Gute Nachricht Bibel (GNB)
10

Die Aussendung der Siebzig

(Mt 9,37-38; 10,16.5-15)

101Danach bestimmte der Herr weitere siebzig Boten10,1 Im Unterschied zu den Zwölf in 9,1-6. Statt siebzig haben viele Handschriften hier und in Vers 17 zweiundsiebzig. Diese Zahl entspricht der Anzahl aller Völker der Erde nach der griechischen Übersetzung von Gen 10 (H siebzig). Aber wenn an eine Sendung an die Völker gedacht wäre, kämen immer zwei Völker auf ein Botenpaar. Die Zahl siebzig entspricht dagegen der Anzahl der Ältesten Israels in Ex 24,1.9; Num 11,16.24. Dies passt dazu, dass die Boten von Jesus hier nur zum Volk Israel gesandt werden. und sandte sie zu zweien aus. Sie sollten vor ihm her in alle Städte und Ortschaften gehen, durch die er kommen würde.

10,1-12
9,1-6

2Er sagte zu ihnen: »Hier wartet eine reiche Ernte, aber es gibt nicht genug Menschen, die helfen, sie einzubringen. Bittet den Herrn, dem diese Ernte gehört, dass er die nötigen Leute schickt!

3Und nun geht! Ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe. 4Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe. Und bleibt unterwegs nicht stehen, um jemand zu begrüßen.

10,4
22,35
2 Kön 4,29

5Wenn ihr in ein Haus kommt, sagt zuerst: ›Frieden sei mit diesem Haus!‹

10,5-6
2,14
6Wenn dort jemand wohnt, der für diesen Frieden bereit ist, wird euer Wunsch an ihm in Erfüllung gehen; andernfalls bleibt er wirkungslos. 7Bleibt in diesem Haus und esst und trinkt, was euch angeboten wird; denn wer arbeitet, hat ein Anrecht auf Lohn. Geht nicht von einem Haus zum andern.
10,7
1 Tim 5,18
1 Kor 9,6-14

8Wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, dann esst, was euch angeboten wird. 9Heilt die Kranken in der Stadt und sagt den Leuten: ›Gott richtet jetzt seine Herrschaft bei euch auf!‹

10,9.11
11,2

10Aber wenn ihr in eine Stadt kommt und niemand euch aufnehmen will, dann geht hinaus auf die Straßen der Stadt und ruft: 11›Sogar den Staub eurer Stadt, der sich an unsere Füße geheftet hat, wischen wir ab und lassen ihn euch da. Aber das sollt ihr wissen: Gott richtet jetzt seine Herrschaft auf!‹

10,11
Apg 13,51

12Ich sage euch: Am Tag des Gerichts wird es den Menschen von Sodom besser ergehen als den Leuten einer solchen Stadt.«

10,12
Mt 10,15

Wer nicht hören will ...

(Mt 11,20-24; 10,40)

13»Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind, die Leute dort hätten schon längst den Sack umgebunden, sich Asche auf den Kopf gestreut und ihr Leben geändert.10,13 ihr Leben geändert: siehe Sacherklärung »Umkehr«.

10,13-14 (Tyrus und Sidon)
Jes 23,1-16
14Am Tag des Gerichts wird es den Bewohnern von Tyrus und Sidon besser ergehen als euch!

15Und du, Kafarnaum, meinst du, du wirst in den Himmel erhoben werden? In den tiefsten Abgrund wirst du gestürzt!

10,15
Jes 14,13-15

16Wer auf euch hört, hört auf mich. Wer euch abweist, weist mich ab. Wer aber mich abweist, weist den ab, der mich gesandt hat.«

10,16
Mt 10,40

Die Rückkehr der Siebzig

17Die Siebzig10,17 Siehe Anmerkung zu Vers 1. kamen zurück und berichteten voller Freude: »Herr, sogar die bösen Geister gehorchen uns, wenn wir uns auf deinen Namen berufen!«

