung des Petrus

121Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. 2Er tötete aber

12,2
Mt 20,20-23
Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

3Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. 4Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen. 5So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.

6Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. 7Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

12,7
Kap
8Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!

9Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. 10Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel. 11Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.

12Und als er sich besonnen hatte, ging er zum Haus Marias, der Mutter des

12,12
Kap
Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele beieinander waren und beteten. 13Als er aber an das Hoftor klopfte, kam eine Magd mit Namen Rhode, um zu hören, wer da wäre. 14Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, tat sie vor Freude das Tor nicht auf, lief hinein und verkündete, Petrus stünde vor dem Tor. 15Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Doch sie bestand darauf, es wäre so. Da sprachen sie: Es ist sein Engel. 16Petrus aber klopfte weiter an. Als sie nun aufmachten, sahen sie ihn und entsetzten sich. 17Er aber winkte ihnen mit der Hand, dass sie schweigen sollten, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr aus dem Gefängnis geführt hatte, und sprach: Verkündet dies dem Jakobus und den Brüdern. Dann ging er hinaus und zog an einen andern Ort.

Das Ende des Herodes Agrippa

18Als es aber Tag wurde, entstand eine nicht geringe Verwirrung unter den Soldaten, was wohl mit Petrus geschehen sei.

12,18
Kap
19Als aber Herodes ihn holen lassen wollte und ihn nicht fand, verhörte er die Wachen und ließ sie abführen. Dann zog er von Judäa hinab nach Cäsarea und blieb dort eine Zeit lang.

20Er war aber zornig auf die Einwohner von Tyrus und Sidon. Sie aber kamen einmütig zu ihm und überredeten Blastus, den Kämmerer des Königs, und baten um Frieden,

12,20
Hes 27,17
weil ihr Land seine Nahrung aus dem Land des Königs bekam. 21Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie. 22Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen!
12,22
Hes 28,2
23Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn,
12,23
Dan 5,20
weil er Gott nicht die Ehre gab. Und
12,23
2. Makk 9,9
von Würmern zerfressen, gab er den Geist auf.

24Und das Wort Gottes wuchs und breitete sich aus.

12,24
Kap
25Barnabas und Saulus aber kehrten zurück, nachdem sie in Jerusalem
12,25
Kap
die Gabe überbracht hatten, und
12,25
Kap
nahmen mit sich Johannes, der den Beinamen Markus hat.