Lutherbibel 1984 (LU84)
8

Judas Makkabäus schließt ein Bündnis mit den Römern

81Es hörte aber Judas von den Römern, dass sie sehr mächtig waren und fremde Völker gern in Schutz nahmen, die Hilfe bei ihnen suchten, und dass sie Treu und Glauben hielten. 2Und er hatte auch gehört, welch tapfere Taten sie bei den Galatern getan, die sie bezwungen und tributpflichtig gemacht hatten; 3auch, welche schweren Kriege sie in Spanien geführt und wie sie die Bergwerke erobert hatten, in denen man nach Gold und Silber gräbt, und dass sie viele Länder fern von Rom durch ihre Klugheit und Beharrlichkeit gewonnen hatten; 4dass sie auch viele Könige, die von weit her in ihr Land gezogen waren, besiegt und schwer geschlagen hatten, während die andern ihnen jährlich Tribut zahlen mussten; 5und dass sie den König von Kittim, Philippus, und seinen Sohn Perseus samt denen, die sich sonst noch gegen sie aufgelehnt, im Krieg überwunden und unterjocht hatten.

6

8,6-7
Kap
Auch hatte Judas von dem großen Antiochus gehört, dem König in Vorderasien, der gegen die Römer gezogen war mit hundertzwanzig Elefanten, mit Reitern und Wagen und sehr viel Kriegsvolk; aber die Römer hatten sein Heer geschlagen 7und ihn gefangen; und sie hatten ihm und seinen Erben einen großen Tribut auferlegt, den sie jährlich den Römern zahlen mussten; dazu musste er den Römern Geiseln schicken. 8Sie nahmen ihm auch Indien, Medien und Lydien, seine besten Länder, und gaben sie dem König Eumenes.

9Auch beschlossen die Griechen, in ihr Land einzufallen und sie zu vernichten. 10Als die Römer davon hörten, schickten sie einen Feldhauptmann gegen die Griechen; der schlug sie, sodass viele von ihnen fielen, führte ihre Frauen und Kinder gefangen fort, plünderte sie aus und nahm das Land ein, ließ in den Städten die Mauern niederreißen und unterwarf sie bis auf den heutigen Tag. 11Auch die andern Königreiche und die Inseln, die sich ihnen jemals widersetzt hatten, verheerten und unterwarfen sie.

12Aber mit den Freunden und Bundesgenossen hielten sie Frieden. Sie herrschten über die Könige nah und fern, und von allen, die nur ihren Namen hörten, waren sie gefürchtet. 13Wem sie nämlich helfen wollen, der wird geschützt und erhalten in seinem Königreich; wenn sie aber wollen, wird er von Land und Leuten verjagt. Auf diese Weise wurden sie sehr mächtig. 14

8,14-15
Ri 9,7-15
Aber bei alldem hat sich niemand von ihnen eine Krone aufgesetzt und sich in Purpur gekleidet, um damit zu prangen, 15sondern einen Rat hatten sie eingesetzt; der bestand aus dreihundertzwanzig Männern; die berieten sich täglich, um das Volk immer gut zu regieren. 16Und jährlich wählte man einen Mann, der in allen ihren Ländern zu gebieten hatte; dem mussten sie alle gehorsam sein. Und es herrschte weder Neid noch Zwietracht bei ihnen.

17Und Judas wählte

8,17
2. Makk 4,11
Eupolemus, den Sohn des Johannes, des Sohnes Jakobs, und Jason, den Sohn
8,17
Kap
Eleasars, und sandte sie nach Rom, um mit den Römern Freundschaft und ein Bündnis zu schließen, 18damit die Römer ihnen helfen sollten, dass Israel nicht von dem Königreich der Griechen unterdrückt würde. 19Die Abgesandten machten den weiten Weg nach Rom, traten vor den Rat und sagten: 20Judas Makkabäus und seine Brüder und das jüdische Volk haben uns zu euch gesandt, um Frieden und ein Bündnis mit euch zu schließen, dass wir als eure Freunde und Bundesgenossen eingeschrieben werden. 21Das hießen die Römer gut 22und sie ließen den Vertrag auf eherne Tafeln schreiben und schickten die Abschrift nach Jerusalem zur Erinnerung an den Frieden und das Bündnis, das sie geschlossen hatten.

Und sie lautete so: 23Gott gebe den Römern und den Juden Glück und Frieden zu Wasser und zu Lande und behüte sie vor Krieg und Feinden auf ewig! 24Wenn aber die Römer zuerst in Krieg verwickelt würden oder irgendeiner ihrer Bundesgenossen in ihrem ganzen Gebiet, 25so sollen die Juden den Römern treue Hilfe leisten, wie es die Not erfordert; 26doch brauchen die Juden den Kämpfenden nicht Nahrung, Waffen, Geld oder Schiffe zu liefern oder zu verschaffen; dies heißen die Römer gut und werden diese Abmachungen halten, ohne Ersatz zu verlangen. 27Dagegen auch, wenn die Juden zuerst in Krieg verwickelt würden, sollen ihnen die Römer treue Hilfe leisten, wie es die Not erfordert; 28doch brauchen ihren Hilfstruppen von den Juden nicht Nahrung, Waffen, Geld oder Schiffe geliefert zu werden; dies heißen die Römer gut und wollen diese Abmachungen ohne Betrug halten.

29Mit diesen Worten ist das Bündnis zwischen den Römern und den Juden festgelegt.

8,29
Joh 19,15
30Wenn aber später einer von beiden Teilen etwas hinzufügen oder streichen will, so sollen beide sich darüber einigen. Und was sie hinzufügen oder streichen, soll eingehalten werden.

31Weil nun

8,31
Kap
König Demetrius an den Juden Gewalttaten verübt, haben wir ihm geschrieben: Warum unterdrückst du unsre Freunde und Bundesgenossen, die Juden? 32Wenn sie weiter über dich klagen, so müssen wir sie schützen und wollen dich zu Wasser und zu Lande angreifen.

9

Judas Makkabäus fällt im Kampf gegen Bakchides

91Als Demetrius mittlerweile hörte, dass

9,1
Kap
Nikanor mit seinem Heer geschlagen und umgekommen war, sandte er
9,1
Kap
Bakchides und
9,1
Kap
Alkimus wieder nach Judäa und mit ihnen die besten Truppen, die auf dem rechten Flügel zu kämpfen pflegten. 2Sie zogen nach Gilgal und sperrten und eroberten die Zuwege in der Arbela und töteten viele. 3Darauf zogen sie nach Jerusalem im 152. Jahr, im ersten Monat,9,3 April 161 v. Chr. 4und von dort nach Berea mit zwanzigtausend Mann zu Fuß und zweitausend Reitern. 5Und Judas hatte sein Lager bei Elasa aufgeschlagen mit dreitausend auserlesenen Männern.

6Als aber sein Kriegsvolk sah, dass die Feinde so zahlreich waren, erschraken sie sehr und viele liefen vom Heer weg, sodass nicht mehr als achthundert Mann bei Judas blieben. 7Als Judas sah, dass sein Heer nicht beieinanderblieb und es doch zum Kampf kommen musste, wurde ihm angst und bange; denn er hatte keine Zeit, sein Kriegsvolk wieder zusammenzubringen. 8In dieser Angst sagte er zu den Übriggebliebenen: Auf, lasst uns versuchen, ob wir die Feinde angreifen und schlagen können! 9Aber sie wollten nicht, wehrten ab und sagten: Es ist nicht möglich, dass wir etwas erreichen; lasst uns diesmal unser Leben retten; dann wollen wir später zurückkehren und mit unsern Brüdern gegen die Feinde ziehen und sie angreifen; jetzt sind wir viel zu wenige. 10Aber Judas sagte: Das sei ferne, dass wir vor ihnen fliehen! Ist unsre Zeit gekommen, so wollen wir ritterlich sterben für unsre Brüder und unsrer Ehre keine Schande machen.

11Und die Feinde zogen aus dem Lager und stellten sich in Schlachtordnung auf. In der ersten Reihe waren die Schleuderer und Bogenschützen, und die besten Krieger standen alle vorn an der Spitze; die Reiterei war in zwei Abteilungen geteilt, auf jedem Flügel eine. 12Der Feldhauptmann Bakchides war beim rechten Flügel. Und die Schlachtreihe rückte von beiden Seiten mit Kriegsgeschrei und Trompeten vor. 13Da ließ auch Judas die Trompeten blasen und zog gegen sie, und die Schlacht dauerte vom Morgen bis zum Abend und die Erde erbebte von dem großen Getümmel.

