Lutherbibel 1984 (LU84)
12

Die Juden werden weiterhin beunruhigt

121Nachdem diese Verträge abgeschlossen waren, begab sich Lysias zum König; die Juden aber wandten sich wieder dem Ackerbau zu. 2Aber von den Unterbefehlshabern ließen Timotheus und Apollonius, der Sohn des Gennäus, ferner Hieronymus und Demophon, dazu Nikanor, der Hauptmann über die Kriegsleute aus Zypern, sie nicht zu Ruhe und friedlicher Arbeit kommen.

Judas Makkabäus bestraft die Städte Joppe und Jamnia

3Leute von Joppe aber verübten eine himmelschreiende Tat: Sie beredeten die Juden, die bei ihnen wohnten, mit ihren Frauen und Kindern in bereitgestellte Boote zu steigen, als wären sie gut Freund mit ihnen. 4Das geschah aber auf allgemeinen Beschluss der Stadt. Als nun die Juden das annahmen, weil sie möglichst Frieden halten wollten und keinerlei Verdacht hegten, führte man sie auf die hohe See und ertränkte sie, nicht weniger als zweihundert Personen.

5Als nun Judas hörte, wie gräulich man an seinen Landsleuten gehandelt hatte, bot er seine Männer auf 6und rief zu Gott, dem gerechten Richter, und zog gegen die aus, die seine Brüder ermordet hatten, und zündete bei Nacht den Hafen an und verbrannte die Boote; und alle, die dahin geflohen waren, tötete er mit dem Schwert. 7Weil aber die Stadt selbst verschlossen war, zog er ab in der Absicht, bald wiederzukommen und die gesamte Bürgerschaft von Joppe auszurotten.

8Es wurde ihm aber mitgeteilt, dass die Leute von Jamnia das Gleiche mit den Juden vorhatten, die bei ihnen wohnten. 9Darum überfiel er auch sie bei Nacht und verbrannte den Hafen und alle Schiffe, sodass man das Feuer in Jerusalem sah, das doch zweihundertvierzig Stadien davon entfernt lag.

Judas Makkabäus bekämpft arabische Nomaden und den Timotheus

10Als Judas von dort neun Stadien weitergezogen war, weil er sich gegen Timotheus wenden wollte, warfen sich ihm Araber entgegen, nicht weniger als fünftausend Mann und fünfhundert Reiter. 11Es kam zu einem heftigen Kampf; doch Judas mit seinen Leuten behielt durch Gottes Hilfe den Sieg. Und da die Araber unterlegen waren, baten sie ihn um Frieden und versprachen, sie wollten ihm Vieh liefern und auch sonst Hilfe leisten. 12Judas bedachte, wie sie ihm in der Tat in vielem nützlich sein könnten, und sagte ihnen Frieden zu. Und als er ihnen das durch Handschlag besiegelt hatte, kehrten sie zu ihren Zelten zurück.

13Auch griff Judas eine Stadt an, die mit Wällen gut gesichert und mit einer Mauer umschlossen war und in der ein bunt gemischtes Volk wohnte; die hieß

12,13
1. Makk 5,2636
Kaspin. 14Ihre Einwohner verließen sich auf ihre festen Mauern und den großen Vorrat an Nahrung und benahmen sich unverschämt gegen Judas und seine Leute: Sie schmähten sie, ja, sie lästerten und führten frevelhafte Reden. 15Da riefen Judas und seine Leute zu dem mächtigen Herrscher aller Welt, der zu Josuas Zeiten ohne Mauerbrecher und Sturmgerät Jericho zum Einsturz gebracht hatte.
12,15
Jos 6,20
16Sie stürmten in wilder Wut gegen die Mauer an und eroberten nach Gottes Willen die Stadt und töteten unsagbar viele Menschen, sodass der Teich, der dabei lag und wohl zwei Stadien breit war, aussah wie lauter Blut.

17Danach zogen sie siebenhundertfünfzig Stadien weiter und kamen nach Charax zu den Juden, die man Tubianer nennt. 18Aber sie fanden Timotheus dort nicht; denn er hatte die Gegend verlassen, nachdem er dort nichts ausgerichtet, sondern nur eine Ortschaft stark besetzt hatte. 19Da machten sich zwei Hauptleute aus der Schar des Makkabäus auf, nämlich Dositheus und Sosipater, und brachten alle um, die Timotheus in der Festung zurückgelassen hatte, mehr als zehntausend Mann.

