Lutherbibel 1984 (LU84)
1

Auch die ägyptischen Juden sollen das Fest der Tempelweihe feiern

11Wir Juden, eure Brüder, die in Jerusalem und im jüdischen Lande sind, grüßen und wünschen euch Juden, unsern Brüdern, die

1,1
Jer 43,7
in Ägypten wohnen, Glück und Heil. 2Gott segne euch und denke an
1,2
2. Mose 2,24
seinen Bund, den er Abraham, Isaak und Jakob, seinen treuen Knechten, zugesagt hat, 3und gebe euch allen ein Herz, das bereit ist, ihn zu fürchten und seinen Weisungen gern und willig zu folgen; 4er tue euer Herz auf durch sein Gesetz und seine Gebote und schaffe Frieden; 5er erhöre euer Gebet und sei euch gnädig und verlasse euch nicht in der Not! 6Das alles erbitten wir hier jetzt für euch.
1,6
Kol 1,9

7Zur Zeit des Königs Demetrius, im 169. Jahr,1,7 144/143 v. Chr. haben wir in Judäa an euch geschrieben in unsrer höchsten Not, die uns in jenen Jahren betroffen hatte, als

1,7
Kap
Jason und sein Anhang von dem heiligen Lande und von dem Königtum abtrünnig geworden waren, 8
1,8
1. Makk 4,38
Ps 24,7
unsre Tore verbrannt und unschuldiges Blut vergossen hatten. Damals beteten wir und der Herr erhörte uns. Und
1,8
1. Makk 4,50-51
2. Mose 25,23-39
wir brachten ihm Opfer und feinstes Mehl dar und zündeten die Lampen an und legten die Schaubrote auf. 9Und nun möchten wir, dass ihr das
1,9
1. Makk 4,59
Joh 10,22
Tempelweihfest1,9 Wörtlich: »die Tage der Laubhütten«. Gemeint ist ein Fest mit so vielen Tagen wie das Laubhüttenfest. im Monat Kislew haltet wie wir. Gegeben im 188. Jahr.1,9 125/124 v. Chr.

Den ägyptischen Juden wird die bevorstehende Tempelweihe angekündigt

10Wir in Jerusalem und in Judäa, die Ältesten und Judas Makkabäus wünschen dem Aristobulus, der ein Lehrer des Königs Ptolemäus und von hohepriesterlichem Stamme ist, und den andern Juden, die in Ägypten wohnen, Glück und Gesundheit. 11Wir danken Gott sehr, dass er uns, die wir uns gegen einen so mächtigen König wehren mussten, aus großer Not erlöst hat. 12Denn Gott selbst hat unsere Feinde aus der heiligen Stadt weggetrieben.

13Als nämlich der Fürst mit seinem scheinbar unüberwindlichen Heer nach Persien gekommen war, wurde er im Tempel der Nanäa durch List der Priester der Nanäa erschlagen.

1,13
Kap
14Denn Antiochus kam dorthin samt seinen Freunden, als wollte er die Göttin freien, dachte aber nur daran, die reichen Schätze aus dem Tempel als Mitgift zu nehmen. 15Als die Priester der Nanäa sie hervortrugen und er mit wenigen Freunden in das Heiligtum gegangen war, schlossen sie den Tempel zu. 16Dann öffneten sie die geheime Tür in der Decke und warfen den Fürsten mit Steinen zu Tode. Danach hieben sie alle in Stücke, schlugen ihnen die Köpfe ab und warfen sie denen zu, die draußen standen. 17Unser Gott sei für alles gelobt, der die Gottlosen so dahingegeben hat!

18Weil wir nun gedenken,

1,18
1. Makk 4,59
am 25. Tag des Monats Kislew die Reinigung des Tempels zu begehen, haben wir’s für unsere Pflicht gehalten, euch das mitzuteilen, damit auch ihr dies Fest so begeht, wie man das
1,18
3. Mose 23,34
Laubhüttenfest und den Tag begeht, an dem Nehemia das Feuer gefunden hat, als er den Tempel und den Altar baute und wieder opferte.