14Als nun Judas sah, dass auf dem rechten Flügel Bakchides selbst samt der größten Heeresmacht war, da griff er dort an, er und die andern alle, die ihr Leben wagten, 15und sie schlugen das Heer auf der rechten Seite in die Flucht und jagten ihnen nach bis an den Berg bei Aschdod. 16Als aber die auf dem linken Flügel sahen, dass der rechte Flügel geschlagen war, eilten sie ihrerseits Judas und seinen Leuten nach. 17Da musste sich Judas gegen sie wenden und es kam zu einer blutigen Schlacht, sodass viele von beiden Heeren verwundet wurden und umkamen, 18bis auch Judas zuletzt umkam. Da flohen die Übrigen.

19Und Jonatan und Simon nahmen den Leichnam ihres Bruders Judas und

9,19
Kap
begruben ihn im Grab seiner Väter in Modeïn. 20Und das ganze Volk Israel weinte und klagte um Judas sehr und trauerte um ihn lange Zeit und sprach: 21Ach, dass der Held umgekommen ist, der Israel geschützt und errettet hat!
9,21
2. Sam 1,19-27
22Dies ist die Geschichte von Judas. Er hat aber sonst noch viele große Taten getan, die nicht alle beschrieben werden können, weil es zu viele sind.

Jonatan übernimmt die Nachfolge seines Bruders

23Nach dem Tode des Judas wurden die

9,23
Kap
gottlosen und abtrünnigen Leute wieder mächtig im ganzen Land Israel. 24Und zu dieser Zeit herrschte sehr großer Hunger im Lande, sodass sich das Volk dem Bakchides unterwarf. 25Da wählte Bakchides gottlose Männer aus, die machte er zu Amtleuten. 26Und er ließ überall die Anhänger und Freunde des Judas suchen und sich vorführen, um sich an ihnen zu rächen und seinen Mutwillen an ihnen auszulassen. 27Und in Israel war so viel Jammer, wie nicht gewesen ist, seitdem man
9,27
Kap
keine Propheten mehr gehabt hatte.

28Darum kamen alle Anhänger des Judas zusammen und sagten zu Jonatan: 29Nach dem Tod deines Bruders Judas haben wir niemand mehr, der ihm gleich ist und uns schützen kann gegen unsre Feinde und Bakchides und die, die unserm Volk feindlich gesonnen sind. 30Darum wählen wir dich heute an seiner statt zum Fürsten und Feldherrn, damit du diesen Krieg für uns führst. 31So wurde Jonatan ihr Fürst und regierte anstelle seines Bruders.

32Als das Bakchides erfuhr, ließ er ihn suchen, um ihn umzubringen. 33Als aber Jonatan und sein Bruder Simon und alle, die bei ihnen waren, das merkten, flohen sie in die

9,33
2. Chr 20,20
Wüste Tekoa und schlugen ein Lager auf am Wasser des Brunnens Asfar. 34Das hörte Bakchides und zog am
9,34
Kap
Sabbat mit seinem ganzen Heer über den Jordan.

Jonatan rächt den Tod seines Bruders Johannes

35Nun hatte Jonatan seinen Bruder Johannes, der Feldhauptmann war, zu seinen Freunden, den

9,35
Kap
Nabatäern, gesandt, um sie zu bitten, dass sie ihr ganzes Hab und Gut bei ihnen aufbewahren dürften. 36Aber die Männer von Jambri zogen aus Medeba und überfielen den Johannes, nahmen ihn gefangen und raubten alles, was er mit sich führte, und zogen damit ab.

37Danach wurde Jonatan und seinem Bruder Simon hinterbracht, dass die Leute von Jambri eine große Hochzeit feiern und die Braut mit großer Pracht aus Nadabat abholen würden; denn sie war die Tochter eines Fürsten aus Kanaan. 38Nun dachten Jonatan und Simon daran, dass diese ihren Bruder Johannes getötet hatten; darum zogen sie hinauf und versteckten sich hinter dem Berg und lauerten den Leuten von Jambri auf. 39Und sie blickten auf, und siehe, da kam mit Geschrei ein großer Zug daher, und der Bräutigam zog ihnen entgegen mit seinen Freunden und mit viel Volk und Gütern, mit Pauken und Pfeifen und mit vielen Waffen. 40Da machten Jonatan und Simon aus dem Gebirge heraus einen Ausfall und griffen sie an und erschlugen viele, sodass die Übriggebliebenen ins Gebirge fliehen mussten, und raubten all ihr Hab und Gut. 41Da wurde aus der Hochzeit Herzeleid und aus dem Pfeifen Heulen. 42So rächten sie den Mord an ihrem Bruder und kehrten wieder um und zogen an das Ufer des Jordan.

