Lutherbibel 2017 (LU17)
8

81Zu dieser Zeit, spricht der Herr, wird man die Gebeine der Könige von Juda, die Gebeine seiner Fürsten, die Gebeine der Priester, die Gebeine der Propheten und die Gebeine der Bürger Jerusalems aus ihren Gräbern werfen 2und wird sie hinstreuen der Sonne, dem Mond und dem ganzen Heer des Himmels, die sie geliebt und

8,2
Kap
denen sie gedient haben, denen sie nachgelaufen sind, die sie befragt und angebetet haben. Sie sollen nicht wieder aufgelesen und begraben werden, sondern Dung auf dem Acker sein. 3Und alle, die übrig geblieben sind von diesem bösen Volk, werden an allen Orten, wohin ich sie verstoße, lieber tot als lebendig sein wollen, spricht der Herr Zebaoth.

Alle sind verblendet

4Sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? 5Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am Trug, dass sie nicht umkehren wollen. 6Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt. 7Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber

8,7
Jes 1,3
mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

8Wie könnt ihr sagen: »Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn bei uns«? Ist’s doch lauter Lüge, was die Schreiber daraus machen. 9Die Weisen müssen zuschanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Weises lehren, wenn sie des Herrn Wort verwerfen?

10Darum will ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre Äcker denen, durch die sie verjagt werden. Denn

8,10
Kap
sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn; Priester und Propheten gehen mit Lüge um 11und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. 12Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Gräuel getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und wissen nichts von Scham. Darum sollen sie fallen unter den Fallenden, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie stürzen, spricht der Herr. 13Ich will unter ihnen Lese halten, spricht der Herr: Es bleiben keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum, auch die Blätter sind abgefallen. So habe ich es für sie bestimmt: Man wird über sie herfallen.

Der Feind naht

14»Wozu wollen wir noch da sitzen?

8,14
Kap
Sammelt euch und lasst uns in die festen Städte ziehen, dass wir dort umkommen. Denn der Herr, unser Gott, lässt uns umkommen und
8,14
Kap
tränkt uns mit einem giftigen Trank, weil wir so gesündigt haben wider den Herrn. 15Wir hofften, es sollte Friede werden, aber es kommt nichts Gutes; wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, es ist Schrecken da.
8,15
Kap
16Man hört ihre
8,16
Kap
Rosse schnauben von Dan her, vom Wiehern ihrer Hengste erbebt das ganze Land. Sie fahren daher und fressen das Land auf mit allem, was darin ist, die Stadt samt allen, die darin wohnen.« 17Denn siehe, ich will Schlangen und Nattern unter euch senden, die nicht zu beschwören sind; die sollen euch stechen, spricht der Herr, 18ohne dass es Heilung gibt.

Kummer steigt in mir auf.

8,18
Klgl 1,22
Mein Herz ist krank. 19Siehe, die Tochter meines Volks schreit aus fernem Lande her: »Will denn der Herr nicht mehr in Zion sein, oder soll es keinen König mehr haben?« Ja, warum haben sie mich so erzürnt durch ihre Bilder, durch fremde, nichtige Götzen? 20»Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin und uns ist keine Hilfe gekommen!« 21Mich jammert von Herzen, dass die Tochter meines Volks so zerschlagen ist; ich gräme und entsetze mich. 22Ist denn
8,22
Kap
keine Salbe in Gilead oder ist kein Arzt da? Warum ist denn die Tochter meines Volks nicht geheilt? 23Ach dass ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und
8,23
Kap
meine Augen Tränenquellen wären, dass ich Tag und Nacht
8,23
Lk 19,41
beweinen könnte die Erschlagenen der Tochter meines Volks!

9

Betrug über Betrug

91Ach dass ich eine Herberge hätte in der Wüste, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen ziehen! Denn es sind lauter Ehebrecher und ein treuloser Haufe. 2Sie spannen ihre Zunge wie einen Bogen. Lüge und keine Wahrheit herrscht im Lande. Sie gehen von einer Bosheit zur andern, mich aber achten sie nicht, spricht der Herr. 3

9,3
Kap
Ein jeder hüte sich vor seinem Freunde und traue auch seinem Bruder nicht; denn ein Bruder überlistet den andern, und ein Freund verleumdet den andern. 4Ein Freund täuscht den andern, sie reden kein wahres Wort. Sie haben ihre Zunge an das Lügen gewöhnt. Sie freveln, und es ist ihnen leid umzukehren. 5Es ist allenthalben nichts als Trug unter ihnen, und vor lauter Trug wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr.

