Gute Nachricht Bibel (GNB)
88

Gebet in Verlassenheit und Todesnot

881Ein Gedicht des Esrachiters Heman, aus der Sammlung der Korachiter, zu singen nach schwermütiger Weise.88,1 Vgl. Anmerkung zu 53,1.

88,1
1 Chr 6,18

2Herr, mein Gott und Retter,

Tag und Nacht schreie ich zu dir!

3Lass mein Gebet zu dir dringen,

höre meinen Hilferuf!

4Ich habe mehr als genug gelitten,

mit einem Fuß stehe ich schon im Grab.

5Alle meinen, mit mir sei es aus;

die Kräfte schwinden mir, ich kann nicht mehr.

6Man hat mich aufgegeben wie einen Toten;

mir geht es wie den Erschlagenen,

die man ins Massengrab geworfen hat –

du sorgst nicht mehr für sie,

deine Hilfe erreicht sie nicht mehr.

88,6
Ez 32,19-20

7In den tiefsten Abgrund hast du mich gestürzt,

wo ewige Dunkelheit mich einschließt.

8Dein Zorn drückt mich zu Boden,

in schweren Wogen rollt er über mich hin.

88,8
42,8

9Meine Freunde hast du mir entfremdet,

sie wenden sich voll Abscheu von mir ab.

Ich bin im Elend gefangen

und finde keinen Ausweg;

88,9
38,12

10vor Schmerzen wird mir schwarz vor Augen.

Tag für Tag schreie ich zu dir, Herr,

und strecke meine Hände zu dir aus!

11Tust du auch für Tote noch Wunder?

Stehen die Schatten auf, um dich zu preisen?

88,11-13
6,6

12Erzählt man im Grab von deiner Güte,

in der Totenwelt von deiner Treue?

13Weiß man dort in der Finsternis noch,

welche Wunder du tust für dein Volk?88,13 welche Wunder ...: wörtlich von deiner Gerechtigkeit.

Denkt bei den Vergessenen noch jemand daran,

wie treu du deine Zusagen einlöst?

14Ich aber schreie zu dir, Herr;

jeden Morgen bestürme ich dich mit Bitten.

88,14
5,4

15Warum hast du mich verstoßen, Herr?

Warum verbirgst du dich vor mir?

16Solange ich denken kann,

bin ich gequält und dem Tode nah.

Du erschreckst mich mit immer neuen Plagen,

sodass ich an dir fast irrewerde.

17Dein Zorn ist über mich gekommen wie ein Feuersturm,

deine furchtbaren Angriffe zerschlagen mich.

18Sie bedrohen mich von allen Seiten,

täglich dringen sie auf mich ein wie tödliche Fluten.

19Freunde und Nachbarn hast du mir entfremdet;

mein einziger Begleiter ist die Finsternis.

88,19
38,12

89

Ist Gott wortbrüchig geworden?

891Ein Gedicht des Esrachiters Etan.

89,1
1 Kön 5,11
1 Chr 15,1719

2Herr, für immer will ich singen

von den Beweisen deiner Güte.

Allen kommenden Generationen

soll mein Lied deine Treue verkünden.

3»Deine Güte hört niemals auf«, sage ich,

»deine Treue steht fest wie der Himmel.«89,3 wie der Himmel: mit zwei Handschriften und alten Übersetzungen; H im Himmel.

89,3
36,6-7

4Du hast gesagt:

»Ich habe mir einen Mann erwählt

und einen Bund mit ihm geschlossen.

David, meinem Vertrauten, habe ich geschworen:

89,4-5
2 Sam 7,16
23,5
Jes 55,3-5

5›Ich bestätige dein Königshaus für immer

und festige deinen Thron für alle Generationen.‹«

6Herr, der Himmel rühmt deine Wunder,

die Schar der Engel89,6 Wörtlich die Versammlung der Heiligen, womit hier die Engel gemeint sind (vgl. Sacherklärung »Heilige«). preist deine Treue;

89,6
19,2

7denn niemand dort oben ist dir gleich,

von den Göttern89,7 Siehe Anmerkung zu 82,1. kann sich keiner mit dir messen.

89,7-8
82,1
Ijob 1,6

8Gott, du bist sehr gefürchtet im himmlischen Rat,

Ehrfurcht erfüllt alle, die dich umgeben.