20Makkabäus aber stellte sein Kriegsvolk in mehreren Abteilungen auf und setzte jene beiden an ihre Spitze und zog gegen

12,20
1. Makk 5,37
Timotheus, der 120000 Mann zu Fuß und 2500 Reiter bei sich hatte. 21Als nun Timotheus erfuhr, dass Judas gegen ihn heranzog, schickte er Frauen und Kinder und den übrigen Tross fort nach Karnajim, einem Ort, der so tief im Gebirge lag, dass man ihn nicht belagern und nur schwer erreichen konnte.

22Als aber die Feinde die erste Abteilung des Judas sahen, überfiel sie Furcht und Schrecken, weil zugleich der vor ihnen erschien, der alle Dinge sieht; und sie wandten sich zur Flucht, der eine dahin, der andere dorthin, sodass sie sich selbst oft untereinander verwundeten und mit der Spitze des Schwerts durchbohrten. 23Judas aber drückte ungestüm nach und schlug die Gottlosen zusammen und brachte an die dreißigtausend von ihnen um.

24Timotheus selbst aber geriet den Leuten des Dositheus und Sosipater in die Hände und bat sie um Leben und Freiheit; denn er hätte viele ihrer Väter und Brüder in seiner Gewalt, und diese müssten sterben, wie er mit großer Übertreibung vorgab, wenn er getötet würde. 25Nachdem er sich nun feierlich verbürgt hatte, dass er sie bis zu einem bestimmten Tag wohlbehalten ihnen übergeben wollte, ließen sie ihn frei, um ihre Brüder zu retten.

26Danach zog Makkabäus gegen

12,26
1. Makk 5,43-44
Karnajim und den Tempel der Atargatis und machte fünfundzwanzigtausend Menschen nieder.

Judas Makkabäus erobert Efron und verschont Skythopolis

(vgl. 1. Makk 5,45-54)

27Nachdem sie besiegt und vernichtet waren, brach Judas gegen die feste Stadt Efron auf, in der Lysias und eine Bevölkerung aus mancherlei Stämmen wohnte. Die kräftige junge Mannschaft aber, die vor der Stadt stand, wehrte sich tapfer und drinnen hatten sie Geschütze und Geschosse genug. 28Da riefen die Juden zu dem Herrscher, der mit Gewalt die Stärke der Feinde zerbricht, und eroberten die Stadt und erschlugen von denen, die darin waren, an fünfundzwanzigtausend Menschen.

29Von dort brachen sie auf und zogen gegen Skythopolis, das sechshundert Stadien von Jerusalem entfernt liegt. 30Weil aber die Juden, die dort wohnten, den Bürgern von Skythopolis bezeugten, dass sie ihnen wohlgesinnt gewesen wären und ihnen in den schweren Zeiten alle Freundschaft bewiesen hätten, 31so dankten sie den Bürgern dafür und legten ihnen ans Herz, auch weiterhin gegen ihr Volk guten Willens zu sein. Dann zogen sie wieder nach Jerusalem, als das Wochenfest nahe bevorstand.

Judas Makkabäus siegt über Gorgias

(vgl. 1. Makk 5,65-66)

32Nach dem Fest, das auch Pfingsten genannt wird, zogen sie gegen Gorgias, den Befehlshaber von Idumäa. 33Der begegnete ihnen mit dreitausend Mann zu Fuß und vierhundert Reitern. 34Als man nun handgemein wurde, fielen einige Juden. 35Und Dositheus, ein Reiter aus der Schar des Bakenor, ein mutiger Mann, packte Gorgias und hielt ihn am Mantel und zog ihn mit Gewalt fort und wollte den Verfluchten lebendig gefangen nehmen. Aber ein Reiter aus Thrazien sprengte auf ihn zu und hieb ihm den Arm ab. So entkam Gorgias nach Marescha. 36Als nun Esri und seine Schar vom allzu langen Kampf müde wurden, rief Judas zum Herrn, er möge ihnen als Helfer erscheinen und an ihrer Spitze kämpfen, 37stimmte in der

12,37
Kap
Sprache der Väter unter Lobgesängen das Kriegsgeschrei an und stürmte auf die Leute des Gorgias unerwartet los und jagte sie in die Flucht.

