Gute Nachricht Bibel (GNB)
22

LEIDEN, TOD UND AUFERSTEHUNG VON JESUS

(Kapitel 22–24)

Pläne gegen Jesus

(Mt 26,1-5; Mk 14,1-2; Joh 11,45-53)

221Es war kurz vor dem Fest der Ungesäuerten Brote, dem Passafest.

22,1
Ex 12,15-20
12,1-14
2Die führenden Priester und die Gesetzeslehrer suchten nach einer Möglichkeit, Jesus zu beseitigen, aber so, dass es kein Aufsehen erregte; denn sie hatten Angst vor dem Volk.
22,2
19,47-48
Mk 11,18

Judas wird zum Verräter

(Mt 26,14-16; Mk 14,10-11)

3Da fuhr der Satan in Judas, der auch Iskariot genannt wird. Judas war einer aus dem Kreis der Zwölf.

22,3
4,13
10,18
22,3153
Joh 12,4
4Er ging zu den führenden Priestern und den Hauptleuten der Tempelwache und besprach mit ihnen, wie er ihnen Jesus in die Hände spielen könnte.

5Sie freuten sich und boten ihm eine Geldsumme an. 6Judas war einverstanden. Er suchte von da an eine günstige Gelegenheit, Jesus zu verraten, ohne dass das Volk etwas merkte.

Vorbereitungen zum Passamahl

(Mt 26,17-19; Mk 14,12-16)

7Es kam nun der Tag, von dem an ungesäuertes Brot gegessen wurde und an dem die Passalämmer geschlachtet werden mussten.

22,7
Ex 12,6
8Jesus gab Petrus und Johannes den Auftrag: »Geht und bereitet das Passamahl für uns vor!«

9»Wo willst du es vorbereitet haben?«, fragten sie.

10Er sagte: »Hört zu! Wenn ihr in die Stadt kommt, werdet ihr einen Mann treffen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm in das Haus, in das er geht, 11und sagt zum Hausherrn dort: ›Unser Lehrer lässt dich fragen: Welchen Raum kannst du zur Verfügung stellen, dass ich dort mit meinen Jüngern das Passamahl feiere?‹ 12Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles vor.«

13Die beiden gingen und fanden alles so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und sie bereiteten das Passamahl vor.

Jesus feiert mit den Aposteln das Abschiedsmahl

(Mt 26,20-29; Mk 14,17-25; 1 Kor 11,23-25)

14Als die Stunde gekommen war, setzte sich Jesus zu Tisch und die Apostel mit ihm.

22,14
6,13
15Er sagte: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu feiern, bevor ich leiden muss. 16Denn ich sage euch: Ich werde es erst wieder feiern, wenn das, worauf jedes Passamahl hinweist, in der neuen Welt Gottes22,16 Wörtlich in der Königsherrschaft Gottes; ebenso in Vers 18. zur Erfüllung gekommen ist.«

17Dann nahm er den Becher mit Wein, sprach darüber das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und teilt ihn unter euch! 18Denn ich sage euch: Ich werde erst wieder Wein trinken, wenn die neue Welt Gottes da ist.«

19Dann nahm Jesus ein Brot, sprach darüber das Dankgebet, brach es in Stücke und gab es ihnen mit den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch geopfert wird. Tut das immer wieder, damit unter euch gegenwärtig ist, was ich für euch getan habe!«22,19 Wörtlich Tut das zu meinem Gedenken. In der Sprache der Bibel bedeutet »Gedenken« nicht ein bloßes Erinnern, sondern zugleich das Gegenwärtigwerden des Erinnerten.

20Ebenso nahm er nach dem Essen den Becher mit Wein und sagte: »Dieser Becher ist Gottes neuer Bund, der in Kraft gesetzt wird durch mein Blut, das für euch vergossen wird.

22,20 (neuer Bund)
Jer 31,31-34
Ex 24,6-8
Röm 11,27
1 Kor 11,25
2 Kor 3,6
Gal 4,24
Hebr 8,6

21Aber ihr müsst wissen: Der Verräter sitzt hier mit mir am gleichen Tisch.