9Gott, du Herrscher der ganzen Welt,89,9 Gott, du ...: wörtlich Herr Gott Zebaot.

wer ist so mächtig wie du,

wer ist so durch und durch treu?

10Du bändigst das rebellische Meer;

wenn seine Wellen toben,

glättest du sie wieder.

89,10
65,8
107,29
Ijob 38,8-11
Mk 4,39

11Du hast den Meeresdrachen89,11 Wörtlich Rahab. getötet und zertreten

und deine Feinde mit starker Hand zerstreut.

89,11
74,13

12Dir gehört der Himmel,

dir gehört die Erde,

das Festland mit allem, was darauf lebt;

denn du hast sie ins Dasein gerufen.

89,12
24,1

13Norden und Süden hast du geschaffen,

Tabor und Hermon jubeln dir zu.

14Du allein hast den starken Arm,

die siegreich erhobene rechte Hand!

15Dein Thron ist gegründet auf Recht und Gerechtigkeit,

Güte und Treue gehen vor dir her.

89,15
97,2
85,14

16Wie glücklich ist das Volk,

das dich mit Jubelrufen begrüßt!

Es lebt in deiner segensreichen Nähe.

17Es freut sich täglich, weil du sein Gott bist.

Durch deine Treue89,17 Treue: wörtlich Gerechtigkeit. machst du es groß.

18Du gibst ihm deine wunderbare Kraft.

Weil du uns liebst, sind wir stark.

19Dir, Herr, gehört auch unser Beschützer;

du hast unseren König berufen,

du heiliger Gott Israels.

89,19
84,10
2,6

20Einst hast du zu deinem Volk gesprochen,

in einer Vision hast du gesagt:

»Einen Helden habe ich zum Helfer gemacht,

ihn aus dem Volk erwählt und erhöht.

89,20-38
2 Sam 7,8-16

21Ich habe David gefunden, meinen Vertrauten,

und ihn mit heiligem Öl zum König gesalbt.

22Mit meiner Hand werde ich ihn halten,

durch meine Macht will ich ihn stärken.

23Kein Feind wird ihn jemals überlisten,

kein Aufrührer ihn bezwingen können.

24Seine Gegner werde ich vernichten

und alle niederschlagen, die ihn hassen.

25Meine Treue und Güte sind ihm sicher.

Weil ich bei ihm bin, wächst seine Macht.

26Ich gebe ihm die Herrschaft über das Meer

und unterwerfe ihm die großen Ströme.

27Er wird zu mir sagen: ›Du bist mein Vater,

mein Gott, mein starker Beschützer!‹

89,27
2 Sam 7,14

28Ich mache ihn zu meinem Erstgeborenen,

zum höchsten unter den Königen der Erde.

29Jederzeit umgibt ihn meine Güte,

mein Bund mit ihm ist unverbrüchlich.

30Ich bestätige sein Königshaus für immer,

sein Thron bleibt fest,

solange der Himmel besteht.

31Wenn seine Nachkommen mein Gesetz verlassen

und meinen Weisungen nicht gehorchen,

32wenn sie meine Vorschriften übertreten

und meine Anordnungen nicht befolgen,

33dann werde ich ihren Ungehorsam bestrafen,

für ihre Verfehlung werde ich sie schlagen.

34Aber David werde ich die Treue halten,

ihm niemals meine Güte entziehen.

35Mein Bund mit ihm wird nicht gebrochen,

meine Zusagen ändere ich nicht ab.

36Ein für alle Mal habe ich es geschworen

und bürge dafür mit meiner Heiligkeit:

Ich werde David niemals täuschen!

37Sein Königshaus soll für immer bestehen.

Seinen Thron werde ich stets vor Augen haben,

ebenso lange wie die Sonne;

38für alle Zeiten bleibt er stehen wie der Mond,

dieser treue Zeuge in den Wolken.«

39Und doch hast du ihn fallen lassen und verstoßen!

Du bist zornig geworden auf den König,

den du doch selber eingesetzt hast.

89,39-46
2 Kön 25,5-10

40Den Bund mit deinem Diener hast du widerrufen,

seine Krone in den Schmutz geworfen und geschändet.

41Die Mauern seiner Stadt hast du zerbrochen,

seine festen Burgen in Trümmer gelegt.

