Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Christi Himmelfahrt

11Den

1,1
Lk 1,3
ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde,
1,2
Mt 28,19-20
nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. 3Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern

1,4
Lk 24,29
Joh 15,26
zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 5denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
1,5
Mt 3,11

6Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit

1,6
Lk 19,11
24,21
wieder aufrichten das Reich für Israel? 7Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
1,7
Mt 24,36
8aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und
1,8
Lk 24,48
werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und
1,8
Kap
in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9Und als er das gesagt hatte,

1,9
Mk 16,19
Lk 24,51
wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. 10Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen
1,10
Lk 24,4
zwei Männer in weißen Gewändern. 11Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so
1,11
Lk 21,27
wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

12Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt. 13Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten:

1,13
Lk 6,13-16
Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und
1,14
Joh 7,3
seinen Brüdern.

Die Nachwahl des zwölften Apostels

15Und in den Tagen trat

1,15
Joh 21,15-19
Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach: 16Ihr Männer und Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen;
1,16
Ps 41,10
17denn er gehörte zu uns und hatte dieses Amt mit uns empfangen. 18Der hat einen Acker erworben mit dem Lohn für seine Ungerechtigkeit. Aber er ist vornübergestürzt und mitten entzweigeborsten, sodass alle seine Eingeweide hervorquollen.
1,18
Mt 27,3-10
19Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker. 20Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Ps 69,26; 109,8): »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.« 21So muss nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind
1,21
Joh 15,27
die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist 22– von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.

23Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias, 24und

1,24
Kap
beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden, 25damit er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an den Ort zu gehen, wohin er gehört. 26Und sie
1,26
Spr 16,33
warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde zugeordnet zu den elf Aposteln.
1,26
Ri 21,17

2

Das Pfingstwunder

21Und als der

2,1
3. Mose 23,15-21
Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,
2,3
Mt 3,11
4und
2,4
Kap
sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen2,4 Wörtlich: »in andern Zungen«; vgl. Sach- und Worterklärungen unter »Zungenrede« (siehe auch Kap 10,46; 19,6)., wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

5Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren

2,5
Kap
gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

12Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Die Pfingstpredigt des Petrus

14Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 15Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 16sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):

17»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. 21Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

22Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – 23diesen Mann, der

2,23
Kap
durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. 24Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten werden konnte. 25Denn David spricht von ihm (Ps 16,8-11): »Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, damit ich nicht wanke. 26Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. 27Denn du wirst mich nicht dem Tod überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. 28Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.«

29Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David.

2,29
1. Kön 2,10
Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. 30Da er nun ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott verheißen hatte mit einem Eid, dass
2,30
2. Sam 7,12-13
Ps 89,4-5
ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte, 31hat er’s vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Tod überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. 32Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. 33Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater,
2,33
Joh 15,26
hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. 34Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Ps 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, 35bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« 36So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.
2,36
Kap

Die erste Gemeinde

37Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder,

2,37
Kap
was sollen wir tun? 38Petrus sprach zu ihnen:
2,38
Kap
Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.
2,39
Joel 3,5

40Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem

2,40
Mt 17,17
Phil 2,15
verkehrten Geschlecht! 41Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

42Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im

2,42
Kap
Brotbrechen und im Gebet. 43Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
2,44
Kap
45Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.
2,47
Kap
Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.