Lutherbibel 1984 (LU84)
14

Demetrius I. Soter schickt Nikanor gegen die Juden

(vgl. 1. Makk 7,1-7; 7,26)

141Drei Jahre danach vernahmen Judas und seine Leute, dass Demetrius, der Sohn des Seleukus, im Hafen von Tripolis mit starker Heeresmacht und vielen Schiffen angekommen war 2und das Land eingenommen und Antiochus samt seinem Vormund Lysias erschlagen hatte.

3Alkimus aber, der vorher Hoherpriester gewesen war und zur Zeit des Widerstandes schmählich nachgegeben hatte, dachte nun, dass ihm sonst nichts helfen, er auch nicht wieder zum Hohepriesteramt kommen könnte. 4So zog er im 151. Jahr14,4 162/161 v. Chr. zu König Demetrius, brachte ihm einen goldenen Kranz und einen Palmwedel und dazu Ölzweige, die im Tempel gebräuchlich waren; 5und an diesem Tag verhielt er sich ruhig. Er fand eine günstige Gelegenheit für seine Ruchlosigkeit, als ihn Demetrius vor den Kronrat fordern und fragen ließ, wie es bei den Juden stünde und was sie vorhätten.

6

14,6-10
St zu Est 1,3-4
Da antwortete er: Die unter den Juden, die sich Hasidäer nennen und die Judas Makkabäus anführt, halten Krieg und Aufruhr immer in Gang und lassen dein Reich nicht gedeihen, 7haben auch mir meine ererbte Würde, nämlich das Hohepriesteramt, geraubt. Darum bin ich hierher gekommen: 8zum Ersten, weil ich mich dem König aufrichtig verpflichtet weiß; zum andern, weil ich auch um meine Landsleute Sorge habe; denn durch ihre Unvernunft wird unser ganzes Volk ins Unglück stürzen. 9Darum wolle der König, weil er dies alles erkannt hat, nach seiner entgegenkommenden Freundlichkeit zu jedermann unserm Lande und unserm bedrängten Volk in dieser Sache raten und helfen. 10Denn solange Judas lebt, ist es nicht möglich, dass Friede im Lande wird.

11Als er das gesagt hatte, hetzten auch die andern Freunde des Königs, die dem Judas feindlich gesinnt waren, Demetrius gegen ihn auf. 12Sogleich rief er Nikanor, den Hauptmann über die Elefanten, zu sich und machte ihn zum Befehlshaber über Judäa und sandte ihn aus 13mit dem Auftrag, Judas unschädlich zu machen und seine Leute zu zerstreuen und Alkimus zum Hohenpriester des erhabenen Tempels einzusetzen. 14Da schlugen sich alle die scharenweise auf Nikanors Seite, die als Heiden vor Judas aus Judäa geflüchtet waren, und hofften, das Unglück der Juden sollte ihr Glück sein.

Nikanor einigt sich mit Judas Makkabäus

(vgl. 1. Makk 7,27-29)

15Als nun die Juden hörten, dass Nikanor heranzöge und die Heiden ihn unterstützten,

14,15
Kap
bestreuten sie sich mit Erde und riefen Gott an, der sein Volk seit ewigen Zeiten beschützt hat und den Seinen immer offenkundig hilft. 16Als nun der Anführer Befehl gab, machten sie sich sogleich auf und stießen auf die Feinde beim Dorf Dessau. 17Simon aber, der Bruder des Judas, war schon auf Nikanor getroffen und wäre fast geschlagen worden, als ihn die Feinde so plötzlich überraschten.

18Doch als Nikanor hörte, dass Judas so kühne Leute bei sich hatte, die Leib und Gut getrost für ihr Vaterland wagten, fürchtete er sich und wollte keine Schlacht mit ihnen schlagen, 19sondern sandte Posidonius, Theodotus und Mattatias zu ihm, um Frieden zu schließen. 20Als man nun lange darüber beraten und der Anführer dem Kriegsvolk die Sache vorgetragen hatte und sie in der Sache einig wurden, willigten sie in den Vertrag 21und bestimmten einen Tag, an dem die beiden allein zusammenkommen sollten. Als nun der Tag kam, stellte man für jeden einen Stuhl auf. 22Und Judas verteilte einige Bewaffnete auf günstige Plätze, falls die Feinde doch unerwartet eine Falle stellen würden. Doch kamen sie zu voller Übereinstimmung.

