Lutherbibel 1984 (LU84)
7

Sieben Brüder und ihre Mutter sterben den Märtyrertod

71Es wurden auch sieben Brüder samt ihrer Mutter gefangen und mit Geißeln und Riemen geschlagen und vom König bedrängt, sie

7,1
Kap
sollten Schweinefleisch essen, was ihnen im Gesetz verboten war. 2Da sagte der Älteste unter ihnen: Was willst du viel fragen und von uns wissen?
7,2
Dan 3,16-18
Wir wollen eher sterben als etwas gegen das Gesetz der Väter tun.

3Da ergrimmte der König und gebot, man sollte Pfannen und Kessel über das Feuer setzen. 4Als man das sogleich getan hatte, gebot er, man sollte dem, der für sie das Wort geführt hatte, die Zunge ausschneiden und die Haut vom Kopf abziehen, wie das die Skythen tun, und Hände und Füße abhauen, und die andern Brüder und die Mutter sollten dabei zusehen. 5Als er nun so verstümmelt war, ließ er ihn noch lebend zum Feuer bringen und in der Pfanne braten. Und als der Dampf aus der Pfanne sich weithin verbreitete, ermahnten sie und die Mutter sich untereinander, unverzagt zu sterben, und sprachen: 6Gott der Herr sieht alles und wird sich unser ganz gewiss erbarmen, wie Mose in seinem Gesang den Feinden ins Angesicht bezeugt hat, wenn er verkündigt:

7,6
5. Mose 32,36
»Und über seine Knechte wird er sich erbarmen.«

7Als der Erste so aus dem Leben geschieden war, führten sie den Zweiten auch hin, um ihren Mutwillen mit ihm zu treiben; und sie zogen ihm vom Kopf Haut und Haar ab und fragten ihn, ob er Saufleisch essen wollte oder den ganzen Leib Glied für Glied martern lassen. 8Er aber antwortete in seiner Sprache und sagte: Ich will’s nicht tun. 9Daher marterten sie ihn weiter wie den Ersten. Als er nun in den letzten Zügen lag, sprach er: Du verruchter Mensch, du nimmst uns wohl das zeitliche Leben; aber der König der Welt wird uns, die wir um seiner Gesetze willen sterben,

7,9
Dan 12,2
wieder erwecken in der Auferstehung zum ewigen Leben.

10Danach nahmen sie den Dritten und trieben auch mit ihm ihren Mutwillen. Und als sie es von ihm forderten, streckte er sogleich die Zunge heraus und hielt unerschrocken die Hände hin und sagte tapfer: 11Diese Glieder sind mir vom Himmel gegeben; darum will ich sie gern gering achten um seiner Gesetze willen; denn ich hoffe, er wird sie mir wiedergeben. 12Der König aber und seine Diener wunderten sich darüber, dass der Jüngling so mutig war und die Marter für nichts achtete.

13Als auch dieser aus dem Leben geschieden war, peinigten sie den Vierten ebenso und geißelten ihn. 14Als es aber mit ihm zum Sterben ging, sprach er: Das ist für uns ein großer Trost:

7,14
Mt 16,25
Die Menschen können uns töten, aber wir hoffen auf Gottes Verheißung, dass er uns wieder
7,14
Hebr 11,35
auferwecken wird; du aber wirst nicht auferweckt werden zum Leben.

15Gleich danach brachten sie den Fünften und geißelten ihn. Der sah Antiochus an und sprach zu ihm: 16

7,16-17
Dan 5,18-30
Du bist zwar ein Mensch und musst sterben; weil du aber unter den Menschen Gewalt hast, tust du, was du willst. Du sollst aber nicht meinen,
7,16
Kap
dass Gott unser Volk im Stich gelassen hat. 17Mach nur so weiter, dann wirst du erfahren, wie mächtig Gott ist, der dich und dein Geschlecht plagen wird.
7,17
Kap

18Nach diesem führten sie den Sechsten auch heran. Der sagte, als er sterben sollte: Mach dir nichts vor!

