Lutherbibel 1984 (LU84)
10

Das warnende Beispiel Israels

101Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle

10,1
2. Mose 13,21
unter der Wolke gewesen und alle
10,1
2. Mose 14,22
durchs Meer gegangen sind; 2und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer 3und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen
10,3
2. Mose 16,435
5. Mose 8,3
4und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen
10,4
2. Mose 17,6
Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus. 5Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.
10,5
4. Mose 14,22-32

6Das ist aber geschehen uns zum Vorbild, damit wir nicht am Bösen unsre Lust haben,

10,6
4. Mose 11,4
wie jene sie hatten. 7Werdet auch nicht Götzendiener, wie einige von ihnen es wurden, wie geschrieben steht (2. Mose 32,6): »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um zu tanzen.« 8Auch lasst uns nicht Hurerei treiben,
10,8
4. Mose 25,19
wie einige von ihnen Hurerei trieben: und an einem einzigen Tag kamen dreiundzwanzigtausend um. 9Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und
10,9
4. Mose 21,4-6
wurden von den Schlangen umgebracht. 10Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber.
10,10
4. Mose 14,235-36
Hebr 3,1117
11Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die
10,11
1. Petr 4,7
das Ende der Zeiten gekommen ist.

12Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle. 13Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu,

10,13
Ps 68,20
2. Petr 2,9
der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.

Die Unvereinbarkeit von Abendmahl und Götzendienst

14Darum, meine Lieben, flieht den Götzendienst!

10,14
1. Joh 5,21
15Ich rede doch zu verständigen Menschen; beurteilt ihr, was ich sage. 16Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
10,16
Kap
17Denn ein Brot ist’s: So
10,17
Kap
sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

18Seht an das Israel nach dem Fleisch! Welche

10,18
3. Mose 7,6
die Opfer essen, stehen die nicht in der Gemeinschaft des Altars? 19Was will ich nun damit sagen? Dass das Götzenopfer etwas sei? Oder
10,19
Kap
dass der Götze etwas sei? 20Nein, sondern was man da opfert, das opfert man den bösen Geistern und nicht Gott. Nun will ich nicht, dass ihr in der Gemeinschaft der bösen Geister seid. 21Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der bösen Geister; ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der bösen Geister.
10,21
Mt 6,24
2. Kor 6,15-16
22Oder wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er?

Rücksicht auf das Gewissen

23Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.

10,23
Kap
24Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
10,24
Röm 15,2
Phil 2,4
25Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert.
10,25
Röm 14,2-1022
26Denn »die Erde ist des Herrn und was darinnen ist« (Ps 24,1). 27Wenn euch einer von den Ungläubigen einlädt und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert. 28Wenn aber jemand zu euch sagen würde: Das ist
10,28
Kap
Opferfleisch, so esst nicht davon, um dessentwillen, der es euch gesagt hat, und damit ihr das Gewissen nicht beschwert. 29Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen, sondern von dem des andern. Denn warum sollte ich das Gewissen eines andern über meine Freiheit urteilen lassen? 30Wenn ich’s
10,30
1. Tim 4,4
mit Danksagung genieße, was soll ich mich dann wegen etwas verlästern lassen, wofür ich danke?

31Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.

10,31
Kol 3,17
32
10,32
Röm 14,13
Erregt keinen Anstoß, weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, 33so wie
10,33
Kap
auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden.

11

111Folgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!

Die Frau im Gottesdienst

2Ich lobe euch, weil ihr in allen Stücken an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. 3Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist;

11,3
1. Mose 3,16
Eph 5,23
der Mann aber ist das Haupt der Frau;
11,3
Kap
Gott aber ist das Haupt Christi. 4Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. 5Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. 6Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken.

7Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. 8Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern

11,8
1. Mose 2,21-23
die Frau von dem Mann. 9Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern
11,9
1. Mose 2,18
die Frau um des Mannes willen. 10Darum soll die Frau eine Macht11,10 »Macht« bedeutet wohl »Schleier«. auf dem Haupt haben um der Engel willen. 11Doch in dem Herrn ist weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann etwas ohne die Frau; 12denn wie die Frau von dem Mann, so kommt auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott.

13Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt, dass eine Frau unbedeckt vor Gott betet. 14Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt, 15aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr als Schleier gegeben. 16Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben, die Gemeinden Gottes auch nicht.

Vom Abendmahl des Herrn

17Dies aber muss ich befehlen: Ich kann’s nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. 18Zum Ersten höre ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind

11,18
Kap
Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich’s. 19Denn
11,19
Mt 18,7
1. Joh 2,19
es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden. 20Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn. 21Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.
11,21
Jud 12
22Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und
11,22
Jak 2,5-6
beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.

23

11,23-25
Mt 26,26-28
Mk 14,22-24
Lk 22,19-20
Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24dankte und brach’s und sprach: 11,24 Spätere Textzeugen haben entsprechend Mt 26,26 die Worte »Nehmet, esset« eingefügt.Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 25Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund11,25 Luther übersetzte: »das neue Testament«. in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. 26Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn,
11,26
Mt 26,29
bis er kommt.

27Wer nun

11,27
unwürdig11,27 »Unwürdig«: d. h. in einer Weise, die die Heilstat Christi durch liebloses Verhalten missachtet (vgl. 11,21-22). von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. 28Der Mensch
11,28
Mt 26,22
prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. 29Denn wer so isst und trinkt, dass er
11,29
Kap
den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht. 30Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und nicht wenige sind entschlafen. 31Wenn wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. 32Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden.
11,32
Spr 3,11-12

33Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. 34Hat jemand Hunger, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt.

Das andre will ich ordnen, wenn ich komme.

12

Viele Gaben – ein Geist

121Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen. 2Ihr wisst: als ihr Heiden wart, zog es euch mit Macht zu den

12,2
Hab 2,18-19
stummen Götzen. 3Darum tue ich euch kund, dass niemand Jesus verflucht, der durch den Geist Gottes redet; und
12,3
Mk 9,39
1. Joh 4,2-3
niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.

4

12,4-6
Eph 4,4-611
Es sind
12,4
Röm 12,6
verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. 5Und es sind
12,5
verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. 6Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. 7In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller;
12,7
Kap
8dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; 9einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; 10einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei
12,10
Kap
Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und
12,11
Röm 12,3
Eph 4,7
teilt einem jeden das Seine zu, wie er will.

Viele Glieder – ein Leib

12Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. 13Denn

12,13
Gal 3,28
wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.

14Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. 15Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein? 16Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte es deshalb nicht Glied des Leibes sein? 17Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? 18Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. 19Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? 20Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer.

21Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. 22Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; 23und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand; 24denn die anständigen brauchen’s nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, 25damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. 26Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

27Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.

12,27
Röm 12,5
28Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.
12,28
Eph 4,11-12
29Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer? Sind alle Wundertäter? 30Haben alle die Gabe, gesund zu machen? Reden alle in Zungen? Können alle auslegen? 31Strebt aber nach den größeren Gaben!
12,31
Kap

Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.