10,17
9,10

18Jesus sagte zu ihnen: »Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

10,18
Jes 14,12
Joh 12,31
Offb 12,9
19Ja, es ist wahr:10,19 Wörtlich Siehe. In Vers 19 wird etwas nachgetragen, was in Vers 9 nicht ausdrücklich zur Sprache kam; vgl. 9,1. Ich habe euch Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zunichtezumachen. Er wird euch nicht das Geringste antun können.
10,19
Mk 16,18
Dtn 8,15
20Aber nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass euch die bösen Geister gehorchen. Freut euch lieber darüber, dass eure Namen bei Gott aufgeschrieben sind!«
10,20
Offb 3,5

Grund zu Freude und Jubel

(Mt 11,25-27; 13,16-17)

21Damals wurde Jesus vom Geist Gottes mit jubelnder Freude erfüllt und rief: »Vater, Herr über Himmel und Erde, du hast angefangen, deine Herrschaft aufzurichten.10,21 du hast angefangen ...: verdeutlichender Zusatz. Das hast du den Klugen und Gelehrten verborgen, aber den Unwissenden hast du es offenbar gemacht. Dafür preise ich dich! Ja, Vater, so wolltest du es haben!

10,21
4,18

22Mein Vater hat mir alle Macht übergeben. Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand den Vater, nur der Sohn – und die, denen der Sohn ihn offenbaren will.«

10,22
Mt 11,27

23Dann wandte sich Jesus zu seinen Jüngern, den Männern und Frauen,10,23 den Männern und Frauen ist verdeutlichender Zusatz; siehe Anmerkung zu 6,17. und sagte: »Ihr dürft euch freuen, dass Gott euch die Augen gab, zu sehen und zu verstehen, was hier geschieht.10,23 Ihr dürft euch ...: wörtlich Selig die Augen, die sehen, was ihr seht. Das Wort ist im Licht der vorausgehenden Stellen 8,10 und 10,21-22 zu lesen. 24Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr jetzt seht, aber sie haben es nicht gesehen. Sie wollten hören, was ihr jetzt hört, aber sie haben es nicht gehört.«

10,24
2,30-31
1 Petr 1,10-12

Das wichtigste Gebot

(Mt 22,34-40; Mk 12,28-31)

25Da kam ein Gesetzeslehrer und wollte Jesus auf die Probe stellen; er fragte ihn: »Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«

10,25
18,18

26Jesus antwortete: »Was steht denn im Gesetz? Was liest du dort?«

27Der Gesetzeslehrer antwortete: »Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller deiner Kraft und deinem ganzen Verstand! Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«

10,27
nach

28»Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Handle so, dann wirst du leben.«

10,28
Lev 18,5
Röm 10,5
Gal 3,12
Mt 19,17
Joh 13,17

Das Beispiel des barmherzigen Samariters

29Aber dem Gesetzeslehrer war das zu einfach,10,29 Wörtlich er wollte sich (d.h. seine Frage) rechtfertigen. und er fragte weiter: »Wer ist denn mein Mitmensch?«

30Jesus nahm die Frage auf und erzählte die folgende Geschichte:

»Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab. Unterwegs überfielen ihn Räuber. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halb tot liegen.

31Nun kam zufällig ein Priester denselben Weg. Er sah den Mann liegen und ging vorbei. 32Genauso machte es ein Levit, als er an die Stelle kam: Er sah ihn liegen und ging vorbei.

33Schließlich kam ein Reisender aus Samarien. Als er den Überfallenen sah, ergriff ihn das Mitleid.

10,33 (Samarien)
9,52
17,1116
Mt 10,5
Joh 4,939-40
Apg 1,8
8,1514-1728
9,31
34Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier und brachte ihn in das nächste Gasthaus, wo er sich weiter um ihn kümmerte.

35Am anderen Tag zog er seinen Geldbeutel heraus, gab dem Wirt zwei Silberstücke und sagte: ›Pflege ihn! Wenn du noch mehr brauchst, will ich es dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.‹«

36»Was meinst du?«, fragte Jesus. »Wer von den dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?«

37Der Gesetzeslehrer antwortete: »Der ihm geholfen hat!«

Jesus erwiderte: »Dann geh und mach du es ebenso!«

Jesus bei Maria und Marta

38Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Dort nahm ihn eine Frau namens Marta gastlich auf.