22,21-23
Joh 13,221-30
22Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist; aber wehe dem Menschen, der ihn verrät.«

23Da fingen sie an, einander zu fragen, wer von ihnen es wohl sei, der so etwas tun würde.

Wer ist der Größte?

(Mt 20,25-28; 19,28; Mk 10,42-45)

24Es kam unter ihnen auch ein Streit darüber auf, wer von ihnen als der Größte zu gelten habe.

22,24-26
9,46-48

25Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Könige üben Macht über ihre Völker aus, und die Tyrannen lassen sich sogar noch ›Wohltäter des Volkes‹ nennen. 26Bei euch muss es anders sein! Der Größte unter euch muss wie der Geringste werden und der Führende wie einer, der dient.

22,26
Mt 23,11
27Wer ist denn größer: der am Tisch sitzt oder der bedient? Natürlich der am Tisch! Aber ich bin unter euch wie der Diener.
22,27
Joh 13,4-512-17

28Ihr habt mit mir durchgehalten in allen Prüfungen, die ich zu bestehen hatte. 29Dafür werde ich euch an der Herrschaft beteiligen, die mein Vater mir übertragen hat.

22,29
12,32
30Wenn ich meine Herrschaft angetreten habe, werdet ihr an meinem Tisch essen und trinken und über die zwölf Stämme Israels herrschen.«
22,30
Mt 19,28

Jesus und Simon Petrus

(Joh 13,36-38)

31»Simon, Simon! Pass gut auf! Gott hat dem Satan erlaubt, euch auf die Probe zu stellen und die Spreu vom Weizen zu scheiden.

22,31
22,3
Ijob 1,6-12
2,1-6
32Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube an mich nicht aufhört. Wenn du dann wieder zu mir zurückgefunden hast, musst du deine Brüder und Schwestern22,32 Wörtlich deine Brüder; vgl. Anmerkung zu 6,17. im Glauben an mich stärken!«
22,32
Mt 16,18
Lk 22,62
24,34

33Petrus antwortete: »Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen, ja mit dir zu sterben!«

22,33-34
Mk 14,30-31

34Jesus antwortete: »Ich sage dir, Petrus, noch ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, dass du mich nicht kennst.«

22,34
22,61

Von jetzt ab wird für die Jünger alles anders

35Dann fragte Jesus die Apostel: »Als ich euch ohne Geldbeutel, Vorratstasche und Schuhe auf den Weg schickte, habt ihr da an irgendetwas Mangel gehabt?«

»Nein, an nichts«, sagten sie.

22,35
9,310,4

36Jesus erwiderte: »Von jetzt ab gilt etwas anderes: Wer einen Geldbeutel hat, soll ihn mitnehmen, und wer eine Vorratstasche hat, ebenso! Wer nichts hat als sein Obergewand, soll es verkaufen und sich ein Schwert dafür beschaffen.

22,36
Mt 10,34
37Denn ich sage euch, es muss an mir in Erfüllung gehen, was in den Heiligen Schriften steht: ›Er wurde unter die Verbrecher gezählt.‹ Mit mir geht es jetzt zu Ende.«
22,37
nach

38Die Apostel sagten: »Herr, da haben wir zwei Schwerter!«

Jesus antwortete: »Ihr versteht mich nicht.«22,38 Wörtlich Es ist genug. Dies bezieht sich nicht auf die Anzahl der Schwerter; Jesus bricht damit das Gespräch ab und weist die Antwort der Apostel zurück.

Jesus betet im Garten Getsemani

(Mt 26,36-46; Mk 14,32-42)

39Jesus ging wie gewohnt zum Ölberg und seine Jünger folgten ihm.

