Lutherbibel 2017 (LU17)
10

Sorge um Tobias

101Tag für Tag zählte Tobit, wie lange sein Sohn Tobias hinreisen und wann er zurückkehren werde. Als aber die Tage um waren und sein Sohn nicht erschien, 2fragte er sich: Ist er vielleicht dort aufgehalten worden? Vielleicht ist Gabaël gestorben, und niemand will ihm das Silber zurückgeben? 3Da wurde er sehr traurig. 4Und Hanna, seine Frau, klagte: Mein Kind ist umgekommen und weilt nicht mehr unter den Lebenden! So begann sie, über ihren Sohn zu weinen und zu klagen, und sie sprach: 5Weh mir, Kind, dass ich dich ziehen ließ, du Licht meiner Augen!

6Und Tobit sagte zu ihr: Sei still und sorge dich nicht, Schwester! Unserm Sohn geht’s gut! Gewiss sind sie dort aufgehalten worden. Er hat doch einen zuverlässigen Begleiter, einen von unseren Brüdern! Trauere nicht um ihn, Schwester, er wird schon zurückkehren! 7Sie aber sagte zu ihm: Schweig still und täusche mich nicht! Umgekommen ist mein Kind! Und sie sprang auf und hielt alle Tage Ausschau auf den Weg, den ihr Sohn gegangen war, und ließ sich durch niemanden überzeugen. Und wenn die Sonne unterging, kehrte sie ins Haus zurück und klagte und weinte die ganze Nacht und fand keinen Schlaf.

Abschied in Ekbatana

Und als die vierzehn Tage der Hochzeit um waren, die Raguël seiner Tochter versprochen hatte, ging Tobias zu ihm hinein und sagte: Lass mich ziehen! Ich weiß, dass mein Vater und meine Mutter schon nicht mehr glauben, mich wiederzusehen! Und nun bitte ich dich, mich ziehen zu lassen, um zu meinem Vater zu reisen! Ich habe dir ja schon erzählt, wie ich ihn zurückgelassen habe. 8Raguël aber sagte zu Tobias: Bleib, Kind, bleibe bei mir; ich will Boten zu deinem Vater Tobit schicken und ihn wissen lassen, wie es dir geht. 9Tobias aber antwortete: Nein! Ich bitte dich: Lass mich zu meinem Vater ziehen! 10Da erhob sich Raguël und gab Tobias seine Frau Sara und die Hälfte von all seinem Hab und Gut: Knechte und Mägde, Rinder und Schafe, Esel und Kamele, Kleidung und Silber und kostbares Geschirr.

10,10
1. Mose 24,35
11Und er ließ ihn gesund und fröhlich von sich ziehen und sprach zu ihm: Bleib gesund, Kind, und zieh wohlbehalten dahin! Der Herr des Himmels sei mit dir und deiner Frau Sara auf dem Wege! Meine Augen mögen eure Kinder sehen, ehe ich sterbe. 12Und Raguël sprach zu Sara, seiner Tochter: Geh zu deinem Schwiegervater, denn er und seine Frau sind von nun an wie deine eigenen Eltern! Zieh hin in Frieden, Tochter; ich möchte gute Nachricht von dir hören, solange ich lebe. So nahm er Abschied von ihnen und ließ die beiden ziehen. Edna aber sprach zu Tobias: Kind und geliebter Bruder! Der Herr bringe dich zurück, und noch zu meinen Lebzeiten möchte ich eure Kinder sehen! Der Herr sei Zeuge: Wie ein kostbares Gut vertraue ich dir meine Tochter an. Betrübe sie nicht, dein Leben lang! Kind, zieh in Frieden. Von nun an bin ich deine Mutter, und Sara ist deine Schwester! Mögen wir alle gesund und fröhlich sein alle Tage unseres Lebens. Und sie küsste sie beide und ließ sie wohlbehalten ziehen. 13Und Tobias zog von Raguël los, gesund und fröhlich, und er pries den Herrn des Himmels und der Erde, den König über alles, dass er seinen Weg hatte gelingen lassen.10,13 Im griechischen Text folgt ein Satz, der wohl am Ende der Rede des Raguël (Vers 12) stand: »Und er sagte zu ihm: Möge es dir gelingen, ihn alle Tage ihres Lebens zu ehren.«

