Lutherbibel 1984 (LU84)
10

Die Juden gewinnen den Tempel zurück und setzen das Fest der Tempelweihe ein

(vgl. 1. Makk 4,36-59)

101Gott aber trieb Makkabäus und seine Leute dazu an, den Tempel und die Stadt wieder einzunehmen. 2

10,2-3
5. Mose 12,1-6
Und sie zerstörten die Altäre, die die Heiden auf dem Marktplatz errichtet hatten, und die Götzenhaine. 3Und nachdem sie den Tempel gereinigt hatten, bauten sie einen neuen Altar und nahmen Feuersteine, schlugen Feuer und brachten wieder Opfer dar –
10,3
1. Makk 1,21-23
das war zwei Jahre lang nicht geschehen –, opferten Räucherwerk, zündeten die Lampen an und legten die Schaubrote auf. 4Als nun das alles geschehen war, warfen sie sich mit dem ganzen Körper auf die Erde nieder und baten den Herrn: er wolle sie ja nicht wieder in solchen Jammer kommen lassen, sondern, wenn sie sich auch einmal versündigen würden, sie
10,4
Jer 10,24
in Milde züchtigen und nicht in die Hände der Gotteslästerer, der grausamen Heiden, geben.

5Und Gott schickte es so, dass an dem gleichen Tage, an dem die Fremden den Tempel unrein gemacht hatten, nämlich am fünfundzwanzigsten Tage des Monats Kislew, der Tempel gereinigt wurde. 6Und sie feierten mit Freuden acht Tage lang, wie beim

10,6
Kap
Laubhüttenfest, und dachten daran, dass sie noch vor kurzer Zeit ihr Laubhüttenfest in der Wildnis und in den
10,6
Hebr 11,37-38
Höhlen wie wilde Tiere gehalten hatten. 7Sie trugen laubumwundene Stäbe und schöne Zweige und Palmwedel und priesen mit Lobgesängen den, der es gefügt hatte, dass seine heilige Stätte wieder gereinigt wurde. 8Dann stimmten sie in der Gemeinde ab, fassten den Beschluss und ließen als Gebot für das ganze Volk der Juden ausgehen, dass man diese Tage jährlich feiern sollte.

Die Feindschaft der Syrer gegen die Juden hält an

9So ging es zu, als

10,9
Kap
Antiochus mit dem Beinamen Epiphanes starb.

10Nun kommen wir zu Antiochus

10,10
1. Makk 6,17
Eupator, dem Sohn des gottlosen Antiochus, und erzählen so kurz wie möglich die wichtigsten Kriegsnöte. 11Als Eupator König wurde, setzte er
10,11
1. Makk 3,32
Lysias, den obersten Befehlshaber in Zölesyrien und Phönizien, zum Kanzler ein. 12
10,12
Kap
Ptolemäus Makron nämlich, der die Juden gern in ihrem Recht geschützt hätte, weil sie bisher so viel Unrecht erlitten hatten, arbeitete darauf hin, sie in Frieden leben zu lassen. 13Deshalb verklagten ihn die Freunde des Königs bei Eupator; auch nannte man ihn bei jeder Gelegenheit einen Verräter, weil er die Insel Zypern, die ihm Philometor anvertraut hatte, verlassen hatte und zu Antiochus Epiphanes übergegangen war; und da er nicht mehr mit Ehren sein Amt führen konnte, nahm er sich mit Gift das Leben. 14Als nun
10,14
Kap
Gorgias in diesen Gebieten Befehlshaber wurde, nahm er Kriegsleute in Sold und hielt den Krieg mit den Juden beständig in Gang.

Judas Makkabäus erobert idumäische Festungen

15Gemeinsame Sache mit Gorgias machten auch die

10,15
Am 1,11-12
Idumäer: Da sie günstig gelegene Festungen innehatten, ließen sie die Juden nicht zur Ruhe kommen; auch nahmen sie die bei sich auf, die aus Jerusalem verjagt worden waren, und ließen den Krieg immer wieder aufflammen. 16Da kamen Makkabäus und seine Leute zusammen und hielten ein Bittgebet, dass ihnen Gott beistehen möchte; 17dann
10,17
1. Makk 5,3
brachen sie gegen die Festungen der Idumäer auf, griffen kräftig an und eroberten sie; alle, die sich auf den Mauern zur Gegenwehr stellten, vertrieben sie; wer ihnen sonst in die Hände fiel, den machten sie nieder und töteten nicht weniger als zwanzigtausend Menschen.

