Lutherbibel 1984 (LU84)
5

Himmelserscheinungen beunruhigen Jerusalem

51Um diese Zeit zog Antiochus zum zweiten Mal gegen Ägypten. 2Man sah aber in der ganzen Stadt fast vierzig Tage lang, wie Reiter in golddurchwirkten Gewändern mit Lanzen und gezückten Schwertern in Zügen geordnet durch die Lüfte einhersprengten; 3und man sah Reiterscharen in Schlachtordnung aufeinandertreffen und gegeneinander anrennen, eine Bewegung von Schilden, eine Menge von Speeren, das Fliegen von Geschossen, das Schimmern von goldenen Rüstungen und Harnische von vielerlei Art. 4Da beteten alle, dass dies doch ja nichts Böses bedeuten sollte.

Jason nimmt ein schmähliches Ende

5Nun kam das falsche Gerücht auf, dass Antiochus tot sei. Da nahm Jason nicht weniger als tausend Mann und griff unversehens die Stadt an. Als aber die Verteidiger der Mauer zurückgetrieben worden waren und die Stadt gerade erobert wurde, 6floh Menelaus auf die Burg. Jason aber schlachtete seine Mitbürger schonungslos ab und bedachte nicht, dass Kriegsglück gegen Blutsverwandte das größte Unglück ist, sondern er meinte, er siegte gegen Feinde und nicht gegen Landsleute. 7Er konnte aber gleichwohl die Macht nicht erlangen, sondern erntete Schande für seinen Anschlag und

5,7
Kap
floh wieder ins Land der Ammoniter.

8Schließlich kam es mit ihm zu einem bösen Ende. Er wurde bei Aretas, dem König der Araber, angeklagt und musste von einer Stadt in die andere fliehen, von allen verfolgt; er wurde gehasst, weil er von den Gesetzen abtrünnig war, und verabscheut als Verräter seines Vaterlands und Henker seiner Mitbürger, sodass man ihn nach Ägypten verstieß. 9Und wie er viele Leute aus ihrem Vaterland vertrieben hatte, so musste er auch selbst in der Fremde sterben, in Lazedämon, wo er

5,9
1. Makk 12,21
um der Verwandtschaft willen Sicherheit zu finden gehofft hatte. 10Und wie er viele
5,10
Tob 1,20-21
unbegraben hatte liegen lassen, so ist er auch hingestorben, ohne dass jemand um ihn Leid getragen hätte; er hat nicht nur das Glück entbehren müssen, bei seinen Vätern begraben zu werden, sondern hat überhaupt kein ehrliches Grab gefunden.

Antiochus IV. Epiphanes plündert den Tempel von Jerusalem

(vgl. 1. Makk 1,21-29)

11Als diese Vorfälle dem König zu Ohren kamen, dachte er, ganz Judäa würde von ihm abfallen. Und er zog in wildem Grimm von Ägypten herauf und nahm Jerusalem mit Gewalt ein 12und befahl den Kriegsleuten, ohne Erbarmen alle zu erschlagen, die ihnen in die Hände fielen, und auch die abzuschlachten, die sich auf die Häuser hinaufflüchteten. 13Da mordete man hin Junge und Alte, Jünglinge, Frauen und Kinder, Jungfrauen und auch die Kinder in der Wiege, 14sodass in drei Tagen achtzigtausend Menschen zugrunde gingen, von denen vierzigtausend getötet und ebenso viele verkauft wurden.

15Aber dem Antiochus genügte selbst das nicht, sondern er wagte sogar, in die heiligste Stätte auf Erden einzudringen; und

5,15
Kap
Menelaus, der Verräter der Gesetze und des Vaterlands, führte ihn hinein. 16Da
5,16
2. Kön 25,13-17
raubte er mit seinen unreinen Händen die heiligen Geräte; und alles, was andere Könige zu Mehrung, Glanz und Ehre der Stätte gegeben hatten, das raffte er mit seinen sündigen Händen hinweg 17und überhob sich sehr und sah nicht, dass der Herr um der Sünden derer willen, die in der Stadt wohnten,
5,17
Jes 54,7-8
für kurze Zeit erzürnt war.

