Lutherbibel 2017 (LU17)
23

Hiobs dritte Antwort an Elifas

231Hiob antwortete und sprach:

2Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, dass ich seufzen muss. 3Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte! 4So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen 5und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. 6Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. 7Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter! 8Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht. 9Wirkt er im Norden, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so sehe ich ihn nicht.

23,9
Kap

10Er aber kennt meinen Weg gut.

23,10
Ps 17,3
139,23-24
Er prüfe mich, so will ich befunden werden wie das Gold. 11Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg und wich nicht ab 12und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir. 13Doch er hat’s beschlossen, wer will ihm wehren? Und er macht’s, wie er will. 14Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn. 15Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. 16Gott ist’s, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat; 17denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.

24

241Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und

24,1
Pred 3,11
8,6
warum sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht? 2Die Frevler
24,2
5. Mose 27,17
verrücken die Grenzen, rauben die Herde und weiden sie. 3Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe zum Pfande. 4Sie stoßen die Armen vom Wege, und die Elenden im Lande müssen sich verkriechen.

5Siehe, wie Wildesel in der Wüste gehen sie hinaus an ihr Werk und suchen Nahrung; die Einöde gibt ihnen Speise für ihre Kinder. 6Sie ernten des Nachts auf dem Acker und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen. 7Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost. 8Sie triefen vom Regen in den Bergen und drängen sich an die Felsen, weil sie sonst keine Zuflucht haben. 9Man reißt das Waisenkind von der Mutterbrust und nimmt den Säugling der Armen zum Pfande. 10

24,10
Jes 58,7
Nackt gehen sie einher ohne Kleider, und hungrig tragen sie Garben. 11Gleich in den Gärten pressen sie Öl, sie treten die Kelter und leiden doch Durst.
24,11
Jak 5,4
12Aus der Stadt seufzen Menschen, und die Seele der Erschlagenen schreit. Doch Gott achtet nicht darauf!

13Sie sind Feinde des Lichts geworden, kennen seine Wege nicht und bleiben nicht auf seinen Pfaden. 14Wenn der Tag anbricht, steht der Mörder auf und erwürgt den Elenden und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb. 15Das Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt:

24,15
Ps 10,11
»Mich sieht kein Auge!«, und verdeckt sein Antlitz. 16Im Finstern bricht man in die Häuser ein; am Tage verbergen sie sich und scheuen alle das Licht. 17Ja, als Morgen gilt ihnen allen die Finsternis, denn sie sind bekannt mit den Schrecken der Finsternis.

18Er fährt leicht wie auf dem Wasser dahin, verflucht wird sein Acker im Lande, und man wendet sich seinem Weinberg nicht zu. 19Der Tod nimmt weg die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt. 20Der Mutterschoß vergisst ihn; die Würmer laben sich an ihm. An ihn denkt man nicht mehr; so zerbricht Frevel wie Holz. 21Er lässt sich mit der Unfruchtbaren ein, und sie gebiert nicht, und der Witwe tut er nichts Gutes.

22Aber Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft; steht er auf, so werden sie ihres Lebens nicht gewiss sein. 23Er gibt ihnen zwar Schutz und Halt, doch sehen seine Augen auf ihr Tun. 24Sie sind hoch erhöht; aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da; sie sinken hin und werden hinweggerafft wie alle; wie die Spitzen der Ähren werden sie abgeschnitten. 25Ist’s nicht so? Wer will mich Lügen strafen und erweisen, dass meine Rede nichts sei?

25

Bildads letzte Rede

251Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen. 3Wer will seine Scharen zählen? Und über wem geht sein Licht nicht auf? 4Und

25,4
Kap
wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein sein ein vom Weibe Geborener? 5Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und
25,5
Kap
die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen – 6wie viel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein
25,6
Jes 41,14
Wurm!