Lutherbibel 2017 (LU17)
8

Vom Essen des Götzenopferfleisches

81Was aber das

8,1
Apg 15,29
Götzenopfer angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf. 2Wenn
8,2
Gal 6,3
jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. 3Wenn aber jemand Gott liebt, der ist
8,3
Kap
von ihm erkannt.

4Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keinen Götzen gibt in der Welt und

8,4
5. Mose 6,4
keinen Gott als den einen. 5Und
8,5
Kap
obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, 6so haben wir doch nur
8,6
Kap
einen Gott, den Vater,
8,6
Röm 11,36
von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus,
8,6
Joh 1,3
Kol 1,16
durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.

7Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige essen’s als Götzenopfer, weil sie immer noch an die Götzen gewöhnt sind; und so

8,7
Kap
wird ihr Gewissen, weil es schwach ist, befleckt. 8Aber die Speise macht’s nicht, wie wir vor Gott stehen. Essen wir nicht, so fehlt uns nichts, essen wir, so gewinnen wir nichts.
8,8
Röm 14,17

9Seht aber zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird!

8,9
Gal 5,13
10Denn wenn jemand dich, der du die Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch sitzen sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er doch schwach ist, verleitet, das Götzenopfer zu essen? 11Und so geht durch deine Erkenntnis der Schwache
8,11
Röm 14,15
zugrunde, der Bruder, für den doch Christus gestorben ist. 12Wenn ihr aber so sündigt an den Brüdern und Schwestern und verletzt ihr schwaches Gewissen, so sündigt ihr an Christus. 13Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nimmermehr Fleisch essen, auf dass ich meinen Bruder nicht zu Fall bringe.
8,13
Röm 14,21

9

Recht und Freiheit eines Apostels

91Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel?

9,1
Kap
Habe ich nicht Jesus, unsern Herrn, gesehen? Seid nicht ihr mein Werk in dem Herrn? 2Bin ich für andere kein Apostel, so bin ich’s doch für euch; denn
9,2
Kap
das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn. 3Denen, die mich verurteilen, antworte ich so: 4Haben wir nicht das Recht, zu essen und zu trinken?
9,4
Lk 10,7
5Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen wie die andern Apostel und die Brüder des Herrn und
9,5
Mt 8,14
Joh 1,42
Kephas? 6Oder haben allein ich und
9,6
Apg 4,36
Barnabas nicht das Recht, nicht zu
9,6
2. Thess 3,7-9
arbeiten?

7Wer zieht denn in den Krieg und zahlt den eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von seiner Frucht? Oder wer weidet eine Herde und nährt sich nicht von der Milch der Herde? 8Sage ich das nach menschlichem Gutdünken? Sagt das nicht auch das Gesetz? 9Denn im Gesetz des Mose steht geschrieben (5. Mose 25,4):

9,9
1. Tim 5,18
»Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.« Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? 10Oder redet er nicht überall um unsertwillen?
9,10
Röm 15,4
Denn um unsertwillen ist es geschrieben. Wer pflügt, soll auf Hoffnung pflügen; und wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass er seinen Teil empfangen wird. 11Wenn wir für euch Geistliches säen, ist es dann zu viel, wenn wir Leibliches von euch ernten wollen?
9,11
Röm 15,27
12Wenn andere dieses Recht an euch haben, warum nicht viel mehr wir? Aber
9,12
Apg 20,33-35
2. Kor 11,9
wir haben von diesem Recht nicht Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, dass wir nicht dem Evangelium Christi ein Hindernis bereiten. 13Wisst ihr nicht, dass,
9,13
4. Mose 18,18-1931
5. Mose 18,1-3
die im Tempel dienen, vom Tempel leben, und die am Altar dienen, vom Altar ihren Anteil bekommen? 14So hat auch der Herr befohlen, dass, die das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen.
9,14
Lk 10,7
Gal 6,6

15Ich aber habe

9,15
Apg 18,3
von alledem keinen Gebrauch gemacht. Ich schreibe auch nicht deshalb davon, damit es nun mit mir so gehalten werde. Lieber wollte ich sterben – meinen Ruhm soll niemand zunichtemachen! 16Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und
9,16
Jer 20,9
wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! 17Tue ich’s freiwillig, so wird’s mir gelohnt. Tue ich’s aber unfreiwillig, so
9,17
Kap
ist mir das Amt doch anvertraut. 18Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt, sodass ich von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.