Das war der Grund, dass Gott dem Schicksal der heiligen Stätte gegenüber so gleichgültig blieb. 18Wäre das Volk nicht in so viele Sünden verstrickt gewesen, so würde es dem Antiochus ebenso ergangen sein wie dem

5,18
Kap
Heliodor, der vom König Seleukus gesandt worden war, um die Schatzkammer zu besichtigen; der wurde, als er eindrang, alsbald gegeißelt, sodass er von seinem frevelhaften Vorgehen ablassen musste. 19Denn der Herr hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen. 20Darum musste die heilige Stätte auch mit leiden, als das Volk im Unglück war, wie sie auch an den Wohltaten teilhatte, die dem Volk später erwiesen wurden. Denn wie die Stätte im Stich gelassen wurde, als der Allmächtige zürnte, so ist sie mit aller Herrlichkeit wieder zu Ehren gebracht worden, als Gott, der große Herrscher, seinem Volk wieder gnädig wurde.
5,20
Mi 3,12–4,2

21Als Antiochus nun achtzehnhundert Zentner Silber aus dem Tempel geraubt hatte, zog er eilends nach Antiochia; aus Hoffart und Überheblichkeit dachte er, er könnte schaffen, dass man auf dem Land mit Schiffen fahren könnte wie auf dem Meer und auf dem Meer gehen wie auf dem Land. 22Und er ließ Vögte zurück, die das Volk quälen sollten: in Jerusalem den Philippus, einen Phrygier, der noch ärger und wilder war als sein Herr; 23auf dem Garizim den Andronikus; neben den beiden aber Menelaus, der noch ärger als die andern sich über die Bürger erhob und gegen seine jüdischen Mitbürger feindselig gesinnt war.

Judas Makkabäus zieht sich in die Wüste zurück

(vgl. 1. Makk 1,30-39)

24Antiochus aber schickte den Erzbösewicht

5,24
1. Makk 3,10
Apollonius mit zweiundzwanzigtausend Mann ins Land und gebot ihm, er sollte alle erwachsenen Männer erschlagen, die Frauen aber und die jungen Leute verkaufen. 25Als er nun nach Jerusalem kam, stellte er sich friedlich bis zum heiligen Sabbattag; sobald er aber sah, dass die Juden nicht arbeiteten, befahl er seinen Leuten, sich zu rüsten. 26Als nun alle herauskamen, um zu sehen, was da werden würde, ließ er sie alle erstechen; dann stürmte er mit seinem Heer in die Stadt und erschlug eine große Zahl.

27Aber Judas, der auch Makkabäus heißt, machte sich mit neun andern davon in die Wildnis und ernährte sich im

5,27
1. Makk 2,28
Gebirge mit seinen Gefährten nach Art der Tiere von Kräutern, um nicht unter Unreinen leben zu müssen.

6

Antiochus IV. Epiphanes zwingt die Juden, als Heiden zu leben

(vgl. 1. Makk 1,43-56)

61Nicht lange danach sandte der König einen alten Mann von Athen, damit er die Juden dazu bringen sollte, dass sie von den Gesetzen ihrer Väter abfielen und nicht mehr nach Gottes Gesetzen lebten. 2Auch sollte er

6,2
1. Makk 1,57
den Tempel zu Jerusalem entweihen und ihn Tempel des Zeus Olympios nennen und den
6,2
Joh 4,20-24
auf dem Garizim Tempel des Zeus Xenios, weil gastfreie Leute dort wohnten.