19Denn als unsre Väter nach Persien weggeführt wurden, haben die frommen Priester jener Zeit

1,19
Kap
Feuer vom Altar genommen und es heimlich in der Höhlung eines Brunnens versteckt, der eine wasserfreie Stelle besaß; dort verwahrten sie es so, dass niemand den Ort erfuhr. 20Als nun
1,20
Neh 2,1-8
nach vielen Jahren Nehemia nach dem Willen Gottes vom König von Persien heimgesandt wurde, schickte er Nachkommen der Priester, die das Feuer verborgen hatten, damit sie es wieder suchten. Aber wie sie uns berichtet haben, haben sie kein Feuer, sondern dickflüssiges Wasser gefunden. 21
1,21-22
1. Kön 18,34-38
Das gebot er ihnen zu schöpfen und zu bringen. Als nun alles zum Opfer zugerüstet war, hat Nehemia den Priestern befohlen, sie sollten das Wasser über das Holz und das Opfer, das auf dem Holz lag, gießen. 22Als sie das getan hatten und nach einiger Zeit die Wolken vergangen waren und die Sonne aufleuchtete, da entzündete sich ein großes Feuer. Darüber verwunderten sich alle. 23Die Priester und das Volk aber beteten, bis das Opfer verbrannt war. Und Jonatan stimmte an, die andern aber antworteten ihm mit Nehemia.
1,23
Neh 8,6

24Dies aber war das Gebet: Herr, Herr, Gott, der du alle Dinge geschaffen hast und furchterregend, stark und gerecht bist und barmherzig und allein der rechte König und Wohltäter, 25der du allein alle Gaben gibst, der du allein gerecht, allmächtig und ewig bist, der du Israel erlöst aus allem Übel, der du unsere Väter erwählt und sie geheiligt hast; 26nimm das Opfer an für dein ganzes Volk Israel und bewahre und heilige dein Erbe. 27Bring unsere Zerstreuten wieder zusammen, erlöse, die den Heiden dienen müssen, und sieh die Verachteten an, vor denen alle ein Grauen haben: damit die Heiden erfahren, dass du unser Gott bist. 28Bestrafe, die uns unterdrücken und mit großem Übermut uns alle Schande antun. 29Pflanze dein Volk wieder ein an deinem heiligen Ort, wie Mose gesagt hat.

1,29
2. Mose 15,17
5. Mose 30,3-5
30Die Priester aber sangen die Lobgesänge dazu.

Als aber das Opfer verzehrt war, 31ließ Nehemia das übrige Wasser auf große Steine gießen. 32Auch da ging eine Flamme auf; aber sie wurde überstrahlt vom Leuchten des Feuers auf dem Altar.

33Dies alles ist bekannt geworden und vor den König der Perser gekommen, dass man nämlich an dem Ort, wo die weggeführten Priester das Feuer versteckt hatten, Wasser gefunden hätte, mit dem dann die Leute Nehemias die Opfer geheiligt hätten. 34Da prüfte es der König nach und ließ den Ort einfriedigen und zum Heiligtum erklären; 35und denen der König gnädig war, denen gab er viele kostbare Geschenke aus seinem Schatz. 36Und die Leute Nehemias nannten dies Wasser Neftar, auf Deutsch: Reinigung; die meisten aber nennen es Neftai.

2

21Man findet auch in den Schriften, dass der Prophet Jeremia denen, die weggeführt wurden, geboten habe, sie sollten

2,1
Kap
vom Feuer etwas verstecken, wie oben berichtet, 2und dass er ihnen das Gesetz mitgegeben und befohlen habe, sie sollten die Gebote des Herrn ja nicht vergessen und
2,2
Bar 6,7-72
sich nicht verführen lassen, wenn sie die goldenen und silbernen Götzen und ihren Schmuck sehen würden; 3und er habe ihnen noch anderes dieser Art gesagt und sie ermahnt, sie sollten das Gesetz nicht aus ihrem Herzen lassen.

4Auch stand in derselben Schrift, der Prophet habe auf göttlichen Befehl hin geboten, die Stiftshütte und die Bundeslade sollten mit ihm kommen, 5als er auszog

2,5
5. Mose 34,1
an den Berg, auf den Mose gestiegen war und von dem aus er das Erbland des Herrn gesehen hatte. Als Jeremia dorthin kam, fand er eine Höhle; darin versteckte er die Stiftshütte und die Lade und den Räucheraltar und verschloss den Eingang. 6Aber einige Männer, die ihm nachgegangen waren, traten hinzu und wollten sich an dem Zugang ein Zeichen machen; sie konnten ihn aber nicht finden. 7Als das Jeremia erfuhr, tadelte er sie und sagte: Diese Stätte soll kein Mensch kennen, bis Gott sein Volk wieder zusammenbringen und ihm gnädig sein wird. 8Dann wird der Herr dies alles wieder ans Licht bringen; und
2,8
Hes 43,1-5
dann wird die Herrlichkeit des Herrn und die Wolke erscheinen, wie sie sich
2,8
2. Mose 40,34-35
zu Moses Zeiten gezeigt hat und
2,8
1. Kön 8,10-1328-30
damals, als Salomo bat, dass die Stätte über die Maßen geheiligt würde.

