Lutherbibel 1984 (LU84)
2

Mattatias klagt über die Unterdrückung Israels

21Zu dieser Zeit trat der Priester Mattatias auf, der Sohn des Johannes, des Sohns Simeons, aus dem Geschlecht

2,1
1. Chr 9,10
Neh 11,10
Jojaribs von Jerusalem; der wohnte in Modeïn 2und hatte fünf Söhne: Johannes mit dem Zunamen Gaddi, 3Simon mit dem Zunamen Tassi, 4Judas mit dem Zunamen Makkabäus, 5Eleasar mit dem Zunamen Awaran und Jonatan mit dem Zunamen Aphus.

6Die sahen das schreckliche Elend in Juda und Jerusalem. 7Und Mattatias klagte: Ach, dass ich dazu geboren bin, die Zerstörung meines Volks und der heiligen Stadt mit ansehen zu müssen; ich aber muss stillsitzen und die Feinde ihren Mutwillen treiben lassen! 8Das Heiligtum ist in die Hände der Fremden gekommen, und der Tempel Gottes ist wie ein Mensch, dem die Ehre genommen ist. 9Seine kostbaren Geräte hat man weggeführt. Die Kinder sind auf den Gassen erschlagen, und die junge Mannschaft ist von den Feinden erstochen worden. 10Welches Volk hat uns nicht unterjocht, und wer hat unser Land nicht ausgeplündert? 11Alle seine Herrlichkeit ist weg. Es war eine

2,11
Klgl 1,1
Königin, nun ist’s eine Magd. 12Siehe, unser Heiligtum, unser Ruhm und Preis, ist verwüstet! Die Heiden haben’s entweiht. 13Wer sollte da noch Lust haben zu leben? 14Und Mattatias zerriss seine Kleider, er und seine Söhne, und zogen Säcke an und trauerten sehr.

Mattatias lehnt sich gegen die Maßnahmen des Antiochus IV. Epiphanes auf

15Als nun die Abgesandten des Antiochus auch in die Stadt Modeïn kamen, um sie zu drängen, von Gottes Gesetz abzufallen und zu opfern und zu räuchern, 16da fielen ihnen viele vom Volk Israel zu. Aber Mattatias und seine Söhne blieben standhaft.

17Da sagten die Abgesandten des Antiochus zu Mattatias: Du bist der Vornehmste und Angesehenste in dieser Stadt und hast viele Söhne und eine große Verwandtschaft. 18Darum tritt du zuerst hin und tu, was der König befohlen hat, wie alle Völker getan haben und die Männer von Juda und die, die noch in Jerusalem sind;

2,18
2. Makk 7,24
so werden du und deine Söhne zu den Freunden des Königs gezählt werden und Gold und Silber und große Gaben bekommen. 19
2,19-20
Jos 24,15
Da sagte Mattatias frei heraus: Wenn auch alle Völker dem König Antiochus gehorsam wären und alle von dem Glauben ihrer Väter abfielen und in das Gebot des Königs einwilligten, 20so wollen doch ich und meine Söhne und Brüder nicht vom Gesetz unsrer Väter abfallen. 21
2,21-22
2. Makk 7,30
Davor bewahre uns Gott! Das wäre für uns nicht gut, dass wir von Gottes Gesetz und Recht abfielen. 22Wir wollen nicht in den Befehl des Antiochus einwilligen und wollen nicht opfern und von unserm Gesetz abfallen und damit einen andern Weg einschlagen.
2,22
5. Mose 5,29

23Als er das gesagt hatte, trat ein Jude hin vor aller Augen, um den Götzen zu opfern auf dem Altar in Modeïn, wie der König befohlen hatte. 24

2,24-25
5. Mose 13,7-10
Das sah Mattatias und es ging ihm durchs Herz, und er entbrannte voll Eifer für das Gesetz 25und er lief hinzu und tötete am Altar den Juden und auch den Mann, den der König Antiochus gesandt hatte, um zum Opfern zu zwingen, und warf den Altar um. 26So trat er voll Eifer für das Gesetz ein wie
2,26
4. Mose 25,7-13
Pinhas, als er Simri tötete, den Sohn Salus.

