Lutherbibel 2017 (LU17)
37

371Darüber entsetzt sich mein Herz und fährt bebend hoch. 2O hört doch, wie sein Donner rollt und was für Gedröhn aus seinem Munde geht! 3Er lässt ihn hinfahren unter dem ganzen Himmel und seinen Blitz über die Enden der Erde. 4Ihm nach brüllt der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall; und wenn sein Donner gehört wird, hält er die Blitze nicht zurück. 5Gott donnert mit seinem Donner wunderbar und tut große Dinge, die wir nicht begreifen. 6Er spricht zum Schnee: »Falle zur Erde!«, und zum Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht. 7Aller Menschen Hand hat er versiegelt, dass die Leute erkennen, was er tun kann. 8Die wilden Tiere gehen in die Höhle und legen sich auf ihr Lager.

37,8
Ps 104,21-22
9Aus seinen Kammern kommt der Sturm und von Norden her die Kälte. 10Vom Odem Gottes kommt Eis, und die weiten Wasser liegen erstarrt. 11Die Wolken beschwert er mit Wasser, und durch das Gewölk bricht sein Licht. 12Er kehrt die Wolken, wohin er will, dass sie alles tun, was er ihnen gebietet auf dem Erdkreis: 13Zur Züchtigung für ein Land oder zum Segen lässt er sie kommen.

14Das vernimm, Hiob, steh still und merke auf die Wunder Gottes! 15Weißt du, wie Gott ihnen Weisung gibt und wie er das Licht aus seinen Wolken hervorbrechen lässt? 16Weißt du, wie die Wolken schweben, die Wunder des Allwissenden? 17Du, dem schon die Kleider heiß werden, wenn das Land still liegt unterm Südwind, 18kannst du gleich ihm die Wolkendecke ausbreiten, die fest ist wie ein gegossener Spiegel? 19Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir können nichts vorbringen vor Finsternis. 20Wenn jemand redet, muss es ihm gesagt werden? Hat je ein Mensch gesagt, er wolle vernichtet werden? 21Eben sah man das Licht nicht, das hinter den Wolken hell leuchtet; als aber der Wind daherfuhr, da wurde es klar. 22Von Norden kommt goldener Schein; um Gott her ist schrecklicher Glanz. 23Den Allmächtigen erreichen wir nicht, der so groß ist an Kraft und reich an Gerechtigkeit. Das Recht beugt er nicht. 24Darum sollen ihn die Menschen fürchten, und er sieht keinen an, wie weise sie auch sind.

38

Die Antwort Gottes

Kapitel 38,1–42,17

Die erste Rede des Herrn aus dem Sturm

381Und der Herr

38,1
Kap
antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

2Wer ist’s, der den Ratschluss verdunkelt

38,2
Kap
mit Worten ohne Verstand? 3Gürte deine Lenden wie ein Mann!
38,3
Kap
Ich will dich fragen, lehre mich!

4Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist! 5Weißt du,

38,5
Spr 30,4
wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Messschnur gezogen hat? 6Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, 7als
38,7
Ps 19,2
die Morgensterne miteinander jauchzten und alle
38,7
Kap
Gottessöhne jubelten?

8

38,8
Ps 104,8-9
Spr 8,29
Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß, 9als ich’s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln, 10als ich ihm seine Grenze bestimmte und setzte ihm Riegel und Tore 11und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?

12Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt, 13damit sie die Enden der Erde fasste und die Frevler von ihr abgeschüttelt würden? 14Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie ein Kleid. 15Und den Frevlern wird ihr Licht genommen und der erhobene Arm zerbrochen werden.

16Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Tiefe gewandelt? 17Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die Tore der Finsternis? 18Hast du erkannt, wie breit die Erde ist? Sage es, wenn du das alles weißt! 19Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis, 20dass du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause? 21Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel!