9In dieser Schrift wird auch erzählt,

2,9
1. Kön 5,9-1114
wie weise Salomo gewesen ist und
2,9
1. Kön 8,63
wie er zur Einweihung und Vollendung des Tempels geopfert hat. 10Und ebenso, wie
2,10
3. Mose 9,24
Mose den Herrn gebeten hatte und Feuer vom Himmel fiel und die Opfer verzehrte, so betete auch
2,10
2. Chr 7,1
Salomo und das Feuer fiel herab und verzehrte die Brandopfer. 11Und Mose sagte, das Sündopfer sei vom Feuer verzehrt worden, weil man’s nicht gegessen habe.
2,11
3. Mose 10,16-20
12Ebenso hat auch Salomo die acht Tage gefeiert.
2,12
1. Kön 8,65-66

13Das alles findet man auch in den Schriften und den Denkwürdigkeiten, die zu Nehemias Zeiten geschrieben worden sind; ferner, wie Nehemia die Bücher über die Könige und Propheten, auch die von David und die Briefe der Könige über Weihgeschenke zusammengebracht und eine Bibliothek eingerichtet hat. 14Ebenso hat aber auch Judas die Bücher, die verloren gegangen waren, weil Kriege im Lande gewesen sind, alle wieder zusammengebracht; 15und wir haben sie hier. Solltet ihr sie also brauchen, so lasst sie bei uns holen!

16Weil wir nun die Tempelreinigung begehen wollen, schreiben wir es euch hiermit; ihr werdet also gut daran tun, die Tage auch zu begehen. 17Wir hoffen aber zu Gott, der seinem ganzen Volk geholfen und allen das Erbe verliehen hat,

2,17
2. Mose 19,5-6
1. Petr 2,9
nämlich das Königtum und das Priestertum und die Heiligkeit, 18wie er’s im Gesetz verheißen hat: er wolle sich unser bald erbarmen und uns aus der weiten Welt an den heiligen Ort wieder zusammenbringen,
2,18
5. Mose 30,3-5
19wie er uns ja bereits aus großem Unglück errettet und die heilige Stätte gereinigt hat.

Der Verfasser legt die Absicht seines Buches dar

20Die Geschichten aber von Judas, dem Makkabäer, und seinen Brüdern und von der Reinigung des erhabenen Tempels und der Weihe des Altars; 21von den Kriegen gegen Antiochus Epiphanes und seinen Sohn Eupator; 22von den Erscheinungen vom Himmel her, die denen widerfuhren, die für das Judentum redlich gekämpft haben, sodass ihre kleine Schar das ganze Land wiedererobert und eine große Menge der Heiden in die Flucht geschlagen und verfolgt hat; 23und weiter davon, wie sie den Tempel, der in aller Welt berühmt ist, wiedergewonnen und die Stadt befreit haben und wie sie die Gesetze, die man auflösen wollte, wieder aufgerichtet haben, weil der Herr ihnen wohlwollte und gnädig war: 24Dies alles, das Jason von Kyrene in fünf Büchern aufgezeichnet hat, gedenken wir, hier in eins zusammenzuziehen.

25Denn wir sehen, um wie viel Zahlen es geht und wie schwer es wegen der Fülle des Stoffs sein wird, wenn sich jemand in die Erzählungen und Berichte einarbeiten will. 26Wir haben uns also vorgenommen, denen, die gerne lesen, Anregung zu verschaffen, denen, die ihrem Gedächtnis etwas einprägen möchten, leichtere Übersicht zu geben, allen aber, die das Buch in die Hand nehmen, Gewinn zu bringen. 27Und wir merken wohl, dass es uns nicht eben leicht werden wird, uns der Mühe dieser Kürzung zu unterziehen; denn es gehört viel Arbeit und großer Fleiß dazu, 28wie es auch ohne Arbeit nicht zugeht, wenn man eine Mahlzeit bereiten und den Gästen etwas zugutetun will. Dennoch wollen wir diese Mühe gern auf uns nehmen, um vielen damit zu dienen, 29dabei allerdings die genaue Erforschung des Einzelnen dem Geschichtsschreiber überlassen, uns selbst aber darum bemühen, die Vorlagen für unsere Zusammenfassung durchzugehen.

