Lutherbibel 2017 (LU17)
18

181Der ewig lebt, hat alles miteinander geschaffen. 2Der Herr allein ist gerecht. [Und es gibt keinen außer ihm. 3Er lenkt die Welt mit einem Wink seiner Hand, und alles gehorcht seinem Willen; denn in seiner Macht ist er König über alles; er trennt Heiliges von Unheiligem.] 4

18,4
Kap
Niemand kann seine Werke aufzählen. Wer kann seine großen Taten erforschen? 5 Wer kann seine große Macht ermessen? 4 Und wer kann die Taten seiner Barmherzigkeit alle erzählen? 6 Man kann sie
18,6
Kap
nicht mindern noch mehren, und
18,6
Pred 8,17
die Wunder des Herrn kann man nicht begreifen. 7 Wenn der Mensch sein Bestes getan hat, steht er doch erst am Anfang; und wenn er zum Ende kommt, fehlt noch viel.

8

18,8
Hiob 7,17
Ps 8,5
Was ist der Mensch? Wozu ist er nütze? Was ist das Gute und was das Böse an ihm? 9
18,9
Kap
Die Zahl der Tage eines Menschen kann viele Jahre betragen – vielleicht hundert. [Niemand aber kann den Todesschlaf berechnen.] 10Wie ein Tropfen Wasser im Meer und wie ein Körnlein Sand, so gering sind des Menschen Jahre gegen einen Tag der Ewigkeit.

11

18,11
Kap
Darum hat der Herr Geduld mit ihnen und gießt seine Barmherzigkeit aus über sie. 12 Er sieht und weiß, wie bitter ihr Ende ist; 11 umso reichlicher schenkt er seine Versöhnung.

13 Die Barmherzigkeit eines Menschen gilt allein seinem Nächsten; aber die Barmherzigkeit des Herrn gilt der ganzen Welt. 13 Er weist zurecht, erzieht und belehrt und führt zurück wie ein Hirte seine Herde. 14 Er erbarmt sich aller, die sich erziehen lassen und eifrig seine Ordnungen befolgen.

Barmherzigkeit mit dem Nächsten

15Mein Kind, wenn du jemand Gutes tust, so tu’s nicht mit tadelnden Worten; und wenn du jemand etwas gibst, so kränke ihn nicht dabei.

18,15
Kap
16Kühlt nicht der Tau die Hitze? So ist das Wort besser als die Gabe. 17Gilt nicht ein Wort mehr als eine gute Gabe? Und ein freundlicher Mensch gibt sie beide. 18Ein Narr schmäht lieblos, und eines Böswilligen Gabe führt zu Tränen.

Bedenke das Ende

19Lerne, bevor du redest, 20 und sorge für deine Gesundheit, bevor du krank wirst; 20 prüfe dich selbst, bevor das Gericht kommt, so wirst du in der Stunde der Heimsuchung Gnade finden.

21 Übe Demut, ehe du krank wirst, und

18,21
Kap
noch im Augenblick der Sünde kehre um. 22Lass dich
18,22
Pred 5,3
nicht aufhalten, dein Gelübde bald zu erfüllen, und warte nicht bis an den Tod, um es einzulösen. 23
18,23
Spr 20,25
Mache dich bereit für das Gelübde, ehe du es ablegst, und sei nicht wie einer, der den Herrn versucht. 24Denk an den Zorn, der am Ende kommen wird, und an die Stunde der Strafe, in der Gott sein Antlitz abwendet.
18,24
Kap

25Wenn man satt ist, soll man bedenken, dass man vielleicht wieder hungern muss; und wenn man reich ist, soll man bedenken, dass man wieder arm werden kann.

18,25
Kap
26
18,26
Hiob 1,13-22
Es kann vor Abend noch ganz anders werden, als es am Morgen war; so schnell wandelt sich alles vor dem Herrn.

27Ein weiser Mensch ist in allem sorgsam, und wenn andre sündigen, hütet er sich vor Verfehlungen. 28Wer verständig ist, nimmt solche Weisheit an und preist den, der sie gefunden hat. 29

18,29
Kap
Wer Weisheitslehren recht versteht, ist selbst ein Weiser und findet treffende Sprüche. [Besser mit Freimut vor einem einzigen Herrscher gesprochen, als mit totem Herzen einem toten Herrscher anzuhängen.]

Über die Selbstbeherrschung

30

18,30
Kap
Folge deinen Begierden nicht, sondern zügle dein Verlangen. 31Denn wenn du deinen Begierden folgst, so wirst du dich zum Gespött deiner Feinde machen.
18,31
Kap
32
18,32
Spr 23,20-21
Sei kein Prasser und gewöhne dich nicht ans Schlemmen, 33damit du nicht zum Bettler wirst, der andre von geliehenem Geld bewirtet, weil er kein eigenes im Beutel hat. [Denn sonst wirst du zum Verräter an deinem eigenen Leben.]