7,18
Bar 1,15
Wir haben ja unser Leiden sehr wohl verdient, da wir uns an unserm Gott versündigt haben; und er handelt schrecklich an uns. 19Du aber bilde dir nicht ein, du würdest ungestraft bleiben, nachdem du gewagt hast, so gegen Gott zu toben.
7,19
Jes 10,5-7

20Überaus bewundernswert aber war die Mutter und wert, dass man mit höchstem Lobe an sie denkt. Denn sie sah, wie ihre Söhne alle sieben nacheinander an einem einzigen Tag zu Tode gemartert wurden, und durchlitt es tapfer um der Hoffnung willen, die sie zu Gott hatte. 21Dadurch wurde sie so hochgesinnt, dass sie einen Sohn nach dem andern in ihrer Sprache tröstete, und fasste sich, obwohl sie nur eine schwache Frau war, ein männliches Herz und sprach zu ihnen: 22Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß entstanden seid, und den Odem und das Leben habe ich euch nicht gegeben noch habe ich zusammengefügt, woraus jeder von euch besteht.

7,22
Ps 139,13-15
Pred 11,5
23Darum wird der, der die Welt geschaffen und alle Menschen gemacht und das Werden aller Dinge erdacht hat, euch den Odem und das Leben gnädig zurückgeben, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen keinerlei Rücksicht nehmt auf euch selbst.

24Antiochus meinte voll Argwohn, sie verachtete und schmähte ihn in ihrer Sprache; so redete er dem jüngsten Sohn, der noch übrig war, nicht allein mit guten Worten zu, sondern verhieß ihm sogar mit einem Eide, wenn er sich von den Gesetzen seiner Väter lossagen würde, so wollte er ihn reich und glücklich machen, ihn

7,24
1. Makk 2,18
unter seine Freunde aufnehmen und ihm Ämter anvertrauen. 25Als der Jüngling sich aber nicht bereden lassen wollte, ließ der König die Mutter vor sich kommen und ermahnte sie, sie sollte den Sohn doch zu seinem Besten beraten.

26Als er sie mit vielen Worten ermahnt hatte, nahm sie es auf sich, ihren Sohn zu überreden. 27Aber sie spottete nur über den rohen Tyrannen. Denn sie neigte sich zu ihrem Sohn und redete in ihrer Sprache mit ihm und sagte: 28Mein lieber Sohn, den ich neun Monate unter meinem Herzen getragen und drei Jahre gestillt und großgezogen und bis zu diesem Alter geleitet und gepflegt habe, erbarme dich doch über mich! Ich bitte dich, mein Kind, sieh Himmel und Erde an und alles, was darin ist, und bedenke:

7,28
Hebr 11,3
dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht. 29Darum fürchte dich nicht vor diesem Henker, sondern
7,29
Mt 19,29
nimm den Tod auf dich wie deine Brüder, damit dich Gott zur Zeit des Erbarmens samt deinen Brüdern mir wiedergebe.

30Während sie noch redete, sprach der Jüngling: Auf wen wartet ihr noch? Ich gehorche dem Gebot des Königs nicht, sondern ich höre auf das Gebot des Gesetzes, das unsern Vätern durch Mose gegeben ist.

7,30
Apg 5,29
31Du kannst dir zwar gegen die Hebräer alles Leid ausdenken, wirst aber der Hand Gottes gewiss nicht entrinnen. 32Wir leiden ja um unsrer Sünden willen; 33aber
7,33
Jes 54,7-8
obwohl unser lebendiger Herr eine Zeit lang zornig ist und uns bestraft und züchtigt, so wird er doch seinen Knechten wieder gnädig werden. 34Du Gottloser, Verruchtester unter allen Menschen, überhebe dich nicht in eitlen Hoffnungen und lege nicht in deiner Wut Hand an die Kinder Gottes! 35Denn du bist dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alle Dinge sieht, noch nicht entronnen. 36Unsere Brüder,
7,36
2. Kor 4,17
die eine kurze Zeit sich haben martern lassen, die haben jetzt teil am ewigen Leben nach der Verheißung Gottes: du aber sollst nach dem Urteil Gottes bestraft werden, wie du es mit deinem Hochmut verdient hast.