22,39-46
5,16
22,39
21,37
Mt 26,30Joh 18,1-2
40Als er dort war, sagte er zu ihnen: »Betet darum, dass ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt.«

41Dann ging er allein weiter. Einen Steinwurf von ihnen entfernt kniete er nieder und betete: 42»Vater, wenn es dein Wille ist, dann erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen.22,42 erspare es mir ...: wörtlich nimm diesen Kelch von mir. Zu Kelch siehe Anmerkung zu Mk 14,36. Aber dein Wille soll geschehen, nicht der meine!«

22,42
Mk 10,38
Mt 6,10
Joh 12,27-28

43Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm Kraft. 44In seiner Todesangst betete Jesus noch angespannter und sein Schweiß tropfte wie Blut auf den Boden.22,44 Die Verse 43-44 fehlen in wichtigen Handschriften und gehören vermutlich nicht zum ursprünglichen Text.

45Als er sich vom Gebet erhob und wieder zu den Jüngern kam, schliefen sie; so erschöpft waren sie vor Kummer. 46»Wie könnt ihr schlafen?«, sagte er zu ihnen. »Steht auf und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt!«

Jesus wird verhaftet

(Mt 26,47-56; Mk 14,43-50; Joh 18,3-11)

47Noch während Jesus das sagte, kam ein Trupp von Männern, voran Judas, einer von den Zwölf. Er ging auf Jesus zu und wollte ihm den Begrüßungskuss geben. 48Aber Jesus sagte zu ihm: »Judas, mit einem Kuss willst du den Menschensohn verraten?«

49Da merkten auch die Jünger, was bevorstand, und fragten: »Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?« 50Und einer von ihnen hieb auf den Bevollmächtigten des Obersten Priesters ein und schlug ihm das rechte Ohr ab.

51Aber Jesus sagte: »Halt! Hört auf!« Er berührte das Ohr und heilte den Mann.

52Dann wandte er sich an die führenden Priester, die Hauptleute der Tempelwache und die Ratsältesten, die ihn festnehmen wollten: »Warum rückt ihr hier mit Schwertern und Knüppeln an; bin ich denn ein Verbrecher? 53Täglich war ich bei euch im Tempel und ihr seid nicht gegen mich vorgegangen. Aber jetzt ist eure Stunde gekommen. Jetzt haben die dunklen Mächte Gewalt über mich.«

22,53
19,47
22,3

Petrus verleugnet Jesus

(Mt 26,57-58.69-75; Mk 14,53-54.66-72; Joh 18,12-18.25-27)

54Sie nahmen Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Obersten Priesters. Petrus folgte ihnen in weitem Abstand. 55Im Hof war ein Feuer angezündet. Viele saßen darum herum, und Petrus setzte sich mitten unter sie.

56Eine Dienerin bemerkte ihn im Schein des Feuers, sah ihn genauer an und sagte: »Der da war auch mit ihm zusammen!«

57Aber Petrus stritt es ab: »Frau, ich kenne ihn überhaupt nicht!«

58Bald darauf wurde ein Mann auf ihn aufmerksam und sagte: »Du gehörst doch auch zu denen!«

Aber Petrus widersprach: »Mensch, ich habe nichts mit ihnen zu tun!«

59Etwa eine Stunde später bestand ein anderer darauf und sagte: »Kein Zweifel, der war auch mit ihm zusammen, er ist doch auch aus Galiläa.«

60Aber Petrus stritt es ab: »Mensch, ich weiß überhaupt nicht, wovon du sprichst!«

Und sofort, während er noch redete, krähte ein Hahn.

61Der Herr drehte sich um und sah Petrus an. Da fiel Petrus ein, was er zu ihm gesagt hatte: »Bevor heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, dass du mich nicht kennst.«

22,61
22,34
Mk 14,30

62Und er ging hinaus und begann, bitter zu weinen.

Jesus wird verspottet und geschlagen

(Mt 26,67-68; Mk 14,65)

63Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm. 64Sie warfen ihm ein Tuch über den Kopf, sodass er nichts sehen konnte; dann schlugen sie ihn und riefen: »Du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer war es, der dich gerade schlug?«

22,64
7,16
65Und noch viele andere Schmähungen musste er sich gefallen lassen.