19Denn obwohl ich frei bin von jedermann,

9,19
Mt 20,27
habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne. 20
9,20
Kap
Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen unter dem Gesetz bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die unter dem Gesetz gewinne. 21Denen ohne Gesetz
9,21
Gal 2,3
bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin im Gesetz vor Christus –, damit ich die ohne Gesetz gewinne. 22Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
9,22
Röm 11,14
damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. 23Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich an ihm teilhabe.

24Wisst ihr nicht: Die

9,24
2. Tim 4,7
im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den
9,24
Phil 3,14
Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25
9,25
2. Tim 2,4-5
Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen
9,25
1. Petr 5,4
unvergänglichen. 26Ich aber laufe nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27sondern ich schinde meinen Leib und bezwinge ihn, dass ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

10

Das warnende Beispiel Israels

101Ich will euch aber, Brüder und Schwestern, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle

10,1
2. Mose 13,21
unter der Wolke gewesen und alle
10,1
2. Mose 14,22
durchs Meer gegangen sind; 2und sind alle auf Mose getauft worden in der Wolke und im Meer, 3und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen
10,3
2. Mose 16,435
4und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; denn sie tranken von dem geistlichen
10,4
2. Mose 17,6
Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus. 5Doch an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste umgekommen.
10,5
4. Mose 14,1622-32

6Das ist aber geschehen uns zum Vorbild, dass wir nicht am Bösen unsre Lust haben,

10,6
4. Mose 11,4
wie jene sie hatten. 7So werdet nicht Götzendiener, wie einige von ihnen es wurden, wie geschrieben steht (2. Mose 32,6): »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um zu spielen.« 8Auch lasst uns nicht Hurerei treiben,
10,8
4. Mose 25,19
wie etliche von ihnen Hurerei trieben: Und an einem einzigen Tag kamen dreiundzwanzigtausend um. 9Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie etliche von ihnen taten und
10,9
4. Mose 21,4-6
wurden von den Schlangen umgebracht. 10Murrt auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber.
10,10
4. Mose 14,235-36
Hebr 3,1117
11Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die
10,11
1. Petr 4,7
das Ende der Zeiten gekommen ist.

12Darum, wer meint, er stehe, soll zusehen, dass er nicht falle.

10,12
Röm 11,20
13Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu,
10,13
Ps 68,20
2. Petr 2,9
2. Thess 3,3
der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.

Die Unvereinbarkeit von Abendmahl und Götzendienst

14Darum, meine Lieben, flieht den Götzendienst!

10,14
1. Joh 5,21
15Ich rede doch zu verständigen Menschen; beurteilt ihr, was ich sage. 16Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
10,16
Kap
17Denn ein Brot ist’s. So
10,17
Kap
sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

18Seht an das Israel nach dem Fleisch! Welche

10,18
3. Mose 7,6
die Opfer essen, stehen die nicht in der Gemeinschaft des Altars? 19Was will ich nun damit sagen? Dass das Götzenopfer etwas sei? Oder
10,19
Kap
dass der Götze etwas sei? 20Nein, sondern was man da opfert, das
10,20
5. Mose 32,17
opfert man den Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr mit den Dämonen Gemeinschaft habt. 21Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen; ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der Dämonen.
10,21
Mt 6,24
2. Kor 6,15-16
22Oder wollen wir des Herrn Eifersucht wecken? Sind wir stärker als er?

Rücksicht auf das Gewissen

23Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.

10,23
Kap
24Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.
10,24
Röm 15,2
Phil 2,4
25Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und prüft es nicht um des Gewissens willen.
10,25
Röm 14,2-1022
26Denn »die Erde ist des Herrn und was darinnen ist« (Ps 24,1). 27Wenn euch einer von den Ungläubigen einlädt und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, und prüft es nicht um des Gewissens willen. 28Wenn aber jemand zu euch sagen würde: Das ist
10,28
Kap
Opferfleisch, so esst nicht davon, um desjenigen willen, der es gesagt hat, und um des Gewissens willen. 29Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen, sondern von dem des andern. Denn warum sollte ich meine Freiheit beurteilen lassen vom Gewissen eines andern? 30Wenn ich
10,30
1. Tim 4,4
mit Danksagung am Mahl teilnehme, warum sollte ich mich Lästerer nennen lassen wegen etwas, wofür ich danke?

31Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.

10,31
Kol 3,17
32
10,32
Röm 14,13
Erregt keinen Anstoß, weder bei den Juden noch bei den Griechen noch bei der Gemeinde Gottes, 33so wie
10,33
Kap
auch ich jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden.