Lutherbibel 2017 (LU17)
1

Der Traum Mordechais

(In der griechischen Übersetzung vor Est 1,1)

11 Im zweiten Jahr des Großkönigs Artaxerxes, am ersten Tag des Monats Nisan, hatte Mordechai, der Sohn Jaïrs, des Sohnes Schimis, des Sohnes des

A,1
1. Sam 9,1
Kisch, vom Stamm Benjamin, einen Traum. 2Er war ein Jude und wohnte in der Stadt Susa und war ein vornehmer Mann, der am königlichen Hofe diente. 3 Er war aber einer der
A,3
2. Kön 24,15
Gefangenen, die Nebukadnezar, der König von Babel, mit JechonjaA,3 Jechonja = Jojachin (2. Kön 24,6)., dem König von Juda, von Jerusalem weggeführt hatte.

4Und das war sein Traum: 3 Es erhob sich Geschrei und Getümmel, Donner und Erdbeben und ein Schrecken auf Erden. 5Und siehe, da erschienen zwei große Drachen, bereit, gegeneinander zu kämpfen. Sie brüllten mit lauter Stimme, 6 und auf ihr Geschrei hin rüsteten sich alle Völker zum Krieg, um gegen ein Volk von Gerechten zu kämpfen.

A,6
Ps 2,1
7 Und es war ein Tag großer Dunkelheit und Finsternis; Trübsal und Angst, großer Jammer und Schrecken waren auf Erden. 8 Und das ganze Volk der Gerechten war sehr bestürzt, und sie befürchteten Unheil für sich und machten sich auf den Tod gefasst, 9 und sie schrien zu Gott. Wie eine kleine Quelle zu einem großen Fluss wird, so wurde ihr Schreien zu einem mächtigen Strom. 10 Da gingen Licht und Sonne wieder auf; und die Geringen wurden erhöht und fraßen die Angesehenen.

11 Als Mordechai von seinem Traum erwachte, in dem er gesehen hatte, was Gott zu tun gedachte, bewegte er ihn in seinem Herzen, und versuchte bis in die Nacht hinein, jedes einzelne Wort zu verstehen.

Mordechai rettet den König

12Einmal ruhte Mordechai im Hof. Er lag nahe bei Gabata und Teresch, den beiden Kämmerern des Königs, die den Hof bewachten. 13Er hörte ihre Gespräche und überlegte, warum sie in Unruhe waren. So erfuhr er, dass sie an König Artaxerxes Hand anlegen wollten. Da zeigte er sie beim König an. 14Der König aber verhörte die beiden Kämmerer, und weil sie gestanden, wurden sie hingerichtet. 15Diese Geschehnisse ließ der König zur Erinnerung aufzeichnen, und auch Mordechai schrieb sie auf. 16Und der König befahl, dass Mordechai künftig am Hof

A,16
Dan 2,48
Dienst tue, und dankte ihm mit Geschenken.

17Es gab aber einen BugäerA,17 Unbekannter Volksname. namens Haman, den Sohn Hammedatas, der war beim König sehr angesehen. Er trachtete danach, Mordechai und seinem Volk wegen der beiden Kämmerer des Königs zu schaden.A,17 Nach diesem Vers beginnt der hebräische Text des Buches Ester, Est 1,1.

2

Artaxerxes befiehlt, das jüdische Volk auszurotten

(zu Est 3,13)

21 Dies ist die Abschrift des Schreibens: Der Großkönig ArtaxerxesB,1 Während das hebräische Buch Ester den König Ahasveros (griechisch: »Xerxes«; 485–465 v.Chr.) nennt, sprechen die griechische Übersetzung des Buches wie auch die Stücke zum Buch Ester von König Artaxerxes. an die Statthalter der hundertsiebenundzwanzig Provinzen von Indien bis Äthiopien und die untergebenen Fürsten:

2Da ich über viele Völker herrsche und Gewalt habe über die ganze Erde, habe ich dieses beschlossen – will ich doch nicht überheblich werden in meiner Macht, sondern immer darauf bedacht sein, gnädig und mild zu regieren: Alle meine Untertanen sollen ohne Furcht in

B,2
1. Tim 2,2
Ruhe leben und bis an die fernen Grenzen reisen können. Dazu will ich den Frieden erneuern, nach dem alle Menschen verlangen. 3Da überlegte ich mit meinen Ratgebern, wie das geschehen könnte. Haman aber, unser besonnenster, ergebenster und getreuester Ratgeber, der nach dem König der Höchste ist, 4 zeigte an, dass sich unter die Stämme der Erde ein übel gesinntes Volk gemischt habe. Durch seine
B,4
5. Mose 4,8
besonderen Gesetze steht es zu allen Völkern im Gegensatz und
B,4
Dan 3,8-12
missachtet unablässig die Gebote der Könige. So schadet es unserer untadeligen Verwaltung des Reiches. 5 Wir haben nun erkannt, dass sich dieses Volk als einziges gegen alle Welt stellt, nach fremden und verkehrten Gesetzen lebt, unsere Gebote ablehnt und Schaden anrichtet. So stört es Frieden und Einigkeit in unserm Reich. 6Deshalb haben wir befohlen: Alle, die Haman aufschreibt, der Höchste nach dem König, der über alle Provinzen gesetzt ist und für uns wie ein Vater ist, alle diese sollen mit Weib und Kind durchs Schwert der Feinde ohne alles Erbarmen umgebracht und niemand soll verschont werden, und zwar am vierzehnten Tag im Adar, dem zwölften Monat, in diesem Jahr. 7So sollen diese seit jeher ruchlosen Menschen an einem einzigen Tag in die Unterwelt gestürzt werden, auf dass künftig unserer Herrschaft für alle Zeit Ruhe und Frieden zurückgegeben werde.

