Gute Nachricht Bibel (GNB)
32

DIE REDEN DES VIERTEN FREUNDES

(Kapitel 32–37)

321Die drei Männer gaben es auf, mit Ijob zu reden, weil er sich selbst für unschuldig hielt. 2Aber ein anderer, der dabeistand, Elihu, der Sohn Barachels, ein Busiter aus der Sippe Ram, konnte nun nicht länger an sich halten. Er war zornig auf Ijob, weil der sich im Recht sah und Gott die Schuld zuschob.

32,2
13,18
19,6-7
27,5-6
3Er war aber auch zornig auf die Freunde Ijobs, weil sie es nicht fertigbrachten, Ijob seine Schuld nachzuweisen.
32,3
18,21
20,29
22,5
4Weil Elihu jünger war als die anderen, hatte er sich zurückgehalten, solange sie mit Ijob redeten. 5Doch als er sah, dass sie nichts mehr zu sagen wussten, ließ er seinem Zorn freien Lauf. 6aEr sagte:

Elihus Unwille über Ijob und seine Freunde

6b»Ich bin noch jung, bin nicht so alt wie ihr;

drum hielt ich mich zurück und scheute mich,

mein Wissen vor euch Männern auszubreiten.

7Ich sagte mir: ›Erst soll das Alter reden,

Erfahrung langer Jahre hat den Vortritt.‹

32,7
12,12
Sir 32,7-10

8Doch was den Menschen klug macht, ist der Geist,

der Hauch, den Gott ihm eingeblasen hat.

9Ob einer weise ist, liegt nicht am Alter;

was recht ist, weiß man nicht aufgrund der Jahre.

32,9
Weish 4,8-9

10Deswegen sage ich nun: Hört mir zu,

damit auch ich mein Wissen weitergebe.

11Ich wartete gespannt auf eure Worte;

auf einsichtsvolle Reden hoffte ich,

als ihr euch um die rechte Antwort mühtet.

12Mit aller Sorgfalt hörte ich euch zu,

doch keiner konnte Ijob widerlegen.

13Denkt nicht, es sei der Weisheit letzter Schluss,

dass Gott allein ihn widerlegen könne.

14Ich bin es nicht, den Ijobs Worte treffen,

und eure Antwort würd ich ihm nicht geben!

15Die Luft ist ihnen allen ausgegangen,

vor Schreck fällt keinem etwas Rechtes ein.

16Soll ich nun weiterwarten, weil sie schweigen?

Sie stehen da und wissen nichts zu sagen.

17Jetzt ist’s an mir, die Antwort zu erteilen

und offen darzulegen, was ich weiß.

18Mein Herz ist randvoll angefüllt mit Worten,

der Gottesgeist in mir drängt mich zu reden.

32,18-19
Jer 20,9

19Es gärt in mir wie eingeschlossener Wein;

wenn ich nicht reden darf, dann platze ich!

20Ich halt es nicht mehr aus, es muss heraus,

damit ich endlich wieder Luft bekomme!

21Für niemand werde ich Partei ergreifen

und keinem will ich Schmeichelworte sagen.

32,21-22
13,7-10
Spr 24,23
29,5

22Das liegt mir nicht, ich lass mich nicht drauf ein,

sonst würde mich mein Schöpfer schnell bestrafen.

33

Gott schweigt nicht!

331Du aber, Ijob, hör mir bitte zu

und achte auf die Worte, die ich sage.

2Ich möchte meine Rede jetzt beginnen.

3Mit ruhigem Gewissen spreche ich,

die reine Wahrheit kommt von meinen Lippen.

4Von Gottes Geist bin ich geschaffen worden;

sein Atem33,4 Wörtlich der Atem des Gewaltigen. war’s, der mich ins Leben rief.

33,4
27,3

5Du darfst mir widersprechen, wenn du kannst.

Bring alle deine Gegengründe vor!

6In Gottes Augen sind wir beide gleich,

auch mich hat er aus Lehm geformt wie dich.

7Du brauchst dich also nicht vor mir zu fürchten,

ich setze dich bestimmt nicht unter Druck.

33,7
19,22

8Nun denn, ich selber hab dich sagen hören –

den Klang der Worte hab ich noch im Ohr:

9›Ich weiß von keiner Schuld und keinem Unrecht,

unschuldig bin ich, frei von jedem Tadel.