Jesus vor dem jüdischen Rat

(Mt 27,1; 26,57.63-65; Mk 15,1; 14,53.61-64; Joh 18,19-24)

66Als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, dazu die führenden Priester und die Gesetzeslehrer, und ließen Jesus vor ihre Ratsversammlung bringen. 67Sie forderten ihn auf: »Wenn du Christus bist, der versprochene Retter, dann sag es uns!«

Jesus antwortete: »Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir nicht glauben,

22,67
9,20
Mk 8,29
Joh 4,25
Apg 5,42
Jer 38,15
68und wenn ich euch etwas frage, werdet ihr keine Antwort geben. 69Aber von nun an wird der Menschensohn an der rechten Seite des allmächtigen Gottes sitzen!«
22,69
Mk 12,36

70Da riefen sie alle: »Dann bist du also der Sohn Gottes?«

Er antwortete: »Ihr sagt es: Ich bin’s.«

22,70
Mt 14,33
Lk 1,3235

71Darauf erklärten sie: »Was brauchen wir noch eine Zeugenaussage? Wir haben es selbst aus seinem Mund gehört!«

23

Jesus vor Pilatus

(Mt 27,2.11-14; Mk 15,1-5; Joh 18,28-38)

231Alle standen auf und brachten Jesus zu Pilatus. 2Dort erhoben sie Anklage gegen ihn; sie sagten: »Wir haben festgestellt, dass dieser Mann unser Volk aufhetzt! Er sagt, wir sollen keine Steuern mehr an den Kaiser zahlen, und er sei Christus, der König, den Gott uns als Retter zu schicken versprach.«23,2 den Gott uns ...: verdeutlichender Zusatz; siehe Sacherklärung »Christus«.

23,2
20,20-26

3Pilatus fragte ihn: »Bist du der König der Juden?«

»Du sagst es«, gab Jesus zur Antwort.

23,3
Mt 27,11

4Pilatus erklärte darauf den führenden Priestern und der versammelten Volksmenge: »Ich sehe keinen Grund, diesen Menschen zu verurteilen.«

5Aber sie drängten weiter: »Mit seiner Lehre wiegelt er das Volk auf im ganzen jüdischen Land. Angefangen hat er in Galiläa und jetzt ist er bis hierher gekommen.«

Jesus vor Herodes Antipas

6Als Pilatus das Wort »Galiläa« hörte, fragte er, ob der Mann aus Galiläa sei. 7Es wurde ihm bestätigt, dass Jesus aus dem Herrschaftsbereich von Herodes23,7 Gemeint ist Herodes Antipas; siehe Sacherklärung »Herodes (3)«. stamme. Da ließ Pilatus ihn zu Herodes bringen, der zu dieser Zeit ebenfalls in Jerusalem war.

23,7
3,1

8Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; denn er wollte ihn schon lange einmal kennenlernen. Er hatte viel von ihm gehört und hoffte nun, selbst eines seiner Wunder mitzuerleben.

23,8
9,9
13,31-33
9Er stellte ihm viele Fragen, aber Jesus gab keine Antwort.

10Die führenden Priester und die Gesetzeslehrer stellten sich hin und brachten schwere Beschuldigungen gegen Jesus vor. 11Aber Herodes und seine Soldaten hatten nur Spott für ihn übrig. Zum Hohn ließ Herodes ihm ein Prachtgewand anziehen und schickte ihn in diesem Aufzug zu Pilatus zurück.

23,11
Mk 15,17

12Herodes und Pilatus hatten sich früher gehasst, aber an diesem Tag wurden sie Freunde.

23,12
Ps 2,1-2

Pilatus erklärt Jesus für unschuldig

13Pilatus ließ die führenden Priester, die anderen Mitglieder des jüdischen Rates und das Volk zusammenrufen 14und erklärte vor ihnen allen: »Ihr habt mir diesen Menschen gebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Nun, ich habe ihn in eurem Beisein verhört und von den Anklagen, die ihr gegen ihn vorgebracht habt, keine einzige bestätigt gefunden. 15Aber auch Herodes hat nichts herausgefunden; er hat ihn ja zu uns zurückgeschickt. Ich stelle also fest: Dieser Mensch hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht. 16Deshalb lasse ich ihn jetzt auspeitschen und gebe ihn frei.«23,16 Einige Handschriften fügen hinzu (Vers 17): Weil es so üblich war, musste Pilatus ihnen an jedem Passafest einen Gefangenen freigeben.