38Und Judas zog mit dem Heer in die Stadt Adullam; und weil der siebente Tag herbeigekommen war, reinigten sie sich nach dem Gesetz und hielten dort den Sabbat.

Sühnopfer für Gefallene, die Schuld auf sich geladen hatten

39Am Tage danach zogen die Leute des Judas aus, weil es schon höchste Zeit geworden war, um die Toten zu holen und in den Gräbern der Väter bei ihren Verwandten zu bestatten. 40Da fanden sie bei jedem der Erschlagenen unter dem Hemd Abbilder der Götzen von Jamnia, die den Juden im Gesetz verboten sind. Da wurde es allen deutlich, dass sie um dieser Schuld willen gefallen waren.

12,40
2. Mose 20,4-5
41Da priesen alle den Herrn, den gerechten Richter, der das Verborgene an den Tag bringt. 42Dann wandten sie sich zum gemeinsamen Gebet und flehten, dass diese Sünde gänzlich getilgt werden möchte. Und der edle Judas ermahnte die Menge, sich fortan vor Sünden zu hüten, weil sie nun mit eignen Augen sehen könnten, dass diese um ihrer Sünde willen gefallen wären.

43

12,43-46
Kap
Danach brachte er durch eine Sammlung an die zweitausend Drachmen in Silber zusammen; die schickte er nach Jerusalem zum Sündopfer. Und er tat gut und löblich daran, weil er an die Auferstehung dachte. 44Wenn er nicht erwartet hätte, dass die Gefallenen auferstehen würden, so wäre es überflüssig, ja töricht gewesen, für Tote zu bitten.
12,44
1. Kor 15,29
45Sodann aber bedachte er auch, dass denen, die als fromme Leute entschlafen, die herrlichste Gnadengabe bereitet ist; das ist ein frommer und heiliger Gedanke. 46Darum hat er auch für diese Toten ein Sühnopfer dargebracht, damit sie von ihrer Sünde erlöst würden.

13

Menelaus findet verdient einen schmählichen Tod

131

13,1-2
1. Makk 6,17
Im 149. Jahr13,1 164/163 v. Chr. kam es Judas und seinen Leuten zu Ohren, dass Antiochus Eupator mit einer großen Heeresmacht gegen Judäa heranzöge 2und Lysias, sein Vormund und Kanzler, mit ihm, und zwar jeder mit einem griechischen Heer von 110000 Mann zu Fuß und 5300 zu Ross und zweiundzwanzig Elefanten und dreihundert Sichelwagen.

3Und

13,3
Kap
Menelaus schlug sich auch auf ihre Seite und redete auf Antiochus ein zum Verderben seines Vaterlands und verschwieg seine Hoffnung, dadurch das Hohepriesteramt wieder zu erlangen. 4Aber der
13,4
1. Tim 6,15
König aller Könige erweckte den Zorn des Antiochus gegen diesen Frevler. Denn Lysias legte ihm dar, dass Menelaus die Ursache aller dieser Unruhen wäre; darum ließ der König ihn nach Beröa führen und so, wie es dort der Brauch ist, töten.

5Denn es war ein Turm da, fünfzig Ellen hoch, voll glühender Asche; und über der Asche war eine umlaufende Rampe, die überall zur Asche hin steil abfiel. 6Dorthin trieb die Volksmenge jeden, der des Tempelraubs schuldig war oder andere große Verbrechen begangen hatte, sodass er umkam. 7Eines solchen Todes musste auch der abtrünnige Menelaus sterben und ohne Grab bleiben. 8Und es geschah ihm recht. Denn weil er sich so oft an dem Altar, dessen Feuer und Asche heilig sind, versündigt hatte, musste er auch in der Asche den Tod finden.

13,8
Weish 11,16

Judas Makkabäus siegt bei Modeïn durch einen Überfall

(vgl. 1. Makk 6,28; 6,32-46)

9Der König aber wurde so zornig wie ein Wilder, zog heran und wollte den Juden noch Schrecklicheres antun, als unter seinem Vater geschehen war. 10Das erfuhr Judas und gebot dem ganzen Volk, sie sollten Tag und Nacht den Herrn anrufen, damit er ihnen jetzt, wie schon oft, gegen die helfen möchte, die ihnen das Gesetz, das Vaterland und den heiligen Tempel rauben wollten, 11und dass er das Volk, das sich kaum ein wenig erholt hatte, nicht in die Hände der ruchlosen Heiden geben möchte.