Bakchides kämpft mit Jonatan am Jordan

43Als Bakchides das hörte, kam auch er an den Jordan mit einem großen Heer am Sabbat. 44Da sagte Jonatan zu seinem Volk: Auf, rüstet euch zur Schlacht! Denn heute ist es nicht wie gestern und vorgestern. 45Denn die Feinde sind da und wir müssen uns wehren, weil wir doch nicht entkommen können. Denn wir haben Feinde vor uns und hinter uns, und auf der einen Seite wie auf der andern sind das Wasser des Jordans und Sumpf und Wald. 46Darum sollt ihr zum Himmel schreien, damit ihr von den Feinden errettet werdet.

9,46
Kap

47Und sie griffen an und Jonatan streckte seine Hand aus und schlug nach Bakchides; aber Bakchides wich vor ihm zurück. 48Da sprangen Jonatan und sein Kriegsvolk in den Jordan und kamen über das Wasser; aber die Leute des Bakchides waren nicht so kühn, dass sie durchs Wasser gegangen wären. 49An diesem Tage sind aus dem Heer des Bakchides tausend Mann umgekommen.

50Darum zog Bakchides wieder ab und kam nach Jerusalem und fing an, die Städte in Judäa zu befestigen. Er ließ hohe Mauern mit Toren und Riegeln um Jericho, Emmaus, Bet-Horon, Bethel, Timna, Piraton, Tefon bauen 51und legte als Besatzung Kriegsvolk hinein, das Israel niederhalten sollte. 52Ebenso

9,52
Kap
ließ er Bet-Zur, Geser und die Burg von Jerusalem befestigen und legte auch Kriegsvolk hinein und versorgte sie mit Nahrung. 53Und er nahm die Kinder der vornehmsten Männer des Landes als Geiseln und behielt sie auf der Burg von Jerusalem.

Alkimus stirbt

54Im 153. Jahr, im zweiten Monat,9,54 Mai 160 v. Chr. befahl Alkimus, auch die Mauer des inneren Vorhofs am Tempel, die

9,54
Esra 6,14
Hag 1,18
Sach 4,8-9
die heiligen Propheten hatten bauen lassen, einzureißen. 55Und als man damit begonnen hatte, bestrafte Gott den Alkimus, sodass die angefangene Arbeit wieder abgebrochen und sein Mund gestopft wurde; denn der Schlag rührte ihn, sodass er nicht mehr reden oder sein Haus bestellen konnte. 56Und Alkimus
9,56
2. Makk 9,9
starb mit großen Schmerzen.

Bakchides schließt Frieden mit Jonatan

57Als aber Bakchides sah, dass Alkimus gestorben war, zog er wieder weg zum König. Da herrschte Friede und Ruhe im Lande zwei Jahre lang.

58Aber die Abtrünnigen im Lande hielten Rat und sagten: Jonatan und seine Anhänger leben jetzt in Frieden. Lasst uns Bakchides wieder rufen, der könnte sie jetzt in einer einzigen Nacht alle gefangen nehmen. 59So zogen sie zu Bakchides und sagten ihm ihren Plan.

60Da machte sich Bakchides mit einem großen Heer auf und schickte heimlich Schreiben an alle seine Anhänger im Lande Juda, dass sie Jonatan und alle, die bei ihm waren, gefangen nehmen sollten. Aber ihr Plan wurde Jonatan hinterbracht; darum erreichten sie nichts, 61sondern Jonatan nahm fünfzig Männer vom Volk des Landes, die die Anführer der

9,61
Kap
Abtrünnigen waren, gefangen und ließ sie töten.

62Darauf zogen sich Jonatan und Simon mit ihrem Kriegsvolk zurück in einen zerstörten Ort in der Wüste, Bet-Basi; den baute er wieder auf und befestigte ihn. 63Als nun Bakchides das erfuhr, sammelte er sein ganzes Heer und bot auch seine Leute in Judäa auf. 64Dann zog er vor Bet-Basi, belagerte es lange und stellte Sturmböcke davor auf.

65Aber Jonatan übergab seinem Bruder Simon den Befehl über die Stadt und zog mit einer kleinen Schar ins offene Land 66und schlug Odomera und dessen Brüder und die Söhne Fasiron an ihrem Wohnplatz. Weil ihm aber das geglückt war, liefen ihm noch mehr Leute zu, sodass er stärker wurde.