Das Todesurteil

(Mt 27,15-26; Mk 15,6-15; Joh 18,39–19,16)

18Aber sie alle miteinander schrien laut: »Weg mit ihm! Gib uns Barabbas frei!«

23,18-25
Apg 3,13-14

19Barabbas hatte sich an einem Aufruhr in der Stadt beteiligt und einen Mord begangen; deshalb saß er im Gefängnis.

20Pilatus wollte dagegen Jesus freilassen und redete auf die Leute ein. 21Doch alle schrien: »Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz!«

22Pilatus versuchte es ein drittes Mal und sagte zu ihnen: »Was hat er denn verbrochen? Ich habe bei ihm kein Vergehen entdeckt, auf das die Todesstrafe steht. Deshalb lasse ich ihn jetzt auspeitschen und gebe ihn frei.«

23Sie aber setzten ihm weiter zu und forderten mit lautem Geschrei, dass Jesus gekreuzigt werden müsse.

Und ihr Geschrei zeigte Wirkung. 24Pilatus entschied, dass sie ihren Willen haben sollten. 25Den, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß und um den sie gebeten hatten, ließ er frei, Jesus aber gab er ihrem Willen preis.

Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung

(Mt 27,32; Mk 15,21; Joh 19,17)

26Sie führten Jesus zur Hinrichtung. Unterwegs hielten die Soldaten einen Mann aus Kyrene mit Namen Simon an, der gerade vom Feld in die Stadt zurückkam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.

27Eine große Volksmenge folgte Jesus, darunter auch viele Frauen, die sich auf die Brüste schlugen23,27 auf die Brüste: verdeutlichender Zusatz; siehe Sacherklärung »Trauerbräuche«. und laut weinten.

28Aber er drehte sich zu ihnen um und sagte: »Ihr Frauen von Jerusalem! Klagt nicht um mich! Klagt um euch selbst und um eure Kinder!

23,28
19,41-44
29Denn bald kommt die Zeit, dass die Menschen sagen werden: ›Glücklich die Frauen, die keine Kinder bekommen können! Glücklich der Schoß, der nie geboren hat, und die Brüste, die nie gestillt haben!‹
23,29
21,23Jer 16,1-4
30Die Leute werden dann zu den Bergen sagen: ›Stürzt auf uns!‹, und zu den Hügeln: ›Begrabt uns!‹
23,30
Hos 10,8
Offb 6,16
31Denn wenn schon das grüne Holz vom Feuer erfasst wird, wie wird es dann erst dem dürren ergehen?«
23,31
1 Petr 4,17

32Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.

Jesus am Kreuz

(Mt 27,33-44; Mk 15,22-32; Joh 19,17-27)

33Als sie zu der Stelle kamen, die »Schädel« genannt wird, nagelten die Soldaten Jesus ans Kreuz und mit ihm die beiden Verbrecher, den einen links von Jesus, den anderen rechts.

23,33
Jes 53,12

34Jesus sagte: »Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun.«23,34 Jesus sagte ...: Dieser Versteil fehlt in einigen wichtigen Handschriften.

Dann losten die Soldaten untereinander seine Kleider aus.

23,34
Apg 7,60
Ps 22,19
35Das Volk stand dabei und sah bei der Hinrichtung zu.

Die Ratsmitglieder verhöhnten Jesus: »Anderen hat er geholfen; jetzt soll er sich selbst helfen, wenn er wirklich der ist, den Gott uns zum Retter bestimmt hat!«23,35 wenn er ...: wörtlich wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.