12Als sie das nun einhellig miteinander taten und den barmherzigen Gott unter Weinen und Fasten baten und drei Tage unaufhörlich auf der Erde lagen, ermunterte sie Judas und befahl ihnen, sich bereitzuhalten. 13Und als er und die Ältesten beisammen waren, beschloss er mit ihnen, er wollte, ehe der König mit seinem Heer nach Judäa kommen und die Stadt einnehmen könnte, ihm entgegenziehen und die Sache mit Gottes Hilfe enden. 14Und er vertraute sich dem

13,14
Kap
Schöpfer der Welt an und ermahnte seine Leute, sie sollten tapfer bis in den Tod kämpfen, um die Gesetze, den Tempel, die Stadt, das Vaterland und ihre eigne Ordnung zu erhalten.

15Und er lagerte sich bei Modeïn und gab ihnen diese Worte zur Losung: Gott gibt Sieg! Danach machte er sich bei Nacht auf mit den besten und auserlesensten jungen Kriegsleuten und überfiel die königliche Befestigung und erschlug im Lager an die zweitausend Mann und den Leitelefanten und den, der mit ihm im Stall war. 16Damit brachten sie zum Schluss großen Schrecken und Verwirrung in das ganze Lager und zogen glücklich davon 17am Morgen, als der Tag anbrach; denn Gott war ihr Helfer gewesen.

Antiochus V. Eupator belagert Bet-Zur

(vgl. 1. Makk 6,29-31; 6,47-50)

18Als aber der König verspürt hatte, dass die Juden so wagemutig waren, suchte er die Orte mit List in seine Gewalt zu bringen 19und zog vor die Festung der Juden Bet-Zur. Aber er wurde in die Flucht geschlagen, griff wieder an und richtete nichts aus; 20denn Judas hatte alles Nötige in die Festung geschickt. 21Es war aber einer unter den Juden, Rhodokus, der verriet den Feinden alles Geheime. Man suchte nach ihm, nahm ihn fest und warf ihn ins Gefängnis.

22Danach verhandelte der König wieder und schloss Frieden mit der Besatzung von Bet-Zur und zog davon; dann griff er Judas und seine Leute an und verlor die Schlacht.

Antiochus V. Eupator schließt Frieden mit den Juden

(vgl. 1. Makk 6,55-63)

23Und als Antiochus erfahren hatte, dass

13,23
1. Makk 6,14
Philippus, den er in Antiochia als Statthalter zurückgelassen hatte, abgefallen war, wurde er unsicher und sandte den Juden eine freundliche Botschaft, unterhandelte und schwor einen Eid und einigte sich mit ihnen zu gerechten Bedingungen. Er opferte und ehrte den Tempel und behandelte die Stadt freundlich. 24Er empfing auch Makkabäus und machte den Hegemonides zum Befehlshaber über das Land von Ptolemais bis zum Gebiet der Gerrener.

25Als aber der König nach Ptolemais kam, sahen die Ptolemaier den Vertrag nicht gern; denn sie fanden ihn unerträglich und wollten deswegen die Abmachungen aufheben. 26Da trat Lysias öffentlich auf und entschuldigte den König so viel als möglich und beredete sie, dass sie zufrieden waren, und beruhigte sie; danach kehrte er wieder nach Antiochia zurück.

So gingen Anmarsch und Abzug des Königs vor sich.

14

Demetrius I. Soter schickt Nikanor gegen die Juden

(vgl. 1. Makk 7,1-7; 7,26)

141Drei Jahre danach vernahmen Judas und seine Leute, dass Demetrius, der Sohn des Seleukus, im Hafen von Tripolis mit starker Heeresmacht und vielen Schiffen angekommen war 2und das Land eingenommen und Antiochus samt seinem Vormund Lysias erschlagen hatte.

3Alkimus aber, der vorher Hoherpriester gewesen war und zur Zeit des Widerstandes schmählich nachgegeben hatte, dachte nun, dass ihm sonst nichts helfen, er auch nicht wieder zum Hohepriesteramt kommen könnte. 4So zog er im 151. Jahr14,4 162/161 v. Chr. zu König Demetrius, brachte ihm einen goldenen Kranz und einen Palmwedel und dazu Ölzweige, die im Tempel gebräuchlich waren; 5und an diesem Tag verhielt er sich ruhig. Er fand eine günstige Gelegenheit für seine Ruchlosigkeit, als ihn Demetrius vor den Kronrat fordern und fragen ließ, wie es bei den Juden stünde und was sie vorhätten.