10,38
Joh 11,1-2
12,1-3

39Sie hatte eine Schwester mit Namen Maria, die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu.

10,39-42
Apg 6,1-4
10,39-40
8,1418
12,2229-31
10,39
8,21
11,28
Apg 16,14
40Marta dagegen war voll damit beschäftigt, das Essen vorzubereiten.

Schließlich trat Marta vor Jesus hin und sagte: »Herr, kümmert es dich nicht, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!«

41Der Herr antwortete ihr: »Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und verlierst dich an vielerlei, 42aber nur eins ist nötig. Maria hat die richtige Wahl getroffen. Sie hat sich für ein Gut entschieden,10,42 die richtige Wahl...: wörtlich den guten Anteil erwählt. Anspielung auf Ps 16,5-6 nach G. Im Hintergrund ist Lk 10,23-24 mitzuhören. das ihr niemand wegnehmen kann.«

10,42
Ps 119,57

11

Über das Beten

(Mt 6,9-13; 7,7-11)

111Einmal hatte sich Jesus zum Gebet zurückgezogen. Als er es beendet hatte, bat ihn einer der Jünger: »Herr, sag uns doch, wie wir beten sollen! Johannes hat es seine Jünger auch gelehrt.«

11,1
5,16

2Jesus antwortete: »Das soll euer Gebet sein:

Vater!

Mach deinen Namen groß in der Welt!

Komm und richte deine Herrschaft auf!

11,2 (Herrschaft Gottes)
4,43
9,26211,2017,21
19,11
Apg 1,6-8
28,23

3Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen.

11,3
12,22-32

4Vergib uns unsere Verfehlungen,

denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig geworden sind.

Und lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden.«

11,4
Mt 6,14-15
Mt 6,13

5Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Stellt euch vor, einer von euch geht mitten in der Nacht zu seinem Freund und bittet ihn: ›Lieber Freund, leih mir doch drei Brote! 6Ich habe gerade Besuch von auswärts bekommen und kann ihm nichts anbieten.‹

7Würde da der Freund im Haus wohl rufen: ›Lass mich in Ruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder liegen bei mir im Bett. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben‹?

11,7-8
18,5

8Ich sage euch, wenn er auch nicht gerade aus Freundschaft aufsteht und es ihm gibt, so wird er es doch wegen der Unverschämtheit jenes Menschen tun und ihm alles geben, was er braucht.

9Deshalb sage ich euch: Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet!

11,9
Mt 7,7
10Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.

11Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn es um einen Fisch bittet? 12Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet? 13So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern guttut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.«

Steht Jesus mit dem Teufel im Bund?

(Mt 12,22-30; Mk 3,22-27)

14Jesus heilte einen Stummen, der von einem bösen Geist besessen war. Als der böse Geist von ihm ausgefahren war, konnte der Mann wieder sprechen. Die Menge staunte,

11,14-15
Mt 9,32-34
15aber einige sagten: »Er kann die bösen Geister nur austreiben, weil Beelzebul, der oberste aller bösen Geister, ihm die Macht dazu gibt.«
11,15
Mt 9,34

16Andere wollten Jesus auf die Probe stellen und verlangten von ihm ein Zeichen vom Himmel als Beweis dafür, dass er wirklich von Gott beauftragt sei.11,16 als Beweis ...: verdeutlichender Zusatz.

11,16
Joh 6,30

17Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: »Jeder Staat, dessen Machthaber einander befehden, muss untergehen, und alle Häuser sinken in Trümmer. 18Wenn nun der Satan mit sich im Streit läge – und das behauptet ihr ja, wenn ihr sagt, ich würde die bösen Geister mithilfe von Beelzebul austreiben –, wie könnte da seine Herrschaft bestehen?

19Und wenn ich die bösen Geister austreibe, weil ich mit Beelzebul im Bund stehe, wer gibt dann euren Leuten die Macht, sie auszutreiben? Eure eigenen Leute werden es sein, die euch das Urteil sprechen!