23,35.36.39
Ps 22,8
109,31
Lk 2,11

36Auch die Soldaten machten sich lustig über ihn. Sie gingen zu ihm hin, reichten ihm Essig

23,36
Ps 69,22
37und sagten: »Hilf dir selbst, wenn du wirklich der König der Juden bist!«
23,37-38
Mt 27,11
38Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht: »Dies ist der König der Juden.«

39Einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpfte ihn: »Bist du denn nicht der versprochene Retter?23,39 Wörtlich der Christus. Dann hilf dir selbst und uns!«

40Aber der andere wies ihn zurecht und sagte: »Nimmst du Gott immer noch nicht ernst? Du bist doch genauso zum Tod verurteilt wie er, 41aber du bist es mit Recht. Wir beide leiden hier die Strafe, die wir verdient haben. Aber der da hat nichts Unrechtes getan!«

42Und zu Jesus sagte er: »Denk an mich, Jesus, wenn du deine Herrschaft antrittst!«

23,42
Mk 10,37

43Jesus antwortete ihm: »Ich versichere dir, du wirst noch heute mit mir im Paradies sein.«

Jesus stirbt

(Mt 27,45-56; Mk 15,33-41; Joh 19,28-30)

44-45Es war schon etwa zwölf Uhr mittags, da verfinsterte sich die Sonne und es wurde dunkel im ganzen Land bis um drei Uhr. Dann riss der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel mitten durch,

23,44-45
Mt 24,29
27,51
46und Jesus rief laut: »Vater, ich gebe mein Leben in deine Hände!« Mit diesen Worten starb er.
23,46
nach

47Als der römische Hauptmann, der die Aufsicht hatte,23,47 der die Aufsicht hatte: verdeutlichender Zusatz. dies alles geschehen sah, pries er Gott und sagte: »Wahrhaftig, dieser Mensch war unschuldig, er war ein Gerechter!«

23,47
Apg 3,14

48Auch all die Leute, die nur aus Schaulust zusammengelaufen waren, schlugen sich an die Brust und kehrten betroffen in die Stadt zurück, nachdem sie gesehen hatten, was da geschah.

49Alle Freunde von Jesus aber standen weit entfernt,23,49 Die Formulierung spielt auf Ps 38,12; 88,9 an. auch die Frauen, die seit der Zeit seines Wirkens in Galiläa mit Jesus gezogen waren. Die Frauen sahen dies alles mit an.

23,49
8,2-3
Ps 38,12
88,919

Jesus wird ins Grab gelegt

(Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Joh 19,38-42)

50Es war auch ein Mann da namens Josef. Obwohl Mitglied des jüdischen Rates, war er ein vorbildlicher und gerechter Mensch;

23,50-51
2,25
51er hatte den Beschlüssen und dem Vorgehen der anderen Ratsmitglieder nicht zugestimmt. Er stammte aus der jüdischen Stadt Arimathäa und lebte in der Erwartung, dass Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden werde.23,51 und lebte ...: wörtlich er wartete immerzu auf die Königsherrschaft Gottes.

52Dieser Mann nun ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam von Jesus. 53Dann nahm er den Toten vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Noch nie war jemand darin bestattet worden.

23,53
19,30
54Das geschah am Freitag, unmittelbar vor Beginn des Sabbats.

55Die Frauen, die zusammen mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, folgten Josef. Sie sahen das Grab und waren dabei, als der Leichnam von Jesus hineingelegt wurde.

23,55
8,2-3
56Dann kehrten sie in die Stadt zurück und beschafften sich wohlriechende Salböle. Doch den Sabbat verbrachten sie in Ruhe, wie das Gesetz es vorschreibt.
23,56
Ex 20,8-10

24

Die Frauen am leeren Grab

(Mt 28,1-8; Mk 16,1-8; Joh 20,1-2.11-13)

241Am Sonntagmorgen dann, in aller Frühe, nahmen die Frauen die wohlriechenden Öle, die sie sich beschafft hatten, und gingen zum Grab. 2Da sahen sie, dass der Stein vom Grabeingang weggerollt war. 3Sie gingen hinein, doch der Leichnam von Jesus, dem Herrn, war nicht mehr da.

4Während sie noch ratlos dastanden, traten plötzlich zwei Männer in strahlend hellem Gewand zu ihnen.24,4 Gemeint sind Engel; siehe Anmerkung zu Mk 16,5.