6

14,6-10
St zu Est 1,3-4
Da antwortete er: Die unter den Juden, die sich Hasidäer nennen und die Judas Makkabäus anführt, halten Krieg und Aufruhr immer in Gang und lassen dein Reich nicht gedeihen, 7haben auch mir meine ererbte Würde, nämlich das Hohepriesteramt, geraubt. Darum bin ich hierher gekommen: 8zum Ersten, weil ich mich dem König aufrichtig verpflichtet weiß; zum andern, weil ich auch um meine Landsleute Sorge habe; denn durch ihre Unvernunft wird unser ganzes Volk ins Unglück stürzen. 9Darum wolle der König, weil er dies alles erkannt hat, nach seiner entgegenkommenden Freundlichkeit zu jedermann unserm Lande und unserm bedrängten Volk in dieser Sache raten und helfen. 10Denn solange Judas lebt, ist es nicht möglich, dass Friede im Lande wird.

11Als er das gesagt hatte, hetzten auch die andern Freunde des Königs, die dem Judas feindlich gesinnt waren, Demetrius gegen ihn auf. 12Sogleich rief er Nikanor, den Hauptmann über die Elefanten, zu sich und machte ihn zum Befehlshaber über Judäa und sandte ihn aus 13mit dem Auftrag, Judas unschädlich zu machen und seine Leute zu zerstreuen und Alkimus zum Hohenpriester des erhabenen Tempels einzusetzen. 14Da schlugen sich alle die scharenweise auf Nikanors Seite, die als Heiden vor Judas aus Judäa geflüchtet waren, und hofften, das Unglück der Juden sollte ihr Glück sein.

Nikanor einigt sich mit Judas Makkabäus

(vgl. 1. Makk 7,27-29)

15Als nun die Juden hörten, dass Nikanor heranzöge und die Heiden ihn unterstützten,

14,15
Kap
bestreuten sie sich mit Erde und riefen Gott an, der sein Volk seit ewigen Zeiten beschützt hat und den Seinen immer offenkundig hilft. 16Als nun der Anführer Befehl gab, machten sie sich sogleich auf und stießen auf die Feinde beim Dorf Dessau. 17Simon aber, der Bruder des Judas, war schon auf Nikanor getroffen und wäre fast geschlagen worden, als ihn die Feinde so plötzlich überraschten.

18Doch als Nikanor hörte, dass Judas so kühne Leute bei sich hatte, die Leib und Gut getrost für ihr Vaterland wagten, fürchtete er sich und wollte keine Schlacht mit ihnen schlagen, 19sondern sandte Posidonius, Theodotus und Mattatias zu ihm, um Frieden zu schließen. 20Als man nun lange darüber beraten und der Anführer dem Kriegsvolk die Sache vorgetragen hatte und sie in der Sache einig wurden, willigten sie in den Vertrag 21und bestimmten einen Tag, an dem die beiden allein zusammenkommen sollten. Als nun der Tag kam, stellte man für jeden einen Stuhl auf. 22Und Judas verteilte einige Bewaffnete auf günstige Plätze, falls die Feinde doch unerwartet eine Falle stellen würden. Doch kamen sie zu voller Übereinstimmung.

23Nikanor blieb eine Zeit lang in Jerusalem und unternahm nichts Unrechtes gegen sie und entließ die zusammengeströmten Scharen. 24Und er hatte den Judas allezeit bei sich und behandelte ihn freundlich, 25ermahnte ihn auch, dass er eine Frau nehmen und Kinder zeugen sollte. So nahm denn Judas eine Frau und hatte guten Frieden und genoss das Leben.

14,25
Pred 9,9

Nikanor muss gegen Judas Makkabäus feindlich vorgehen

(vgl. 1. Makk 7,29-38)

26Als nun Alkimus sah, dass diese beiden miteinander eins waren, nahm er den Vertrag, ging zu Demetrius und verklagte den Nikanor, er wäre untreu geworden; denn er hätte den Judas, einen Feind des Reiches, zu seinem Nachfolger als Hohenpriester eingesetzt. 27Da wurde der König durch die Lüge des Verleumders sehr erregt und zornig und schrieb an Nikanor, es gefiele ihm gar nicht, dass er Frieden mit den Juden geschlossen hätte, und gebot ihm, er sollte eilends Makkabäus gefangen nehmen und nach Antiochia schicken.