27Und Mattatias schrie laut: Wer voll Eifer für das Gesetz eintritt und den Bund halten will, der

2,27
2. Mose 32,26
ziehe mit mir aus der Stadt! 28So flohen er und seine Söhne aufs Gebirge und verließen alles, was sie in der Stadt besaßen. 29Und viele, die nach Recht und Gerechtigkeit verlangten, zogen in die Wüste hinaus 30und blieben dort mit Frauen und Kindern und ihrem Vieh; denn die Unterdrückung war ihnen allzu schwer geworden.

Die Aufständischen beschließen, auch am Sabbat zu kämpfen

31Als aber den Amtleuten des Königs und seinem Kriegsvolk in der Stadt Davids in Jerusalem gemeldet wurde, dass einige sich dem Befehl des Königs widersetzt hatten und hinabgezogen waren, um sich heimlich in der Wüste zu verstecken, und dass viel Volk ihnen nachgezogen war, 32da zogen sie eilends hinter ihnen her und schickten sich an, sie am Sabbat zu überfallen, 33und ließen ihnen sagen: Wollt ihr noch nicht gehorsam sein? Kommt heraus und tut, was der König befohlen hat, so werdet ihr am Leben bleiben. 34Darauf antworteten sie: Wir wollen nicht herauskommen, auch

2,34
2. Makk 6,11
den Sabbat nicht entheiligen, wie der König befiehlt.

35Da stürmten die Feinde gegen sie an; 36aber sie wehrten sich nicht, verschanzten auch die Höhlen nicht 37und sagten: Wir alle wollen lieber schuldlos sterben; Himmel und Erde werden Zeuge sein, dass ihr uns mit Gewalt und Unrecht umbringt. 38So wurden sie am Sabbat überfallen und sie und ihre Frauen und Kinder samt dem Vieh umgebracht, an die tausend Personen.

39Als Mattatias und seine Freunde das hörten, hielten sie die Totenklage über sie 40und sagten zueinander: Wenn wir alle wie unsre Brüder tun und uns nicht gegen die Heiden wehren, um unser Leben und das Gesetz zu retten, so haben sie uns bald von der Erde vertilgt. 41Und am selben Tag beschlossen sie: Wenn man uns am Sabbat angreift, so wollen wir uns wehren, damit wir nicht alle umkommen, wie unsere Brüder in den Höhlen ermordet worden sind.

42Da schlossen sich ihnen tapfere Männer aus Israel an, die Gruppe der

2,42
Kap
Hasidäer, alle treue Anhänger des Gesetzes, 43und zu ihnen kamen alle, die vor der Unterdrückung flohen, und verstärkten sie. 44So sammelten sie ein Heer und erschlugen in ihrem Glaubenseifer und ihrem Zorn viele Gottlose und Abtrünnige; die Übrigen aber flohen und entkamen zu den Heiden.

45Danach zogen Mattatias und seine Freunde im Lande Israel umher und rissen die Altäre wieder nieder 46und beschnitten mit Gewalt die Kinder, die sie noch unbeschnitten fanden, 47und verfolgten die Partei der Abtrünnigen; und es ist ihnen gelungen, 48das Gesetz gegen alle Macht der Heiden und Könige zu erhalten, sodass die Gottlosen nicht über sie Herr wurden.

Mattatias gibt vor seinem Tod die Führung an Judas Makkabäus ab

49Als aber Mattatias sehr alt war, sagte er vor seinem Tod zu seinen Söhnen: Es ist große Unterdrückung und schwere Strafe und Verfolgung und großer Zorn über uns gekommen. 50Darum, liebe Söhne, setzt euch voll Eifer für das Gesetz ein und wagt euer Leben für den Bund unsrer Väter; 51und denkt daran, welche Taten unsre Väter zu ihren Zeiten getan haben; so werdet ihr rechte Ehre und einen ewigen Namen erlangen.

