Lutherbibel 2017 (LU17)
102

Bitte um Wiederherstellung des Zion (Der fünfte Bußpsalm)

1021Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet.

2HERR, höre mein Gebet

und lass mein Schreien zu dir kommen!

3Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, /

neige deine Ohren zu mir;

wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

4Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch,

und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

5Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras,

dass ich vergesse, mein Brot zu essen.

6Mein Gebein klebt an meiner Haut

vor Heulen und Seufzen.

7Ich bin wie eine Eule in der Wüste,

wie ein Käuzchen in zerstörten Städten.

8Ich wache und klage

wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.

9Täglich schmähen mich meine Feinde,

und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen.

10Denn ich esse Asche wie Brot

und mische meinen Trank mit Tränen

11vor deinem Drohen und Zorn,

weil du mich hochgehoben und zu Boden geworfen hast.

12Meine Tage sind dahin wie ein Schatten,

und

102,12
Ps 90,5-6
ich verdorre wie Gras.

13Du aber, HERR, bleibst ewiglich

und

102,13
Ps 135,13
dein Name für und für.

14Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;

denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen

15– denn deine Knechte lieben seine Steine

und tragen Leid um seine Trümmer –,

16dass die Völker den Namen des HERRN fürchten

und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,

17wenn der HERR Zion wieder baut

und erscheint in seiner Herrlichkeit.

18Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen

und verschmäht ihr Gebet nicht.

19Das werde geschrieben für die Nachkommen;

und das Volk, das er schafft, wird den HERRN loben.

20Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,

102,20
Ps 14,2
der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,

21dass er das Seufzen der Gefangenen höre

und losmache die Kinder des Todes,

22dass sie in Zion verkünden den Namen des HERRN

und sein Lob in Jerusalem,

23wenn die Völker zusammenkommen

und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.

102,23
Ps 87,4
Jes 60,3-10
Lk 13,29-30

24Er demütigt auf dem Wege meine Kraft,

er verkürzt meine Tage.

25Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg /

102,25
Ps 55,24
in der Hälfte meiner Tage!

Deine Jahre währen für und für.

26

102,26
Hebr 1,10-12
Du hast vorzeiten die Erde gegründet,

und die Himmel sind deiner Hände Werk.

27Sie

102,27
2. Petr 3,10
werden vergehen, du aber bleibst;

sie werden alle veralten wie ein Gewand;

wie ein Kleid wirst du sie wechseln,

und sie schwinden dahin.

28Du aber bleibst, wie du bist,

und deine Jahre nehmen kein Ende.

29Die Söhne deiner Knechte bleiben wohnen,

und ihr Geschlecht wird vor dir gedeihen.

103

Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes

1031Von David.

Lobe den HERRN, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2Lobe den HERRN, meine Seele,

und

103,2
5. Mose 4,9
vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3der dir

103,3
Ps 32,1
alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

4der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5der deinen Mund fröhlich macht103,5 Andere Übersetzung: »der dich sättigt mit Gutem«.

und du wieder jung wirst

103,5
Jes 40,31
wie ein Adler.

6Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht

allen, die Unrecht leiden.

7Er

103,7
2. Mose 33,13
hat seine Wege Mose wissen lassen,

die Kinder Israel sein Tun.

8Barmherzig und gnädig ist der HERR,

geduldig und von großer Güte.

103,8
Ps 86,15

9Er wird nicht für immer hadern

noch ewig zornig bleiben.

103,9
Jes 57,16

10Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden

und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11Denn

103,11
Ps 36,6
Jes 55,8-9
so hoch der Himmel über der Erde ist,

lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12So fern der Morgen ist vom Abend,

lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

13Wie sich

103,13
Lk 15,11-24
ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

14Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind;

er gedenkt daran,

103,14
1. Mose 2,7
3,19
dass wir Staub sind.

15

103,15
Ps 90,5-6
Hiob 7,10
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,

und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17

103,17
Lk 1,50
Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit

über denen, die ihn fürchten,

und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18bei denen, die seinen Bund halten

und gedenken an seine Gebote,

dass sie danach tun.

19Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet,

und sein Reich herrscht über alles.

20

103,20
Jes 6,1-4
Ps 29,1
148,1-14
Dan 7,10
Lobet den HERRN, ihr seine Engel, /

ihr starken Helden, die ihr sein Wort ausführt,

dass man höre auf die Stimme seines Wortes!

21Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen,

seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

22Lobet den HERRN, alle seine Werke, /

an allen Orten seiner Herrschaft!

Lobe den HERRN, meine Seele!

104

Lob des Schöpfers

1041Lobe den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, du bist sehr groß;

in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.

2Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;

3du baust deine Gemächer

104,3
1. Mose 1,6-8
über den Wassern.

Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen

und

104,3
Ps 18,10-12
kommst daher auf den Fittichen des Windes,

4der du machst Winde zu deinen Boten

und Feuerflammen zu deinen Dienern;

104,4
Hebr 1,7

5der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,

dass es nicht wankt immer und ewiglich.

104,5
Mt 24,35
Offb 21,1

6Die Flut der Tiefe deckte es wie ein Kleid,

und die Wasser standen über den Bergen,

7aber vor deinem Schelten flohen sie,

vor deinem Donner fuhren sie dahin.

8Sie stiegen hoch empor auf die Berge

und sanken herunter in die Täler zum Ort, den du ihnen gegründet hast.

9Du hast

104,9
Hiob 38,8-11
Spr 8,29
eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht

und dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken.

10Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,

dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

11dass alle Tiere des Feldes trinken

und die Wildesel ihren Durst löschen.

12Darüber sitzen die Vögel des Himmels

und singen in den Zweigen.

13Du tränkst die Berge von oben her,

du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.104,13 Andere Übersetzung: »von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt«.

14Du lässest Gras wachsen für das Vieh

und Saat zu Nutz den Menschen,

dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

15dass der Wein erfreue des Menschen Herz

und sein Antlitz glänze vom Öl

und das Brot des Menschen Herz stärke.

16Die Bäume des HERRN stehen voll Saft,

die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

17Dort nisten die Vögel,

und die Störche wohnen in den Wipfeln.

18Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht

und die Felsklüfte dem Klippdachs.

19Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen;

104,19
Ps 74,16
die Sonne weiß ihren Niedergang.

20Du machst Finsternis, dass es Nacht wird;

da regen sich alle Tiere des Waldes,

21die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub

und ihre Speise fordern von Gott.

22Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon

und legen sich in ihre Höhlen.

23Dann geht der Mensch hinaus an seine Arbeit

und an sein Werk bis an den Abend.

24HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

104,24
1. Mose 1,31

25Da ist das Meer, das so groß und weit ist,

da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.

26Dort ziehen Schiffe dahin;

da ist der Leviatan, den du gemacht hast, damit zu spielen.

27

104,27
Ps 145,15-16
Es wartet alles auf dich,

dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.

28Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;

wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

29Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;

nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und

104,29
1. Mose 3,19
werden wieder Staub.

30Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,

und du machst neu das Antlitz der Erde.

31Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich,

der HERR freue sich seiner Werke!

32Er schaut die Erde an, so bebt sie;

er rührt die Berge an, so rauchen sie.

33Ich will dem HERRN singen mein Leben lang

und meinen Gott loben, solange ich bin.

34Mein Reden möge ihm wohlgefallen.

Ich freue mich des HERRN.

35Die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden /

und die Gottlosen nicht mehr sein.

Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!