18Es entrannen ihnen aber an die neuntausend in zwei überaus starke Burgen, die gegen eine Belagerung mit allem ausgerüstet waren. 19Da ließ Makkabäus den Simon und Josef, dazu Zachäus und seine Leute zurück, die zur Belagerung stark genug waren; er selbst aber zog fort vor andere Städte, wo man ihn notwendig brauchte.

20Gewisse Leute um Simon aber ließen sich, geldgierig, wie sie waren, durch einige von den Belagerten bestechen und nahmen siebzigtausend Drachmen von ihnen und ließen sie entkommen. 21Als das nun Makkabäus erfuhr, rief er die Hauptleute zusammen und klagte jene an, sie hätten

10,21
5. Mose 24,7
ihre Brüder für schnödes Geld verkauft, indem sie die Feinde hatten entkommen lassen. 22Er ließ sie als Verräter töten und stürmte alsbald die beiden Burgen. 23Und weil ihm alles glückte, was er mit den Waffen unternahm, brachte er in den beiden Festungen mehr als zwanzigtausend Menschen ums Leben.

Timotheus wird bei der Eroberung der Festung Geser getötet

24Timotheus aber,

10,24
Kap
den die Juden einst geschlagen hatten, rüstete sich mit einer Menge fremden Kriegsvolks und sammelte viel Reiterei aus Asien und trat mit der Absicht auf, Judäa mit Gewalt einzunehmen. 25Und als er sich dem Lande näherte, streuten Makkabäus und seine Leute zum gemeinsamen Gebet vor Gott 26
10,26
Jdt 4,14
Erde auf ihr Haupt und legten Säcke an und fielen am Fuße des Altars nieder und baten, dass Gott ihnen gnädig und ihren Feinden ungnädig sein wolle und
10,26
2. Mose 23,22
Widersacher ihrer Widersacher, wie es im Gesetz verkündet ist.

27Als sie nun gebetet hatten, nahmen sie ihre Waffen auf und zogen ein gutes Stück vor die Stadt hinaus, bis sie in die Nähe der Feinde kamen; da machten sie halt. 28Und sobald die Sonne aufging, stießen die beiden Heere aufeinander; und die einen hatten neben ihrer Tapferkeit als Bürgschaft für Kriegsglück und Sieg die Zuflucht, die sie zum Herrn genommen hatten; die andern aber ließen sich im Kampf allein von ihrer menschlichen Leidenschaft führen.

29Als nun die Schlacht am heftigsten war,

10,29
Kap
erschienen den Feinden vom Himmel her fünf strahlende Gestalten auf Pferden mit goldenen Zäumen; die zogen vor den Juden her 30und zwei von ihnen hielten sich zu beiden Seiten neben Makkabäus und beschützten ihn mit ihren Waffen, sodass ihn niemand verwunden konnte, und schossen blitzende Pfeile auf die Feinde, sodass sie geblendet, verwirrt und niedergeschlagen wurden. 31Und es wurden erschlagen 20500 Mann zu Fuß und sechshundert Reiter. 32Timotheus selbst aber entfloh nach Geser, einem stark befestigten Platz; dort führte der Hauptmann Chäreas den Befehl.

33Da belagerten Makkabäus und seine Leute den festen Platz mit freudigem Mut vier Tage lang. 34Aber die Besatzung verließ sich auf die Stärke des Orts und stieß ungeheuerliche Lästerungen und Schmähungen aus. 35Aber am fünften Tage wurden zwanzig junge Männer von den Leuten des Makkabäus sehr zornig über die dauernde Schmähung und liefen mannhaft Sturm gegen die Mauer und erschlugen in wilder Wut jeden, der ihnen in den Weg kam. 36Ebenso erstiegen andere den Ort auf einer andern Seite, legten Feuer an die Türme und verbrannten die Gotteslästerer bei lebendigem Leibe. 37Wieder andere hieben die Tore auf, ließen das übrige Heer hinein und eroberten so die Stadt. Sie erschlugen Timotheus, der sich in einer Zisterne versteckt hatte, und seinen Bruder Chäreas und Apollophanes. 38Als sie das alles vollbracht hatten, priesen sie mit Lobgesängen und Dankliedern den Herrn, der Israel eine so große Wohltat erwiesen und ihnen den Sieg gegeben hatte.