3Aber das wüste Treiben nahm so überhand, dass es allen sehr wehtat. 4Denn die Heiden schwelgten und prassten im Tempel, gaben sich leichtfertig mit Dirnen ab und sogar im heiligen Bezirk wohnten sie Frauen bei; auch trugen sie viel hinein, was sich nicht gehörte. 5

6,5-6
1. Makk 1,46-52
Dan 7,25
Man opferte auf dem Altar Opfer, die in den Gesetzen verboten sind; 6es war nicht mehr möglich, den Sabbat oder andere altgewohnte Feiertage zu halten, und niemand durfte bekennen, dass er ein Jude wäre; 7vielmehr trieb man die Juden mit roher Gewalt alle Monate zum Opferschmaus, wenn der König seinen Geburtstag feierte. Wenn man aber das Fest des Dionysos beging, zwang man sie, dass sie mit Kränzen von Efeu dem Dionysos zu Ehren einherziehen mussten.

8Man hatte auch auf Anraten des

6,8
1. Makk 3,38
Ptolemäus an die benachbarten griechischen Städte ein Gebot ausgehen lassen, sie sollten die Juden ebenso zum Opferschmaus zwingen; 9wenn aber jemand darauf bestehen würde, nicht zu den griechischen Sitten überzugehen, den sollte man niedermachen. Da sah man, welch großer Jammer sich eingestellt hatte. 10Zwei Frauen nämlich wurden vorgeführt, weil sie ihre Söhne beschnitten hatten. Denen
6,10
1. Makk 1,63-64
band man die Kindlein an die Brust und führte sie öffentlich herum durch die ganze Stadt und warf sie zuletzt über die Mauer hinab. 11Einige Männer hatten sich in den nahen Höhlen zusammengefunden, um heimlich den Sabbat zu halten. Als das Philippus angezeigt wurde, verbrannte man sie; denn
6,11
1. Makk 2,31-38
sie wollten sich nicht wehren, damit sie sich nicht gegen den hochheiligen Tag vergingen.

Der Sinn der Leiden des jüdischen Volkes

12

6,12-17
Spr 3,11-12
Ich möchte aber hier den Leser ermahnen, sich durch diesen Jammer nicht entmutigen zu lassen, sondern zu bedenken, dass unserm Volk Strafen nicht zum Verderben, sondern zur Erziehung widerfahren. 13Denn das ist ein Zeichen großer Gnade, wenn Gott die Sünder nicht lange Zeit gewähren lässt, sondern sie bald der Strafe anheimgibt. 14Denn unser Herrscher sieht uns nicht so langmütig zu wie den andern Völkern, die er hingehen lässt, bis sie das Maß ihrer Sünden erfüllt haben, und sie dann bestraft; sondern er wehrt uns, dass wir’s nicht so weit treiben mit unsern Sünden und er uns zuletzt vernichtend bestrafen müsste. 15Deshalb nimmt er seine Barmherzigkeit nie ganz von uns; und wenn er uns durch ein Unglück erzieht,
6,15
Kap
lässt er doch sein Volk nie im Stich. 16Das sei gesagt, damit wir daran denken. 17Nun aber wollen wir rasch wieder auf die Geschichte kommen.

Der greise Eleasar gibt ein Beispiel tapferen Sterbens

18Eleasar war einer der angesehensten Schriftgelehrten, ein schon betagter und sehr schöner Mann; dem sperrte man mit Gewalt den Mund auf,

6,18
3. Mose 11,7
weil er Schweinefleisch essen sollte. 19Aber er wollte lieber in Ehren sterben als in Schande leben und spie es aus 20und ging freiwillig zur Marter, wie es sich ziemt für die, die sich standhaft weigern, aus Liebe zum zeitlichen Leben
6,20
Dan 1,8
Verbotenes zu essen.