20Nein, ich treibe die bösen Geister mit dem Finger Gottes11,20 Anspielung auf den Sieg Moses über die ägyptischen Zauberer, die im Wunder wirkenden Stock Moses den Finger Gottes erkannten; vgl. Ex 8,15. aus, und daran könnt ihr sehen, dass Gott schon angefangen hat, mitten unter euch seine Herrschaft aufzurichten.

11,20
11,2

21Solange ein Starker, mit Waffen gut ausgerüstet, seinen Palast bewacht, ist sein Besitz in Sicherheit.

11,21
Jes 49,24
22Sobald aber ein Stärkerer kommt, der ihn besiegt, nimmt der ihm alle Waffen weg, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute, die er bei sich aufgehäuft hat.

23Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer mir nicht sammeln hilft, der zerstreut.«

11,23
9,50

Warnung vor der Rückkehr des ausgetriebenen Geistes

(Mt 12,43-45)

24»Wenn ein böser Geist einen Menschen verlässt, irrt er durch Wüsten und sucht nach einer Bleibe. Wenn er keine findet, sagt er sich: ›Ich gehe lieber wieder in meine alte Behausung!‹ 25Er kehrt zurück und findet alles sauber und aufgeräumt.

26Darauf geht er hin und sucht sich sieben andere böse Geister, die noch schlimmer sind als er selbst, und sie kommen und wohnen dort. So ist dieser Mensch am Ende schlimmer dran als am Anfang.«

11,26
2 Petr 2,20

Wer sich freuen darf ...

27Als Jesus das sagte, rief eine Frau aus der Menge: »Die Frau darf sich freuen, die dich geboren und aufgezogen hat!«

11,27-28
8,19-21

28Aber Jesus erwiderte: »Mehr noch dürfen die sich freuen, die Gottes Wort hören und danach leben!«

Jesus verweigert den gewünschten Beweis

(Mt 12,38-42)

29Als immer mehr Menschen bei Jesus zusammenströmten, sagte er: »Diese Generation ist eine böse Generation. Sie verlangt einen Beweis,11,29 Vgl. Vers 16. aber es wird ihr keiner gegeben werden. Ausgenommen das Wunder, das an Jona geschah – den Beweis wird sie bekommen!

11,29-30
Joh 6,30
30Wie nämlich Jona für die Leute von Ninive zu einem ›Beweis‹ wurde, so wird es der Menschensohn für diese Generation werden.
11,30
Jona 2,111
1,2

31Am Tag des Gerichts wird die Königin aus dem Süden aufstehen und die Menschen dieser Generation schuldig sprechen; denn sie kam vom Ende der Welt, um die weisen Lehren Salomos zu hören. Und hier steht ein Größerer als Salomo!

11,31
1 Kön 10,1-10

32Am Tag des Gerichts werden die Bewohner von Ninive aufstehen und diese Generation schuldig sprechen; denn als Jona sie warnte, haben sie ihr Leben geändert.11,32 ihr Leben geändert: siehe Sacherklärung »Umkehr«. Und hier steht ein Größerer als Jona!«

11,32
Jona 3,5

Jesus als das Licht sehen, empfangen und festhalten

(Mt 5,15; 6,22-23)

33»Niemand zündet eine Lampe an, um sie dann zu verstecken oder unter einen Topf zu stellen. Im Gegenteil, sie kommt auf den Lampenständer, damit alle, die das Haus betreten, das Licht sehen können.11,33 Das Bildwort von der Lampe auf dem Lampenständer erscheint in verschiedenen Zusammenhängen und verschiedenen Deutungen (vgl. 8,16; Mt 5,15; Mk 4,21). Hier ist es von den Versen 29-32 her gesehen und auf Jesus und seine Verkündigung bezogen (vgl. 10,23). Entsprechend spricht Vers 34 von einem Sehvermögen, das sich auf das so verstandene Licht bezieht, und von dessen Folgen für den inneren Menschen.

11,33
8,16

34Dein Auge vermittelt dir das Licht. Ist dein Auge gut, so bist du ganz von Licht durchdrungen; ist es schlecht, so bist du voller Finsternis.

11,34
Apg 26,18
2 Kor 4,6
35Gib also acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist!
11,35
2 Kor 6,14
Eph 5,814
1 Thess 5,5

36Wenn du nun ganz vom Licht durchdrungen bist und nichts mehr an dir finster ist, dann wirst du ganz und gar im Licht sein – so wie du es bist, wenn der Lichtstrahl der Lampe dich trifft.«

Weherufe über die Pharisäer und die Gesetzeslehrer

(Mt 23,1-36)

37Jesus hatte gerade aufgehört zu sprechen, da lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Jesus ging zu ihm ins Haus und setzte sich zu Tisch.

11,37
7,36

38Der Pharisäer war überrascht, als er sah, dass Jesus sich vor dem Essen die Hände nicht wusch.11,38 Es geht nicht um Hygiene, sondern um die kultische Reinheit (vgl. Mk 7,2-3).

11,38-39
Mk 7,2-4

39Da sagte der Herr zu ihm: »So seid ihr Pharisäer! Ihr reinigt sogar noch das Äußere von Becher und Schüssel.11,39 Siehe Anmerkung zu Mt 23,25. Aber ihr selbst seid in eurem Innern voll von Raub und Schlechtigkeit. 40Was seid ihr doch unverständig! Hat Gott, der das Äußere gemacht hat, nicht auch das Innere gemacht? 41Gebt den Armen, was in den Schüsseln ist, und alles ist euch rein!

11,41
12,33

42Weh euch Pharisäern! Ihr gebt Gott den zehnten Teil von allem, sogar noch von Gewürzen wie Minze und Raute und von jedem Gartenkraut. Aber ihr kümmert euch nicht um das Recht eurer Mitmenschen und die Liebe zu Gott. Dies solltet ihr tun, ohne das andere zu vernachlässigen!

11,42
Mt 23,23

43Weh euch Pharisäern! Ihr liebt die Ehrenplätze im Gottesdienst und lasst euch auf der Straße gern respektvoll grüßen.

11,43
20,46

44Weh euch! Ihr seid wie unkenntlich gewordene Gräber, über die die Menschen nichts ahnend hinweggehen und dadurch unrein werden.«11,44 und dadurch unrein werden: verdeutlichender Zusatz; vgl. Num 19,16.

45Einer der Gesetzeslehrer sagte: »Lehrer, damit beleidigst du auch uns!«

46Jesus antwortete: »Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen kaum tragbare Lasten auf, macht aber selbst keinen Finger krumm, um sie zu tragen.

11,46
Apg 15,10-11

47Weh euch! Ihr baut wunderschöne Grabmäler für die Propheten, die von euren Vorfahren umgebracht worden sind.

11,47-48
Mt 5,12
48Damit bezeugt ihr öffentlich, dass ihr mit den Taten eurer Vorfahren einverstanden seid: Sie haben die Propheten umgebracht und ihr baut die Grabmäler.

49Deshalb hat die Weisheit Gottes ja auch über euch gesagt:11,49 über euch ist verdeutlichender Zusatz. Jesus spricht etwas aus, was so in keiner der biblischen Weisheitsschriften überliefert ist. Zur Weisheit als redender Person vgl. Spr 1,20-33; 8,1-34; Sir 24,1-22; Weish 7,27; Lk 7,35. Zu den Propheten im folgenden Satz siehe Sacherklärung »Prophet (3)«. ›Ich werde ihnen Propheten und Apostel senden; sie aber werden einige von ihnen töten und die anderen verfolgen. 50So kommt es dahin, dass diese Generation zur Rechenschaft gezogen wird für die Ermordung aller Propheten seit der Erschaffung der Welt, 51von Abel bis hin zu Secharja,11,51 Zu Secharja siehe Anmerkung zu Mt 23,35. der zwischen Brandopferaltar und Tempelhaus umgebracht worden ist.‹

Ich versichere euch: Diese Generation wird für das alles zur Rechenschaft gezogen werden.

11,51
Gen 4,8-10
2 Chr 24,21

52Weh euch, ihr Gesetzeslehrer! Ihr habt den Schlüssel weggenommen, der die Tür zur Erkenntnis öffnet. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und ihr habt alle gehindert, die hineinwollten.«

11,52
Mt 16,19

53Nachdem Jesus das Haus verlassen hatte, ließen die Gesetzeslehrer und die Pharisäer ihn nicht mehr aus den Augen und achteten genau auf alles, was er sagte. 54Sie lauerten darauf, eine verfängliche Äußerung aus seinem Mund zu hören.

11,54
20,20

12

Warnung vor Scheinheiligkeit

(Mt 10,26-27)

121Inzwischen waren Tausende von Menschen zusammengekommen, so viele, dass sie einander auf die Füße traten. Jesus wandte sich zuerst seinen Jüngern zu, den Männern und Frauen;12,1 den Männern und Frauen: verdeutlichender Zusatz; ebenso in Vers 4 (siehe Anmerkung zu 6,17). er sagte zu ihnen: »Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer – ich meine: Lasst euch nicht von ihrer Scheinheiligkeit anstecken!

12,1
Mk 8,15

2Was verhüllt ist, wird offenbar werden, und was niemand weiß, wird allen bekannt werden.

12,2
8,17
3Deshalb lasst auch ihr euch warnen: Was ihr in der Dunkelheit gesagt habt, werden alle am hellen Tag zu hören bekommen. Was ihr jemand hinter verschlossener Tür ins Ohr geflüstert habt, wird laut in der Öffentlichkeit ausgerufen werden.«

Aufforderung zu furchtlosem Bekennen

(Mt 10,28-33; 12,32)

4»Euch, meinen Freunden, den Männern und Frauen, sage ich: Fürchtet euch nicht vor Menschen! Sie können nur den Leib töten, aber darüber hinaus können sie euch nichts anhaben. 5Ich will euch sagen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nicht nur töten kann, sondern auch noch die Macht hat, euch ins ewige Verderben zu schicken. Ja, ich sage euch, den sollt ihr fürchten!

12,5
Hebr 10,31

6Kauft man nicht fünf Spatzen für zwei Groschen? Und doch kümmert sich Gott um jeden Einzelnen von ihnen. 7Doch bei euch ist sogar jedes Haar auf dem Kopf gezählt. Habt keine Angst: Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Schwarm Spatzen!

12,7
21,18

8Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn am Gerichtstag bekennen vor den Engeln Gottes. 9Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, den wird auch der Menschensohn nicht kennen am Gerichtstag vor den Engeln Gottes.

12,9
9,26

10Wer den Menschensohn beschimpft, kann Vergebung finden. Wer aber den Heiligen Geist beleidigt, wird keine Vergebung finden.12,10 Das Wort richtet sich eher an Außenstehende (vgl. Mt 12,32). Vorausgeblickt wird auf die Zeit nach Pfingsten: Der auf Erden lebende Jesus – auch wenn ihm die Vollmacht des Menschensohnes eigen ist – mag von ihnen noch verkannt und gelästert werden, doch das Kommen des Geistes wird ihn von Gott her bestätigen in einer Eindeutigkeit, die jede weitere Lästerung unverzeihlich macht.

12,10
Mk 3,28-29

11Wenn sie euch vor die Synagogengerichte schleppen und vor andere Richter und Machthaber, dann macht euch keine Sorgen darüber, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt.

12,11-12
21,14-15Mt 10,19-20
Mk 13,11
Apg 4,8
12Denn der Heilige Geist wird euch in dem Augenblick eingeben, was ihr sagen müsst.«

Gegen die Sorge um Reichtum und Lebenssicherung

13Ein Mann in der Menge wandte sich an Jesus: »Lehrer, sag doch meinem Bruder, er soll mit mir das Erbe teilen, das unser Vater uns hinterlassen hat!«12,13 das unser Vater ...: verdeutlichender Zusatz.