67Mittlerweile machte Simon mit seinen Leuten einen Ausfall aus der Stadt und verbrannte die Sturmböcke 68und schlug Bakchides in die Flucht.

Bakchides aber war sehr erbittert, weil sein Plan und sein Feldzug vergeblich gewesen waren, 69und er wurde sehr zornig auf die Abtrünnigen unter den Juden, die ihm geraten hatten, wieder in ihr Land zu kommen, und ließ viele von ihnen töten und beschloss, wieder in sein Land zu ziehen.

70Als Jonatan das erfuhr, schickte er Boten zu ihm, um den Frieden mit ihm herzustellen und die Herausgabe der Gefangenen zu erreichen. 71Hierin willigte Bakchides gern ein und tat, was Jonatan begehrte, und schwor ihm einen Eid, ihm sein Leben lang kein Leid mehr anzutun. 72Und er gab ihm die

9,72
Kap
Gefangenen wieder heraus, die er aus Juda weggeführt hatte, und kehrte um und zog in sein Land und kam nicht wieder in das Land Juda.

73So wurde wieder

9,73
Friede in Israel. Und Jonatan wohnte in Michmas und regierte dort über das Volk und vernichtete die Abtrünnigen in Israel.

10

Alexander Balas und Demetrius I. Soter suchen im Kampf um die Krone Syriens Jonatans Freundschaft

101Im 160. Jahr10,1 153/152 v. Chr. kam Alexander, der

10,1
Kap
Sohn des Antiochus Epiphanes, und besetzte die Stadt Ptolemais; und sie nahmen ihn auf und er regierte dort. 2Als aber König
10,2
Kap
Demetrius das erfuhr, brachte er ein sehr großes Heer zusammen und zog gegen Alexander, um mit ihm zu kämpfen.

3Darum schrieb Demetrius an Jonatan und sagte ihm zu, er

10,3
Kap
wollte Frieden mit ihm halten und ihm nur Gutes tun. 4Denn er dachte: Es ist besser, dass wir verabreden, Frieden mit ihm zu halten, ehe er sich auf Alexanders Seite schlägt; 5denn er wird an all das Böse denken, das wir ihm, seinem Bruder und seinem Volk angetan haben.
10,5
Kap
6Und Demetrius schrieb an Jonatan, dass er ihm das Recht zugestehen wollte, ein Heer zu unterhalten und Waffen herzustellen, und dass er sein Bundesgenosse sein sollte; und er befahl, dass man die
10,6
Kap
Geiseln auf der Burg dem Jonatan wieder freigeben sollte.

7Darum kam Jonatan nach Jerusalem und ließ diese Schreiben öffentlich dem ganzen Volk und der Besatzung der Burg vorlesen. 8Als sie nun hörten, dass der König ihm das Recht zugestand, ein Heer zu unterhalten, und ihn als Bundesgenossen anerkannt hatte, fürchteten sie sich sehr vor ihm 9und gaben ihm die Geiseln frei; und Jonatan gab sie ihren Eltern zurück. 10Von jetzt an wohnte Jonatan in Jerusalem und begann, die Stadt wieder aufzubauen und auszubessern,

10,10
Kap
11und er sagte den Handwerkern, sie sollten die Mauern wieder aufrichten und den Berg Zion ringsum mit Quadersteinen wieder befestigen; 12und sie machten es so.

13

10,13-14
Kap
Und die Heiden in den Ortschaften, die Bakchides hatte befestigen lassen, flüchteten in ihr Land. 14Nur in Bet-Zur blieben einige von den Abtrünnigen; denn dort hatten sie eine
10,14
4. Mose 35,9-15
2. Makk 4,33-34
Freistadt.

15Als nun König Alexander hörte, was Demetrius dem Jonatan versprochen hatte, und man ihm von den Kriegen und Heldentaten erzählte, die Jonatan und seine Brüder vollbracht, und von den Mühen, die sie auf sich genommen hatten, sagte er: 16Solch einen tüchtigen Mann findet man nur einmal; darum wollen wir ihm schreiben, damit er unser Freund und Bundesgenosse wird.