23Nikanor blieb eine Zeit lang in Jerusalem und unternahm nichts Unrechtes gegen sie und entließ die zusammengeströmten Scharen. 24Und er hatte den Judas allezeit bei sich und behandelte ihn freundlich, 25ermahnte ihn auch, dass er eine Frau nehmen und Kinder zeugen sollte. So nahm denn Judas eine Frau und hatte guten Frieden und genoss das Leben.

14,25
Pred 9,9

Nikanor muss gegen Judas Makkabäus feindlich vorgehen

(vgl. 1. Makk 7,29-38)

26Als nun Alkimus sah, dass diese beiden miteinander eins waren, nahm er den Vertrag, ging zu Demetrius und verklagte den Nikanor, er wäre untreu geworden; denn er hätte den Judas, einen Feind des Reiches, zu seinem Nachfolger als Hohenpriester eingesetzt. 27Da wurde der König durch die Lüge des Verleumders sehr erregt und zornig und schrieb an Nikanor, es gefiele ihm gar nicht, dass er Frieden mit den Juden geschlossen hätte, und gebot ihm, er sollte eilends Makkabäus gefangen nehmen und nach Antiochia schicken.

28Als nun dieser Befehl Nikanor erreichte, wurde er bestürzt und unwillig, dass er den Vertrag brechen sollte, obwohl doch Judas nichts verschuldet hatte. 29Aber weil er nicht gegen den König zu handeln wagte, wartete er auf eine Gelegenheit, ihn mit List zu fangen. 30Aber Makkabäus merkte, dass er sich unfreundlicher gegen ihn verhielt und ihm nicht mehr so herzlich begegnete, und erkannte, dass sein abweisendes Wesen nichts Gutes bedeutete, und nahm einige von seinen Leuten zu sich und verbarg sich vor Nikanor.

31Als nun Nikanor sah, dass ihn Makkabäus geschickt überlistet hatte, ging er hinauf zu dem erhabenen und heiligen Tempel und befahl den Priestern, die die gebotenen Opfer darbrachten, sie sollten ihm den Mann herausgeben. 32Als sie aber hoch und heilig schworen, sie wüssten nicht, wo er wäre, streckte er seine rechte Hand gegen den Tempel aus 33und schwor: Werdet ihr mir den Judas nicht gebunden übergeben, so will ich dies Gotteshaus dem Erdboden gleichmachen und den Altar umreißen und dem

14,33
Kap
Dionysos einen prächtigen Tempel hinstellen. 34Und als er das gesagt hatte, ging er davon.

Die Priester aber hoben ihre Hände empor zum Himmel und riefen den an, der allezeit unser Volk beschützt hat, 35

14,35-36
1. Kön 8,27-30
und sprachen: Herr, du brauchst kein irdisches Haus; dennoch hat es dir wohlgefallen, dass dein Tempel, in dem du wohnst, unter uns ist. 36Darum, du heiliger Gott, der du allein heilig machst, bewahre fortan dein Haus, das wir vor Kurzem neu geweiht haben, damit es nicht wieder unrein wird.

Rasi gibt ein Beispiel opfermütigen Sterbens

37Es wurde aber Nikanor angezeigt, dass ein Ältester von Jerusalem mit Namen Rasi ein Mann sei, der seine Mitbürger liebte, in hohem Ansehen stand und wegen seiner aufrechten Gesinnung ein Vater der Juden genannt wurde. 38Auch war er früher in der Zeit des Widerstandes wegen seines jüdischen Glaubens verklagt worden und hatte Leib und Leben dafür beharrlich gewagt.

39Als nun Nikanor zeigen wollte, wie bitter feind er den Juden war, sandte er über fünfhundert Kriegsleute, die Rasi gefangen nehmen sollten. 40Denn er meinte, wenn er ihn gefangen hätte, würde er den Juden dadurch großen Schaden zufügen. 41Als sie aber den Turm, in dem er wohnte, erobern und das Hoftor stürmen wollten, ließen sie Feuer bringen und das Tor anzünden. Da merkte er, dass er gefangen war, und wollte sich selbst erstechen. 42Denn

14,42
1. Sam 31,4
er wollte lieber ehrenhaft sterben als den Gottlosen in die Hände fallen und von ihnen erniedrigt und verhöhnt werden. Aber in der Hast traf er sich nicht recht.