6Darum spricht der Herr Zebaoth: Siehe, ich will sie schmelzen und prüfen; denn was soll ich sonst tun, wenn ich ansehe die Tochter meines Volks? 7Ihre Zungen sind tödliche Pfeile.

9,7
Ps 12,3
Sie reden Trug. Mit seinem Mund redet einer freundlich zu seinem Nächsten, aber im Herzen lauert er ihm auf. 8Sollte ich das nicht heimsuchen an ihnen, spricht der Herr, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie diesem?
9,8
Kap

Klage über Juda

9Ich muss über die Berge weinen und heulen und über die Weidegründe in der Steppe klagen; denn sie sind verheert, dass niemand hindurchzieht und man auch kein Vieh blöken hört.

9,9
Kap
Die Vögel des Himmels und das Vieh sind geflohen und fort. 10Und ich will
9,10
Kap
Jerusalem zu Steinhaufen und zur Wohnung der Schakale machen und will die Städte Judas zur Wüste machen, dass niemand darin wohnen soll.

11Wer ist nun weise, dass er dies verstünde, und zu wem hat des Herrn Mund geredet, dass er verkündete, warum das Land verdirbt und verheert wird wie eine Wüste, die niemand durchwandert? 12Und der Herr sprach: Weil sie mein Gesetz verlassen, das ich ihnen vorgelegt habe, und

9,12
5. Mose 28,15
meiner Stimme nicht gehorchen, auch nicht danach leben, 13sondern
9,13
Kap
folgen ihrem verstockten Herzen und den Baalen, wie ihre Väter sie gelehrt haben, 14darum spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will dies Volk
9,14
Kap
mit Wermut speisen und
9,14
Kap
mit Gift tränken. 15Ich will sie unter die Völker zerstreuen, die weder sie noch ihre Väter gekannt haben, und
9,15
3. Mose 26,33
will das Schwert hinter ihnen her schicken, bis es aus ist mit ihnen.

16So spricht der Herr Zebaoth: Gebt acht und bestellt Klageweiber, dass sie kommen, und schickt nach den weisen Frauen, dass sie kommen 17und herbeieilen und um uns klagen, dass unsre Augen von Tränen rinnen und unsre Augenlider von Wasser fließen. 18Horch, man hört ein Klagegeschrei in Zion: Ach, wie hat man uns Gewalt angetan und wie sind wir zuschanden geworden! Wir müssen das Land räumen; denn sie haben unsre Wohnungen geschleift.

19Ja, höret, ihr Frauen, des Herrn Wort, und nehmt zu Ohren die Rede seines Mundes! Lehrt eure Töchter klagen, und eine lehre die andere dies Klagelied: 20»Der Tod ist zu unsern Fenstern hereingestiegen und in unsere Paläste gekommen. Er würgt die Kinder auf der Gasse und die jungen Männer auf den Plätzen.« 21So spricht der Herr:

9,21
Kap
Die Leichen der Menschen sollen liegen wie Dung auf dem Felde und wie Garben hinter dem Schnitter, die niemand sammelt.

Das rechte Rühmen

22So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 23Sondern

9,23
1. Kor 1,31
2. Kor 10,17
wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.

Gericht über Unbeschnittene

24Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich heimsuchen werde alle, die Beschnittenen mit den Unbeschnittenen: 25nämlich Ägypten, Juda, Edom, die Ammoniter, Moab und alle, die

9,25
3. Mose 19,27
sich das Haar stutzen, die in der Wüste wohnen. Denn alle Völker sind unbeschnitten, und
9,25
Kap
ganz Israel hat ein unbeschnittenes Herz.