30Denn wie ein Baumeister, der ein neues Haus baut, sich um den gesamten Bau zu kümmern hat, der aber, der es übernimmt, das Haus auszumalen, nichts weiter zu bedenken hat, als was man zur Ausschmückung braucht, so, meine ich, steht es auch bei uns. 31In die Dinge einzudringen und sie zu durchforschen und sich mit den Einzelheiten genau zu beschäftigen, das kommt dem Geschichtsschreiber zu; 32wer aber nur nacherzählen will, der darf sich kürzer fassen und sich von der eingehenden Darstellung der Geschichte frei machen. 33Und nun wollen wir mit der Erzählung beginnen, nachdem wir so viel dem Voraufgeschickten hinzugefügt haben; es wäre ja töricht, wenn die Vorrede länger würde als die ganze Erzählung.

2,33
Kap

3

Der Tempelschatz wird vor Heliodor bewahrt

31Als man in gutem Frieden in Jerusalem wohnte und die Gesetze aufs Beste gehalten wurden, weil der

3,1
Kap
Hohepriester Onias fromm war und das Böse hasste, 2wurden sogar die Könige bewogen,
3,2
Ps 68,30
Offb 21,24
die Stadt zu ehren und herrliche Geschenke in den Tempel zu schicken. 3So gewährte auch Seleukus, der König in Vorderasien, aus seinen eignen Einkünften alle Kosten, die der Opferdienst mit sich brachte.

4Nun lebte damals ein Vorsteher des Tempels, der hieß Simon und war ein Benjaminiter; der war mit dem Hohenpriester verfeindet wegen der Amtsführung des Marktvorstehers in der Stadt. 5Weil ihm aber Onias zu mächtig war, zog er zu Apollonius, dem Sohn des Tharseas, der damals Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien war, 6und meldete ihm, dass der Tempelschatz in Jerusalem unermesslich reich sei, sodass man die Höhe der Gelder nicht errechnen könne; man bedürfe ihrer auch nicht zum Opfer; es sei möglich, dass diese Gelder unter das Verfügungsrecht des Königs fielen.

7Als nun Apollonius zum König kam, berichtete er ihm, was ihm über die Gelder bekannt war. Da bestimmte der König seinen Kanzler Heliodor, entsandte ihn und gab ihm den Befehl, sich die erwähnten Gelder ausliefern zu lassen. 8Der machte sich sogleich auf und gab an, er müsste die Städte in Zölesyrien und Phönizien bereisen. Seine Absicht aber war, den Befehl des Königs auszuführen.

9Als Heliodor nun nach Jerusalem kam und der Hohepriester und die Stadt ihn freundlich empfangen hatten, erzählte er, was seinem Herrn berichtet worden war, und teilte mit, wozu er da wäre, und fragte, ob es in Wahrheit so wäre oder nicht. 10Da antwortete ihm der Hohepriester: Es ist Geld, das Witwen und Waisen gehört, hinterlegt zu treuer Hand.

3,10
5. Mose 27,19
11Anderes aber gehört dem Hyrkanus, dem Sohn des Tobias, einem sehr bedeutenden Mann. Und es verhält sich gar nicht so, wie der Verräter Simon gesagt hat; denn es sind nicht mehr als vierhundert Zentner Silber und zweihundert Zentner Gold. 12So würde es ein großer Frevel sein, wenn man die betrügen wollte, die auf die Heiligkeit der Stätte vertraut haben und auf die Würde des Tempels, der in aller Welt so hoch geehrt wird, und auf seine Unverletzlichkeit. 13Aber Heliodor bestand auf dem Befehl des Königs und sagte, er müsste die Gelder für den königlichen Schatz nehmen, 14und bestimmte einen Tag und kam in den Tempel, um sie zu besichtigen.

Da erhob sich großer Jammer in der ganzen Stadt. 15Die Priester warfen sich in ihrem heiligen Schmuck vor den Altar und riefen Gott im Himmel an, der zum Schutz dessen, was hinterlegt worden war,

3,15
2. Mose 22,6-7
geboten hat, den Leuten das Ihre unversehrt zu erhalten. 16Den Hohenpriester aber konnte niemand ohne großes Mitleid anblicken; denn sein Aussehen und seine Gesichtsfarbe ließen erkennen, dass er in großen Ängsten war. 17Denn er war so tief erschrocken und zitterte am ganzen Leibe, dass alle, die ihn sahen, verspüren mussten, welches Leid sein Herz erfüllte.