3

Das Gebet Mordechais

(zu Est 4,17)

31 Und Mordechai betete zum Herrn und

C,1
Ps 105,4-5
dachte an alle seine Werke und sprach: 2Herr, Herr, oh König, du
C,2
Ps 93,1
herrschst über alles; denn alles steht in deiner Macht, und deinem Willen kann niemand widerstehen, wenn du Israel retten willst. 3 Du hast Himmel und Erde gemacht und alles Wunderbare, das unter dem Himmel ist. 4 Du bist Herr über alles, und niemand kann dir widerstehen, dir, dem Herrn.
C,4
2. Chr 20,6

5 Du kennst alle Dinge; du, Herr, weißt auch, dass es weder aus Hochmut noch aus Überheblichkeit noch aus Ruhmsucht geschehen ist, wenn ich vor diesem überheblichen Haman nicht niedergefallen bin; 6denn ich wäre bereit, ihm sogar die Fußsohlen zu küssen, wenn ich Israel damit retten könnte. 7Ich habe es vielmehr getan, um nicht die Ehre eines Menschen über die

C,7
Apg 5,29
Ehre Gottes zu stellen. Vor keinem außer dir, meinem Herrn, will ich die Knie beugen – und das tue ich nicht aus Überheblichkeit.

8

C,8
5. Mose 9,26
Und nun, Herr, Gott, König, Gott Abrahams, verschone dein Volk! Denn sie blicken auf uns, um uns zu vertilgen, und wollen das Erbe ausrotten, das von Anfang an dir gehört hat. 9 Verachte dein Erbteil nicht, das du dir aus Ägypten losgekauft hast! 10 Erhöre mein Gebet und sei deinem Erbe gnädig und verwandle unsere Trauer in Freude, auf dass wir leben und deinen Namen, Herr, preisen; und lass den Mund derer nicht verstummen, die dich loben!

11 Und ganz Israel rief mit aller Kraft; denn sie hatten den sicheren Tod vor Augen.

Das Gebet der Königin Ester

(zu Est 4, Fortsetzung des vorigen Stückes)

12

C,12
Esra 9,3-15
Dan 9,3-19
Auch die Königin Ester nahm in ihrer Todesangst Zuflucht beim Herrn. 13 Sie legte ihre königlichen Gewänder ab und zog Trauerkleider an, und statt der kostbaren Salben tat sie Asche und Staub auf ihr Haupt und demütigte ihren Leib durch Fasten, und wo früher ihr Schmuck prangte, hing wirr ihr Haar.

14 Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels, und sprach: 4 Mein Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir; denn ich bin allein und habe keinen andern Helfer als dich 15und muss mich nun in Gefahr stürzen. 16 Von

C,16
2. Mose 12,26
Jugend auf habe ich im Haus meines Vaters gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast und
C,16
1. Mose 12,1
unsere Väter von all ihren Vorfahren. Sie sollen dein ewiges Erbe sein! Auch weiß ich,
C,16
5. Mose 6,20-23
dass du gehalten hast, was du ihnen zugesagt hast. 17 Wir aber haben vor dir gesündigt; darum hast du uns in die Hände unserer Feinde gegeben, 18denn wir haben ihre Götter geehrt; Herr, du bist gerecht! 19 Aber nun genügt es ihnen nicht, uns in harter Knechtschaft zu halten. Sondern sie haben ihre Hände auf die Hände ihrer Götzenbilder gelegt und geschworen, 20deine Verheißungen zunichtezumachen und dein Erbe auszurotten, jeden Mund, der dich lobt, zu stopfen und deinen herrlichen Tempel und Altar zu zerstören. 21Den Heiden aber wollen sie den Mund auftun zum Lob der nichtigen Götzen, dass sie einen sterblichen König rühmen auf immer und ewig.

22 Herr, gib nicht dein Zepter denen,

C,22
Ps 62,10
die doch nichts sind; lass sie nicht spotten über unsern Untergang, sondern lass ihre Ränke auf sie selbst zurückschlagen. Die solches gegen uns angezettelt haben, lass zum warnenden Beispiel werden! 23 Denk an uns, Herr, und zeige dich in unsrer Not und gib mir Mut, du König aller Götter und Herrscher über alle Mächte! 24Lege mir die
C,24
Mt 10,19
rechten Worte in den Mund, wenn ich gleich vor dem
C,24
Spr 20,2
Löwen stehe, und wende sein Herz, dass er unserm Feinde feind wird. Der und alle seine Anhänger sollen umkommen! 25 Uns aber errette durch deine Hand und hilf mir; denn ich habe keine andre Hilfe als dich allein, Herr, der du alle Dinge kennst 26 und weißt, dass ich die Ehre hasse, die ich bei den Gottlosen habe, wie ich das Bett eines Unbeschnittenen und Fremden verabscheue.

27Du kennst meine Not, dass ich das edle Tuch meiner Würde verabscheue, das ich auf dem Haupt trage, wenn ich mich allen zeigen muss – ich verabscheue es wie meine blutige

C,27
3. Mose 15,19
Binde und trage es nicht, wenn ich mich nicht zu zeigen brauche. 28Deine Magd
C,28
Dan 1,8
Jdt 12,2
hat nie an Hamans Tisch gegessen noch einem Gelage des Königs Ehre erwiesen oder vom Opferwein getrunken. 29Bis auf diesen Tag hat deine Magd an nichts
C,29
Ps 137,1
Freude empfunden, seit ich Königin wurde, 12 außer an dir allein, Herr, du Gott Abrahams.

30Gott, der du Macht hast über alle, erhöre die Stimme derer, die keine andre Hoffnung haben, und errette uns aus der Hand der Gottlosen und befreie mich aus meinen Ängsten!