Lutherbibel 2017 (LU17)
78

Schuld, Gericht und Gnade in Israels Geschichte

(vgl. Ps 106,1-48)

781Eine Unterweisung Asafs.

Höre, mein Volk, meine Unterweisung,

neiget eure Ohren zu der Rede meines Mundes!

2Ich

78,2
Mt 13,35
will meinen Mund auftun zu einem Spruch

und Geschichten verkünden aus alter Zeit.

3

78,3
2. Mose 13,14
5. Mose 4,9-10
Was wir gehört haben und wissen

und unsre Väter uns erzählt haben,

4das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern;

wir verkündigen dem kommenden Geschlecht

den Ruhm des HERRN und seine Macht

und seine Wunder, die er getan hat.

5Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob

und gab ein Gesetz in Israel

und gebot unsern Vätern,

es ihre Kinder zu lehren,

6auf dass es die Nachkommen lernten,

die Kinder, die noch geboren würden;

die sollten aufstehen

und es auch ihren Kindern verkündigen,

7dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung /

und nicht vergäßen die Taten Gottes,

sondern seine Gebote hielten

8und nicht würden wie ihre Väter,

78,8
5. Mose 32,5-6
ein abtrünniges und ungehorsames Geschlecht,

dessen Herz nicht fest war

und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt,

9

78,9
Ri 2,11-13
wie die Söhne Ephraim, wohl gerüstete Bogenschützen,

abfielen zur Zeit des Streits;

10sie hielten den Bund Gottes nicht

und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln

11und vergaßen seine Taten und seine Wunder,

die er sie hatte sehen lassen.

12Vor ihren Vätern tat er Wunder

in Ägyptenland, im Gefilde von Zoan.

13Er

78,13
2. Mose 14,21-22
zerteilte das Meer und führte sie hindurch

und ließ das Wasser stehen wie eine Mauer.

14Er leitete sie bei Tage mit einer Wolke

und die ganze Nacht mit einem hellen Feuer.

78,14
2. Mose 13,21

15

78,15
2. Mose 17,6
4. Mose 20,7-11
5. Mose 32,18
Er spaltete die Felsen in der Wüste

und tränkte sie reichlich wie mit Fluten;

16er ließ Bäche aus den Felsen hervorbrechen

und Wasser hinabfließen wie Ströme.

17Dennoch sündigten sie weiter wider ihn

und empörten sich in der Wüste gegen den Höchsten;

18sie

78,18
2. Mose 16,3
versuchten Gott in ihrem Herzen,

78,18
4. Mose 11,4
als sie Speise forderten für ihre Seelen,

19und redeten wider Gott und sprachen:

Kann Gott wohl

78,19
Ps 23,5
einen Tisch bereiten in der Wüste?

20Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen,

dass Wasser strömten und Bäche sich ergossen;

kann er aber auch Brot geben

und seinem Volk Fleisch verschaffen?

21Da das der HERR hörte,

78,21
4. Mose 11,1
entbrannte er im Grimm,

und Feuer brach aus in Jakob, und Zorn kam über Israel,

22weil sie nicht glaubten an Gott

und nicht hofften auf seine Hilfe.

23Und er gebot den Wolken droben

und tat auf die Türen des Himmels

24und

78,24
2. Mose 16,414-15
ließ Manna auf sie regnen zur Speise

und gab ihnen Himmelsbrot.

25Brot der Engel aßen sie alle,

er sandte ihnen Speise in Fülle.

26

78,26
4. Mose 11,31-33
Er ließ wehen den Ostwind unter dem Himmel

und erregte durch seine Stärke den Südwind

27und ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub

und Vögel wie Sand am Meer;

28mitten in sein Lager ließ er sie fallen,

rings um seine Wohnung her.

29Da aßen sie und wurden sehr satt;

und was sie verlangten, gewährte er ihnen.

30Sie hatten ihr Verlangen noch nicht gestillt,

ihre Speise war noch in ihrem Munde,

31da kam der Zorn Gottes über sie /

und brachte ihre Vornehmsten um

und schlug nieder die Besten in Israel.

32Bei dem allen sündigten sie noch mehr

und glaubten nicht an seine Wunder.

33Darum

78,33
4. Mose 14,22-23
1. Kor 10,5
ließ er ihre Tage dahinschwinden ins Nichts

und ihre Jahre in Schrecken.