10

Die toten Götzen und der lebendige Gott

101Höret, was der Herr zu euch redet, ihr vom Hause Israel! 2So spricht der Herr: Ihr sollt nicht die Weise der Heiden annehmen und sollt euch nicht fürchten vor den Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten. 3Denn die Bräuche der Heiden sind alle nichts:

10,3
Jes 44,13-17
Man fällt im Walde einen Baum, und der Bildhauer macht daraus mit dem Beil ein Werk seiner Hände. 4Er schmückt es mit Silber und Gold und befestigt es mit Nagel und Hammer, dass es nicht umfalle. 5Es sind ja nichts als Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können nicht reden; auch muss man sie tragen, denn
10,5
Ps 115,4-7
Jes 46,7
sie können nicht gehen. Darum sollt ihr euch nicht vor ihnen fürchten; denn sie können weder helfen noch Schaden tun.

6Aber

10,6
Ps 86,8
dir, Herr, ist niemand gleich; du bist groß, und dein Name ist groß, wie du es mit der Tat beweist. 7Wer sollte dich nicht fürchten, du König der Völker? Dir muss man gehorchen; denn unter allen Weisen der Völker und in allen ihren Königreichen ist niemand dir gleich. 8Sie sind allzumal Narren und Toren. Was man von den nichtigen Götzen lernt, ist nur Holz. 9Silberblech bringt man aus Tarsis, Gold aus Ufas; durch den Bildhauer und Goldschmied werden sie hergestellt; blauen und roten Purpur zieht man ihnen an, und alles ist der Künstler Werk. 10Aber der Herr ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König. Vor seinem Zorn bebt die Erde, und die Völker können sein Drohen nicht ertragen.

11So sollt ihr zu ihnen sagen: Die Götter, die Himmel und Erde nicht gemacht haben, müssen vertilgt werden von der Erde und unter dem Himmel. 12

10,12
Kap
Er aber hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Erdkreis bereitet durch seine Weisheit und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. 13Wenn er donnert, so ist Wasser die Menge am Himmel; Wolken lässt er heraufziehen vom Ende der Erde. Er macht die Blitze, dass es regnet, und lässt den Wind kommen aus seinen Kammern.
10,13
Ps 135,7
14Alle Menschen aber sind Toren mit ihrer Kunst, und
10,14
Jes 45,16
alle Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern; denn ihre Götzen sind Trug und haben kein Leben, 15sie sind nichts, ein Spottgebilde; sie müssen zugrunde gehen, wenn sie heimgesucht werden. 16Aber so ist der nicht, der Jakobs Schatz ist; sondern er ist’s, der alles geschaffen hat, und
10,16
5. Mose 32,9
Israel ist sein Erbteil. Er heißt Herr Zebaoth.

Trauer über die Zerstörung des Landes

17Raffe dein Bündel auf von der Erde, die du sitzt in Bedrängnis! 18Denn so spricht der Herr: Siehe, ich will die Bewohner des Landes diesmal wegschleudern und will sie ängstigen, damit sie sich finden lassen.

19Weh mir, ich bin zerbrochen,

10,19
Kap
unheilbar ist meine Wunde. Ich dachte: Es ist nur eine Plage, ich muss sie erleiden. 20Aber mein
10,20
Kap
Zelt ist zerstört, und alle meine Seile sind zerrissen. Meine Kinder sind von mir gegangen und nicht mehr da. Niemand richtet meine Hütte wieder auf, und mein Zelt schlägt keiner mehr auf. 21Denn die Hirten sind zu Toren geworden und fragen nicht nach dem Herrn. Darum kann ihnen nichts Rechtes gelingen, und
10,21
Kap
ihre ganze Herde ist zerstreut. 22Horch, es kommt eine Kunde daher und ein großes Getöse
10,22
Kap
aus dem Lande des Nordens, dass die Städte Judas verwüstet und zur
10,22
Kap
Wohnung der Schakale werden sollen.

23Ich weiß, Herr, dass des Menschen Tun nicht in seiner Gewalt steht, und

10,23
Spr 16,9
es liegt in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte. 24
10,24
Kap
Züchtige mich, Herr, doch mit Maßen und nicht in deinem Grimm, auf dass du mich nicht ganz zunichtemachst. 25Schütte aber deinen Zorn aus über die Völker, die dich nicht kennen, und über die Geschlechter, die deinen Namen nicht anrufen. Denn sie haben Jakob aufgefressen und verschlungen, sie haben ihn vernichtet und seine Wohnung verwüstet.
10,25
Ps 79,6-7