52

2,52
1. Mose 22,1-12
Abraham wurde versucht und blieb im Glauben fest;
2,52
1. Mose 15,6
Jdt 8,19
das ist ihm zur Gerechtigkeit angerechnet worden. 53Josef
2,53
1. Mose 39,9
hielt das Gebot, als er bedrängt wurde, und ist
2,53
1. Mose 41,40
Herr in Ägypten geworden. 54Unser Vater
2,54
Sir 45,28-30
Pinhas setzte sich voll Eifer für die Ehre Gottes ein und erlangte die Zusage, dass das Priestertum ewig bei ihm bleiben sollte. 55Josua führte den Befehl aus, der ihm gegeben war; darum wurde er der oberste Fürst in Israel.
2,55
Jos 1,216
Sir 46,1-8
56
2,56
4. Mose 14,6
Jos 14,6
Sir 46,9-10
Kaleb legte in der Gemeinde Zeugnis ab; darum hat er einen Erbanteil erlangt. 57David übte Barmherzigkeit; darum
2,57
2. Sam 7,11-16
erbte er den Königsthron für immer. 58Elia
2,58
1. Kön 18,2140
setzte sich voll Eifer für das Gesetz ein und
2,58
2. Kön 2,11
wurde in den Himmel geholt. 59Hananja, Asarja und Mischaël glaubten und wurden aus dem Feuer errettet.
2,59
Dan 1,6-7
3,26
60Daniel war ohne Schuld und
2,60
Dan 6,21
wurde von den Löwen errettet.

61So denkt daran, was von Geschlecht zu Geschlecht geschehen ist, und ihr werdet finden, dass

2,61
St zu Dan 2,37
alle, die auf Gott vertrauen, erhalten werden. 62Darum fürchtet euch nicht vor den Drohungen des Gottlosen: denn seine Herrlichkeit wird zu Dreck und von den Würmern gefressen. 63
2,63
Sir 10,12
Heute wird er erhöht und morgen ist er nichts mehr, wenn er
2,63
Ps 146,4
wieder zu Erde geworden ist; und sein Vorhaben ist zunichte geworden. 64Darum, liebe Kinder, seid unerschrocken und haltet fest am Gesetz, so wird euch Gott wieder herrlich machen.

65Ich weiß: euer Bruder Simon ist weise im Rat; dem gehorcht allezeit als eurem Vater. 66Judas Makkabäus ist ein starker Held von Jugend auf; der soll euer Feldhauptmann sein und den Krieg führen. 67

2,67-68
5. Mose 32,40-43
Sammelt alle um euch, die das Gesetz halten. Rächt die Gewalttat, die an eurem Volk verübt wurde, 68und zahlt den Heiden heim, was sie verdient haben; und haltet fest am Gesetz! 69Danach segnete er sie und wurde zu seinen Vätern versammelt 70und starb im 146. Jahr.2,70 167/166 v. Chr. Und seine Söhne begruben ihn im Grab seiner Väter in
2,70
Kap
Modeïn und ganz Israel trauerte sehr um ihn.

3

Judas Makkabäus kämpft gegen die abtrünnigen Juden

(vgl. 2. Makk 8,1-7)

31Judas Makkabäus trat nun an die Stelle seines Vaters. 2Und seine Brüder und alle, die sich zu seinem Vater gehalten hatten, halfen ihm und kämpften für Israel mit Freuden.