17Und er schrieb ihm: 18König Alexander entbietet seinem Bruder Jonatan seinen Gruß. 19Wir hören von dir, dass du ein tüchtiger Mann bist und halten dich für wert, unser Freund zu sein. 20

10,20-21
Kap
Darum setzen wir dich heute zum Hohenpriester über dein Volk ein. Du sollst
10,20
Kap
»Freund des Königs« heißen; und wir schicken dir ein Purpurgewand und eine goldene Krone. Du sollst dich darum treu zu uns halten und uns Freundschaft bewahren. 21So
10,21
2. Mose 28,1-43
zog Jonatan das priesterliche Gewand an im 160. Jahr, im siebenten Monat,10,21 September/Oktober 153 v. Chr. am Laubhüttenfest. Und er sammelte ein Heer und ließ viele Waffen herstellen.

22Als aber Demetrius das hörte, war er sehr niedergeschlagen 23und dachte: Was haben wir da falsch gemacht, dass Alexander uns zuvorgekommen ist und die Freundschaft der Juden gewonnen hat und dadurch stärker geworden ist! 24Auch ich will ihnen freundlich schreiben und ihnen Ehrungen und Geschenke versprechen, damit sie mir Hilfe zusagen.

25Und er schrieb ihnen: König Demetrius entbietet dem Volk der Juden seinen Gruß. 26Wir haben gern gehört und es ist uns eine große Freude, dass ihr nicht von uns abfallt zu unsern Feinden, sondern den Vertrag mit uns haltet und in Freundschaft mit uns bleibt. 27Darum bitten wir euch, auch weiterhin treu zu uns zu halten und euch nicht von uns abzuwenden. 28Diese eure Treue wollen wir vergelten, euch Gutes erweisen und viele Abgaben erlassen und mehr Freiheiten gewähren. 29Und ich

10,29
Kap
erlasse jetzt allen Juden den Tribut, die Steuer auf Salz, die Beiträge zum Ehrenkranz, den dritten Teil vom Getreide, die Hälfte, die mir vom Obst zusteht. 30Von diesen Abgaben sollen nun das
10,30
Kap
Land Juda und die drei Bezirke, die ihm von Samarien zugeteilt sind, für alle Zeit befreit sein. 31Und Jerusalem mit seiner Umgebung soll heiliges Gebiet und frei sein, und die Zehnten und Abgaben sollen ihm gehören. 32Ich will auch die
10,32
Kap
Burg in Jerusalem wieder räumen und dem Hohenpriester übergeben, dass er Leute hineinlegt, die er selbst ausgewählt hat, damit sie die Burg bewachen.

33Und

10,33
Kap
alle Juden, die man aus Juda weggeführt hat, sollen in meinem ganzen Königreich ohne Lösegeld freigelassen werden, und man soll ihnen die Abgaben für sich und ihr Vieh erlassen. 34Und an
10,34
Neh 10,32
allen Festen, Sabbaten, Neumonden und andern Feiertagen 35und drei Tage vor und nach einem Fest sollen die Juden in meinem Reich frei von Zoll und Abgaben sein, und niemand soll gestattet sein, von ihnen etwas einzutreiben oder sie wegen einer Forderung zu belästigen. 36Und man soll dreißigtausend Mann von den Juden für das Heer des Königs ausheben; denen will ich Sold geben wie meinem andern Kriegsvolk, und ein Teil von ihnen soll in die großen Festungen des Königs gelegt werden. 37Und von ihnen sollen einige eingesetzt werden, die der König in seinen Staatsgeschäften als Männer seines Vertrauens zurate ziehen wird. Die Juden sollen auch nicht fremde, sondern eigne Hauptleute haben, aus ihrer Mitte gewählt, damit sie ihre Gesetze halten können, wie es der König für das Land Juda zugestanden hat.

38Und die drei Bezirke, die Judäa vom Lande Samarien zugeteilt sind, sollen zu einem Gebiet mit Judäa verbunden werden, sodass sie niemand untertan sind als nur dem Hohenpriester. 39

10,39-42
2. Makk 3,3
Die Stadt Ptolemais und die Landschaft, die dazugehört, schenke ich dem Tempel in Jerusalem, damit aus ihren Einkünften die Kosten, die für das Opfer nötig sind, bezahlt werden. 40Ich will auch jährlich fünfzehntausend Lot Silber von meinem eignen Einkommen dazugeben. 41Und was meine Amtleute in den früheren Jahren mir nicht abgeliefert haben, sondern schuldig geblieben sind, das soll jetzt für die Bauarbeiten am Tempel verwendet werden. 42Und auch die fünftausend Lot Silber, die aus dem jährlichen Einkommen des Tempels abgegeben werden mussten, sollen nicht mehr erhoben werden, sondern den Priestern zustehen, die den Tempeldienst tun.