33,9
11,4
31,1-40

10Doch Gott erfindet immer neue Gründe,

damit er mich als Feind behandeln kann.

33,10
13,24

11Er lässt nicht zu, dass ich mich frei bewege,33,11 Wörtlich Er legt meine Füße in den Block.

argwöhnisch überwacht er jeden Schritt.‹

33,11
7,19
13,27

12Ich muss dir sagen, Ijob, du hast unrecht.

Mit Menschenmaß lässt Gott sich niemals messen!

13Was hast du ihm denn letztlich vorzuwerfen?

Dass er zu allen deinen Fragen schweigt?

14Gott redet doch! Er tut es immer wieder,

mal sanft, mal hart – man achtet nur nicht drauf!

15Zur Nachtzeit, wenn die Menschen ruhig schlafen,

in tiefem Schlummer auf den Betten liegen,

dann redet Gott durch Träume und Visionen.

33,15
4,13-17
1 Kön 3,5
Dan 2,128-29

16Er öffnet ihre Ohren, dass sie hören;

mit Nachdruck warnt er sie vor ihrem Tun,

33,16
36,10

17damit er sie von ihrer Bosheit abbringt

und ihnen jeden Grund nimmt, stolz zu sein.

18So rettet er ihr Leben vor dem Grab

und hindert sie, in seinen Speer zu laufen.

19Gott mahnt die Menschen auch durchs Krankenlager,

wenn jemand Schmerz in allen Gliedern fühlt.

33,19
36,15

20Du magst kein Essen sehn vor lauter Ekel,

sogar beim Leibgericht packt dich der Brechreiz.

21Zusehends nimmst du ab, dein Fleisch verschwindet,

sodass man alle Knochen zählen kann.

33,21
16,8

22Dem Rand des Grabes kommst du immer näher,

schon will der Tod nach deinem Leben greifen.

23Vielleicht kommt dann ein Engel dir zu Hilfe,

nur einer von den tausend Gottesboten,

die kundtun, was für Menschen richtig ist.

24Vielleicht erbarmt der Engel sich und sagt:

›Lass ihn noch nicht ins Grab hinunterfahren!

Ich hab das Lösegeld für ihn bekommen!‹

25Dann wird dein Körper wieder frisch und stark,

genauso wie in deiner Jugendzeit.

33,25
Ps 103,5

26Dann betest du zu Gott und wirst gehört;

voll Freude trittst du hin vor deinen Herrn,

der dich nun wieder angenommen hat.

27Vor aller Welt bekennst du dann voll Dank:

›Gesündigt hatte ich, das Recht verdreht,

doch Gott hat mir die Schuld nicht heimgezahlt.

33,27
Ps 103,10

28Vom Rand des Grabes hat er mich gerettet

und mir erlaubt, dass ich am Leben bleibe.‹

29Gott tut dies alles immer, immer wieder;

so handelt er im Leben jedes Menschen,

30um ihn vom sicheren Grab zurückzubringen

und ihm die Lebensfreude zu erhalten.

33,30
Ps 30,4

31Du, Ijob, achte gut auf meine Worte!

Bleib still und lass mich weiter zu dir reden!

32Doch wenn du etwas einzuwenden hast,

dann sprich; ich gäbe dir so gerne recht.

33Wenn nicht, dann schweig und hör mir weiter zu,

dass ich dir zeigen kann, was Weisheit ist.«

34

Du kannst Gott kein Unrecht vorwerfen!

341Weiter sagte Elihu:

2»Ihr klugen Männer, hört auf meine Rede!

Ihr habt Erfahrung; darum hört mir zu!

3›Der Gaumen prüft, ob eine Speise schmeckt;

genauso muss das Ohr die Worte prüfen.‹

4Lasst uns den Fall gemeinsam untersuchen!

Was recht und gut ist, müssen wir erkennen.

5Denn Ijob hat gesagt: ›Ich bin im Recht;

doch Gott verweigert mir die Anerkennung.

34,5
27,2
31,6

6Das Urteil über mich hat er gefälscht,34,6 So mit veränderten Vokalen; H Ich lüge gegen mein Recht.

sein Pfeil bringt mir den Tod ganz ohne Schuld!‹

34,6
6,4

7Ihr sagt: ›Wo ist ein Mann wie dieser Ijob?

Er lästert Gott, wie wenn er Wasser trinkt.

34,7
15,16

8Er fühlt sich wohl im Kreise der Verbrecher

und hat Gemeinschaft mit den Feinden Gottes.

