Lutherbibel 1984 (LU84)
4

Kein Recht zum Richten

41Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und

4,1
Tit 1,7
Haushalter über Gottes Geheimnisse. 2Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für
4,2
Lk 12,42
treu befunden werden. 3Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. 4Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet. 5Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann
4,5
Kap
wird einem jeden von Gott sein Lob zuteilwerden.

Gegen die Überheblichkeit der Korinther

6Dies aber, liebe Brüder, habe ich im Blick auf mich selbst und Apollos gesagt um euretwillen, damit ihr an uns lernt, was das heißt: Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!,

4,6
Röm 12,3
damit sich keiner für den einen gegen den andern aufblase. 7Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als hättest du es nicht empfangen? 8Ihr
4,8
Offb 3,17
seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ihr
4,8
Offb 3,21
herrscht ohne uns? Ja, wollte Gott, ihr würdet schon herrschen, damit auch wir mit euch herrschen könnten!

9Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie

4,9
Röm 8,36
zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein
4,9
Hebr 10,33
Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen. 10Wir sind
4,10
Kap
Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet. 11Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden geschlagen und haben keine feste Bleibe
4,11
2. Kor 11,23-27
12und
4,12
Kap
mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Man schmäht uns, so
4,12
Mt 5,44
Röm 12,14
segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wir’s; 13man verlästert uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute.

Paulus der Vater der Gemeinde in Korinth

14Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies; sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. 15Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn

4,15
Kap
ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium. 16Darum ermahne ich euch:
4,16
Kap
Folgt meinem Beispiel!

17Aus demselben Grund habe ich

4,17
Apg 16,1-3
Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre.

18Es haben sich einige aufgebläht, als würde ich nicht zu euch kommen. 19Ich werde aber, wenn der Herr will, recht bald zu euch kommen und nicht die Worte der Aufgeblasenen kennenlernen, sondern ihre Kraft. 20Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in

4,20
Kap
Kraft. 21Was wollt ihr? Soll ich mit dem Stock zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist?
4,21
2. Kor 10,2

5

Ausschluss der Unzüchtigen aus der Gemeinde

51Überhaupt geht die Rede, dass Unzucht unter euch ist, und zwar eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer

5,1
3. Mose 18,8
die Frau seines Vaters hat. 2Und ihr seid
5,2
Kap
aufgeblasen und seid nicht vielmehr traurig geworden, sodass ihr den aus eurer Mitte verstoßen hättet, der diese Tat begangen hat? 3Ich aber,
5,3
Kol 2,5
der ich nicht leiblich bei euch bin, doch mit dem Geist, habe schon, als wäre ich bei euch, beschlossen über den, der solches getan hat: 4Wenn ihr in dem Namen unseres Herrn Jesus versammelt seid und mein Geist
5,4
Mt 16,19
18,18
2. Kor 13,10
samt der Kraft unseres Herrn Jesus bei euch ist, 5soll dieser Mensch
5,5
1. Tim 1,20
dem Satan übergeben werden zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.

6Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass

5,6
Gal 5,9
ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? 7
5,7-8
2. Mose 12,3-20
13,7
Jes 53,7
1. Petr 1,19
Darum schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist. 8Darum lasst uns das Fest feiern nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern im ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.

9Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Unzüchtigen. 10Damit meine ich nicht allgemein die Unzüchtigen in dieser Welt oder die Geizigen oder Räuber oder Götzendiener; sonst müsstet ihr ja die Welt räumen. 11Vielmehr habe ich euch geschrieben: Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüchtiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.

5,11
2. Thess 3,6
12Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind? 13Gott aber wird die draußen sind richten.
5,13
5. Mose 13,6
Mt 18,17
Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!

6

Rechtssachen unter Christen

61Wie kann jemand von euch wagen, wenn er einen Streit hat mit einem andern, sein Recht zu suchen vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen? 2Wisst ihr nicht, dass

6,2
Mt 19,28
die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet werden soll, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? 3Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Wie viel mehr über Dinge des täglichen Lebens.

4Ihr aber, wenn ihr über diese Dinge rechtet, nehmt solche, die in der Gemeinde nichts gelten, und setzt sie zu Richtern. 5Euch zur Schande muss ich das sagen. Ist denn gar kein Weiser unter euch, auch nicht einer, der zwischen Bruder und Bruder richten könnte? 6Vielmehr rechtet ein Bruder mit dem andern, und das vor Ungläubigen! 7Es ist schon schlimm genug, dass ihr miteinander rechtet. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?

6,7
Mt 5,38-41
1. Thess 5,15
1. Petr 3,9
8Vielmehr tut ihr Unrecht und übervorteilt, und das unter Brüdern!

9

6,9-11
1. Tim 1,9-11
Gal 5,19-21
Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid
6,11
Tit 3,3-7
reingewaschen, ihr seid
6,11
Kap
geheiligt, ihr seid
6,11
Röm 3,26
gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Der Leib ein Tempel des Heiligen Geistes

12

6,12
Kap
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. 13Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen.
6,13
1. Thess 4,3-5
Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14Gott aber
6,14
Kap
hat den Herrn auferweckt und
6,14
2. Kor 4,14
wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.

15Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! 16Oder wisst ihr nicht: wer sich an die Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Denn die Schrift sagt: »Die zwei werden ein Fleisch sein« (1. Mose 2,24). 17Wer aber dem Herrn anhängt, der ist

6,17
Joh 17,21-22
ein Geist mit ihm. 18Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 19Oder wisst ihr nicht, dass
6,19
Kap
euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20Denn
6,20
Kap
ihr seid teuer erkauft; darum
6,20
Phil 1,20
preist Gott mit eurem Leibe.