24,4-6
Apg 1,10-11
5Die Frauen fürchteten sich und wagten sie nicht anzusehen; sie blickten zu Boden.

Die beiden sagten zu ihnen: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6Er ist nicht hier; Gott hat ihn vom Tod auferweckt! Erinnert euch an das, was er euch schon in Galiläa gesagt hat:

24,6-7
9,21-22
7›Der Menschensohn muss den Menschen, den Sündern, ausgeliefert und ans Kreuz genagelt werden und am dritten Tag vom Tod auferstehen.‹«

8Da erinnerten sich die Frauen an seine Worte. 9Sie verließen das Grab und gingen zu den Elf und allen Übrigen, die bei ihnen waren, und berichteten ihnen alles.

24,9-11
Mk 16,10-11
10aEs waren Maria aus Magdala und Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus, sowie die anderen Frauen, die mit ihnen am Grab gewesen waren.
24,10a
8,2-3
6,13

Petrus am leeren Grab

(Joh 20,3-10)

10bAls die Frauen den Aposteln sagten, was sie erlebt hatten, 11hielten die es für leeres Gerede und wollten ihnen nicht glauben. 12Nur Petrus stand auf und lief zum Grab. Er schaute hinein und sah dort nichts als die Leinenbinden liegen. Darauf ging er wieder zurück und fragte sich verwundert, was da wohl geschehen war.

Jesus begleitet zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus

13Am selben Tag gingen zwei, die zu den Jüngern von Jesus gehört hatten, nach dem Dorf Emmaus, das zwölf Kilometer von Jerusalem entfernt lag.24,13 Griechische Maßangabe 60 Stadien.

24,13-35
Mk 16,12-13
14Unterwegs unterhielten sie sich über alles, was geschehen war.

15Als sie so miteinander sprachen und alles hin und her überlegten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. 16Aber sie erkannten ihn nicht; sie waren wie mit Blindheit geschlagen.

24,16
Joh 20,14-15
21,4

17Jesus fragte sie: »Worüber redet ihr denn so erregt unterwegs?«

Da blieben sie stehen und blickten ganz traurig drein, 18und der eine – er hieß Kleopas – sagte: »Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nicht weiß, was dort in diesen Tagen geschehen ist?«

19»Was denn?«, fragte Jesus.

»Das mit Jesus von Nazaret«, sagten sie. »Er war ein Prophet; in Worten und Taten hat er vor Gott und dem ganzen Volk seine Macht erwiesen.

24,19
7,16
Apg 2,22
20Unsere führenden Priester und die anderen Ratsmitglieder haben ihn zum Tod verurteilt und ihn ans Kreuz nageln lassen. 21Und wir hatten doch gehofft, er sei der erwartete Retter, der Israel befreien soll!

Aber zu alledem ist heute auch schon der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist!24,21 Dahinter steht die volkstümliche Vorstellung, dass der Lebensgeist eines Verstorbenen noch bis zu drei Tagen den Leichnam umschwebt und eventuell in ihn zurückkehren kann.

24,21
1,68
2,38
19,11
22Und dann haben uns auch noch einige Frauen, die zu uns gehören, in Schrecken versetzt. Sie waren heute früh zu seinem Grab gegangen 23und fanden seinen Leichnam nicht mehr dort. Sie kamen zurück und erzählten, sie hätten Engel gesehen, die hätten ihnen gesagt, dass er lebt.

24Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen und haben alles so gefunden, wie es die Frauen erzählten. Nur ihn selbst sahen sie nicht.«

24,24
24,12
Joh 20,3-10

25Da sagte Jesus zu ihnen: »Was seid ihr doch schwer von Begriff! Warum rafft ihr euch nicht endlich auf zu glauben, was die Propheten gesagt haben? 26Musste der versprochene Retter24,26 Wörtlich der Christus. nicht dies alles erleiden und auf diesem Weg zu seiner Herrschaft gelangen?«

24,26
Apg 14,22

27Und Jesus erklärte ihnen die Worte, die sich auf ihn bezogen, von den Büchern Moses und der Propheten angefangen durch die ganzen Heiligen Schriften.