43Als nun die Menge in die Türen eindrang, zog er sich entschlossen auf die Mauer zurück und stürzte sich mutig hinab unter die Leute. 44Sie wichen ihm aber schnell aus, sodass ein freier Raum entstand; und er fiel mitten auf den leeren Platz. 45Er lebte aber gleichwohl noch und stand in glühendem Opfermut auf, obwohl er sehr blutete und die Wunden ihn schmerzten, lief durch das Volk hindurch und trat auf einen hohen Felsen. 46Und obwohl er schon fast verblutet war, riss er sich noch die Därme aus dem Leibe, fasste sie mit beiden Händen und warf sie unter die Kriegsleute und rief zu Gott, der über Leben und Geist Herr ist,

14,46
Kap
dies alles möge er ihm wiedergeben, und starb so.

15

Judas Makkabäus siegt über Nikanor

(vgl. 1. Makk 7,39-46)

151Als aber Nikanor hörte, dass Judas sich mit seinen Leuten in Samarien aufhielt, dachte er, er könnte sie am Sabbat ohne jede Gefahr angreifen. 2Und als ihn die Juden, die er gezwungen hatte mitzuziehen, baten, er möchte sie nicht so grausam und unmenschlich umbringen, sondern den heiligen Tag achten, den Gott selbst geehrt und geheiligt hätte, 3fragte sie der Erzfrevler: Gibt es im Himmel den Herrscher, der den Sabbat geboten hat? 4Und als sie ihm antworteten: Ja, es gibt den lebendigen Herrn; er ist im Himmel der Herrscher, der

15,4
2. Mose 20,8
den siebenten Tag zu feiern geboten hat –, 5sagte er darauf: So bin ich
15,5
Dan 7,25
der Herrscher auf Erden und gebiete euch, ihr sollt die Waffen ergreifen und den Befehl des Königs ausführen. 6Aber er konnte sein ruchloses Vorhaben trotzdem nicht vollbringen. Und Nikanor prahlte vermessen und hatte sich schon vorgenommen, für seinen Sieg über Judas ein Denkmal öffentlich aufzustellen.

7Aber Makkabäus hatte unablässig die Zuversicht und Hoffnung, der Herr würde ihm beistehen, 8und ermunterte seine Männer, sie sollten sich vor den anrückenden Heiden nicht fürchten, sondern an die Hilfe denken, die ihnen früher oft vom Himmel gesandt worden war, und jetzt auch auf den Sieg hoffen, den der Allmächtige ihnen schicken würde. 9Er sagte ihnen

15,9
1. Makk 12,9
2. Mose 14,13-14
ermutigende Worte aus dem Gesetz und den Propheten und erinnerte sie an die Schlachten, die sie früher gewonnen hatten, und machte ihnen so Mut. 10Als er sie so angefeuert hatte, erzählte er ihnen auch, wie die Heiden ihre Zusagen nicht gehalten und ihre Eide gebrochen hätten. 11Dadurch rüstete er sie aus, dass sie nicht durch Spieß oder Schild sicher waren, sondern durch Gottes Wort Vertrauen gewannen. Er sagte ihnen auch von einer Erscheinung, die glaubwürdig war; davon bekamen alle Mut.

12Und das war die Erscheinung:

15,12
Kap
Onias, der frühere Hohepriester, ein trefflicher, im Umgang bescheidener, gütiger, beredter Mann, der von Jugend auf allem Guten nachgestrebt hatte, der streckte seine Hände aus und betete für die ganze Gemeinde der Juden. 13Danach erschien ihm ein würdiger, alter Mann, und um ihn war ein wunderbarer, herrlicher Glanz. 14Und Onias sagte zu Judas: Dies ist Jeremia, der Prophet Gottes, der deine Brüder sehr lieb hat und stets
15,14
Jer 37,3
für das Volk und die heilige Stadt betet. 15
15,15-16
Jer 47,6-7
Hes 30,24-25
Danach gab Jeremia mit der Rechten dem Judas ein goldenes Schwert 16und sagte zu ihm: Nimm hin das heilige Schwert, das dir Gott schenkt; damit sollst du die Feinde schlagen!

17Als sie nun Judas mit solchen guten Worten, die zur Tapferkeit anfeuern und den Jungen männlichen Mut geben konnten, aufgerufen hatte, beschlossen sie, kein Lager mehr aufzuschlagen, sondern mutig gegen die Feinde zu ziehen und sie männlich anzugreifen und die Sache zur Entscheidung zu bringen; denn die Stadt,

15,17
Kap
der Gottesdienst und der Tempel waren in Gefahr. 18Denn sie bangten nicht so sehr um ihre Frauen und Kinder, Brüder und Freunde, sondern sie sorgten sich vor allem um den heiligen Tempel. 19Und die in der Stadt blieben, waren in großer Sorge um ihr Kriegsvolk draußen im Felde.