11

Judas Makkabäus besiegt Lysias

(vgl. 1. Makk 4,26-35)

111Als nun

11,1
Kap
Lysias, der Vormund und Vetter und Kanzler des Königs, dies alles erfuhr, ging es ihm sehr nahe. 2Und er zog in ganz kurzer Zeit achtzigtausend Mann und die ganze Reiterei zusammen und wandte sich gegen die Juden in der Absicht, Griechen in der Stadt Jerusalem anzusiedeln, 3den Tempel nach Art der andern Heidentempel abgabepflichtig zu machen und das Hohepriesteramt jährlich für Geld zu vergeben. 4Er bedachte aber nicht die Macht Gottes, sondern
11,4
Ps 147,10-11
pochte auf die Zehntausende zu Fuß und die Tausende zu Ross und auf die achtzig Elefanten.

5Als er nun nach Judäa kam, lagerte er sich vor einen festen Ort, Bet-Zur genannt, der etwa fünf Stunden von Jerusalem entfernt lag, und setzte ihm hart zu. 6Als aber Makkabäus und seine Leute hörten, dass er die Festungen belagerte, baten sie mit dem ganzen Volk unter Wehklagen und Tränen den Herrn,

11,6
2. Mose 23,20
einen guten Engel zu senden, der Israel helfen sollte. 7Und Makkabäus war der Erste, der die Waffen aufnahm, und er mahnte die andern, es mit ihm zusammen zu wagen und ihren Brüdern Hilfe zu bringen. 8So zogen sie mutig miteinander aus. Sobald sie aber hinaus aus der Stadt Jerusalem kamen, erschien ihnen einer hoch zu Ross in einem weißen Gewand und goldene Waffen schwingend und zog vor ihnen her. 9Da lobten sie alle den barmherzigen Gott und wurden in ihrer Zuversicht so gestärkt, dass sie bereit waren, nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen die wildesten Tiere und eiserne Mauern anzugehen.

10Sie rückten in bester Ordnung vor; denn sie hatten den Helfer, den ihnen der barmherzige Gott vom Himmel her gesandt hatte. 11Und sie griffen ihre Feinde an wie Löwen und erschlugen von ihnen elftausend zu Fuß und sechzehnhundert zu Ross 12und trieben die andern alle in die Flucht. Der größte Teil warf die Waffen fort und kam verwundet davon; Lysias selbst floh auch schimpflich und entkam.

Vertrag des Lysias mit den Juden

(vgl. 1. Makk 6,58-60)

13Lysias aber war kein uneinsichtiger Mann. Als er nun über die Schlacht nachdachte, die er verloren hatte, sah er ein, dass die Hebräer unüberwindlich waren, weil ihnen Gott der Allmächtige beistand. Deshalb sandte er zu ihnen und bot ihnen Frieden unter gerechten Bedingungen an 14und versprach ihnen, den König dahin zu bringen, dass er ihr guter Freund würde. 15Makkabäus ging auf alles ein, was Lysias anbot; denn er erkannte, dass es das Beste war. Und der König bewilligte alles, was Makkabäus dem Lysias wegen der Juden schriftlich vorgetragen hatte.

16Denn das Schreiben des Lysias an die Juden lautete: »Lysias entbietet dem Volk der Juden seinen Gruß. 17Johannes und Abschalom, eure Gesandten, haben das von euch unterzeichnete Schriftstück überbracht und um Antwort auf die darin gemachten Vorschläge gebeten. 18Was nun auch dem König vorzulegen gewesen ist, habe ich ihm berichtet, und er hat alles bewilligt, was sich annehmen ließ. 19Werdet ihr nun der Regierung Treue und Glauben halten, so will ich auch weiterhin bemüht sein, zu eurem Besten mitzuwirken. 20Über dies alles und über Einzelnes haben eure und meine Gesandten Befehl, sich mit euch zu besprechen. Gehabt euch wohl! 21Gegeben im 148. Jahr, am vierundzwanzigsten Tage des Monats Dioskorus.«11,21 März 164 v. Chr.

Lysias vermittelt Frieden zwischen Antiochus V. Eupator und den Juden

(vgl. 1. Makk 6,60)

22Das Schreiben des Königs lautete: »König Antiochus entbietet seinem Bruder Lysias seinen Gruß. 23Nachdem unser Vater von hinnen geschieden und

11,23
Weish 14,15-20
ein Gott geworden ist, ist uns nichts lieber, als dass Friede in unserm Reich herrscht, damit alle sich um das Ihre kümmern können. 24Nun hören wir, dass die Juden
11,24
1. Makk 1,46-52
in den Übergang zu griechischen Sitten, wie ihn mein Vater forderte, nicht einwilligen, sondern bei ihrer Lebensweise bleiben wollen und deshalb bitten, dass man ihnen ihre Gesetze lässt. 25Weil wir es nun für gut ansehen, dass auch dies Volk in aller Ruhe lebt, so ist das unsre Meinung, dass man ihnen ihren Tempel wiedergibt und sie ihr Gemeinwesen führen lässt, wie es ihre Vorfahren gehalten haben. 26Du wirst also gut daran tun, wenn du Gesandte zu ihnen schickst und einen Vertrag mit ihnen schließt, damit sie unsere Entscheidung erfahren, guten Mutes werden und sich ihrer Angelegenheiten ohne alle Sorge annehmen können.«

27Das Schreiben des Königs an die Juden lautete: »König Antiochus entbietet dem Rat und der Gemeinde der Juden seinen Gruß. 28Wenn es euch allen gut ginge, so wäre uns das lieb; uns geht es auch gut. 29

11,29
Kap
Menelaus hat uns berichtet, dass ihr gern nach Haus und Hof zurückkehren und wieder euer Gewerbe betreiben möchtet. 30Darum soll für alle, die zwischen heute und dem dreißigsten Tag des Xanthikus zurückkehren werden, die Zusicherung gelten, 31dass die Juden unter dem Schutz der Straflosigkeit ihren eignen Tempeldienst und ihre eignen Gesetze ganz wie früher halten dürfen und dass niemand unter ihnen irgendwie für Ungesetzlichkeiten belangt werden soll, die er aus Unkenntnis begangen hat. 32Auch sende ich Menelaus, um euch gut zuzureden. 33Gehabt euch wohl! Im 148. Jahr, am fünfzehnten Tage des Xanthikus.«11,33 April 164 v. Chr.

Die Römer bieten ebenfalls ihre Vermittlung an

34Es schrieben aber auch die Römer den Juden wie folgt: »Quintus Memmius und Titus Manius, die Botschafter der Römer, entbieten dem Volk der Juden ihren Gruß. 35Allem, was euch Lysias, des Königs Vetter, zugestanden hat, stimmen auch wir zu. 36Über die Fragen aber, die er dem König vorlegen will, beratet euch untereinander und sendet sogleich jemand zu uns, damit wir sie darlegen, wie es für euch günstig ist; wir sind nämlich unterwegs nach Antiochia. 37Darum sendet eilends einige Leute, damit auch wir erfahren, was eure Meinung ist. 38Gehabt euch wohl! Im 148. Jahr, am fünfzehnten Tage des Xanthikus.«11,38 Vgl. Vers 33.

12

Die Juden werden weiterhin beunruhigt

121Nachdem diese Verträge abgeschlossen waren, begab sich Lysias zum König; die Juden aber wandten sich wieder dem Ackerbau zu. 2Aber von den Unterbefehlshabern ließen Timotheus und Apollonius, der Sohn des Gennäus, ferner Hieronymus und Demophon, dazu Nikanor, der Hauptmann über die Kriegsleute aus Zypern, sie nicht zu Ruhe und friedlicher Arbeit kommen.

Judas Makkabäus bestraft die Städte Joppe und Jamnia

3Leute von Joppe aber verübten eine himmelschreiende Tat: Sie beredeten die Juden, die bei ihnen wohnten, mit ihren Frauen und Kindern in bereitgestellte Boote zu steigen, als wären sie gut Freund mit ihnen. 4Das geschah aber auf allgemeinen Beschluss der Stadt. Als nun die Juden das annahmen, weil sie möglichst Frieden halten wollten und keinerlei Verdacht hegten, führte man sie auf die hohe See und ertränkte sie, nicht weniger als zweihundert Personen.

5Als nun Judas hörte, wie gräulich man an seinen Landsleuten gehandelt hatte, bot er seine Männer auf 6und rief zu Gott, dem gerechten Richter, und zog gegen die aus, die seine Brüder ermordet hatten, und zündete bei Nacht den Hafen an und verbrannte die Boote; und alle, die dahin geflohen waren, tötete er mit dem Schwert. 7Weil aber die Stadt selbst verschlossen war, zog er ab in der Absicht, bald wiederzukommen und die gesamte Bürgerschaft von Joppe auszurotten.