3Judas gewann seinem Volk großes Ansehen. Er legte den Harnisch an wie ein Held und gürtete sich mit seinen Waffen und schützte sein Heerlager mit seinem Schwert. 4Er war mutig wie ein Löwe, kühn wie

3,4
1. Mose 49,9
ein junger brüllender Löwe, wenn er etwas jagt. 5Er spürte die Abtrünnigen auf und verfolgte sie, und die, die das Volk verführten, bestrafte er mit Feuer,
3,5
Kap
6sodass überall die Feinde vor ihm erschraken und alle Abtrünnigen niedergeworfen wurden; und er hatte Glück und Sieg. 7Das verdross viele Könige; aber Jakob war es eine Freude und ewiger Ruhm und Ehre. 8Er zog durch die Städte Judas und erschlug die Gottlosen, um den Zorn von Israel abzuwenden. 9So wurde sein Name berühmt bis an die Enden der Erde, sodass alle Unterdrückten ihm zuliefen.

Judas Makkabäus besiegt Apollonius und Seron

10Da brachte

3,10
Kap
Apollonius ein großes Heer zusammen von Heiden und Leuten aus Samarien, um gegen Israel zu kämpfen. 11Als Judas das hörte, zog er ihm entgegen, kämpfte mit ihm und erschlug ihn, und viele Feinde wurden verwundet und getötet; die Übrigen aber flohen. 12Judas machte große Beute und nahm sich das Schwert des Apollonius; das führte er fortan sein Leben lang.

13Als dann Seron, der Befehlshaber des syrischen Heeres, hörte, dass die Partei und Gemeinde der Frommen sich zu Judas hielt, sagte er: 14Ich will mir einen

3,14
Kap
Namen machen, damit ich im ganzen Königreich gepriesen werde, und will Judas und seinen Haufen, der den Befehl des Königs verachtet, schlagen. 15Darum rüstete er sich und mit ihm zog ein großes Heer der Gottlosen, um ihm zu helfen und sich an Israel zu rächen. Und sie kamen bis nach
3,15
Jos 10,10
Bet-Horon.

16Da zog Judas ihm mit einer kleinen Schar entgegen. 17Als sie aber das Heer sahen, das ihnen entgegenkam, sagten sie zu Judas: Wir sind nur wenige; auch sind wir heute matt vom Fasten; wie sollen wir gegen ein so großes und starkes Heer kämpfen? 18Aber Judas sagte: Es kann leicht geschehen, dass wenige ein großes Heer überwinden; denn

3,18
1. Sam 14,6
Gott kann ebenso gut durch wenige den Sieg verleihen wie durch viele. 19Denn
3,19
Spr 21,31
der Sieg kommt vom Himmel und wird nicht durch eine große Zahl errungen. 20Sie ziehen gegen uns voller Frevel und Bosheit und wollen uns, unsre Frauen und Kinder ermorden und berauben. 21Wir aber müssen uns wehren und für unser Leben und Gesetz kämpfen. 22Darum wird sie Gott vor unsern Augen vernichten; ihr sollt sie nicht fürchten.

23Als er das gesagt hatte, griff er die Feinde an, ehe sie sich’s versahen, und schlug den Seron und sein Heer in die Flucht 24und jagte sie von Bet-Horon hinunter in die Ebene und erschlug achthundert Mann; die Übrigen flohen ins Philisterland. 25So legte sich Furcht und Schrecken vor Judas und seinen Brüdern auf alle Völker ringsum. 26Und in allen Ländern sprach man von Judas und seinen Taten und es kam auch vor den König.

Lysias führt den Krieg gegen die Juden fort

27Als nun König Antiochus das alles hörte, wurde er sehr zornig und ließ aus seinem ganzen Königreich ein großes Heer zusammenbringen, 28öffnete seine Schatzkammer, gab dem Heer den Sold für ein Jahr und befahl, dass man auf alles gerüstet sein sollte. 29Als er aber sah, dass er nicht mehr genug Geld in der Schatzkammer hatte und dass aus dem Land wegen des Aufruhrs und des Kriegs, den er gegen die althergebrachten Gesetze führte, nicht viel Tribut einging, 30wurde er besorgt, dass er, wie bisher schon öfter, nichts mehr übrig behalten könnte für die Kosten seines Hofes und für die Geschenke, die er früher mit freigebiger Hand mehr als alle Könige vor ihm ausgegeben hatte. 31Darüber war er sehr bestürzt und beschloss, nach Persien zu ziehen, von den Provinzen Tribut zu erheben und dadurch viel Geld zusammenzubringen.

