Lutherbibel 2017 (LU17)
5

Warnung vor der Verführerin

51Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Einsicht, 2dass du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren! 3

5,3
Kap
Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, 4hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. 5Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich, 6so bahnt sie nicht den Weg des Lebens; haltlos sind ihre Tritte, sie erkennt es nicht.

7So gehorcht mir nun, meine Söhne, und weicht nicht von der Rede meines Mundes. 8Lass deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses, 9dass du nicht andern gebest deine Kraft und deine Jahre einem Unbarmherzigen; 10dass sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen und, was du mühsam erworben, nicht komme in eines andern Haus, 11und müssest hernach seufzen, wenn dir Leib und Leben vergehen, 12und sprechen: »Ach, wie konnte ich die Zucht hassen, und wie konnte mein Herz die Warnung verschmähen, 13dass ich nicht gehorchte der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht kehrte zu denen, die mich lehrten! 14Ich wäre fast ganz ins Unglück gekommen inmitten der Versammlung und Gemeinde.«

5,14
5. Mose 22,28-29

15Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen. 16Deine Quellen sollen herausfließen auf die Straße und Wasserbäche auf die Gassen! 17Habe du sie allein und kein Fremder mit dir. 18Dein Brunnen sei gesegnet, und

5,18
Pred 9,9
freue dich der Frau deiner Jugend. 19Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Lass dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

20Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere? 21Denn eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn, und er hat acht auf aller Menschen Gänge. 22Den Frevler werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden. 23Er wird sterben, weil er Zucht nicht wollte, und um seiner großen Torheit willen taumelt er.

6

Warnung vor Bürgschaften, vor Faulheit und Falschheit

61

6,1
Kap
Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern, 2so bist du gebunden durch die Rede deines Mundes und gefangen in den Reden deines Mundes. 3Deshalb tu doch dies, mein Sohn, und rette dich; denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten! 4Lass deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern. 5Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

6Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise!

6,6
Kap
7Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat, 8so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte. 9Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? 10
6,10
Kap
Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schläfst, 11so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

12Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit

6,12
Kap
trügerischem Munde, 13wer
6,13
Kap
winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern, 14trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Streit an. 15Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

16Diese sechs Dinge hasst der Herr, diese sieben sind ihm ein Gräuel: 17stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, 18ein Herz, das arge Ränke schmiedet, eilige Füße, die zum Bösen laufen, 19ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Streit zwischen Brüdern anrichtet.

Warnung vor Ehebruch

20Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und lass nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

6,20
Kap
21Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals, 22dass sie dich geleiten, wenn du gehst; dass sie dich bewachen, wenn du dich legst;
6,22
Ps 119,172
dass sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst. 23Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens, 24auf dass du bewahrt werdest vor der bösen Frau, vor der glatten Zunge der Fremden.
6,24
Kap
25Lass dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und lass dich nicht fangen durch ihre Augenlider. 26Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

27Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne dass seine Kleider brennen? 28Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne dass seine Füße verbrannt würden? 29So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

6,29
Kap
30Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert; 31wenn er ergriffen wird,
6,31
2. Mose 21,37
ersetzt er’s siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses. 32Aber wer mit einer Frau die Ehe bricht, dem fehlt der Verstand. Wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das. 33Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen. 34Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Rache 35und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

7

71Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir. 2Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. 3Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. 4Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin, 5dass sie dich behüte vor der fremden Frau, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

6Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter 7und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen Jüngling ohne Verstand. 8Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause 9in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war. 10Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig, 11wild und unbändig, dass ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können. 12Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken. 13Und sie erwischt ihn und küsst ihn, wird dreist und spricht: 14»Ich hatte

7,14
3. Mose 7,15-17
Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt. 15Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden. 16Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten. 17Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt. 18Komm, wir wollen uns satt trinken an der Liebe bis zum Morgen, lass uns die Liebe genießen. 19Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen. 20Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.« 21Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde. 22Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt, 23bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, dass es das Leben gilt.

24So hört nun auf mich, meine Söhne, und merkt auf die Rede meines Mundes. 25Lass dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn. 26Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat. 27Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.