11

Heimkehr und Heilung

111Und als sie auf dem Heimweg nach Kaserin kamen, das Ninive gegenüber liegt, 2sagte Rafaël: Du weißt,

11,2
Kap
wie es deinem Vater ging, als wir ihn verlassen haben. 3Wir wollen nun deiner Frau vorauseilen und das Haus herrichten, in das sie mit dem Gesinde dann nachkommen wird. 4Da zogen sie gemeinsam voraus. Der Engel aber sprach zu Tobias: Nimm etwas von der Galle des Fisches zur Hand. Der Hund aber lief hinter ihnen her.

5Hanna aber saß da und hielt am Wege Ausschau nach der Heimkehr ihres Sohnes. 6Und als sie ihn kommen sah, sprach sie zu seinem Vater: Siehe, dein Sohn kommt und mit ihm sein Begleiter!

7Aber noch bevor sich Tobias seinem Vater nähern konnte, sprach Rafaël zu ihm: Ich weiß, wie seine Augen wieder geöffnet werden können: 8Reibe die Fischgalle in seine Augen! So wird die Arznei die weißen Flecken zusammenziehen und von seinen Augen abschälen, und dein Vater wird aufblicken und das Licht wieder schauen.

9Da lief Hanna herbei und fiel ihrem Sohn um den Hals und sagte zu ihm: Ich habe dich wiedergesehen, Kind, nun kann ich sterben. Und sie weinte. 10Und Tobit stand auf und stolperte zur Tür des Hofes hinaus. Tobias aber ging ihm entgegen 11mit der Fischgalle in der Hand. Und er blies ihm in die Augen, ergriff ihn und sprach: Sei getrost, Vater! Und er trug die Arznei auf und verrieb sie. 12-13So schälte er die weißen Flecken mit den Händen aus seinen Augenwinkeln. Da fiel ihm Tobit um den Hals, 14und er weinte und sprach zu ihm: Ich sehe dich, Kind, du Licht meiner Augen! Und er hob an:

11,14
1. Chr 29,10
Jdt 13,17
Gepriesen sei Gott und gepriesen sei sein großer Name, und gepriesen seien alle seine heiligen Engel! Sein großer Name sei unter uns, und gepriesen seien alle Engel in alle Ewigkeiten! 15Denn er hat mich
11,15
Weish 3,5
gezüchtigt, aber siehe, nun kann ich meinen Sohn Tobias wieder sehen! Da ging Tobias hinein voll Freude und pries Gott aus vollem Munde, und er erzählte seinem Vater, dass sein Weg gelungen sei und dass er das Silber mitgebracht habe. Und er berichtete, wie er Sara, die Tochter Raguëls, zur Frau genommen habe und dass sie schon auf dem Weg und kurz vor den Toren Ninives sei.

Tobit empfängt Sara

16Da ging Tobit hinaus an das Tor Ninives, seiner Schwiegertochter entgegen; voller Freude pries er Gott. Als die Bewohner Ninives ihn gehen sahen, wie er aus eigener Kraft einherschritt und von keinem an der Hand geführt werden musste, wunderten sie sich sehr. 17Tobit aber tat ihnen kund, dass Gott sich seiner erbarmt und ihm die Augen geöffnet habe. Und Tobit näherte sich Sara, der Frau seines Sohnes Tobias. Er segnete sie und sagte zu ihr: Mögest du wohlbehalten eintreten, Tochter! Gepriesen sei dein Gott, der dich zu uns geführt hat, Tochter! Und gesegnet sei dein Vater und gesegnet sei mein Sohn Tobias und gesegnet seist du, Tochter. Tritt wohlbehalten ein in dein Haus, in Segen und Freude; tritt ein, Tochter! An diesem Tag widerfuhr allen Juden, die in Ninive wohnten, große Freude. 18Auch Achikar und Nabad, die Vettern des Tobias, kamen und freuten sich mit ihm.