37Ich will Leib und Leben um der Gesetze meiner Väter willen dahingeben wie meine Brüder und zu Gott schreien, dass er bald seinem Volk gnädig werde, du aber

7,37
Kap
unter großer Marter und Qual bekennen musst, dass er allein Gott ist. 38Der Zorn des Allmächtigen aber, der mit Recht über unser ganzes Volk ergangen ist, möge an mir und meinen Brüdern zum Stehen kommen. 39Als dies der König hörte, wurde er toll und töricht und ließ ihn noch schlimmer martern als die andern; denn es verdross ihn, dass er so verächtlich von ihnen behandelt wurde. 40So ist auch dieser, ohne unrein geworden zu sein, gestorben und hat sein ganzes Vertrauen auf den Herrn gestellt.

41Zuletzt, nach den Söhnen, wurde auch die Mutter hingerichtet. 42Dies sei genug von den heidnischen Opferschmäusen und den grausamen Martern.

8

Judas Makkabäus beginnt den Kampf

(vgl. 1. Makk 3,1-9)

81Aber Judas Makkabäus und seine Gefährten gingen auf Schleichwegen heimlich in die Ortschaften und riefen ihre Blutsverwandten zusammen und was sonst noch bei dem Glauben der Juden geblieben war und brachten an sechstausend Mann zusammen.

8,1
Kap
2Und sie riefen den Herrn an, er wolle das Volk ansehen, das von allen zu Boden getreten worden war, und sich erbarmen über den Tempel, den die gottlosen Menschen entheiligt hatten, 3und über die Stadt, die eben zugrunde ging und ganz dem Erdboden gleichgemacht werden sollte. Auch wolle er doch
8,3
1. Mose 4,10
das unschuldige Blut, das zu ihm rief, hören 4und
8,4
Kap
an die unschuldigen Kindlein denken, die wider alles Recht umgebracht wurden, und sich an die Lästerung seines Namens erinnern und seinen Hass gegen all dies Böse erweisen.

5Dem Makkabäus aber mit seiner Heerschar konnten die Heiden schon nicht mehr Widerstand leisten; denn der Herr ließ von seinem Zorn ab und war seinem Volk wieder gnädig. 6Judas aber überfiel unversehens Städte und Dörfer und steckte sie in Brand und brachte die günstig gelegenen Orte an sich und schlug nicht wenige Feinde in die Flucht; 7dabei nutzte er besonders die Nächte aus. So sprach man weit und breit von seinen tapferen Taten.

Judas Makkabäus siegt über Nikanor, Timotheus und Bakchides

(vgl. 1. Makk 3,37–4,25)

8Als aber

8,8
Kap
Philippus sah, dass Judas je länger, desto stärker wurde, zumal ihm oft das Glück beistand, schrieb er an Ptolemäus, den Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien, er solle der Sache des Königs zu Hilfe kommen. 9Der aber bestimmte alsbald den Nikanor, den Sohn des Patroklus, der zu den engsten Freunden des Königs gehörte, und schickte ihn mit nicht weniger als zwanzigtausend Mann aus den verschiedensten Völkern, um die Juden vollständig auszurotten; und er gab ihm einen Hauptmann bei, mit Namen Gorgias, der ein erfahrener Krieger war. 10Nikanor aber hatte vor, mit den gefangenen Juden den
8,10
1. Makk 8,7
Betrag hereinzubringen, den der König den Römern jährlich zahlen musste, nämlich zweitausend Zentner in Silber. 11Darum schickte er alsbald in die Städte am Meer und forderte dazu auf,
8,11
3. Mose 25,42
jüdische Sklaven zu kaufen, neunzig Juden für einen Zentner. Er dachte aber nicht daran, dass ihm die Strafe des Allmächtigen so nahe wäre.

12Als nun Judas hörte, dass Nikanor heranzog, gab er seinen Leuten bekannt, dass ein Heer heranrückte. 13Da liefen alle auseinander, die

8,13
1. Makk 3,56
verzagt waren und nicht darauf vertrauten, dass Gott die Feinde bestrafen würde, und machten sich davon. 14Die andern aber verkauften alles, was sie noch hatten, und baten den Herrn, er wolle sie erretten, die der gottlose Nikanor schon vor dem Kampf verkauft hatte; 15und wenn er sie schon nicht um ihretwillen erretten wolle, so möge er es doch tun um des
8,15
3. Mose 26,42-45
Bundes willen, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte, und um seines heiligen und herrlichen
8,15
4. Mose 6,27
Dan 9,18-19
Namens willen, nach dem sie genannt sind.