21Weil nun die Männer, die zur Aufsicht beim gesetzwidrigen Opferschmaus bestellt waren, ihn seit langer Zeit gekannt hatten, nahmen sie ihn beiseite und redeten ihm zu, er sollte sich Fleisch besorgen, das er essen dürfte, und es selbst zubereiten; er sollte aber so tun, als wäre es das vom König befohlene Opferfleisch, 22damit er so am Leben bleiben und wegen der alten Freundschaft mit ihnen Freundlichkeit erfahren könnte.

23Aber er dachte so edel, wie es seinen hohen Jahren, dem Ansehen seines Greisenalters und seinem in Ehren ergrauten Haupt wohl anstand, auch seinem untadeligen Wandel von Jugend auf; und mehr noch: er folgte der heiligen Gesetzgebung Gottes und sagte sogleich geradeheraus: Schickt mich nur immer unter die Erde! 24Denn es will meinem Alter übel anstehen, dass ich heuchle, sodass viele von den Jungen denken müssen: Eleasar, der nun neunzig Jahre alt ist, sei auch zum Heiden geworden, 25und sie durch mich verführt werden, weil ich vor den Leuten heuchle und so mein Leben noch eine winzig kleine Zeit friste. Das wäre für mein Alter Schimpf und Schande. 26Wenn ich auch jetzt der Strafe der Menschen entgehen würde, so werde ich doch den

6,26
Ps 139,7-10
Hebr 10,31
Händen des Allmächtigen, ich sei lebendig oder tot, nicht entfliehen können. 27Darum will ich jetzt tapfer sterben, wie es mir altem Mann wohl ansteht, 28und den Jungen
6,28
Dan 12,3
ein gutes Beispiel hinterlassen, damit auch sie freudig und tapfer um der erhabenen, heiligen Gesetze willen einen guten Tod sterben.

29Als er diese Worte gesagt hatte, ging er sogleich zur Marter. Die ihn aber führten und ihm kurz vorher freundlich gewesen waren, wurden ihm jetzt feind um solcher Worte willen; denn sie meinten, er hätte sie aus Trotz gesagt. 30Als sie ihn aber geschlagen hatten und er dem Tode nahe war, seufzte er und sprach: Der Herr, der die heilige Erkenntnis hat, der weiß, dass ich die Schläge und großen Schmerzen, die ich an meinem

6,30
Mt 10,28
Leibe ertrage, und den Tod wohl hätte umgehen können, dass ich sie aber der Seele nach gern erleide, weil ich Gott fürchte. 31Und so ist er verschieden und hat mit seinem Tod ein Beispiel edler Gesinnung hinterlassen, das nicht allein die Jugend, sondern alle zur Tapferkeit mahnen soll.

7

Sieben Brüder und ihre Mutter sterben den Märtyrertod

71Es wurden auch sieben Brüder samt ihrer Mutter gefangen und mit Geißeln und Riemen geschlagen und vom König bedrängt, sie

7,1
Kap
sollten Schweinefleisch essen, was ihnen im Gesetz verboten war. 2Da sagte der Älteste unter ihnen: Was willst du viel fragen und von uns wissen?
7,2
Dan 3,16-18
Wir wollen eher sterben als etwas gegen das Gesetz der Väter tun.

3Da ergrimmte der König und gebot, man sollte Pfannen und Kessel über das Feuer setzen. 4Als man das sogleich getan hatte, gebot er, man sollte dem, der für sie das Wort geführt hatte, die Zunge ausschneiden und die Haut vom Kopf abziehen, wie das die Skythen tun, und Hände und Füße abhauen, und die andern Brüder und die Mutter sollten dabei zusehen. 5Als er nun so verstümmelt war, ließ er ihn noch lebend zum Feuer bringen und in der Pfanne braten. Und als der Dampf aus der Pfanne sich weithin verbreitete, ermahnten sie und die Mutter sich untereinander, unverzagt zu sterben, und sprachen: 6Gott der Herr sieht alles und wird sich unser ganz gewiss erbarmen, wie Mose in seinem Gesang den Feinden ins Angesicht bezeugt hat, wenn er verkündigt:

7,6
5. Mose 32,36
»Und über seine Knechte wird er sich erbarmen.«

7Als der Erste so aus dem Leben geschieden war, führten sie den Zweiten auch hin, um ihren Mutwillen mit ihm zu treiben; und sie zogen ihm vom Kopf Haut und Haar ab und fragten ihn, ob er Saufleisch essen wollte oder den ganzen Leib Glied für Glied martern lassen. 8Er aber antwortete in seiner Sprache und sagte: Ich will’s nicht tun. 9Daher marterten sie ihn weiter wie den Ersten. Als er nun in den letzten Zügen lag, sprach er: Du verruchter Mensch, du nimmst uns wohl das zeitliche Leben; aber der König der Welt wird uns, die wir um seiner Gesetze willen sterben,

7,9
Dan 12,2
wieder erwecken in der Auferstehung zum ewigen Leben.

10Danach nahmen sie den Dritten und trieben auch mit ihm ihren Mutwillen. Und als sie es von ihm forderten, streckte er sogleich die Zunge heraus und hielt unerschrocken die Hände hin und sagte tapfer: 11Diese Glieder sind mir vom Himmel gegeben; darum will ich sie gern gering achten um seiner Gesetze willen; denn ich hoffe, er wird sie mir wiedergeben. 12Der König aber und seine Diener wunderten sich darüber, dass der Jüngling so mutig war und die Marter für nichts achtete.

13Als auch dieser aus dem Leben geschieden war, peinigten sie den Vierten ebenso und geißelten ihn. 14Als es aber mit ihm zum Sterben ging, sprach er: Das ist für uns ein großer Trost:

7,14
Mt 16,25
Die Menschen können uns töten, aber wir hoffen auf Gottes Verheißung, dass er uns wieder
7,14
Hebr 11,35
auferwecken wird; du aber wirst nicht auferweckt werden zum Leben.

15Gleich danach brachten sie den Fünften und geißelten ihn. Der sah Antiochus an und sprach zu ihm: 16

7,16-17
Dan 5,18-30
Du bist zwar ein Mensch und musst sterben; weil du aber unter den Menschen Gewalt hast, tust du, was du willst. Du sollst aber nicht meinen,
7,16
Kap
dass Gott unser Volk im Stich gelassen hat. 17Mach nur so weiter, dann wirst du erfahren, wie mächtig Gott ist, der dich und dein Geschlecht plagen wird.
7,17
Kap

18Nach diesem führten sie den Sechsten auch heran. Der sagte, als er sterben sollte: Mach dir nichts vor!

7,18
Bar 1,15
Wir haben ja unser Leiden sehr wohl verdient, da wir uns an unserm Gott versündigt haben; und er handelt schrecklich an uns. 19Du aber bilde dir nicht ein, du würdest ungestraft bleiben, nachdem du gewagt hast, so gegen Gott zu toben.
7,19
Jes 10,5-7

20Überaus bewundernswert aber war die Mutter und wert, dass man mit höchstem Lobe an sie denkt. Denn sie sah, wie ihre Söhne alle sieben nacheinander an einem einzigen Tag zu Tode gemartert wurden, und durchlitt es tapfer um der Hoffnung willen, die sie zu Gott hatte. 21Dadurch wurde sie so hochgesinnt, dass sie einen Sohn nach dem andern in ihrer Sprache tröstete, und fasste sich, obwohl sie nur eine schwache Frau war, ein männliches Herz und sprach zu ihnen: 22Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß entstanden seid, und den Odem und das Leben habe ich euch nicht gegeben noch habe ich zusammengefügt, woraus jeder von euch besteht.

7,22
Ps 139,13-15
Pred 11,5
23Darum wird der, der die Welt geschaffen und alle Menschen gemacht und das Werden aller Dinge erdacht hat, euch den Odem und das Leben gnädig zurückgeben, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen keinerlei Rücksicht nehmt auf euch selbst.

