Gute Nachricht Bibel (GNB)
15

Der erste Freund: Kein Mensch ist schuldlos

151Da sagte Elifas von Teman:

2-3»Das alles, Ijob, ist doch nichts als Wind!

Was du da von dir gibst, sind leere Worte!

Hat einer wirklich Weisheit und Verstand,

wird er nicht sinnlos oder unnütz reden.

4Du untergräbst das Fundament des Glaubens,

machst frommes Leben ganz und gar unmöglich!

5Es ist die Schuld, die dich so reden lässt,

auch wenn du sie mit schlauen Worten leugnest.

6Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich;

du selbst belastest dich mit jedem Wort.

7Bist du als erster Mensch geboren worden?

Warst du schon da, als Gott die Berge schuf?

15,7
38,421

8Gehörtest du zu seiner Ratsversammlung

und bist in seine Pläne eingeweiht?

15,8
Jer 23,18
Röm 11,34

9Von welchen Dingen weißt du mehr als wir?

Was kennst du, das uns fremd geblieben ist?

10Im Kreis der Weisen gibt’s ergraute Männer,

die älter wurden als dein eigener Vater.

11Du lehnst es ab, wenn Gott dich trösten will,

wenn wir statt seiner ruhig mit dir reden.

12Warum nur regst du dich so schrecklich auf

und lässt so wütend deine Augen rollen?

13Du richtest deinen Ärger gegen Gott

und klagst ihn an mit lästerlichen Worten.

14Meinst du im Ernst, es gäbe einen Menschen,

der rein und schuldlos ist vor seinem Gott?

15,14
4,17

15Nicht einmal seinen Engeln15,15 Wörtlich Heiligen. kann er trauen,

und auch der Himmel ist für ihn nicht rein.

15,15
4,18
25,5

16Der Mensch gar ist abscheulich und verdorben;

das Unrecht ist ihm ebenso alltäglich,

wie wenn er einen Becher Wasser trinkt.

17Ich will dich unterweisen, hör mir zu!

Was ich gesehen habe, sag ich dir.

15,17
32,10
36,2

18Von weisen Leuten hab ich es gelernt

und diese hatten es von ihren Vätern.

19Das Land gehörte ihnen noch allein,

kein Fremder konnte sie von Gott abbringen.15,19 konnte sie ...: wörtlich zog unter ihnen umher.

20Der skrupellose Unterdrücker zittert

sein Leben lang aus Angst vorm letzten Tag.

15,20-24
18,11-14

21In seinen Ohren gellen Schreckensstimmen;

im tiefsten Frieden wartet er auf Räuber;

22er hofft nicht mehr, dem Dunkel zu entrinnen;

das Schwert scheint über seinem Kopf zu schweben;

23schon sieht er Geier seinen Leichnam fressen.15,23 schon sieht er ...: vermutlicher Text; H Er irrt umher nach Brot, wo?

Er weiß, der Untergang15,23 der Untergang: mit G; H in seiner Hand (ein Tag der Finsternis). ist ihm gewiss;

der Tag der Finsternis

24stürzt ihn in Schrecken;

verzweiflungsvolle Angst rückt auf ihn zu,

bereit zum Angriff wie ein starker König.

25So geht’s dem Mann, der seine Fäuste ballt,

Gott, dem Gewaltigen, den Krieg erklärt.

26-27Weil er von Kraft und von Gesundheit strotzt,

nimmt er den großen, schweren Schild zur Hand

und macht den Nacken steif zum Sturm auf Gott.

28Er zieht in Häuser, die verlassen wurden,

baut Städte auf, die Trümmer bleiben sollten,

und fürchtet nicht den Fluch, der darauf lastet.

So trotzt er Gott und fordert ihn heraus.15,28 und fürchtet nicht ...: verdeutlichender Zusatz; vgl. Jos 6,26; 1 Kön 16,34.

15,28
Jos 6,26

29Was solch ein Mensch besitzt, ist nicht von Dauer;

er wird hier auf der Erde niemals reich;

30der dunklen Totenwelt entgeht er nicht.

Er gleicht dem Baum: Das Feuer frisst die Zweige,

am Ende fegt ihn Gottes Atem fort.

31Wer sich mit falschen Werten selber täuscht,

darf nicht enttäuscht sein über falschen Lohn.

32Noch vor der Zeit verwelkt er wie ein Zweig15,32 verwelkt er (wie ein Zweig): mit alten Übersetzungen; H er wird angefüllt/ausgezahlt.

und trägt nie wieder frisches, grünes Laub.

33Er bringt sich um den Lohn, so wie ein Weinstock,

der seine Trauben unreif fallen lässt,

und wie ein Ölbaum, der die Blüten abstößt.

34So fruchtlos bleibt die ganze böse Sippschaft

und ihre Häuser wird das Feuer fressen,

denn mit Bestechung wurden sie gebaut.

35Mit unheilvollen Plänen gehn sie schwanger,

und Unglück ist es, was sie dann gebären;

Enttäuschung bringen sie hervor, sonst nichts!«

15,35
Ps 7,15

16

Ijob: Gott behandelt mich ungerecht

161Ijob antwortete:

2»Von dieser Art hab ich genug gehört!

Nur Last ist euer Trost für mich, nicht Hilfe!

3Machst du nun endlich Schluss mit dem Gerede?

Was reizt dich denn, mir ständig zu erwidern?