8Es wurde ihm aber mitgeteilt, dass die Leute von Jamnia das Gleiche mit den Juden vorhatten, die bei ihnen wohnten. 9Darum überfiel er auch sie bei Nacht und verbrannte den Hafen und alle Schiffe, sodass man das Feuer in Jerusalem sah, das doch zweihundertvierzig Stadien davon entfernt lag.

Judas Makkabäus bekämpft arabische Nomaden und den Timotheus

10Als Judas von dort neun Stadien weitergezogen war, weil er sich gegen Timotheus wenden wollte, warfen sich ihm Araber entgegen, nicht weniger als fünftausend Mann und fünfhundert Reiter. 11Es kam zu einem heftigen Kampf; doch Judas mit seinen Leuten behielt durch Gottes Hilfe den Sieg. Und da die Araber unterlegen waren, baten sie ihn um Frieden und versprachen, sie wollten ihm Vieh liefern und auch sonst Hilfe leisten. 12Judas bedachte, wie sie ihm in der Tat in vielem nützlich sein könnten, und sagte ihnen Frieden zu. Und als er ihnen das durch Handschlag besiegelt hatte, kehrten sie zu ihren Zelten zurück.

13Auch griff Judas eine Stadt an, die mit Wällen gut gesichert und mit einer Mauer umschlossen war und in der ein bunt gemischtes Volk wohnte; die hieß

12,13
1. Makk 5,2636
Kaspin. 14Ihre Einwohner verließen sich auf ihre festen Mauern und den großen Vorrat an Nahrung und benahmen sich unverschämt gegen Judas und seine Leute: Sie schmähten sie, ja, sie lästerten und führten frevelhafte Reden. 15Da riefen Judas und seine Leute zu dem mächtigen Herrscher aller Welt, der zu Josuas Zeiten ohne Mauerbrecher und Sturmgerät Jericho zum Einsturz gebracht hatte.
12,15
Jos 6,20
16Sie stürmten in wilder Wut gegen die Mauer an und eroberten nach Gottes Willen die Stadt und töteten unsagbar viele Menschen, sodass der Teich, der dabei lag und wohl zwei Stadien breit war, aussah wie lauter Blut.

17Danach zogen sie siebenhundertfünfzig Stadien weiter und kamen nach Charax zu den Juden, die man Tubianer nennt. 18Aber sie fanden Timotheus dort nicht; denn er hatte die Gegend verlassen, nachdem er dort nichts ausgerichtet, sondern nur eine Ortschaft stark besetzt hatte. 19Da machten sich zwei Hauptleute aus der Schar des Makkabäus auf, nämlich Dositheus und Sosipater, und brachten alle um, die Timotheus in der Festung zurückgelassen hatte, mehr als zehntausend Mann.

20Makkabäus aber stellte sein Kriegsvolk in mehreren Abteilungen auf und setzte jene beiden an ihre Spitze und zog gegen

12,20
1. Makk 5,37
Timotheus, der 120000 Mann zu Fuß und 2500 Reiter bei sich hatte. 21Als nun Timotheus erfuhr, dass Judas gegen ihn heranzog, schickte er Frauen und Kinder und den übrigen Tross fort nach Karnajim, einem Ort, der so tief im Gebirge lag, dass man ihn nicht belagern und nur schwer erreichen konnte.

22Als aber die Feinde die erste Abteilung des Judas sahen, überfiel sie Furcht und Schrecken, weil zugleich der vor ihnen erschien, der alle Dinge sieht; und sie wandten sich zur Flucht, der eine dahin, der andere dorthin, sodass sie sich selbst oft untereinander verwundeten und mit der Spitze des Schwerts durchbohrten. 23Judas aber drückte ungestüm nach und schlug die Gottlosen zusammen und brachte an die dreißigtausend von ihnen um.

24Timotheus selbst aber geriet den Leuten des Dositheus und Sosipater in die Hände und bat sie um Leben und Freiheit; denn er hätte viele ihrer Väter und Brüder in seiner Gewalt, und diese müssten sterben, wie er mit großer Übertreibung vorgab, wenn er getötet würde. 25Nachdem er sich nun feierlich verbürgt hatte, dass er sie bis zu einem bestimmten Tag wohlbehalten ihnen übergeben wollte, ließen sie ihn frei, um ihre Brüder zu retten.

26Danach zog Makkabäus gegen

12,26
1. Makk 5,43-44
Karnajim und den Tempel der Atargatis und machte fünfundzwanzigtausend Menschen nieder.