32Und er ließ im Lande einen Fürsten aus königlichem Stamm zurück mit Namen Lysias; den machte er zum Statthalter über das ganze Königreich vom Euphrat bis an die Grenze Ägyptens 33und vertraute ihm seinen Sohn, den jungen Antiochus, zur Erziehung an, solange er außer Landes sein würde. 34Er überließ ihm die Hälfte des Kriegsvolks und die Elefanten und gab ihm den Befehl, alles auszuführen, was er gegen die Bewohner von Judäa und Jerusalem vorhatte: 35Er sollte ein Heer gegen sie schicken, um das Heer Israels und die Überlebenden in Jerusalem auszurotten und die Erinnerung an diesen Ort auszutilgen; 36auch sollte er in ihrem ganzen Gebiet Leute aus fremdem Stamm ansiedeln und das Land durchs Los an sie verteilen.

Lysias rückt in Judäa ein

(vgl. 2. Makk 8,8-11)

37Im 147. Jahr3,37 166/165 v. Chr. nahm der König selbst das übrige Kriegsvolk und zog von seiner Stadt Antiochia aus über den Euphrat hinauf in die oberen Länder. 38Aber Lysias bestimmte einige mächtige Männer von den Freunden des Königs zu Hauptleuten, nämlich

3,38
2. Makk 4,45
6,8
8,8
Ptolemäus, den Sohn des Dorymenes,
3,38
Kap
Nikanor und Gorgias, 39und gab ihnen vierzigtausend Mann zu Fuß und siebentausend Reiter, damit sie das Land Juda überfallen und es verheeren sollten, wie der König befohlen hatte. 40Nachdem sie nun mit diesem Heer ausgezogen waren, lagerten sie sich bei Emmaus in der Ebene. 41Als die Kaufleute in der Umgegend davon hörten, kamen sie in das Lager und brachten sehr viel Silber und Gold und Fesseln mit sich, um die Israeliten als Sklaven zu kaufen. Auch aus Syrien und andern fremden Ländern stieß viel Kriegsvolk zu ihnen.

Judas Makkabäus rüstet sein Heer zur Abwehr

42Als nun Judas und seine Brüder sahen, dass die Verfolgung immer schlimmer wurde und dass die Feinde an der Grenze lagen, und erfuhren, dass der König befohlen hatte, ganz Juda zu vertilgen, 43sagten sie zueinander: Wir wollen der Erniedrigung unsres Volks ein Ende machen und für unser Volk und für das Heiligtum kämpfen. 44Und die Gemeinde kam zusammen, um zum Kampf bereit zu sein und um miteinander zu beten und Gnade und Hilfe von Gott zu erflehen.

45Aber zu dieser Zeit wohnte niemand mehr in Jerusalem, sondern es war

3,45
Klgl 5,18
wie eine Wüste, und keiner von ihren Bürgern ging mehr aus und ein; das
3,45
Dan 8,13
Heiligtum war zertreten, Fremde hatten die Burg inne, und dort war ein Versammlungsort der Heiden; die Freude war von Jakob weggenommen, und man hörte dort weder Flöte noch Harfe. 46Darum
3,46
1. Sam 7,5
kam das Volk zusammen in Mizpa, gegenüber von Jerusalem; denn Israel hatte vorzeiten in Mizpa angebetet.