4Wenn ihr jetzt hier an meiner Stelle wärt,

dann könnte ich genau dasselbe sagen.

Ich könnte meinen Kopf sehr weise schütteln

und euch mit schönen Sprüchen reich bedenken.

5Ich gäb euch neue Kraft – mit meinem Mund;

ich zeigte euch mein Mitleid – mit den Lippen.

6Mein Reden lässt die Schmerzen nicht verschwinden;

doch schweige ich, so wird mir auch nicht leichter.

7Gott hat sein Ziel erreicht: Ich bin am Ende,

rings um mich ist es menschenleer geworden.

8Er gräbt mir tiefe Falten ins Gesicht,

bis zum Gerippe bin ich abgemagert;

und all das muss nun meine Schuld beweisen.

16,8
19,2028
33,1921

9Voll Zorn starrt er mich an, knirscht mit den Zähnen

und reißt mir alle Glieder einzeln aus.

10Die Leute rotten sich um mich zusammen,

sie reißen ihre Mäuler auf und spotten,

sie schlagen mir voll Feindschaft ins Gesicht.

16,10-11
30,9-14
Ps 22,13-19

11Gott hat mich an Verbrecher ausgeliefert,

mich schlimmen Schurken in die Hand gegeben.

12Aus meinem Frieden riss er mich heraus,

er packte mich im Nacken, warf mich nieder.

Dann nahm er mich als Ziel für seine Pfeile,

16,12-13
6,4

13die mich von allen Seiten dicht umschwirren.

Erbarmungslos durchbohrt er meine Nieren,

lässt meine Galle auf die Erde fließen.

14Er schlägt mir eine Wunde nach der andern,

so wie ein Kriegsheer Breschen in die Mauer.

15Das Trauerkleid ist meine zweite Haut,

besiegt und kraftlos liege ich im Staub.

16Ganz heiß ist mein Gesicht vom vielen Weinen,

die Augen sind umringt von dunklen Schatten.

17Und doch, an meinen Händen klebt kein Unrecht

und mein Gebet ist frei von Heuchelei!

16,17
31,1-34
11,4
Jes 1,15

18Hör mich, du Erde, deck mein Blut nicht zu,

damit sein Schreien nicht zur Ruhe kommt!

16,18
Gen 4,10
Ez 24,7-8
Jes 26,21

19Im Himmel muss doch einer für mich aufstehn,

der dort mein Recht vertritt und für mich bürgt.

16,19
17,3
19,25

20Von meinen Freunden hab ich nichts als Hohn,

doch unter Tränen blick ich hin zu Gott.

21Gott, der mein Freund ist, muss mir Recht verschaffen

und Gott, den Feind, in seine Schranken weisen.16,21 Der Vers ist nicht sicher zu deuten; wörtlich (blicke ich zu Gott) dass er einem Mann Recht schaffe gegen Gott und einem Menschen gegen seinen Gefährten.

22Es eilt, denn meine Jahre sind gezählt,

bald gehe ich die Straße ohne Rückkehr.

16,22
10,21

17

Von allen verlassen und verhöhnt

171Das Atmen fällt mir schwer, mein Leben endet,

der Docht verglimmt, mein Grab ist schon geschaufelt.

2Rings um mich höre ich den Hohn der Spötter,

auch nachts lässt ihr Gezänk mich nicht mehr schlafen.

3Du forderst Bürgschaft, Gott? Sei du mein Bürge!

Wer sonst legt seine Hand für mich ins Feuer?

17,3
16,19

4Du hast ihr Herz versperrt für jede Einsicht;

drum wirst du sie nicht triumphieren lassen.

5Machst du es so wie jener Mann im Sprichwort,

der seine Freunde einlädt und beschenkt

und seine eigenen Kinder hungern lässt?

6Doch jetzt bin ich die Spottfigur der Leute,

ich werde angespuckt; Gott stellt mich bloß.

17,6
30,9

7Vor Kummer ist mein Auge fast erblindet,

ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst.

8Ihr haltet euch für redlich, seid entsetzt;

ihr meint, ihr hättet keine Schuld, erregt euch,

in euren Augen bin ich ein Verbrecher.

9Ihr seid gerecht und lasst euch nicht beirren,

seid rein und schuldlos, fühlt euch nur bestärkt.17,9 Die Verse 8-9 sind wörtlich eine allgemeine Aussage über die Redlichen, Gerechten usw. Die Übersetzung versucht, diese Aussage mit dem Vorausgehenden und Folgenden zu verbinden.

10Kommt doch, kommt ruhig alle wieder her;

bei euch ist doch nicht einer mit Verstand!

11Vorbei sind meine Tage; meine Pläne,

die Wünsche meines Herzens, sind zunichte.

12Die Freunde sagen mir, die Nacht sei Tag;

das Licht sei mir ganz nah, behaupten sie,

obwohl die Finsternis mich überfällt.

17,12
11,17

13Mir bleibt als Wohnstatt nur die Totenwelt,

im Dunkel dort kann ich mich niederlegen.

14Das kalte Grab – ich nenn es meinen Vater,

die Maden meine Mutter, meine Schwestern.

15Da sollte es für mich noch Hoffnung geben?

Kann jemand nur ein Fünkchen davon sehen?

16Sie steigt mit mir hinunter zu den Toten17,16 mit mir ...: mit veränderten Vokalen; H unklar.

und wird dort mit mir in den Staub gelegt.«