12

Rafaëls Abschied

121Und als die Hochzeit vorüber war, rief Tobit seinen Sohn Tobias und sprach zu ihm: Kind, achte darauf, deinem

12,1
Kap
Begleiter seinen Lohn zu geben, und gib ihm noch etwas dazu. 2Und Tobias antwortete ihm: Vater, welchen Lohn soll ich ihm geben? Ich schade mir wohl nicht, wenn ich ihm die Hälfte des Guts gebe, das er mit mir hierher gebracht hat. 3Wohlbehalten hat er mich hin- und zurückgeleitet und meine Frau geheilt. Auch hat er das Silber zusammen mit mir hierher gebracht, und noch dazu hat er dich geheilt. Wie viel soll ich ihm als Lohn geben? 4Und Tobit sagte zu ihm: Kind, ihm steht die Hälfte von allem zu, das er mit hierher gebracht hat. 5Und er rief Rafaël und sagte: Nimm dir als Lohn die Hälfte von allem, was du mit hierher gebracht hast, und ziehe gesund und fröhlich dahin!

6Da nahm der Engel die beiden beiseite und sprach zu ihnen: Lobt Gott und dankt ihm vor allen Geschöpfen, dass er euch Gutes getan hat, damit man seinen Namen preist und rühmt! Verkündet die Worte Gottes allen Menschen in Ehren und verschweigt nicht sein Lob! 7Es ist gut, das Geheimnis eines

12,7
Spr 25,2
Königs zu verbergen, doch die Werke Gottes soll man offenbar machen und in Ehren preisen. Tut Gutes, so wird euch das Böse nicht finden. 8Ein Gebet in Wahrheit und
12,8
Kap
Almosengeben in Barmherzigkeit sind besser als Reichtum in Ungerechtigkeit. Almosen geben ist besser, als Gold anzuhäufen.
12,8
Spr 28,6
9Barmherzigkeit errettet vom Tode, und sie reinigt von jeder Sünde. Wer Barmherzigkeit übt, wird mit Leben gesättigt.
12,9
Spr 10,2
Sir 29,10-13
10Wer aber Sünde und Unrecht tut, bringt sich selber um sein Leben.
12,10
Spr 14,34

11So will ich euch nun die ganze Wahrheit offenbaren und euch nichts verheimlichen. Ich habe euch schon kundgetan und gesagt: Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu verbergen, doch die Werke Gottes soll man in Ehren offenbar machen. 12Als du, Tobit, hier gebetet hast und Sara in Ekbatana, da brachte ich euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn, und solches geschah auch, als du die Toten begrubst. 13Als du nicht gezögert hast, aufzustehen und dein

12,13
Kap
Mahl im Stich zu lassen, und hingegangen bist, um den Toten zu begraben, 14da wurde ich zu dir geschickt, um dich zu prüfen. Zugleich aber sandte mich Gott, um dich und deine Schwiegertochter Sara zu heilen. 15Denn ich bin Rafaël12,15 Der Name bedeutet »Gott heilt«., einer von den
12,15
Offb 8,2
sieben Engeln, die vor die Herrlichkeit des Herrn treten dürfen.

16Da erschraken die beiden und fielen auf ihr Angesicht, denn sie fürchteten sich. 17Der Engel aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Friede sei mit euch! Preist Gott in alle Ewigkeit! 18Denn nicht aus eigener Güte, sondern nach dem Willen Gottes ist es geschehen, dass ich bei euch war. Preist ihn alle Tage und lobsingt ihm! 19Ihr habt nicht gesehen, dass ich etwas gegessen habe – es war nur eine Erscheinung. 20Und nun preist den Herrn auf der Erde und dankt Gott! Siehe, ich steige zu dem empor, der mich gesandt hat. Schreibt alles auf, was euch geschehen ist! Und der Engel stieg empor.

21Und als sie sich erhoben, war er nicht mehr zu sehen. 22Da priesen und lobsangen sie Gott und dankten ihm für seine großen Werke und dass ihnen ein Engel Gottes erschienen war.