18Die Leute aber liefen in Scharen aus den Häusern und beteten miteinander, weil sie sahen, dass die heilige Stätte in Schmach und Schande gebracht werden sollte. 19Und die Frauen legten Säcke an, entblößten die Brust und liefen auf die Gassen; und sogar jene Jungfrauen, die sonst nicht unter die Leute gingen, liefen unter die Tore und auf die Mauern oder schauten wenigstens aus den Fenstern; 20alle aber hoben ihre Hände auf zum Himmel und hielten das Bittgebet. 21Es war zum Erbarmen, wie das Volk in einem großen Durcheinander niederfiel und dem Hohenpriester so angst und bange vor dem Kommenden war.

22Während sie so den allmächtigen Herrn anriefen, dass er das anvertraute Gut denen, die es hinterlegt hatten, unversehrt und sicher erhalten wollte, 23suchte Heliodor sein Vorhaben auszuführen. Und als er schon mit den Kriegsleuten in der Schatzkammer stand, 24tat der Herrscher über die Geister und alle Mächte ein gewaltiges Zeichen, sodass alle, die einzudringen sich erdreistet hatten, von der Macht Gottes geschlagen in lähmende Furcht und Verzagtheit fielen. 25Denn es erschien ihnen ein Pferd, das mit prächtigem Geschirr geschmückt war, darauf saß ein furchterregender Reiter; das rannte mit aller Macht auf Heliodor zu und drang mit den Vorderfüßen auf ihn ein. Und der Reiter zeigte sich in einer goldenen Rüstung. 26Auch erschienen dem Heliodor zwei junge Männer, die stark und schön waren und prächtig gekleidet; die traten auf beiden Seiten neben ihn hin und geißelten ihn unablässig mit vielen Schlägen, 27sodass er im Nu zu Boden fiel und in Ohnmacht sank.

28Da nahm man ihn, der eben noch mit großem Gefolge und allen seinen Kriegsleuten in die Schatzkammer gegangen war, und trug ihn in einer Sänfte davon, weil er sich selbst nicht mehr helfen konnte, 29sodass man deutlich die Macht Gottes erkennen musste. So lag er durch Gottes Wirken stumm da und war jeder Hoffnung und Hilfe beraubt; 30die Juden aber lobten den Herrn, der seine heilige Stätte so geehrt hatte. Und den Tempel, der kurz zuvor voll Furcht und Schrecken gewesen war, erfüllte Freude und Wonne nach diesem Zeichen des allmächtigen Herrn.

31Aber einige Freunde des Heliodor kamen eilends und baten Onias, dass er doch den Höchsten anrufen und dem Heliodor, der jetzt in den letzten Zügen lag, das Leben gnädig erwirken sollte.

3,31
1. Kön 13,6
32Weil aber der Hohepriester die Sorge hatte, der König könnte den Argwohn haben, die Juden hätten dem Heliodor schändlich mitgespielt, opferte er für ihn, damit er gesund würde. 33Und als der Hohepriester das Sühnopfer darbrachte, erschienen die beiden jungen Männer wieder in derselben Kleidung und sagten zu Heliodor: Dem Hohenpriester Onias hast du viel zu verdanken, denn um seinetwillen hat dir der Herr das Leben geschenkt; 34doch weil du vom Himmel gegeißelt worden bist, so verkündige allen, wie groß die Gewalt Gottes ist. Und als sie dies gesagt hatten, entschwanden sie. 35Heliodor aber ließ dem Herrn opfern und tat ihm sehr große Gelübde, weil er ihm das Leben wiedergegeben hatte, und empfing den Onias und kehrte danach mit der Streitmacht zum König zurück 36und bezeugte allen, wie er mit eignen Augen die Taten des höchsten Gottes gesehen hätte.

37Als ihn aber der König fragte, welchen geeigneten Mann er sonst noch einmal nach Jerusalem schicken könnte, antwortete ihm Heliodor: 38Wenn du einen Feind hast oder einen, der dich zu stürzen gedenkt, den schicke hin! Du wirst ihn dann zurückbekommen, nachdem er gegeißelt worden ist, wenn er überhaupt mit dem Leben davonkommt. 39Denn es wirkt wahrhaftig eine Kraft Gottes an jener Stätte;

3,39
1. Kön 8,3043
der seine Wohnung im Himmel hat, wacht darüber und hilft ihr; und alle, die ihr in böser Absicht nahen, schlägt und vernichtet er.

40Dies ist die Geschichte von Heliodor und der Bewahrung der Schatzkammer.