42Alle, die vorübergingen, haben ihn beraubt.

Seine Nachbarn treiben ihren Spott mit ihm.

43Du hast seinen Gegnern den Sieg gegeben

und alle seine Feinde mit Freude erfüllt.

44Sein Schwert hast du stumpf werden lassen

und im Kampf hast du ihm nicht geholfen.

45Seinem Glanz hast du ein Ende gemacht

und seinen Thron zu Boden gestürzt.

46Du hast ihn vor der Zeit altern lassen

und ihn mit Schimpf und Schande bedeckt.

47Wie lange noch, Herr?

Willst du dich für immer verbergen?

Wie lange soll dein Zorn noch brennen?

89,47
13,2-3

48Denk doch wieder an mich,

mein Leben ist so kurz!

Nur für einen winzigen Augenblick

hast du uns Menschen geschaffen.

49Gibt es denn einen, der leben darf,

ohne jemals den Tod zu sehen,

einen, der sich retten kann

vor den Klauen der Totenwelt?

50Herr, wo sind sie,

die früheren Beweise deiner Güte?

Du hattest sie David versprochen

und dich mit deiner Treue dafür verbürgt!

51Denk daran,

wie man deine Diener beschimpft!

Ich muss den Hohn vieler Völker ertragen.

52Herr, deine Feinde verhöhnen den König,

den du gesalbt und eingesetzt hast;

sie verhöhnen ihn auf Schritt und Tritt.

89,52
2,6

53Der Herr sei für alle Zeiten gepriesen!

Amen, so soll es sein!

90

VIERTES BUCH

(Psalmen 90–106)

Der ewige Gott – der vergängliche Mensch

901Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes.

Herr, seit Menschengedenken

warst du unser Schutz.90,1 Schutz: wörtlich Wohnung; einige Handschriften haben Burg, Zuflucht.

2Du, Gott, warst schon,

bevor die Berge geboren wurden

und die Erde unter Wehen entstand,

und du bleibst in alle Ewigkeit.

3Du sagst zum Menschen:

»Werde wieder Staub!«

So bringst du ihn dorthin zurück,

woher er gekommen ist.

90,3
103,14
146,4
Gen 3,19

4Für dich sind tausend Jahre wie ein Tag,

so wie gestern – im Nu vergangen,

so kurz wie ein paar Nachtstunden.

90,4
2 Petr 3,8

5Du scheuchst die Menschen fort,

sie verschwinden wie ein Traum.90,5 sie verschwinden ...: wörtlich ein Schlaf.

Sie sind vergänglich wie das Gras:

90,5-6
102,12
103,15-16
Ijob 14,2
Jes 40,6-8
1 Petr 1,24-25

6Morgens noch grünt und blüht es,

am Abend schon ist es verwelkt.

7Weil du zornig bist

und dich gegen uns stellst,

sind wir verloren und müssen vergehen.

8Denn du siehst die geheimsten Fehler;

alle unsere Vergehen deckst du auf.

9Dein Zorn liegt schwer auf unserem Leben,

darum ist es so flüchtig wie ein Seufzer.

10Siebzig Jahre sind uns zugemessen,

wenn es hoch kommt, achtzig –

doch selbst die besten davon

sind Mühe und Last!

Wie schnell ist alles vorbei

und wir sind nicht mehr!

90,10.12
39,5-7

11Doch wer begreift schon,

wie furchtbar dein Zorn ist,

und wer nimmt ihn sich zu Herzen?

12Lass uns erkennen,

wie kurz unser Leben ist,

damit wir zur Einsicht kommen!

13Herr, wie lange zürnst du uns noch?

Hab doch Erbarmen mit uns

und wende dich uns wieder zu!

90,13
13,2-3

14Lass uns jeden Morgen spüren,

dass du zu uns hältst,

dann sind unsere Tage erfüllt

von Jubel und Dank.

90,14
59,17

15Viele Jahre hast du Unglück über uns gebracht;

gib uns nun ebenso viele Freudenjahre!

16Lass uns noch erleben, dass du eingreifst,

zeig unseren Kindern deine große Macht!

17Herr, unser Gott, sei freundlich zu uns!

Lass unsere Arbeit nicht vergeblich sein!

Ja, Herr, lass gelingen, was wir tun!