43Auch soll der Tempel dies Recht haben: Wer beim König in irgendeiner Sache eine Strafe verwirkt hat und in den Tempel von Jerusalem oder in sein Gebiet flieht, der soll dort sicher sein mit allem, was ihm in meinem ganzen Königreich gehört.

10,43
2. Mose 21,13-14
1. Kön 1,51-53
44Zum Bau und zur Ausbesserung des Tempels und der Mauern und Türme in Jerusalem 45und sonst in Judäa will der König auch die Kosten bezahlen aus seinem eignen Einkommen.

46Als man aber dies Schreiben Jonatan und dem Volk vorlas,

10,46
Kap
wollten sie ihm nicht trauen und nahmen’s nicht an; denn sie wussten genau, wie viel böse und grausame Taten Demetrius in Israel verübt hatte. 47Und sie wollten es lieber mit Alexander halten, der schon früher ihre Freundschaft gesucht und Frieden zugesagt hatte; ihm leisteten sie Hilfe sein Leben lang.

Jonatan wird von Alexander Balas in Ptolemais hoch geehrt

48König Alexander sammelte ein großes Heer und schlug ein Lager Demetrius gegenüber auf. 49Und als die beiden Könige angriffen, da floh das Heer des Alexander, und Demetrius verfolgte ihn und gewann die Oberhand; 50und die Schlacht tobte erbittert vom Morgen bis zum Abend; doch Demetrius wurde an diesem Tag erschlagen.

51Darauf sandte Alexander Boten zu Ptolemäus, dem König von Ägypten, mit der Botschaft: 52Ich bin wieder in mein Reich gekommen und sitze auf dem Thron meiner Väter und habe die Herrschaft an mich gebracht und habe Demetrius vernichtet und mein Erbland wieder erobert und habe gegen ihn gekämpft, und er samt seinem Heer wurde von mir überwunden, und ich habe mich auf seinen Königsthron gesetzt. 53Und nun begehre ich, Freundschaft mit dir zu schließen, und bitte dich, du wollest mir deine Tochter zur Ehe geben. 54Dann will ich mich gegen dich als dein Schwiegersohn verhalten und dir und ihr Geschenke geben, die deiner würdig sind.

55Darauf antwortete König Ptolemäus: Glücklich der Tag, an dem du wieder in das Land deiner Väter gekommen bist und dich auf ihren Königsthron gesetzt hast! 56Und nun will ich gern tun, was du geschrieben hast. Aber komm mir entgegen nach Ptolemais, damit wir uns selbst sehen und ich dir meine Tochter zur Frau geben kann, wie du gewünscht hast.

57Im 162. Jahr10,57 151/150 v. Chr. zog Ptolemäus mit seiner Tochter Kleopatra aus Ägypten und sie kamen nach Ptolemais. 58Dahin kam auch König Alexander. Und Kleopatra wurde mit Alexander vermählt und die Hochzeit wurde in Ptolemais mit großer königlicher Pracht gefeiert.

59König Alexander schrieb auch an Jonatan und lud ihn zu sich ein. 60Da kam Jonatan mit großer Pracht nach Ptolemais zu den beiden Königen und schenkte ihnen und ihren Freunden Gold und Silber und viele kostbare Gaben und fand Gnade bei ihnen.

61Doch einige

10,61
Kap
Abtrünnige aus Israel, ruchlose Gesellen, kamen zum König, um ihn zu verklagen; aber der wollte sie nicht anhören, 62
10,62-63
Est 6,7-9
sondern befahl, dass Jonatan seine Kleider ablegen und man ihm ein Purpurgewand anziehen sollte; und so geschah es. 63Da setzte ihn der König neben sich und befahl seinen obersten Amtleuten, ihn mitten durch die Stadt zu führen und ausrufen zu lassen, dass niemand ihn verklagen oder ihm sonst Schaden zufügen sollte, aus welchem Anlass es auch sei. 64Als aber seine Ankläger sahen, dass ihn der König so hoch ehrte, dass er das von ihm ausrufen ließ, und ihn mit einem Purpurgewand bekleidet hatte, flohen sie alle davon.