Judas Makkabäus erobert Efron und verschont Skythopolis

(vgl. 1. Makk 5,45-54)

27Nachdem sie besiegt und vernichtet waren, brach Judas gegen die feste Stadt Efron auf, in der Lysias und eine Bevölkerung aus mancherlei Stämmen wohnte. Die kräftige junge Mannschaft aber, die vor der Stadt stand, wehrte sich tapfer und drinnen hatten sie Geschütze und Geschosse genug. 28Da riefen die Juden zu dem Herrscher, der mit Gewalt die Stärke der Feinde zerbricht, und eroberten die Stadt und erschlugen von denen, die darin waren, an fünfundzwanzigtausend Menschen.

29Von dort brachen sie auf und zogen gegen Skythopolis, das sechshundert Stadien von Jerusalem entfernt liegt. 30Weil aber die Juden, die dort wohnten, den Bürgern von Skythopolis bezeugten, dass sie ihnen wohlgesinnt gewesen wären und ihnen in den schweren Zeiten alle Freundschaft bewiesen hätten, 31so dankten sie den Bürgern dafür und legten ihnen ans Herz, auch weiterhin gegen ihr Volk guten Willens zu sein. Dann zogen sie wieder nach Jerusalem, als das Wochenfest nahe bevorstand.

Judas Makkabäus siegt über Gorgias

(vgl. 1. Makk 5,65-66)

32Nach dem Fest, das auch Pfingsten genannt wird, zogen sie gegen Gorgias, den Befehlshaber von Idumäa. 33Der begegnete ihnen mit dreitausend Mann zu Fuß und vierhundert Reitern. 34Als man nun handgemein wurde, fielen einige Juden. 35Und Dositheus, ein Reiter aus der Schar des Bakenor, ein mutiger Mann, packte Gorgias und hielt ihn am Mantel und zog ihn mit Gewalt fort und wollte den Verfluchten lebendig gefangen nehmen. Aber ein Reiter aus Thrazien sprengte auf ihn zu und hieb ihm den Arm ab. So entkam Gorgias nach Marescha. 36Als nun Esri und seine Schar vom allzu langen Kampf müde wurden, rief Judas zum Herrn, er möge ihnen als Helfer erscheinen und an ihrer Spitze kämpfen, 37stimmte in der

12,37
Kap
Sprache der Väter unter Lobgesängen das Kriegsgeschrei an und stürmte auf die Leute des Gorgias unerwartet los und jagte sie in die Flucht.

38Und Judas zog mit dem Heer in die Stadt Adullam; und weil der siebente Tag herbeigekommen war, reinigten sie sich nach dem Gesetz und hielten dort den Sabbat.

Sühnopfer für Gefallene, die Schuld auf sich geladen hatten

39Am Tage danach zogen die Leute des Judas aus, weil es schon höchste Zeit geworden war, um die Toten zu holen und in den Gräbern der Väter bei ihren Verwandten zu bestatten. 40Da fanden sie bei jedem der Erschlagenen unter dem Hemd Abbilder der Götzen von Jamnia, die den Juden im Gesetz verboten sind. Da wurde es allen deutlich, dass sie um dieser Schuld willen gefallen waren.

12,40
2. Mose 20,4-5
41Da priesen alle den Herrn, den gerechten Richter, der das Verborgene an den Tag bringt. 42Dann wandten sie sich zum gemeinsamen Gebet und flehten, dass diese Sünde gänzlich getilgt werden möchte. Und der edle Judas ermahnte die Menge, sich fortan vor Sünden zu hüten, weil sie nun mit eignen Augen sehen könnten, dass diese um ihrer Sünde willen gefallen wären.

43

12,43-46
Kap
Danach brachte er durch eine Sammlung an die zweitausend Drachmen in Silber zusammen; die schickte er nach Jerusalem zum Sündopfer. Und er tat gut und löblich daran, weil er an die Auferstehung dachte. 44Wenn er nicht erwartet hätte, dass die Gefallenen auferstehen würden, so wäre es überflüssig, ja töricht gewesen, für Tote zu bitten.
12,44
1. Kor 15,29
45Sodann aber bedachte er auch, dass denen, die als fromme Leute entschlafen, die herrlichste Gnadengabe bereitet ist; das ist ein frommer und heiliger Gedanke. 46Darum hat er auch für diese Toten ein Sühnopfer dargebracht, damit sie von ihrer Sünde erlöst würden.