24Antiochus meinte voll Argwohn, sie verachtete und schmähte ihn in ihrer Sprache; so redete er dem jüngsten Sohn, der noch übrig war, nicht allein mit guten Worten zu, sondern verhieß ihm sogar mit einem Eide, wenn er sich von den Gesetzen seiner Väter lossagen würde, so wollte er ihn reich und glücklich machen, ihn

7,24
1. Makk 2,18
unter seine Freunde aufnehmen und ihm Ämter anvertrauen. 25Als der Jüngling sich aber nicht bereden lassen wollte, ließ der König die Mutter vor sich kommen und ermahnte sie, sie sollte den Sohn doch zu seinem Besten beraten.

26Als er sie mit vielen Worten ermahnt hatte, nahm sie es auf sich, ihren Sohn zu überreden. 27Aber sie spottete nur über den rohen Tyrannen. Denn sie neigte sich zu ihrem Sohn und redete in ihrer Sprache mit ihm und sagte: 28Mein lieber Sohn, den ich neun Monate unter meinem Herzen getragen und drei Jahre gestillt und großgezogen und bis zu diesem Alter geleitet und gepflegt habe, erbarme dich doch über mich! Ich bitte dich, mein Kind, sieh Himmel und Erde an und alles, was darin ist, und bedenke:

7,28
Hebr 11,3
dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht. 29Darum fürchte dich nicht vor diesem Henker, sondern
7,29
Mt 19,29
nimm den Tod auf dich wie deine Brüder, damit dich Gott zur Zeit des Erbarmens samt deinen Brüdern mir wiedergebe.

30Während sie noch redete, sprach der Jüngling: Auf wen wartet ihr noch? Ich gehorche dem Gebot des Königs nicht, sondern ich höre auf das Gebot des Gesetzes, das unsern Vätern durch Mose gegeben ist.

7,30
Apg 5,29
31Du kannst dir zwar gegen die Hebräer alles Leid ausdenken, wirst aber der Hand Gottes gewiss nicht entrinnen. 32Wir leiden ja um unsrer Sünden willen; 33aber
7,33
Jes 54,7-8
obwohl unser lebendiger Herr eine Zeit lang zornig ist und uns bestraft und züchtigt, so wird er doch seinen Knechten wieder gnädig werden. 34Du Gottloser, Verruchtester unter allen Menschen, überhebe dich nicht in eitlen Hoffnungen und lege nicht in deiner Wut Hand an die Kinder Gottes! 35Denn du bist dem Gericht des allmächtigen Gottes, der alle Dinge sieht, noch nicht entronnen. 36Unsere Brüder,
7,36
2. Kor 4,17
die eine kurze Zeit sich haben martern lassen, die haben jetzt teil am ewigen Leben nach der Verheißung Gottes: du aber sollst nach dem Urteil Gottes bestraft werden, wie du es mit deinem Hochmut verdient hast.

37Ich will Leib und Leben um der Gesetze meiner Väter willen dahingeben wie meine Brüder und zu Gott schreien, dass er bald seinem Volk gnädig werde, du aber

7,37
Kap
unter großer Marter und Qual bekennen musst, dass er allein Gott ist. 38Der Zorn des Allmächtigen aber, der mit Recht über unser ganzes Volk ergangen ist, möge an mir und meinen Brüdern zum Stehen kommen. 39Als dies der König hörte, wurde er toll und töricht und ließ ihn noch schlimmer martern als die andern; denn es verdross ihn, dass er so verächtlich von ihnen behandelt wurde. 40So ist auch dieser, ohne unrein geworden zu sein, gestorben und hat sein ganzes Vertrauen auf den Herrn gestellt.

41Zuletzt, nach den Söhnen, wurde auch die Mutter hingerichtet. 42Dies sei genug von den heidnischen Opferschmäusen und den grausamen Martern.