Lutherbibel 2017 (LU17)
38

Die Antwort Gottes

Kapitel 38,1–42,17

Die erste Rede des Herrn aus dem Sturm

381Und der HERR

38,1
Kap
antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

2Wer ist’s, der den Ratschluss verdunkelt

38,2
Kap
mit Worten ohne Verstand? 3Gürte deine Lenden wie ein Mann!
38,3
Kap
Ich will dich fragen, lehre mich!

4Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist! 5Weißt du,

38,5
Spr 30,4
wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Messschnur gezogen hat? 6Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, 7als
38,7
Ps 19,2
die Morgensterne miteinander jauchzten und alle
38,7
Kap
Gottessöhne jubelten?

8

38,8
Ps 104,8-9
Spr 8,29
Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß, 9als ich’s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln, 10als ich ihm seine Grenze bestimmte und setzte ihm Riegel und Tore 11und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?

12Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt, 13damit sie die Enden der Erde fasste und die Frevler von ihr abgeschüttelt würden? 14Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie ein Kleid. 15Und den Frevlern wird ihr Licht genommen und der erhobene Arm zerbrochen werden.

16Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Tiefe gewandelt? 17Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die Tore der Finsternis? 18Hast du erkannt, wie breit die Erde ist? Sage es, wenn du das alles weißt! 19Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis, 20dass du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause? 21Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel!

22

38,22
Jos 10,11
Jes 30,30
Bist du gewesen, wo der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo der Hagel herkommt, 23die ich verwahrt habe für die Zeit der Trübsal und für den Tag des Streites und Krieges? 24Welches ist der Weg dahin, wo das Licht sich teilt und der Ostwind hinfährt über die Erde? 25Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz und Donner,
38,25
Kap
26dass es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste, wo kein Mensch ist, 27damit Einöde und Wildnis gesättigt werden und das Gras wächst? 28Hat der Regen einen Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt? 29Aus wessen Schoß geht das Eis hervor, und wer hat den Reif unter dem Himmel geboren, 30dass das Wasser sich verbirgt, als wäre es Stein, und der Wasserspiegel gefriert?

31Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des

38,31
Kap
Orion auflösen? 32Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen zur rechten Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen? 33Weißt du
38,33
Jer 33,25
des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

34Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben, dass dich die Menge des Wassers überströme? 35Kannst du die Blitze aussenden, dass sie hinfahren und sprechen zu dir: »Hier sind wir«? 36Wer hat dem Ibis Weisheit verliehen, und wer gab dem Hahn Einsicht? 37Wer ist so weise, dass er die Wolken zählen könnte? Wer schüttet die Krüge des Himmels aus, 38wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und die Schollen fest aneinanderkleben?

39Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen sättigen, 40wenn sie sich legen in ihren Höhlen und lauern in ihrem Versteck? 41Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn

38,41
Ps 147,9
seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?

39

391Weißt du die Zeit, wann die Gämsen gebären, oder hast du aufgemerkt, wann die Hirschkühe kreißen? 2Zählst du die Monde, die sie erfüllen müssen, oder weißt du die Zeit, wann sie gebären? 3Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und werden los ihre Wehen. 4Ihre Jungen werden stark und groß im Freien und gehen davon und kommen nicht wieder zu ihnen.

5Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat ihm die Bande gelöst, 6dem ich die Steppe zum Hause gegeben habe und die Salzwüste zur Wohnung? 7Er verlacht das Lärmen der Stadt, die Schreie des Treibers hört er nicht; 8er durchstreift die Berge, wo seine Weide ist, und sucht, wo es grün ist.

9Meinst du, der Wildstier wird dir dienen wollen und nachts bleiben an deiner Krippe? 10Kannst du ihm das Seil anknüpfen, um Furchen zu machen, oder wird er hinter dir in den Tälern den Pflug ziehen? 11Kannst du dich auf ihn verlassen, weil er so stark ist, und kannst du ihn für dich arbeiten lassen? 12Kannst du ihm trauen, dass er dein Korn einbringt und in deine Scheune sammelt?