16Als nun Makkabäus seine Leute versammelt hatte, sechstausend Mann, ermahnte er sie, sie sollten sich nicht entsetzen vor den Feinden noch sich fürchten vor der großen Zahl der Heiden, die ohne alles Recht gegen sie heranzogen, 17sondern sich tapfer wehren und an die Schmach denken, die die Feinde der heiligen Stätte freventlich angetan und wie sie die Stadt verhöhnt und geplagt und die ererbten Ordnungen zerstört hatten.

18Sie verlassen sich, sagte er, auf ihre Waffen und auf ihre Kühnheit; aber

8,18
1. Sam 17,45-47
wir verlassen uns auf den allmächtigen Gott, der mit einem einzigen Wink nicht allein die, die jetzt gegen uns ziehen, sondern auch die ganze Welt zu Boden schlagen kann. 19Er zählte ihnen aber auf, wie Gott so oft ihren Vätern geholfen hätte und wie zur Zeit Sanheribs
8,19
2. Kön 19,35
185000 Mann umgekommen wären; 20und wie Gott in Babylon bei der Schlacht gegen die Galater geholfen hätte, als im Ganzen nur achttausend Juden und viertausend Mazedonier in die Schlacht zogen; als aber die Mazedonier in große Not gekommen waren, erschlugen die achttausend Juden allein durch die Hilfe vom Himmel her 120000 Mann und erlangten dadurch große Beute.

21Als er sie so wieder mutig und sogar bereit gemacht hatte, um der Gesetze und des Vaterlands willen zu sterben, 22

8,22-23
1. Makk 2,2-5
teilte er das Heer in vier Abteilungen ein und stellte seine Brüder an ihre Spitze, nämlich Simon, Josef und Jonatan, und unterstellte einem jeden tausendfünfhundert Mann 23und auch dem Eleasar. Danach las er das heilige Buch vor, gab ihnen die Losung:
8,23
Kap
Gott unsre Hilfe!, zog selbst der ersten Schar voran und griff Nikanor an. 24Aber der allmächtige Gott stand ihnen bei, sodass sie Nikanors ganzes Heer in die Flucht schlugen, nachdem sie den größeren Teil verwundet und verstümmelt und über neuntausend erschlagen hatten. 25Denen aber, die gekommen waren, um die Juden zu kaufen, nahmen sie das Geld ab.

26Und nachdem sie den Feinden lange nachgejagt hatten, mussten sie wieder umkehren; denn es war der Abend vor dem Sabbat. Darum hörten sie auf, jenen nachzueilen. 27Sie sammelten die Waffen der Feinde und nahmen ihnen die Rüstungen ab; dann

8,27
Kap
hielten sie den Sabbat und lobten und priesen Gott aus vollem Herzen, dass er ihnen bis zu diesem Tage durchgeholfen und wieder angefangen hatte, ihnen seine Gnade zu erweisen. 28Nach dem Sabbat teilten sie von der Beute aus unter die Bedrängten, Witwen und Waisen; und das Übrige behielten sie für sich und ihre Kinder.
8,28
4. Mose 31,27
5. Mose 24,19-21
29Als sie dies alles vollbracht hatten, hielten sie ein gemeinsames Gebet und riefen den barmherzigen Herrn an, dass er seinen Knechten bis ans Ende gnädig bleiben wolle.

30Danach hatten sie viele Kämpfe mit den Leuten des

8,30
1. Makk 5,6
Timotheus und
8,30
1. Makk 7,8
Bakchides, erschlugen über zwanzigtausend Mann und eroberten starke Festungen; sie teilten die große Beute gleichmäßig unter sich und unter die Bedrängten, Waisen, Witwen, aber auch die Alten. 31Und als sie sich mit Waffen versorgt hatten, lagerten sie diese alle sorgfältig an günstig gelegenen Orten und brachten den Rest der Rüstungen nach Jerusalem. 32Sie töteten den Befehlshaber der Leute des Timotheus, einen überaus gottlosen Mann, der die Juden sehr geplagt hatte.

