Lutherbibel 2017 (LU17)
3

Hiobs Klage

31Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. 2Und Hiob sprach:

3Ausgelöscht sei

3,3
Jer 20,14-18
der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt! 4Jener Tag sei Finsternis, und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen! 5Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich! 6Jene Nacht – das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen! 7Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin! 8Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die da kundig sind, den Leviatan3,8 Siehe Sach- und Worterklärungen. zu wecken! 9Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der Morgenröte, 10weil sie nicht verschlossen hat die Tür des Leibes meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen!

11Warum bin ich nicht gestorben im Mutterschoß? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam? 12Warum hat man mich auf den Schoß genommen?3,12 Wörtlich: »Warum nahmen mich Knie entgegen?« Warum bin ich an den Brüsten gesäugt? 13Dann läge ich da und wäre still, dann schliefe ich und hätte Ruhe 14mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die sich

3,14
2. Sam 18,18
Grüfte erbauten, 15oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser voll Silber waren; 16wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt, wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben. 17Dort haben die Frevler aufgehört mit Toben; dort ruhen, die viel Mühe gehabt haben. 18Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme des Treibers. 19Da sind Klein und Groß gleich und der Knecht ist frei von seinem Herrn.

20Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen – 21die auf den Tod warten, und er kommt nicht, und

3,21
Offb 9,6
nach ihm suchen mehr als nach Schätzen, 22die sich sehr freuten und fröhlich wären, wenn sie ein Grab bekämen –, 23dem Mann, dessen Weg verborgen ist,
3,23
Kap
dem Gott den Pfad ringsum verdeckt hat? 24Denn wenn ich essen soll, muss ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser. 25Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen. 26Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Ungemach!

4

Hiobs Gespräch mit seinen Freunden

Kapitel 4,1–27,23

Des Elifas erste Rede

41Da hob Elifas von Teman an und sprach:

2Du hast’s vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu reden; aber Worte zurückhalten, wer kann’s? 3Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt; 4deine Rede hat die Strauchelnden aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt. 5Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft, erschrickst du! 6Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, und die Unsträflichkeit deiner Wege deine Hoffnung?

7Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo wurden die Gerechten je vertilgt? 8Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten, ernteten es auch ein.

4,8
Spr 22,8
9Durch den Odem Gottes sind sie umgekommen und vom Schnauben seines Zorns vertilgt. 10Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Leuen und die Zähne der jungen Löwen sind zerbrochen. 11Der Löwe kommt um, wenn er keine Beute hat, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.

12Zu mir ist heimlich ein Wort gekommen, und von ihm hat mein Ohr ein Flüstern empfangen 13

4,13
Kap
beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Leute fällt; 14da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken. 15Und ein Hauch fährt an mir vorüber; es stehen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe. 16Da steht ein Gebilde vor meinen Augen, doch ich erkenne seine Gestalt nicht; es ist eine Stille, und ich höre eine Stimme:

17Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?

4,17
1. Kön 8,46
Ps 14,3
Spr 20,9
18Siehe,
4,18
Kap
seinen Dienern traut er nicht, und seinen Boten wirft er Torheit vor: 19wie viel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen und auf Staub gegründet sind und wie Motten zerdrückt werden! 20Es währt vom Morgen bis zum Abend, so werden sie zerschlagen, und ehe man’s gewahr wird, sind sie ganz dahin. 21Ihr Zelt wird abgebrochen, und sie sterben ohne Einsicht.

5

51Rufe doch, ob einer dir antwortet! Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden? 2Denn einen Toren tötet der Unmut, und den Unverständigen bringt der Eifer um. 3

5,3
Ps 37,35-36
Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, und sogleich fluchte ich seinem Hause. 4Seinen Kindern bleibt Hilfe fern, und sie werden zerschlagen im Tor; denn kein Erretter ist da. 5Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und auch aus den Hecken holt er sie, und nach seinem Gut lechzen die Durstigen. 6Denn Unheil geht nicht aus der Erde hervor, und Mühsal wächst nicht aus dem Acker; 7sondern der Mensch wird zur Mühsal geboren, wie die Funken des Feuers emporfliegen.

8Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen, 9der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind,

5,9
Kap
10der den Regen aufs Land gibt und Wasser kommen lässt auf die Gefilde, 11der
5,11
Ps 75,8
Lk 1,52
die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft. 12Er macht zunichte die Pläne der Klugen, dass ihre Hände nichts zustande bringen. 13Er
5,13
1. Kor 3,19
fängt die Weisen in ihrer Klugheit und stürzt den Rat der Verkehrten, 14dass sie am Tage in Finsternis laufen und
5,14
Jes 59,9-10
tappen am Mittag wie in der Nacht. 15Er hilft dem Armen vor dem Schwert, vor ihrem Mund und vor der Hand des Mächtigen den Elenden. 16Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muss ihren Mund zuhalten.

17Siehe, selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist; darum widersetze dich der

5,17
Ps 94,12
Spr 3,11
Zucht des Allmächtigen nicht. 18Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt und seine Hand
5,18
5. Mose 32,39
Hos 6,1
heilt. 19In sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel anrühren.
5,19
Ps 37,24
Spr 24,16
20In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Gewalt. 21Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, dass du dich nicht fürchten musst, wenn Verderben kommt.

22Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten. 23Denn dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und

5,23
Jes 11,6-9
Hos 2,20
die wilden Tiere werden Frieden mit dir halten, 24und du wirst erfahren, dass deine Hütte Frieden hat, und wirst deine Stätte überschauen und nichts vermissen, 25und du wirst erfahren, dass deine Kinder sich mehren und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden sind, 26und du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingebracht werden zur rechten Zeit. 27Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; darauf höre und merke du dir’s.

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