20Als es nun zum Treffen kommen sollte und die Feinde zusammengezogen und in Schlachtordnung angetreten und die Elefanten an einem günstigen Ort aufgestellt und die Reiter auf beide Flügel verteilt worden waren 21und als Makkabäus die Feinde sah und ihre vielfältige Rüstung und die schrecklichen Tiere, streckte er seine Hände zum Himmel empor und betete zum Herrn, der Wunder tut; denn

15,21
Kap
er wusste wohl, dass der Sieg nicht durch Waffen kommt, sondern Gott ihn denen gibt, die er würdig findet. 22Und er betete so: Herr, zur Zeit Hiskias, des Königs von Juda, hast du deinen Engel gesandt; der erschlug in Sanheribs Lager 185000 Mann.
15,22
Kap
23So schicke nun auch, du Herrscher im Himmel, einen guten Engel vor uns her, die Feinde zu erschrecken. 24Lass die erschrecken vor deinem starken Arm, die mit Gotteslästerung gegen dein heiliges Volk ziehen. Und damit hörte Judas auf.

25So zogen Nikanor und sein Heer heran mit Trompeten und Kriegsgeschrei. 26Judas aber und seine Leute griffen die Feinde an mit Gebet und Flehen. Und mit den Händen führten sie das Schwert, 27mit dem Herzen aber schrien sie zu Gott und erschlugen nicht weniger als 35000 Mann; und sie freuten sich sehr, dass Gott sich so mächtig gezeigt hatte. 28Als nun die Schlacht beendet war und sie mit Freuden wieder abzogen, sahen sie, wie Nikanor in seinem Harnisch gefallen dalag. 29Da erhob sich ein Freudengeschrei und Jauchzen, und sie lobten Gott in ihrer Sprache.

Die Feier des Sieges über Nikanor veranlasst die Einführung eines jährlichen Gedenktages

(vgl. 1. Makk 7,47-49)

30Judas, der Leib und Leben für sein Volk eingesetzt und von Jugend auf sich zu seinen Landsleuten gehalten hatte, gebot,

15,30
1. Sam 17,54
man sollte dem Nikanor den Kopf und die Hand samt der Schulter abhauen und mit nach Jerusalem bringen. 31Als er nun dorthin kam, rief er seine Landsleute zusammen und stellte die Priester vor den Altar und schickte zu den Feinden auf der Burg 32und zeigte den Kopf des verruchten Nikanor und die Hand des Lästerers, die er gegen das heilige Haus des Allmächtigen ausgestreckt und dabei Lästerworte ausgestoßen hatte. 33Er
15,33
Kap
schnitt auch dem gottlosen Nikanor die Zunge aus und ließ sie in Stücken den Vögeln vorwerfen und die Hand, mit der er so unsinnig gehandelt hatte, gegenüber dem Tempel aufhängen.

34Und das ganze Volk lobte den Herrn, der sichtbar geholfen hatte, und sprach: Gelobt sei, der seine Stätte bewahrt hat, dass sie nicht unrein geworden ist! 35Und er steckte Nikanors Kopf auf, sodass ihn alle aus der Burg sehen konnten, zu einem öffentlichen Zeichen dafür, dass ihnen der Herr geholfen hatte.

36

15,36-37
Est 9,17-19
Es wurde auch einträchtig von allen beschlossen, man sollte diesen Tag niemals vergessen, 37sondern ihn feiern am dreizehnten Tag des zwölften Monats, der auf Syrisch Adar15,37 Adar = März/April. heißt, einen Tag vor dem Mordechai-Fest.

Schlusswort des Verfassers

38So will ich nun hiermit dies Buch beschließen, nachdem Nikanor umgekommen ist und die Hebräer die Stadt seit jener Zeit wieder in Besitz haben. 39Und wenn es gut gelungen und geschickt geordnet ist, so war das meine Absicht. Ist’s aber zu einfach geraten, so habe ich doch getan, soviel ich vermochte. 40Denn immer nur Wein oder nur Wasser trinken wird einem zuwider; wenn aber Wein mit Wasser vermischt erst wirklich Freude macht, so erfreut die Art, wie man die Worte setzt, die Ohren derer, die die Geschichte hören. Damit bin ich am Ende angelangt.