13Der Fittich der Straußin hebt sich fröhlich; aber ist er wie die Schwinge eines Storchs oder Falken? 14Lässt sie doch ihre Eier auf der Erde liegen zum Ausbrüten auf dem Boden 15und vergisst, dass ein Fuß sie zertreten und ein wildes Tier sie zerbrechen kann! 16Sie ist so hart gegen ihre Jungen, als wären es nicht ihre; es kümmert sie nicht, dass ihre Mühe umsonst war. 17Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und hat ihr keinen Verstand zugeteilt. 18Doch wenn sie auffährt, verlacht sie Ross und Reiter.

19Kannst du dem Ross Kräfte geben oder seinen Hals zieren mit einer Mähne? 20Kannst du es springen lassen wie die Heuschrecken? Schrecklich ist sein prächtiges Schnauben. 21Es stampft auf den Boden und freut sich, mit Kraft zieht es aus, den Geharnischten entgegen. 22Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht nicht vor dem Schwert. 23Über ihm klirrt der Köcher und glänzen Spieß und Lanze. 24Mit Donnern und Tosen fliegt es über die Erde dahin und lässt sich nicht halten beim Schall der Trompete. 25Sooft die Trompete erklingt, wiehert es »Hui!« und wittert den Kampf von ferne, das Rufen der Fürsten und Kriegsgeschrei.

26Fliegt der Habicht empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel aus, dem Süden zu? 27Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe? 28Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen Klippen. 29Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von ferne. 30Seine Jungen gieren nach Blut, und

39,30
Hab 1,8
Mt 24,28
wo Erschlagene liegen, da ist er.

40

Hiobs erste Antwort an den Herrn

401Und der HERR antwortete Hiob und sprach: 2Wer da meint, alles besser zu wissen, sollte der

40,2
Jes 45,9
mit dem Allmächtigen rechten? Wer Gott zurechtweist, der antworte!

3Hiob aber antwortete dem HERRN und sprach: 4Siehe,

40,4
1. Mose 32,11
Jes 6,5
ich bin zu gering, was soll ich dir antworten?
40,4
Spr 30,32
Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. 5Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites Mal geredet und will’s nicht wieder tun.

Zweite Rede des Herrn aus dem Sturm

6Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

7Gürte wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich fragen; lehre mich!

40,7
Kap
8Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst? 9Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme donnern wie er? 10Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; zieh Glanz und Herrlichkeit an! 11Streu aus den Zorn deines Grimmes; schau an alle Hochmütigen und demütige sie! 12Ja, schau alle Hochmütigen an und demütige sie und zertritt die Frevler, wo sie sind! 13Verscharre sie miteinander in der Erde, und versenke sie ins Verborgene, 14so will auch ich dich preisen, dass dir deine rechte Hand helfen kann.

15Siehe da den Behemot40,15 Ein riesiges Tier nach Art des Nilpferds., den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind. 16Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke in den Muskeln seines Bauchs! 17Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten. 18Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne Stäbe. 19Er ist das erste der Werke Gottes; der ihn gemacht hat, gab ihm sein Schwert. 20Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle wilden Tiere spielen dort. 21Er liegt unter Lotosbüschen, im Rohr und im Schlamm verborgen. 22Lotosbüsche bedecken ihn mit Schatten, und die Bachweiden umgeben ihn. 23Siehe, der Strom schwillt gewaltig an: er dünkt sich sicher, auch wenn ihm der Jordan ins Maul dringt. 24Kann man ihn fangen Auge in Auge und ihm einen Strick durch seine Nase ziehen?

25Kannst du den

40,25
Ps 74,14
Leviatan40,25 Siehe Sach- und Worterklärungen. am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten? 26Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken ihm die Backen durchbohren? 27Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben? 28Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst? 29Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden? 30Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen? 31Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf? 32Lege deine Hand an ihn! An diesen Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun!

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