19

191Ein Arbeiter, der sich gern vollsäuft, wird nicht reich; und wer das Wenige allzu gering achtet, der kommt zu Fall. 2

19,2
Kap
Wein und Weiber betören die Weisen; 3 und wer sich an Huren hängt, der wagt zu viel; 3den fressen Maden und Würmer, und wer so verwegen lebt, der wird hinweggerafft.

Über böses Gerede

4Wer leichtgläubig ist, der ist leichtsinnig, und wer sündigt, der schadet sich selbst. 5Wer sich über eine Bosheit freut, den wird man verachten, [wer gegen seine Gelüste kämpft, der krönt sein Leben. 6 Wer seine Zunge im Zaum hält, der wird in Frieden leben,] und wer Geschwätz hasst, der verringert das Übel. 7 Hörst du etwas, so sage es nicht weiter, und dir wird es an nichts fehlen. 8 Du sollst es weder Freund noch Feind sagen, 8 und wenn es für dich keine Sünde bedeutet,

19,8
Spr 25,9
gib es nicht preis. 9 Denn man hört dir wohl zu, aber man hütet sich vor dir, und bei Gelegenheit lässt man dich den Hass spüren.

10Hast du etwas gehört, so

19,10
Spr 11,13
lass es mit dir sterben; sei ohne Sorge, du wirst ja nicht davon bersten! 11Aber aus einem Narren bricht es heraus wie ein Kind, das geboren werden will. 12Wie der Pfeil im Schenkel so steckt das Wort im Bauch des Narren.

13Stell deinen Freund zur Rede; vielleicht hat er’s nicht getan. Hat er’s aber doch getan, damit er’s nicht wieder tut. 14Stell deinen Nächsten zur Rede; vielleicht hat er’s nicht gesagt. Hat er’s aber doch gesagt, damit er’s nicht wieder sagt. 15Stell deinen Freund zur Rede, denn man verleumdet die Leute gern. Darum glaube nicht alles, was du hörst. 16Oft entfährt einem ein Wort, das nicht so gemeint war; denn wer hat noch nicht mit der Zunge gesündigt?

19,16
Pred 7,21-22
Jak 3,2
17Stell deinen Nächsten zur Rede, bevor du ihm drohst, und bedenke, was das Gesetz des Höchsten fordert. 18[Der Herr nimmt die an, die ihn fürchten, und Weisheit erwirkt seine Liebe.
19,18
Jak 3,17
19Die Gebote des Herrn zu kennen, ist Erziehung zum Leben; die aber tun, was ihm gefällt, ernten vom
19,19
1. Mose 2,9
Baum der Unsterblichkeit.]

Weisheit und Arglist

20 Alle

19,20
Kap
Weisheit besteht in der Furcht des Herrn, und zu aller Weisheit gehört das Tun des Gesetzes [und die Erkenntnis seiner Allmacht.
19,20
Kap
21Ein Knecht, der zum Herrn sagt: »Ich tue nicht, was du willst«, erzürnt seinen Ernährer, auch wenn er es dann doch tut].
19,21
Mt 21,28-31
22 Böses zu kennen, ist keine Weisheit, und die Pläne der Sünder sind nicht Klugheit zu nennen. 23 Es gibt eine
19,23
Kap
Schläue, die ein Gräuel ist, und der ist ein Tor, dem es an Weisheit fehlt. 24 Besser ist geringe Klugheit mit Gottesfurcht als große Klugheit mit Übertretung des Gesetzes.

25 Einer kann listig und schlau sein und ist doch nicht gerecht. Er kann eine Sache so verdrehen, dass er im Gericht besteht [und im Urteil der Gerechten als weise gilt]. 26 Manch einer ist boshaft: Er gibt sich ernsthaft, sein Inneres aber ist voll Arglist. 27 Er schlägt die Augen nieder und stellt sich taub; und wenn du nicht auf ihn achtgibst, so wird er dich übervorteilen. 28 Und wenn er auch zu schwach ist, um dir zu schaden, so wird er’s doch tun, wenn er seine Zeit gekommen sieht.

29 Man

19,29
Kap
sieht’s einem an, was für ein Mann er ist, und einen Vernünftigen erkennt man, wenn man ihm ins Gesicht sieht. 30 Denn an Kleidung, Lachen und Gang erkennt man den Mann.