14Jesus antwortete ihm: »Freund, ich bin nicht zum Richter für eure Erbstreitigkeiten bestellt!«

15Dann sagte er zu allen: »Gebt acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn der Mensch gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz, auch wenn der noch so groß ist.«

12,15
18,22-251 Tim 6,9-10

16Jesus erzählte ihnen dazu eine Geschichte:

»Ein reicher Grundbesitzer hatte eine besonders gute Ernte gehabt. 17›Was soll ich jetzt tun?‹, überlegte er. ›Ich weiß gar nicht, wo ich das alles unterbringen soll! 18Ich hab’s‹, sagte er, ›ich reiße meine Scheunen ab und baue größere! Dann kann ich das ganze Getreide und alle meine Vorräte dort unterbringen 19und kann zu mir selbst sagen: Gut gemacht! Jetzt bist du auf viele Jahre versorgt. Gönne dir Ruhe, iss und trink nach Herzenslust und genieße das Leben!‹

12,19-20
Ps 49,21
Sir 11,19

20Aber Gott sagte zu ihm: ›Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern! Wem gehört dann dein Besitz?‹«

12,20
Weish 15,8

21Und Jesus schloss: »So steht es mit allen, die für sich selber Besitz aufhäufen, aber bei Gott nichts besitzen.«

12,21
12,33

Die vielen Sorgen und die einzige Sorge

(Mt 6,25-34)

22Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern, den Männern und Frauen:12,22 den Männern und Frauen: verdeutlichender Zusatz; siehe Anmerkung zu 6,17. »Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt!

12,22-32
11,3
23Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung!

24Seht euch die Raben an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Scheune noch Vorratskammer. Aber Gott sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als die Vögel!

12,24
Ps 147,9

25Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern? 26Wenn ihr nicht einmal so eine Kleinigkeit zustande bringt, warum quält ihr euch dann mit Sorgen um all die anderen Dinge?

27Seht euch die Blumen auf den Feldern an, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen.

12,27 (Salomo)
1 Kön 10,1-29
28Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, dann wird er sich erst recht um euch kümmern. Habt doch mehr Vertrauen!
12,28
Mt 14,31

29Zerbrecht euch also nicht den Kopf darüber, was ihr essen und trinken werdet. 30Mit alldem plagen sich Menschen, die Gott nicht kennen.12,30 Menschen, die ...: wörtlich die Völker der Welt; siehe Sacherklärung »Heiden«. Euer Vater weiß, was ihr braucht. 31Sorgt euch nur darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, dann wird er euch schon mit dem anderen versorgen.

32Sei ohne Angst, du kleine Herde! Euer Vater ist entschlossen, euch seine neue Welt12,32 seine neue Welt: wörtlich die Königsherrschaft. zu schenken!«

12,32
Jes 41,14
Lk 22,29

Reichtum bei Gott

(Mt 6,19-21)

33»Verkauft euren Besitz und schenkt das Geld den Armen! Verschafft euch Geldbeutel, die kein Loch bekommen, und sammelt Reichtümer bei Gott, die euch nicht zwischen den Fingern zerrinnen und nicht von Dieben gestohlen und von Motten zerfressen werden.

12,33
11,41
18,22Apg 2,45
4,32-37
34Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.«

Bereit für Gottes neue Welt und das Kommen des Menschensohnes

(Mt 24,43-51)

35»Haltet euch bereit12,35 Wörtlich Eure Hüften seien gegürtet. So lautet bei wörtlicher Übersetzung die Anweisung für die Nacht vor dem Auszug aus Ägypten in Ex 12,11! und lasst eure Lampen nicht verlöschen!

12,35-36
Mt 25,1
36Seid wie Diener und Dienerinnen,12,36 Wörtlich wie Menschen. die auf ihren Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist. Wenn er dann spät zurückkommt und an die Tür klopft, können sie ihm sofort aufmachen.
12,36
Offb 3,20

37Sie dürfen sich freuen, wenn der Herr sie bei seiner Ankunft wach und dienstbereit findet. Ich versichere euch: Er wird sich die Schürze umbinden, sie zu Tisch bitten und sie selber bedienen.

38Vielleicht kommt er erst um Mitternacht oder sogar noch später. Freude ohne Ende ist ihnen gewiss, wenn er sie dann wachend antrifft!

39Macht euch das eine klar: Wenn ein Hausherr im Voraus wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, würde er den Einbruch verhindern.