24,27
24,44

Jesus gibt sich den beiden Jüngern zu erkennen

28Inzwischen waren sie in die Nähe von Emmaus gekommen. Jesus tat so, als wollte er weitergehen.

24,28
Mk 6,48
Offb 3,20
29Aber sie ließen es nicht zu und sagten: »Bleib doch bei uns! Es geht schon auf den Abend zu, gleich wird es dunkel!« Da folgte er ihrer Einladung und blieb bei ihnen.

30Als er dann mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und gab es ihnen.

24,30
9,16
22,19
31Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn. Aber im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.

32Sie sagten zueinander: »Brannte es nicht wie ein Feuer in unserem Herzen, als er unterwegs mit uns sprach und uns den Sinn der Heiligen Schriften aufschloss?« 33Und sie machten sich sofort auf den Rückweg nach Jerusalem.

Als sie dort ankamen, waren die Elf mit allen Übrigen versammelt 34und riefen ihnen zu: »Der Herr ist wirklich auferweckt worden! Er hat sich Simon gezeigt!«

24,34
1 Kor 15,5

35Da erzählten sie ihnen, was sie selbst unterwegs erlebt hatten und wie sie den Herrn erkannten, als er das Brot brach und an sie austeilte.

Jesus zeigt sich dem ganzen Jüngerkreis in Jerusalem

(Joh 20,19-29)

36Während die beiden noch erzählten, stand plötzlich der Herr selbst mitten unter ihnen. Er grüßte sie: »Frieden sei mit euch!«

24,36-39
Mk 16,14-16
24,36
1 Kor 15,5
Lk 2,14

37Sie erschraken und fürchteten sich; denn sie meinten, einen Geist zu sehen.

24,37
Mk 6,49

38Aber er sagte: »Warum seid ihr so erschrocken? Warum kommen euch solche Gedanken? 39Schaut mich doch an, meine Hände, meine Füße, dann erkennt ihr, dass ich es wirklich bin! Fasst mich an und überzeugt euch; ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen wie ich!«

40Während er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße.

24,40
Joh 20,20

41Als sie es in ihrer Freude und Verwunderung noch immer nicht fassen konnten, fragte er: »Habt ihr etwas zu essen hier?«

24,41-43
24,30-31
Joh 21,510
Apg 10,41
42Da gaben sie ihm ein Stück gebratenen Fisch, 43und er nahm es und aß es vor ihren Augen.

Die letzten Worte von Jesus

44Dann sagte er zu ihnen: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: ›Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.‹«

24,44
24,27
45Und er half ihnen, die Heiligen Schriften richtig zu verstehen.
24,45
24,2732

46»Hier steht es geschrieben«, erklärte er ihnen: »Der versprochene Retter24,46 Wörtlich Der Christus. muss leiden und sterben und am dritten Tag vom Tod auferstehen.

24,46
22,67
47Und den Menschen aller Völker muss verkündet werden, dass ihnen um seinetwillen Umkehr zu Gott und Vergebung der Schuld angeboten wird. In Jerusalem muss der Anfang gemacht werden.
24,47
Apg 2,38
5,31
11,18
17,30-31
20,21
48Ihr seid Zeugen geworden von allem, was geschehen ist, und sollt es überall bezeugen!
24,48-49
Apg 5,32
Joh 15,26-27
24,48
Apg 1,8

49Ich aber werde den Geist, den mein Vater versprochen hat, zu euch herabsenden. Wartet hier in der Stadt, bis das eintritt und ihr mit der Kraft von oben gestärkt werdet.«

24,49
4,18

Jesus wird in den Himmel aufgenommen

50Darauf führte Jesus sie aus der Stadt hinaus nach Betanien. Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.

24,50
Sir 50,20-21
51Und während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen und wurde zum Himmel emporgehoben.
24,51
9,51
Apg 1,9
3,21
Mk 16,19

52Sie aber warfen sich vor ihm nieder. Dann kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück.

24,52
Apg 1,12
53Sie verbrachten ihre ganze Zeit im Tempel und priesen Gott.
24,53
Apg 2,46
5,12