65Und der König ehrte ihn hoch und

10,65
ließ ihn unter seine ersten Freunde aufnehmen und machte ihn zum Feldherrn und zum Vierfürsten. 66Danach zog Jonatan wieder nach Jerusalem in Frieden und mit Freuden.

Jonatan besiegt Apollonius, den Feldherrn des Demetrius II. Nikator

67Im 165. Jahr10,67 148/147 v. Chr. kam Demetrius, der Sohn des gefallenen Demetrius, aus Kreta in sein Erbkönigreich. 68Als König Alexander das hörte, da erschrak er sehr und begab sich nach Antiochia.

69Aber Demetrius gewann den Apollonius, den Befehlshaber von Zölesyrien, als Feldherrn; der brachte ihm ein großes Kriegsvolk zusammen, schlug ein Lager bei Jamnia auf und sandte zu Jonatan, dem Hohenpriester, und ließ ihm sagen: 70

10,70-71
1. Kön 20,23-30
Niemand leistet uns Widerstand als du allein, sodass man mich deinetwegen verlacht und schmäht. Du bist ja nur stark im Gebirge; 71aber wenn du auf dein Kriegsvolk vertraust, so zieh herunter in die Ebene, damit wir uns dort miteinander messen; denn mit mir ist die Heeresmacht der Städte. 72Wenn du fragen wirst, wie stark wir sind, ich und die andern, die mir helfen, so wird man dir sagen: Ihr werdet diesen Leuten nicht standhalten können,
10,72
Kap
von denen eure Väter zweimal in ihrem eignen Lande geschlagen worden sind. 73Noch viel weniger kannst du vor einem so großen Heer an Reiterei und Fußvolk in der Ebene bestehen, wo keine Berge und Felsen sind oder sonst ein Ort, wohin man fliehen könne.
10,73
Kap

74Als Jonatan diese Prahlerei des Apollonius hörte, wurde er zornig und wählte zehntausend Mann aus und brach von Jerusalem auf; und sein Bruder Simon kam ihm entgegen, um ihm zu helfen; und sie schlugen ihr Lager vor Joppe auf. 75Aber die Einwohner der Stadt Joppe ließen ihn nicht ein, denn Apollonius hatte Kriegsvolk als Besatzung hineingelegt; darum griff Jonatan die Stadt an. 76Da erschraken die Einwohner in der Stadt und öffneten die Tore. So eroberte Jonatan die Stadt Joppe.

77Als Apollonius das hörte, rückte er mit dreitausend Reitern und viel Fußvolk in Richtung auf Aschdod vor und tat so, als ob er an Joppe vorbeiziehen wollte. Doch er stieß in die Ebene vor; denn er hatte viel Reiterei, auf die er sich verließ. 78Jonatan drängte ihn nach Aschdod ab und beide Heere gerieten aneinander. 79Aber Apollonius hatte im Lager heimlich tausend Reiter zurückgelassen. 80Nun merkte Jonatan, dass Leute hinter ihm heimlich versteckt waren; und sie griffen von allen Seiten sein Heer an 81und schossen Pfeile auf das Kriegsvolk den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend; das Kriegsvolk aber hielt stand, wie Jonatan es aufgestellt hatte, bis die Pferde der Feinde müde wurden.

82Darauf warf Simon sein Heer in den Kampf und griff die Feinde an. Da wurden die Reiter von ihm geschlagen und flohen, denn sie waren müde; 83und sie wurden zerstreut über die Ebene hin und flohen nach

10,83
1. Sam 5,1
Aschdod und eilten in den Tempel des Götzen
10,83
1. Sam 5,2
Dagon, um dort ihr Leben zu retten. 84Aber Jonatan plünderte die Stadt Aschdod und die Orte ringsum und zündete sie an. Er brannte auch den Götzentempel nieder mit allen, die hineingeflohen waren. 85Und die Zahl der Erschlagenen und Verbrannten betrug gegen achttausend Mann.

86Von dort zog Jonatan mit dem Heer vor Aschkelon. Da gingen ihm die Bürger aus der Stadt heraus entgegen und empfingen ihn mit großer Pracht. 87So zog Jonatan wieder nach Jerusalem mit seinem Heer und großer Beute.

88Und als König Alexander dies hörte,

10,88
ehrte er Jonatan noch mehr 89und sandte ihm eine goldene Spange, wie man sie nur den Verwandten des Königs gibt; dazu schenkte er ihm Ekron und sein Gebiet zum Eigentum.