22

38,22
Jos 10,11
Jes 30,30
Bist du gewesen, wo der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo der Hagel herkommt, 23die ich verwahrt habe für die Zeit der Trübsal und für den Tag des Streites und Krieges? 24Welches ist der Weg dahin, wo das Licht sich teilt und der Ostwind hinfährt über die Erde? 25Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz und Donner,
38,25
Kap
26dass es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste, wo kein Mensch ist, 27damit Einöde und Wildnis gesättigt werden und das Gras wächst? 28Hat der Regen einen Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt? 29Aus wessen Schoß geht das Eis hervor, und wer hat den Reif unter dem Himmel geboren, 30dass das Wasser sich verbirgt, als wäre es Stein, und der Wasserspiegel gefriert?

31Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des

38,31
Kap
Orion auflösen? 32Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen zur rechten Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen? 33Weißt du
38,33
Jer 33,25
des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

34Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben, dass dich die Menge des Wassers überströme? 35Kannst du die Blitze aussenden, dass sie hinfahren und sprechen zu dir: »Hier sind wir«? 36Wer hat dem Ibis Weisheit verliehen, und wer gab dem Hahn Einsicht? 37Wer ist so weise, dass er die Wolken zählen könnte? Wer schüttet die Krüge des Himmels aus, 38wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und die Schollen fest aneinanderkleben?

39Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen sättigen, 40wenn sie sich legen in ihren Höhlen und lauern in ihrem Versteck? 41Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn

38,41
Ps 147,9
seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?

39

391Weißt du die Zeit, wann die Gämsen gebären, oder hast du aufgemerkt, wann die Hirschkühe kreißen? 2Zählst du die Monde, die sie erfüllen müssen, oder weißt du die Zeit, wann sie gebären? 3Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und werden los ihre Wehen. 4Ihre Jungen werden stark und groß im Freien und gehen davon und kommen nicht wieder zu ihnen.

5Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat ihm die Bande gelöst, 6dem ich die Steppe zum Hause gegeben habe und die Salzwüste zur Wohnung? 7Er verlacht das Lärmen der Stadt, die Schreie des Treibers hört er nicht; 8er durchstreift die Berge, wo seine Weide ist, und sucht, wo es grün ist.

9Meinst du, der Wildstier wird dir dienen wollen und nachts bleiben an deiner Krippe? 10Kannst du ihm das Seil anknüpfen, um Furchen zu machen, oder wird er hinter dir in den Tälern den Pflug ziehen? 11Kannst du dich auf ihn verlassen, weil er so stark ist, und kannst du ihn für dich arbeiten lassen? 12Kannst du ihm trauen, dass er dein Korn einbringt und in deine Scheune sammelt?

13Der Fittich der Straußin hebt sich fröhlich; aber ist er wie die Schwinge eines Storchs oder Falken? 14Lässt sie doch ihre Eier auf der Erde liegen zum Ausbrüten auf dem Boden 15und vergisst, dass ein Fuß sie zertreten und ein wildes Tier sie zerbrechen kann! 16Sie ist so hart gegen ihre Jungen, als wären es nicht ihre; es kümmert sie nicht, dass ihre Mühe umsonst war. 17Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und hat ihr keinen Verstand zugeteilt. 18Doch wenn sie auffährt, verlacht sie Ross und Reiter.

19Kannst du dem Ross Kräfte geben oder seinen Hals zieren mit einer Mähne? 20Kannst du es springen lassen wie die Heuschrecken? Schrecklich ist sein prächtiges Schnauben. 21Es stampft auf den Boden und freut sich, mit Kraft zieht es aus, den Geharnischten entgegen. 22Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht nicht vor dem Schwert. 23Über ihm klirrt der Köcher und glänzen Spieß und Lanze. 24Mit Donnern und Tosen fliegt es über die Erde dahin und lässt sich nicht halten beim Schall der Trompete. 25Sooft die Trompete erklingt, wiehert es »Hui!« und wittert den Kampf von ferne, das Rufen der Fürsten und Kriegsgeschrei.

26Fliegt der Habicht empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel aus, dem Süden zu? 27Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe? 28Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen Klippen. 29Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von ferne. 30Seine Jungen gieren nach Blut, und

39,30
Hab 1,8
Mt 24,28
wo Erschlagene liegen, da ist er.