20

Reden und Schweigen

201Es tadelt einer oft seinen Nächsten zur

20,1
Kap
Unzeit, doch wäre es klüger, wenn er schwiege. 2Es ist besser, offen zu tadeln, als heimlich zu grollen; 3und wer’s mit Dank annimmt, dem bringt’s Nutzen. 4Wer mit Gewalt ein Urteil erzwingen möchte, der ist
20,4
Kap
wie ein Eunuch, der eine Jungfrau schänden will. 5Der eine
20,5
Spr 17,28
schweigt und wird deshalb für weise gehalten; der andere macht sich unbeliebt, weil er viel redet. 6
20,6
Pred 3,7
Der eine schweigt, weil er nichts zu antworten weiß; der andere aber schweigt und wartet auf seine Zeit. 7Ein weiser Mann schweigt, bis er seine Zeit gekommen sieht; aber ein Prahler und Narr achtet nicht auf die rechte Zeit. 8Wer
20,8
Spr 10,19
viele Worte macht, wird verabscheut; und
20,8
1. Mose 37,5-11
wer auf seinem Recht besteht, macht sich verhasst. [Wie gut, wenn jemand getadelt wird und Reue zeigt, so wird er mutwillige Sünde vermeiden.]

Gewinn und Verlust

9Manches Unglück führt einen zum Guten, und mancher Gewinn führt zum Schaden. 10Manche Gaben bringen keinen Gewinn; andere dagegen werden doppelt vergolten. 11Mancher, der in hohem Ansehen steht, fällt tief; und mancher, der erniedrigt ist, kommt empor. 12Mancher kauft zunächst viel für wenig Geld; aber nachher muss er’s siebenfach bezahlen.

Der unbeliebte Narr

13Ein weiser Mann macht sich mit wenigem beliebt, aber was Narren schenken, hat keinen Wert. 14Das Geschenk des Narren wird dir nichts nützen; [auch nicht das eines Neiders, weil er etwas dafür erwartet,] denn mit einem Auge gibt er und mit sieben Augen sieht er, was er dafür bekommt.20,14 Mit Luther wird hier die lateinische Texttradition aufgenommen. 15Er gibt wenig und hält es einem vielfach vor und schreit’s aus wie ein Ausrufer. 16 Heute leiht er, morgen will er’s wiederhaben. Das sind widerwärtige Leute.

16 Der Narr klagt: »Niemand ist mein Freund; niemand dankt mir für meine Wohltaten. 18 Sie essen mein Brot und reden schlecht von mir.« 17 Wie oft und von wie vielen wird er verspottet! [Denn mit seinem Besitz ist er nicht in rechter Weise umgegangen. Selbst nichts zu besitzen, ist ihm gleichgültig.]

Unzeitiges Reden

18 Besser, es kommt einer auf schlüpfrigem Boden zu Fall als

20,18
Spr 12,13
durch sein Reden; so geht’s den Bösen: Plötzlich müssen sie fallen. 19 Ein grober Mensch fällt auf durch unpassende Reden; im Munde unerzogener Leute sind sie gang und gäbe. 20 Auch wenn ein Narr etwas Richtiges sagt, so findet es doch keinen Anklang; denn er
20,20
sagt es nicht zur rechten Zeit.

Armut und falsche Scham

21 Manchen hindert nur seine Armut daran, Böses zu tun; kommt er zur Ruhe, so hat er kein schlechtes Gewissen. 22 Mancher setzt sein Leben aufs Spiel aus Furcht vor Schande; aber um törichter Leute willen verliert er es. 23 Mancher macht aus Scham seinem Freund Versprechungen und macht ihn sich grundlos zum Feind.

Warnung vor Lügen

24 Die

20,24
Eph 4,25
Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen; im Munde unerzogener Leute ist sie gang und gäbe. 25 Schlimmer als ein Dieb ist ein Mensch, der ständig lügt; aber zuletzt werden sie beide untergehen.
20,25
3. Mose 19,11
26 Ein verlogener Mensch ist ehrlos, und sein schändliches Verhalten hört nicht auf.

Weisheitssprüche

27 Ein weiser Mann bringt sich mit wenigem zu Ehren, und ein kluger Mann gefällt den Mächtigen. 28 Wer

20,28
Spr 12,11
einen Acker fleißig bebaut, vermehrt seine Ernte; und wer dem Mächtigen gefällt, kann Unrecht gutmachen.

29 Geschenke und Gaben machen die Augen der Weisen blind. Sie sind wie ein Zaum im Maul, sodass sie niemand mehr zurechtweisen können.

20,29
2. Mose 23,8
5. Mose 16,19
30 Verborgene Weisheit und ein vergrabener Schatz, was nützen sie beide?
20,30
Kap
31 Besser ein Mensch, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verheimlicht. 32[Besser unbeirrte Geduld bei der Suche nach dem Herrn, als ein unbeherrschter Wagenlenker des eigenen Lebens zu sein.]