Lutherbibel 2017 (LU17)
11

Gott hat sein Volk nicht verstoßen

111So frage ich nun:

11,1
Ps 94,14
Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch
11,1
2. Kor 11,22
Phil 3,5
ich bin ein Israelit, vom Geschlecht Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. 2
11,2
1. Sam 12,22
Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht (1. Kön 19,10): 3»Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen. Ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben«? 4Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? (1. Kön 19,18): »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal.« 5So geht es auch jetzt zu dieser Zeit: Ein
11,5
Kap
Rest ist geblieben, der erwählt ist aus Gnade. 6Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade.

7Wie nun?

11,7
Kap
Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Erwählten aber haben es erlangt. Die Übrigen wurden verstockt, 8wie geschrieben steht (Jes 29,10): »Gott hat ihnen gegeben einen Geist der Betäubung,
11,8
5. Mose 29,3
Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.« 9Und David spricht (Ps 69,23-24): »Ihr Tisch soll ihnen zur Falle werden und zu einer Schlinge und zum Ärgernis und zur Vergeltung. 10Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit.«

Der Sinn der Berufung der Heiden

11So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern

11,11
Apg 13,46
durch ihre Verfehlung ist den Heiden das Heil widerfahren; das sollte sie
11,11
Kap
eifersüchtig machen. 12Wenn aber ihre Verfehlung Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, welchen Reichtum wird dann ihre volle Zahl bringen!

13Euch Heiden aber sage ich: Weil ich

11,13
Kap
Apostel der Heiden bin, preise ich meinen Dienst, 14ob ich vielleicht meine Stammverwandten eifersüchtig machen und einige von ihnen retten könnte.
11,14
1. Kor 9,20-22
15Denn wenn ihr Verlust Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16Ist die
11,16
4. Mose 15,20
Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und ist die Wurzel heilig, so sind auch die Zweige heilig.

Das Bild vom Ölbaum

17Wenn nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden, du aber, der du

11,17
Eph 2,11-14
ein wilder Ölzweig bist, in den Ölbaum eingepfropft wurdest und Anteil bekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, 18so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.

19Nun wirst du sagen: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft werde. 20Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht überheblich, sondern fürchte dich!

11,20
1. Kor 10,12
21Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er auch dich nicht verschonen. 22Darum sieh die Güte und die Strenge Gottes: die Strenge gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber,
11,22
Joh 15,24
Hebr 3,14
sofern du in der Güte bleibst; sonst wirst auch du abgehauen werden. 23Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen. 24Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur aus wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, um wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.

Ganz Israel wird gerettet werden

25Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren,

11,25
Joh 10,16
bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. 26Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jes 59,20; Jer 31,33):
11,26
Ps 14,7
»Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. 27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«

28Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

11,29
4. Mose 23,19
30Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, 31so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32Denn
11,32
Gal 3,22
Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich
11,32
1. Tim 2,4
aller erbarme.

Lob der unerforschlichen Wege Gottes

33O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!

11,33
Jes 55,8-9
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34Denn
11,34
1. Kor 2,16
»wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jes 40,13) 35Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3) 36Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

12

Das Leben als Gottesdienst

121Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr

12,1
Kap
euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch
12,2
Eph 4,23
durch Erneuerung eures Sinnes,
12,2
Eph 5,1017
auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Die Gnadengaben im Dienst der Gemeinde

3Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand

12,3
Mt 20,26
1. Kor 4,6
mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte,
12,3
1. Kor 12,11
Eph 4,7
wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. 4Denn
12,4
1. Kor 12,12
wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied.
12,5
1. Kor 12,27
Eph 4,425
6Wir
12,6
1. Kor 7,7
12,4
1. Petr 4,10
haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er.
12,7
1. Petr 4,11
8Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er.
12,8
Mt 6,3
Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt,
12,8
2. Kor 8,2
9,7
tue es mit Freude.

Das Leben der Gemeinde

9Die

12,9
1. Tim 1,5
Liebe sei ohne Falsch.
12,9
Am 5,15
Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 10Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich.
12,10
Phil 2,3
Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.
12,11
Apg 18,25
Offb 3,15
Seid brennend im Geist.
12,11
Kol 3,23
Dient dem Herrn. 12Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13Nehmt euch der Nöte der Heiligen an.
12,13
3. Joh 5-8
1. Petr 4,9
Hebr 13,2
Übt Gastfreundschaft.

14Segnet, die euch verfolgen;

12,14
Mt 5,44
1. Kor 4,12
segnet, und verflucht sie nicht. 15Freut euch mit den Fröhlichen,
12,15
1. Kor 12,26
weint mit den Weinenden. 16Seid
12,16
Kap
eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen.
12,16
Jes 5,21
Haltet euch nicht selbst für klug.

17

12,17
Spr 20,22
1. Thess 5,15
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.
12,17
2. Kor 8,21
Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so
12,18
1. Thess 5,13
Hebr 12,14
habt mit allen Menschen Frieden. 19
12,19
3. Mose 19,18
Mt 5,38-44
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20Vielmehr,
12,20
2. Kön 6,22
»wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Spr 25,21-22). 21Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

13

Das Verhältnis zur staatlichen Gewalt

131

13,1
Tit 3,1
1. Petr 2,13
Jedermann sei untertan der Obrigkeit13,1 Siehe Sach- und Worterklärungen., die Gewalt über ihn hat. Denn
13,1
Spr 8,15
es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. 2Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen. 3Denn die Gewalt haben, muss man nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. 4Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut.

5Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. 6Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. 7So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

13,7
Mt 22,21

Die Liebe, des Gesetzes Erfüllung

8Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn

13,8
Gal 5,14
wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 9Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 10Die Liebe
13,10
1. Kor 13,4
tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe
13,10
Mt 22,40
des Gesetzes Erfüllung.

Leben im Licht des anbrechenden Tages

11

13,11
1. Thess 5,6-8
Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist,
13,11
Eph 5,14
aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12Die Nacht ist vorgerückt,
13,12
1. Joh 2,8
der Tag ist nahe herbeigekommen. So
13,12
Eph 5,11
lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. 13
13,13
1. Thess 4,12
Lasst uns ehrbar leben wie am Tage,
13,13
Lk 21,34
Eph 5,18
nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung,
13,13
1. Kor 3,3
nicht in Hader und Neid; 14sondern
13,14
Gal 3,27
zieht an den Herrn Jesus Christus und
13,14
1. Kor 9,27
sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.