34Wenn er den Tod unter sie brachte, suchten sie ihn

und fragten wieder nach Gott

35und dachten daran, dass Gott ihr Hort ist

und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.

36Doch sie betrogen ihn mit ihrem Munde

und belogen ihn mit ihrer Zunge.

37Ihr Herz hing nicht fest an ihm,

und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.

38Er aber war barmherzig und vergab die Schuld

und vertilgte sie nicht

und wandte oft seinen Zorn ab

und ließ nicht seinen ganzen Grimm an ihnen aus.

39Denn er dachte daran, dass sie Fleisch sind,

ein

78,39
Ps 103,14-16
Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkommt.

40Wie oft trotzten sie ihm in der Wüste

und betrübten ihn in der Einöde!

41Sie versuchten Gott immer wieder

und kränkten den Heiligen Israels.

42Sie dachten nicht an seine Hand,

an den Tag, da er sie erlöste von den Feinden,

43wie er seine Zeichen in Ägypten getan hatte

und seine Wunder im Lande Zoan.

44Er verwandelte

78,44
2. Mose 7,19-20
ihre Ströme in Blut,

dass sie aus ihren Flüssen nicht trinken konnten.

45Er schickte

78,45
2. Mose 8,20
Ungeziefer unter sie, das sie fraß,

und

78,45
2. Mose 8,2
Frösche, die ihnen Verderben brachten,

46und gab ihr Gewächs den Raupen

und ihre Saat den

78,46
2. Mose 10,13
Heuschrecken.

47Er schlug ihre Weinstöcke mit

78,47
2. Mose 9,25
Hagel

und ihre Maulbeerbäume mit Schloßen.

48Er gab ihr Vieh dem Hagel preis

und ihre Herden dem Wetterstrahl.

49Er sandte die Glut seines Zorns unter sie,

Grimm und Wut und Drangsal, eine Schar Verderben bringender Engel.

50Er ließ seinem Zorn freien Lauf /

und bewahrte ihre Seele nicht vor dem Tode

und gab

78,50
2. Mose 9,8-12
ihr Leben der Pest preis.

51Er schlug

78,51
2. Mose 12,29
alle Erstgeburt in Ägypten,

die Erstlinge ihrer Kraft in den Zelten Hams.

52Er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe

und

78,52
Ps 77,21
führte sie wie eine Herde in der Wüste;

53und er leitete sie sicher, /

dass sie sich nicht fürchteten;

78,53
2. Mose 14,27
aber ihre Feinde bedeckte das Meer.

54Er brachte sie in sein heiliges Land,

zu dem

78,54
2. Mose 15,17
Berg, den seine Rechte erworben hat,

55und vertrieb vor ihnen her die Völker /

und verteilte ihr Land als Erbe

und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.

56Aber sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten

und hielten seine Gebote nicht;

57sie fielen ab und waren treulos wie ihre Väter

und versagten wie ein schlaffer Bogen;

58sie erzürnten ihn mit ihren Höhen

und

78,58
5. Mose 32,21
reizten ihn zum Zorn mit ihren Götzen.

59Da Gott das hörte, entbrannte sein Grimm,

und er verwarf Israel ganz.

60Er gab

78,60
1. Sam 1,3
Jer 7,12
seine Wohnung in Silo dahin,

das Zelt, in dem er unter Menschen wohnte.

61Er gab seine Macht in Gefangenschaft

und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes.78,61 Mit »Macht« und »Herrlichkeit« ist die Bundeslade gemeint (Ps 132,8; 1. Sam 4,22).

62Er übergab sein Volk dem Schwert

und ergrimmte über sein Erbe.

63Ihre junge Mannschaft fraß das Feuer,

und ihre Jungfrauen mussten ungefreit bleiben.

64Ihre

78,64
1. Sam 4,17-20
Priester fielen durchs Schwert,

und die Witwen konnten die Toten nicht beweinen.

65Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf,

wie ein Starker, der vom Wein fröhlich ist,

66und schlug seine Feinde zurück

und hängte ihnen ewige Schande an.

78,66
1. Sam 5,6-12

67Er verwarf das Zelt Josefs

und erwählte nicht den Stamm Ephraim,

68sondern erwählte

78,68
2. Chr 6,6
den Stamm Juda,

den Berg Zion, den er liebt.