47An diesem Tag fasteten sie und zogen Trauergewänder an,

3,47
Jdt 4,14
streuten Asche auf ihr Haupt und zerrissen ihre Kleider 48und entrollten die Schriftrolle des Gesetzes, der die Heiden nachgespürt hatten, um ihre Götzen darauf zu malen. 49Sie brachten auch dorthin die priesterlichen Kleider, die Erstlinge und Zehnten und ließen die
3,49
4. Mose 6,2-21
Gottgeweihten herbeikommen, bei denen die Zeit ihres Gelübdes vorüber war, 50und schrien laut zum Himmel: Was sollen wir mit diesen machen, und wo sollen wir sie hinführen? 51Denn dein Heiligtum ist zertreten und entweiht, deine Priester leben in Trauer und Niedrigkeit. 52Und siehe, die Heiden haben sich gegen uns versammelt, um uns ganz zu vertilgen. Du weißt, was sie gegen uns im Sinn haben. 53Wie können wir ihnen standhalten, wenn nicht du uns hilfst? 54Und sie
3,54
4. Mose 10,9
bliesen die Trompeten und schrien mit lauter Stimme.

55Danach setzte Judas Anführer für das Kriegsvolk ein,

3,55
2. Mose 18,25
Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn. 56Auch ließ er ausrufen, dass alle, die Häuser gebaut oder geheiratet oder Weinberge gepflanzt hatten oder alle, die voll Furcht waren, wieder heimziehen möchten, wie das Gesetz es ihnen erlaubt.
3,56
5. Mose 20,5-8
57Danach zogen sie fort und schlugen ihr Lager im Süden von Emmaus auf. 58Und Judas sagte: Rüstet euch und seid unerschrocken, damit ihr morgen früh bereit seid, gegen diese Heiden zu kämpfen, die zusammengekommen sind, um uns und unser Heiligtum zu vernichten! 59Denn für uns ist es besser, im Krieg zu fallen, als das Unglück unsres Volks und unsres Heiligtums zu sehen. 60Aber was Gott im Himmel will, das geschehe!

4

Judas Makkabäus besiegt Gorgias

(vgl. 2. Makk 8,20-36)

41Und Gorgias nahm fünftausend Mann zu Fuß und tausend auserlesene Reiter und rückte bei Nacht gegen das Lager der Juden vor, 2um sie unversehens zu vernichten; als Führer dienten ihnen einige Leute von der Burg. 3Als Judas davon hörte, zog auch er mit den besten Leuten aus, um das Heer des Königs, das bei

4,3
Kap
Emmaus lag, zu schlagen, 4solange es noch außerhalb des Lagers zerstreut war. 5Als nun Gorgias bei Nacht an das Lager des Judas kam und dort niemand fand, suchte er sie im Gebirge und meinte, sie wären vor ihm geflohen.

6Aber Judas kam morgens früh in die Ebene mit dreitausend Mann; doch hatten sie keine Harnische und Schwerter. 7Als sie nun sahen, dass das Heer der Feinde gut gerüstet und von starker Reiterei umgeben war und dass sie erfahrene Kriegsleute waren, 8sagte Judas zu seinem Volk: Fürchtet euch nicht vor ihrer großen Menge, und vor ihrem Ansturm erschreckt nicht! 9Denkt daran,

4,9
2. Mose 14,30
wie unsre Väter im Roten Meer errettet worden sind, als ihnen der Pharao mit einem großen Heer nacheilte. 10Lasst uns zum Himmel rufen, so wird uns der Herr auch gnädig sein und an den Bund denken, den er mit unsern Vätern geschlossen hat, und wird unsre Feinde heute vor unsern Augen vernichten. 11Und alle Heiden sollen erkennen, dass einer ist, der sich Israels annimmt, hilft und errettet.

12Als nun die Fremden aufblickten und sahen, dass Judas gegen sie heranrückte, 13zogen auch sie aus dem Lager, um Judas anzugreifen. Und die Leute des Judas

4,13
Kap
bliesen die Trompeten 14und griffen die Feinde an; und die Heiden wurden geschlagen, sodass sie alle in die Ebene hinausflohen und die letzten erstochen wurden. 15Denn Judas jagte ihnen nach bis nach Geser und bis ins Gebiet von Idumäa, bis Aschdod und Jamnia, und es fielen von ihnen an die dreitausend Mann.