28Als nun dieser Befehl Nikanor erreichte, wurde er bestürzt und unwillig, dass er den Vertrag brechen sollte, obwohl doch Judas nichts verschuldet hatte. 29Aber weil er nicht gegen den König zu handeln wagte, wartete er auf eine Gelegenheit, ihn mit List zu fangen. 30Aber Makkabäus merkte, dass er sich unfreundlicher gegen ihn verhielt und ihm nicht mehr so herzlich begegnete, und erkannte, dass sein abweisendes Wesen nichts Gutes bedeutete, und nahm einige von seinen Leuten zu sich und verbarg sich vor Nikanor.

31Als nun Nikanor sah, dass ihn Makkabäus geschickt überlistet hatte, ging er hinauf zu dem erhabenen und heiligen Tempel und befahl den Priestern, die die gebotenen Opfer darbrachten, sie sollten ihm den Mann herausgeben. 32Als sie aber hoch und heilig schworen, sie wüssten nicht, wo er wäre, streckte er seine rechte Hand gegen den Tempel aus 33und schwor: Werdet ihr mir den Judas nicht gebunden übergeben, so will ich dies Gotteshaus dem Erdboden gleichmachen und den Altar umreißen und dem

14,33
Kap
Dionysos einen prächtigen Tempel hinstellen. 34Und als er das gesagt hatte, ging er davon.

Die Priester aber hoben ihre Hände empor zum Himmel und riefen den an, der allezeit unser Volk beschützt hat, 35

14,35-36
1. Kön 8,27-30
und sprachen: Herr, du brauchst kein irdisches Haus; dennoch hat es dir wohlgefallen, dass dein Tempel, in dem du wohnst, unter uns ist. 36Darum, du heiliger Gott, der du allein heilig machst, bewahre fortan dein Haus, das wir vor Kurzem neu geweiht haben, damit es nicht wieder unrein wird.

Rasi gibt ein Beispiel opfermütigen Sterbens

37Es wurde aber Nikanor angezeigt, dass ein Ältester von Jerusalem mit Namen Rasi ein Mann sei, der seine Mitbürger liebte, in hohem Ansehen stand und wegen seiner aufrechten Gesinnung ein Vater der Juden genannt wurde. 38Auch war er früher in der Zeit des Widerstandes wegen seines jüdischen Glaubens verklagt worden und hatte Leib und Leben dafür beharrlich gewagt.

39Als nun Nikanor zeigen wollte, wie bitter feind er den Juden war, sandte er über fünfhundert Kriegsleute, die Rasi gefangen nehmen sollten. 40Denn er meinte, wenn er ihn gefangen hätte, würde er den Juden dadurch großen Schaden zufügen. 41Als sie aber den Turm, in dem er wohnte, erobern und das Hoftor stürmen wollten, ließen sie Feuer bringen und das Tor anzünden. Da merkte er, dass er gefangen war, und wollte sich selbst erstechen. 42Denn

14,42
1. Sam 31,4
er wollte lieber ehrenhaft sterben als den Gottlosen in die Hände fallen und von ihnen erniedrigt und verhöhnt werden. Aber in der Hast traf er sich nicht recht.

43Als nun die Menge in die Türen eindrang, zog er sich entschlossen auf die Mauer zurück und stürzte sich mutig hinab unter die Leute. 44Sie wichen ihm aber schnell aus, sodass ein freier Raum entstand; und er fiel mitten auf den leeren Platz. 45Er lebte aber gleichwohl noch und stand in glühendem Opfermut auf, obwohl er sehr blutete und die Wunden ihn schmerzten, lief durch das Volk hindurch und trat auf einen hohen Felsen. 46Und obwohl er schon fast verblutet war, riss er sich noch die Därme aus dem Leibe, fasste sie mit beiden Händen und warf sie unter die Kriegsleute und rief zu Gott, der über Leben und Geist Herr ist,

14,46
Kap
dies alles möge er ihm wiedergeben, und starb so.