69Er baute sein Heiligtum wie Himmelshöhen,

wie die Erde, die er gegründet hat für immer,

70

78,70
1. Sam 16,11-12
2. Sam 7,8
und erwählte seinen Knecht David

und nahm ihn von den Schafhürden;

71von den säugenden Schafen holte er ihn,

dass er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel.

72Und er weidete sie mit aller Treue

und leitete sie mit kluger Hand.

79

Klage über die Zerstörung Jerusalems

791Ein Psalm Asafs.

Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingefallen; /

die haben deinen heiligen Tempel entweiht

und aus Jerusalem einen Steinhaufen gemacht.

2Sie haben die Leichname deiner Knechte /

den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben

und das Fleisch deiner Heiligen den Tieren im Lande.

3Sie haben ihr Blut vergossen um Jerusalem her wie Wasser,

und da war niemand, der sie begrub.

4Wir sind bei unsern Nachbarn zur Schmach geworden,

zu Spott und Hohn bei denen, die um uns her sind.

79,4
Ps 44,14

5Wie lange, HERR, willst du immerfort zürnen?

Wie lange wird dein Eifer brennen wie Feuer?

6

79,6
Jer 10,25
Schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich nicht kennen,

und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen.

7Denn sie haben Jakob gefressen

und seine Stätte verwüstet.

8Rechne uns die Schuld der Väter nicht an,

erbarme dich unser bald, denn wir sind sehr elend.

9Hilf du uns, Gott, unser Helfer,

um deines Namens Ehre willen!

Errette uns und vergib uns unsre Sünden

um deines Namens willen!

10Warum lässt du die Heiden sagen:

79,10
Ps 115,12
Joel 2,17
»Wo ist nun ihr Gott?«

Lass unter den Heiden vor unsern Augen kundwerden

die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist.

11Lass vor dich kommen das Seufzen der Gefangenen;

durch deinen starken Arm erhalte die Kinder des Todes

12und

79,12
Ps 137,7-9
vergilt unsern Nachbarn siebenfach ihr Schmähen,

mit dem sie dich, Herr, geschmäht haben.

13Wir aber, dein Volk, die Schafe deiner Weide,

danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für.

80

Gebet für Israel, den Weinstock Gottes

801Ein Zeugnis und Psalm Asafs, vorzusingen, nach der Weise »Lilien«.

2Du Hirte Israels, höre, /

der du Josef hütest wie Schafe!

Erscheine, der du

80,2
Ps 18,11
thronst über den Cherubim, 3vor Ephraim, Benjamin und Manasse!

Erwecke deine Kraft

und komm uns zu Hilfe!

4Gott, tröste uns wieder80,4 Wörtlich: »bring uns wieder zurück«.

und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

5HERR, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen

beim Gebet deines Volkes?

6Du speisest sie mit Tränenbrot

und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.

7Du lässest unsre Nachbarn sich um uns streiten,

und unsre Feinde verspotten uns.

8Gott Zebaoth, tröste uns wieder

und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

9Du hast einen

80,9
Jes 5,1-7
Jer 2,21
Weinstock aus Ägypten geholt,

hast vertrieben die Völker und ihn eingepflanzt.

10Du hast vor ihm Raum gemacht /

und hast ihn lassen einwurzeln,

dass er das Land erfüllt hat.

11Berge sind mit seinem Schatten bedeckt

und mit seinen Reben die Zedern Gottes.

12Du hast

80,12
Hos 10,1
seine Ranken ausgebreitet bis an das Meer

und seine Zweige bis an den Strom.

13Warum hast du denn seine Mauern zerbrochen,

dass jeder seine Früchte abreißt, der vorübergeht?

14Es haben ihn zerwühlt die wilden Säue,

und die Tiere des Feldes haben ihn abgeweidet.

15Gott Zebaoth, wende dich doch! /

Schau vom Himmel und sieh,

nimm dich dieses Weinstocks an!

16Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat,

80,16
Hos 11,1
den Sohn, den du dir großgezogen hast!

17Sie haben ihn

80,17
Hes 15,2-4
mit Feuer verbrannt wie Kehricht;

vor dem Drohen deines Angesichts sollen sie umkommen.

18Deine Hand schütze den Mann deiner Rechten,

den Sohn, den du dir großgezogen hast.

19So wollen wir nicht von dir weichen.

Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.

20HERR, Gott Zebaoth, tröste uns wieder;

lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

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