9Er sagt doch selbst: Der Mensch hat nichts davon,

wenn er sich stets um Gottes Freundschaft müht.‹

10Drum hört mir zu, ihr Männer mit Verstand!

Es ist nicht möglich, dass Gott Unrecht tut,

dass der Gewaltige das Recht verdreht!

34,10.12
8,3

11Der Mensch bekommt von Gott, was er verdient;

entsprechend seinem Tun vergilt er ihm.

34,11
Spr 24,12

12Gott tut gewiss kein Unrecht, nie und nimmer!

Er, der Gewaltige, verdreht kein Recht!

13Hat denn ein anderer ihm die Macht gegeben?

Wer hat ihm diese Erde anvertraut?

14Wenn Gott tatsächlich an sich selber dächte

und hielte seinen Lebenshauch zurück,

34,14-15
12,10
Ps 104,29

15dann würden alle Lebewesen sterben,

im Augenblick zu Staub und Asche werden.

16Wenn du Verstand hast, Ijob, dann pass auf

und höre auch auf das, was ich jetzt sage!

17Verklagst du Gott, den Großen und Gerechten?

Meinst du, dass er ein Feind des Rechtes ist?

Wie könnte er dann diese Welt regieren?

34,17
Gen 18,25

18Nur Gott kann einen König Nichtsnutz nennen34,18 Nur Gott kann ...: mit einer Handschrift und den alten Übersetzungen; H Ist es recht (... zu nennen)?

und zu den Großen sagen: ›Ihr Verbrecher!‹

19Nur er nimmt keine Rücksicht auf die Fürsten,

zieht keinen Reichen einem Armen vor;

denn alle sind Geschöpfe seiner Hände.

34,19
Dtn 10,17

20Sie sterben plötzlich, mitten in der Nacht.

Das Volk gerät in Aufruhr, Starke weichen;

kein Mensch erhebt die Hand, doch sie sind fort.

34,20
Ex 12,29
Lk 12,20

21Gott überwacht die Wege jedes Menschen

und sieht genau, was einer unternimmt.

34,21
31,4
Ps 33,14-15
Jer 32,19

22Für ihn ist keine Dunkelheit so dunkel,

dass Unheilstifter sich verstecken könnten.

34,22
Ps 139,11-12

23Gott braucht auch keine lange Untersuchung,

um einen Menschen vor Gericht zu ziehen.

24Er muss die Mächtigen nicht erst verhören,

um sie durch andere Leute zu ersetzen.

25Weil Gott genau auf ihre Taten achtet,

kann er sie über Nacht zugrunde richten.

26Auf öffentlichem Platz bestraft er sie

vor aller Welt, genauso wie Verbrecher.

27Das tut er, weil sie ihm nicht folgen wollten

und seinen Willen nie beachtet haben.

28So zwangen sie die Armen und Geringen,

zu Gott zu schreien, ihm ihr Leid zu klagen.

Und Gott hat ihren Hilferuf gehört!

29Doch wenn er sich entschlösse, nichts zu tun,

dann könnte niemand ihn dafür verdammen.

Und wenn er sich verbirgt, dann sieht ihn keiner.

Was könnten Menschen oder Völker tun,

30wenn Gott es wollte, dass ein Volksverführer,

der kein Gewissen hat, ihr König würde?34,30 Deutung des hebräischen Textes unter Änderung der Vokale.

31Wenn jemand Gott die Schuld bekennt und sagt:

›Ich habe mich verfehlt, ich tu’s nie wieder!

32Zeig mir die Fehler, die ich selbst nicht sehe.

Das Unrecht, das ich tat, ich tu’s nicht mehr‹ –

33willst du dann immer noch, dass Gott ihn straft,

weil du ihn ja bereits verurteilt hast?

Nicht ich muss das entscheiden, sondern du!

Nun lass uns hören, was du selber denkst!

34Wer Einsicht hat, der stimmt mir sicher zu;

und jeder Weise, der mir zuhört, sagt:

35›Viel Wissen zeigt sich nicht in Ijobs Worten,

sein Reden hat doch weder Hand noch Fuß.

36Ihr müsst ihn noch viel besser hinterfragen!

Er redet wie ein Mensch, der Gott nicht kennt.

37Zu seinen Sünden fügt er Rebellion;

in unserer Mitte sät er Zweifel aus

und häuft die bösen Worte gegen Gott.‹«