16Als aber Judas und sein Heer von der Verfolgung zurückgekehrt waren, gebot er seinem Volk: 17Ihr sollt nicht plündern; denn es steht uns noch eine Schlacht bevor. 18Gorgias und sein Heer sind nahe vor uns im Gebirge; darum tretet nun unsern Feinden entgegen und schlagt sie. Danach könnt ihr plündern. 19Während Judas noch redete, erschien eine Schar, die vom Gebirge herabspähte. 20Und sie sahen, dass ihre Leute geschlagen und das Lager angezündet war; denn sie sahen den Rauch; daraus konnten sie entnehmen, was geschehen war. 21Dazu sahen sie Judas und sein Kriegsvolk in der Ebene, gerüstet zur Schlacht; darüber erschraken sie sehr 22und flohen alle ins Gebiet der Fremden.

23Dann kehrte Judas wieder zurück, um das Lager zu plündern, und sie eroberten viel Gold, Silber, blauen und roten Purpur und viele andere Schätze. 24Danach zogen sie heim, dankten und lobten Gott mit Gesang und sprachen:

4,24
Ps 106,1
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. 25An diesem Tag ist Israel großes Heil widerfahren.

Judas Makkabäus besiegt Lysias

(vgl. 2. Makk 11,1-12)

26Die Heiden aber, die entronnen waren, kamen zu

4,26
Kap
Lysias und sagten ihm, wie es ihnen ergangen war. 27Als Lysias das hörte, war er bestürzt und niedergeschlagen, weil nicht gelungen war, was er Israel hatte antun wollen und was der König befohlen hatte. 28Darum brachte Lysias im folgenden Jahr wiederum viel auserlesenes Kriegsvolk zusammen, sechzigtausend Mann zu Fuß und fünftausend Reiter, um die Juden zu vernichten. 29Dies Heer zog nach Idumäa und lagerte sich bei
4,29
2. Makk 11,5
Bet-Zur.

Doch Judas trat ihnen entgegen mit zehntausend Mann. 30Als er aber sah, dass die Feinde ein so großes Heer hatten, betete er und sprach: Lob sei dir, du Heiland Israels, der du

4,30
1. Sam 17,50
durch die Hand deines Knechts David den Angriff des Starken zunichtegemacht und das ganze Heer der Heiden in die Hände
4,30
1. Sam 14,13-15
Jonatans, des Sohnes Sauls, und seines Waffenträgers gegeben hast. 31Ich bitte dich, du wollest diese unsre Feinde auch in die Hände deines Volks Israel geben, dass sie mit ihrer Macht und ihren Reitern zuschanden werden. 32Gib ihnen ein erschrockenes und verzagtes Herz, dass sie wanken und geschlagen werden; 33schlage sie nieder mit dem Schwert derer, die dich lieben, dass dich alle loben und preisen, die deinen Namen kennen!

34Als sie nun zusammenstießen, fielen vom Heer des Lysias fünftausend Mann. 35Als aber Lysias sah, dass die Seinen flohen, die Juden dagegen unerschrocken und bereit waren, in Ehren zu leben oder in Ehren zu sterben, zog er ab nach Antiochia, um Kriegsvolk anzuwerben und mit noch stärkerer Heeresmacht wieder nach Judäa zu ziehen.

Judas Makkabäus weiht den Tempel neu

(vgl. 2. Makk 10,1-8)

36Judas aber und seine Brüder sagten: Weil unsre Feinde verjagt sind, lasst uns hinaufziehen und das Heiligtum wieder reinigen und weihen! 37Darum kam das ganze Kriegsvolk zusammen, und sie zogen miteinander auf den Berg Zion. 38Und als sie sahen, wie das Heiligtum verwüstet, der

4,38
Kap
Altar entheiligt, die
4,38
2. Makk 1,8
8,33
Tore verbrannt waren und dass der Platz umher mit Unkraut bewachsen war wie ein Wald oder Gebirge und die Priesterzellen zerfallen waren: 39da zerrissen sie ihre Kleider und hielten eine große Klage, streuten Asche auf ihr Haupt, 40fielen nieder auf ihr Angesicht und bliesen die Trompeten und schrien zum Himmel.