33Sie feierten aber ihren Sieg daheim in Jerusalem. Dabei verbrannten sie die Männer, die

8,33
Kap
die heiligen Tore angezündet hatten, und Kallisthenes, der in ein kleines Haus geflohen war; so empfing er den verdienten Lohn für seine Gottlosigkeit. 34Der Erzfrevler Nikanor aber, der die tausend Kaufleute mitgebracht hatte, dass sie die Juden kaufen sollten, 35wurde durch die Hilfe des Herrn von denen gedemütigt, die er für die Allergeringsten gehalten hatte. Und nachdem er sein prächtiges Gewand abgelegt hatte, kam er ganz allein wie ein entlaufener Knecht mitten durchs Land nach Antiochia und konnte darüber noch froh sein, da doch sein Heer vernichtet war. 36Und er, der den Römern versprochen hatte, er werde von dem Erlös für die Gefangenen Jerusalems den Tribut bezahlen, musste jetzt verkünden, dass ein andrer für die Juden streite und dass die Juden unverwundbar seien,
8,36
2. Mose 23,22
weil sie in den Geboten wandelten, die jener ihnen gegeben habe.

9

Antiochus IV. Epiphanes stirbt trotz später Reue eines schrecklichen Todes

(vgl. 1. Makk 6,1-16)

91Um dieselbe Zeit musste Antiochus mit Schanden aus Persien abziehen. 2Denn als er in Persepolis eingerückt war und den Tempel zu plündern und die Stadt fest in die Hand zu bekommen versuchte, machten sich die Einwohner in Scharen auf und suchten Hilfe bei den Waffen; so kam es, dass Antiochus von ihnen zurückgeschlagen wurde und mit Schimpf und Schande abziehen musste.

3Als er nun in

9,3
Jdt 1,1
Ekbatana war, kam ihm zu Ohren, wie es Nikanor und den Leuten des Timotheus ergangen war. 4Zornentbrannt nahm er sich vor, die Schmach, die ihm von denen widerfahren war, die ihn in die Flucht geschlagen hatten, nunmehr an den Juden zu rächen. Darum gebot er dem Wagenlenker, Tag und Nacht zu fahren, um die Reise rasch hinter sich zu bringen. Doch das Gericht vom Himmel her schwebte schon über ihm. Denn in seiner Überheblichkeit hatte er gesagt: Sobald ich nach Jerusalem komme, mache ich aus der Stadt einen Totenacker für die Juden.
9,4
Spr 16,18

5Darum bestrafte ihn

9,5
Ps 33,13-16
der Herr, der alles sieht, der Gott Israels, mit einem inneren Leiden, das niemand heilen konnte. Denn sobald er das gesagt hatte, kam ihn ein solches Reißen im Leib an und ein so großes Grimmen in den Därmen, dass man ihm nicht helfen konnte.
9,5
Kap
6So geschah ihm eben recht, weil er andere Leute mit so vielen und bisher unerhörten Martern geplagt hatte. 7Dennoch ließ er von seinem wilden Trotz nicht ab, sondern wurde noch überheblicher und schnaubte Feuer und Flammen gegen die Juden und befahl, noch schneller zu fahren. Da stürzte er von dem dahinsausenden Wagen und tat einen so unglücklichen Fall, dass ihm alle Glieder seines Leibes verrenkt wurden. 8Da musste er, der soeben noch
9,8
Kap
in übermenschlicher Prahlerei meinte, er könnte den Wogen des Meeres gebieten und
9,8
Jes 40,12
die hohen Berge auf die Waagschale legen, nach einem einzigen Fall sich auf einer Sänfte tragen lassen, sodass alle an ihm die Gewalt Gottes erkannten.

9Es kam so weit, dass auch unzählige

9,9
Apg 12,23
Würmer aus dem Leibe des Gottlosen hervorkrochen und dass ihm noch bei lebendigem Leibe unter großen Schmerzen und Qualen ganze Stücke seines Fleisches abfielen und dass er so scheußlich stank, dass das ganze Heer darunter litt. 10Und ihn, der kurz zuvor noch gemeint hatte, er
9,10
Jes 14,13-17
könnte nach den Sternen am Himmel greifen, den konnte niemand mehr tragen wegen des Gestanks, der nicht auszuhalten war. 11Da begann er, schwer getroffen, von seiner Überheblichkeit abzulassen und zur Erkenntnis zu kommen, weil er von Gott so gegeißelt wurde und die Schmerzen jeden Augenblick größer wurden. 12Und als er zuletzt den Gestank selbst nicht mehr ertragen konnte, da sagte er:
9,12
Dan 4,27-34
Es ist recht, dass man sich Gott unterwirft und dass ein sterblicher Mensch nicht so vermessen ist, zu meinen, er sei Gott gleich.