12,39-40
Mt 24,43
25,13
40So müsst auch ihr jederzeit bereit sein; denn der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, wenn ihr es nicht erwartet.«

Die besondere Verantwortung der Apostel

(Mt 24,45-51)

41Petrus fragte: »Herr, bezieht sich der Vergleich mit dem Hausherrn auf alle oder nur auf uns Apostel?«12,41 Apostel: verdeutlichender Zusatz. Dabei ist zugleich an diejenigen zu denken, die später in der Nachfolge der Apostel die Gemeinden leiten.

42Der Herr antwortete: »Wer ist denn wohl der treue und kluge Verwalter, dem sein Herr den Auftrag geben wird, die Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem pünktlich die Tagesration auszuteilen?

12,42-44
19,17-1916,10
43Er darf sich freuen, wenn sein Herr zurückkehrt und ihn bei seiner Arbeit findet. 44Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für alle seine Güter übertragen.

45Wenn er sich aber sagt: ›So bald kommt mein Herr nicht zurück‹, und anfängt, die Diener und Dienerinnen zu schlagen, üppig zu essen und sich zu betrinken, 46dann wird sein Herr an einem Tag und zu einer Stunde zurückkehren, wenn er überhaupt nicht damit rechnet. Er wird ihn in Stücke hauen und ihn dorthin bringen lassen, wo die Treulosen ihre Strafe verbüßen.

12,46
Offb 21,8

47Der Diener, der die Anweisungen seines Herrn kennt und sie nicht bereitwillig befolgt, wird hart bestraft.

12,47
Jak 4,17
48Ein Diener, der den Willen seines Herrn nicht kennt und etwas tut, wofür er Strafe verdient hätte, wird besser davonkommen. Wem viel gegeben worden ist, von dem wird auch viel verlangt. Je mehr einem Menschen anvertraut wird, desto mehr wird von ihm gefordert.«

Zeit der Entscheidung, Zeit der Entzweiung

(Mt 10,34-36)

49»Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entzünden, und ich wollte, es stünde schon in hellen Flammen. 50Aber ich muss noch eine Taufe auf mich nehmen12,50 Siehe Anmerkung zu Mk 10,38. – hätte ich sie doch schon hinter mir!

12,50
Mk 10,38

51Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden in die Welt zu bringen? Nein, nicht Frieden, sage ich euch, sondern Entzweiung.

12,51
2,14
52Denn so wird es von nun an zugehen: Wenn fünf Menschen in einer Familie zusammenleben, werden drei gegen zwei stehen und zwei gegen drei.
12,52-53
14,2621,16
53Der Vater wird gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater. Die Mutter wird gegen die Tochter sein und die Tochter gegen die Mutter. Die Schwiegermutter wird gegen die Schwiegertochter sein und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.«
12,53
Mi 7,6

Letzte Gelegenheit, sein Leben in Ordnung zu bringen

(Mt 16,2-3; 5,25-26)

54Jesus wandte sich wieder der Volksmenge zu und sagte: »Wenn ihr eine Wolke im Westen aufsteigen seht, sagt ihr gleich: ›Es wird regnen‹, und dann regnet es auch. 55Wenn ihr merkt, dass Südwind weht, sagt ihr: ›Es wird heiß werden‹, und so geschieht es auch.

56Ihr Scheinheiligen! Das Aussehen von Himmel und Erde könnt ihr beurteilen und schließt daraus, wie das Wetter wird. Warum versteht ihr dann nicht, was die Ereignisse dieser Zeit ankündigen?

57Könnt ihr denn nicht von selbst erkennen, worauf es jetzt ankommt? 58Es ist, wie wenn du von deinem Gläubiger vor Gericht geschleppt wirst. Dann gibst du dir doch auch Mühe, die Sache mit ihm in Ordnung zu bringen, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist. Wenn du erst einmal vor Gericht stehst, wird dich der Richter dem Gefängniswärter übergeben, und der bringt dich ins Gefängnis.

12,58
Mt 18,34
59Ich sage dir: Dort kommst du erst wieder heraus, wenn du deine Schuld bis auf den letzten Pfennig bezahlt hast!«