41Und Judas stellte Männer auf, die die Leute in der Burg abwehren sollten, bis man das Heiligtum gereinigt hatte. 42Und er nahm dazu Priester, die nicht unrein geworden und beständig im Gesetz geblieben waren. 43Die reinigten das Heiligtum und trugen die unreinen Steine weg an einen unheiligen Ort. 44Weil nun der Brandopferaltar

4,44
Kap
entheiligt war, überlegten sie, was sie mit ihm machen sollten. 45Und sie hatten einen guten Einfall, nämlich, dass man ihn ganz einreißen sollte, damit kein Ärgernis von ihm käme, weil ihn die Heiden entheiligt hatten. Darum wurde er ganz eingerissen. 46Und sie verwahrten die Steine auf dem Berge bei dem Tempel an einem geeigneten Ort,
4,46
Kap
bis ein Prophet kommen und verkünden würde, was man damit tun sollte.

47Sie nahmen aber

4,47
2. Mose 20,25
unbehauene Steine, wie das Gesetz lehrt, und bauten einen neuen Altar ganz so, wie der frühere gewesen war. 48Und sie bauten das Heiligtum wieder auf und das Innere des Hauses und weihten den Bau und die Vorhöfe. 49
4,49-51
Kap
Und sie ließen neue heilige Gefäße machen und brachten den goldenen Leuchter, den Räucheraltar und den Tisch in den Tempel. 50Und sie legten Weihrauch auf den Altar und zündeten die Lampen auf dem Leuchter an, damit sie im Tempel leuchteten. 51Auf den Tisch legten sie die Brote und hängten die Vorhänge auf und richteten den Tempel vollständig wieder her.

52

4,52-54
Kap
Und am fünfundzwanzigsten Tage des neunten Monats, der Kislew heißt, im 148. Jahr,4,52 Dezember 165 v. Chr. 53standen sie früh auf und
4,53
2. Mose 29,38-42
opferten nach dem Gesetz auf dem neuen Brandopferaltar, den sie aufgerichtet hatten. 54Zur gleichen Zeit und am gleichen Tage, an dem die Heiden das Heiligtum entweiht hatten, wurde es wieder geweiht mit Gesang und mit Zithern, Harfen und Zimbeln. 55Und alles Volk fiel nieder auf das Angesicht, betete an und lobte den Herrn im Himmel, der ihnen Glück und Sieg gegeben hatte.

56Und sie hielten das

4,56
2. Chr 7,9
Fest der Weihe des neuen Altars acht Tage lang und opferten mit Freuden Brandopfer, Dankopfer und Lobopfer; 57und sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit goldenen Kränzen und Schilden und machten neue Tore und Zellen und setzten die Türen ein. 58Und es herrschte sehr große Freude im Volk, dass die Schande von ihnen genommen war, die ihnen die Heiden angetan hatten. 59Und Judas und seine Brüder und die ganze Gemeinde Israel beschlossen, dass man jährlich vom fünfundzwanzigsten Tage des Monats Kislew an acht Tage lang das Fest der Weihe des neuen Altars mit Freude und Fröhlichkeit halten sollte.
4,59
Joh 10,22

60Zu derselben Zeit bauten sie hohe Mauern und feste Türme um das Heiligtum auf dem Berge Zion, damit die Heiden das Heiligtum nicht einnehmen und zertreten könnten, wie sie es kurz zuvor getan hatten. 61Und Judas legte Kriegsvolk hinein, um das Heiligtum zu schützen. Er befestigte auch Bet-Zur, damit das Volk eine Festung gegen Idumäa hätte, in der sie sich aufhalten und verteidigen konnten.