13Und der Verruchte hob an und betete zu dem Herrscher,

9,13
Kap
der sich nun freilich nicht mehr über ihn erbarmen wollte, 14und versprach, dass er die heilige Stadt, auf die er eilends zugefahren war, um sie dem Erdboden gleichzumachen und sie in einen Totenacker zu verwandeln, für frei erklären wollte. 15Und die Juden, die er zuvor nicht wert geachtet hatte, dass sie begraben würden, sondern samt ihren Kindern den Vögeln und wilden Tieren zu fressen geben wollte, die wollte er alle den Bürgern von Athen gleichstellen. 16Und den heiligen Tempel, den er zuvor beraubt hatte,
9,16
Kap
wollte er mit den schönsten Weihgeschenken schmücken und viel mehr heilige Geräte dahin erstatten, als zuvor da gewesen wären; und alle Zuwendungen, die man für Opfer nötig hatte, wollte er von seinen eignen Einkünften gewähren. 17Darüber hinaus
9,17
Kap
wollte er selber ein Jude werden und an allen Orten die Gewalt Gottes verkünden.

18Als aber die Qualen nicht nachlassen wollten – denn es war Gottes gerechtes Gericht über ihn gekommen –, verzweifelte er an seinem Leben und schrieb an die Juden wie in einer Bittschrift: 19Antiochus, König und Feldherr, entbietet seinen Bürgern, den redlichen Juden, seinen Gruß und wünscht ihnen Gesundheit und Wohlergehen. 20Wenn ihr samt euren Kindern frisch und gesund seid und es euch nach Wunsch geht, will ich dafür Gott danken. Ich aber setze meine Hoffnung auf den Himmel 21und denke in Liebe an eure Ehrerbietung und Freundlichkeit.

Weil ich bei der Rückkehr aus Persien schwer krank geworden bin, habe ich es für nötig gehalten, für die gemeinsame Sicherheit aller zu sorgen, 22wiewohl ich an meinem Aufkommen nicht verzweifle, sondern fest hoffe, dass es besser mit mir werden wird. 23Aber wie mein Vater, als er mit einem Heer in die oberen Länder zog, seinen künftigen Nachfolger bestimmte, 24damit man wüsste, falls sich etwas Unerwartetes ereignete oder etwas Schlimmes gemeldet würde, wer Herr sein sollte, und das Reich nicht in Verwirrung geriete; 25so auch ich: Weil ich überdies sehe, wie die angrenzenden Fürsten und die Nachbarn des Reiches auf die Gelegenheit lauern und darauf warten, wie es ausgehen wird, habe ich meinen Sohn Antiochus zum König bestimmt,

9,25
1. Makk 3,32-37
den ich den meisten von euch schon oft anvertraut und anbefohlen habe, wenn ich in die oberen Provinzen gezogen bin. Im gleichen Sinn habe ich auch an ihn geschrieben. 26Deshalb ermahne und bitte ich euch, an all die Wohltaten euch zu erinnern, die ich allen gemeinsam wie auch jedem Einzelnen erwiesen habe, und mir und meinem Sohn fortan wie bisher freundlich und treu zu sein. 27Denn ich habe das Vertrauen zu ihm, er werde meine Milde und Menschenfreundlichkeit fortsetzen und so mit euch gut auskommen.

28So litt denn der Mörder und Gotteslästerer so große Schmerzen, wie er sie andern angetan hatte, und starb eines jämmerlichen Todes in fremdem Lande in der Wildnis. 29

9,29
1. Makk 6,14-15
Philippus aber, der mit ihm erzogen worden war, besorgte seine Bestattung. Das ist der Philippus, der später, weil er sich vor dem Sohn des Antiochus fürchtete, nach Ägypten zu Ptolemäus
9,29
Kap
Philometor geflohen ist.