Gute Nachricht Bibel (GNB)
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Der Krieg Nebukadnezzars gegen Arphaxad

11Der große König Nebukadnezzar stand in seinem zwölften Regierungsjahr. Er herrschte über die Assyrer in der großen, weltbekannten Stadt Ninive.1,1 Die Angaben sind nicht im Sinn einer strengen Tatsachenschilderung zu verstehen. Nebukadnezzar war König von Babylon (605–562 v.Chr.) und nicht König der Assyrer in deren Hauptstadt Ninive. Ninive war schon 612 v.Chr. von Nabopolassar, dem Vater Nebukadnezzars, zerstört worden. Doch hatten die Assyrer 722 v.Chr. das Nordreich Israel vernichtet und der babylonische König Nebukadnezzar hatte 586 v.Chr. Jerusalem zerstört und das Volk von Juda nach Babylonien in die Verbannung geführt. Der »Assyrerkönig Nebukadnezzar« im Buch Judit ist von daher zu verstehen als die Zusammenfassung und Verkörperung aller widergöttlichen heidnischen Weltmächte. Mit seinem Titel »Herr der ganzen Welt« beansprucht er den Platz, der Gott allein zusteht (2,5 u.ö.; vgl. 3,8), und stürzt die ganze Welt ins Unglück. Er ist mit dem »Antichrist« im Neuen Testament zu vergleichen. König über die Meder war zu dieser Zeit Arphaxad; er herrschte in der Stadt Ekbatana.

2Arphaxad hatte Ekbatana mit einer mächtigen Stadtmauer umgeben. Sie war 35 Meter hoch und 25 Meter dick und bestand aus behauenen Steinblöcken, jeder 3 Meter lang und eineinhalb Meter breit. 3Die Stadttore hatte er mit 50 Meter hohen Türmen geschützt, die an den Fundamenten 30 Meter breit waren. 4Die Tordurchgänge waren 35 Meter hoch und 20 Meter weit, sodass die Formationen der schwer bewaffneten Kerntruppen und der leicht bewaffneten schnellen Einheiten ungehindert durch sie ausrücken konnten.

5In eben diesem Jahr eröffnete Nebukadnezzar den Krieg gegen Arphaxad. In der großen Ebene, in der die Stadt Ragau1,5 Wohl die antike Stadt dieses Namens im Norden des persischen Hochlandes, nicht das aus Tob 1,14; 4,1 usw. bekannte Rages. liegt, kam es zur entscheidenden Schlacht. 6Doch zuvor geschah Folgendes: Alle umliegenden Völker schlossen sich Arphaxad an: die Männer des armenischen Berglandes und alle, die an den Strömen Eufrat, Tigris und Hydaspes1,6 Wahrscheinlich der Choaspis (= Kercha); siehe Farbkarte »Der Alte Orient«, G 3/4. und in dem Flachland wohnen, über das der Elamiterkönig Arioch herrschte. Ein Aufgebot aus vielen Völkern sammelte sich, um den Medern Beistand zu leisten.

7In dieser Lage schickte Nebukadnezzar überallhin Boten: in östlicher Richtung zu den Persern, in westlicher Richtung nach Kilikien und Damaskus, zum Libanon und Antilibanos und bis an die Küste des Mittelmeeres, 8zum Karmelgebirge und ins Bergland Gilead, sodann ins obere Galiläa und in die große Ebene von Jesreel, 9in die Städte Samariens und das ganze Gebiet westlich des Jordans bis nach Jerusalem und weiter nach Batane, Chelus1,9 Zwei Städte südlich von Jerusalem an der Bergstraße nach Ägypten. und Kadesch, zur Grenze Ägyptens und schließlich nach Tachpanhes und Ramses und zu den Bewohnern des Landes Goschen, 10ja sogar über Zoan und Memfis hinaus nilaufwärts durch ganz Ägypten bis hin zur Grenze Äthiopiens.

11Aber niemand auf der ganzen Erde beachtete den Aufruf des Assyrerkönigs Nebukadnezzar, keiner dachte daran, mit ihm in den Krieg zu ziehen. Sie hatten alle keinen Respekt vor ihm, denn er war in ihren Augen nicht mehr als ein auf sich allein gestellter1,11 Nach anderer Überlieferung ein ganz gewöhnlicher. Mann. Seine Boten wurden verhöhnt und mussten erfolglos abziehen.

12Da geriet Nebukadnezzar in Wut über alle diese Länder und er schwor bei seinem Thron und Reich, an ihnen ein unbarmherziges Strafgericht zu vollstrecken und alle Menschen dort umzubringen – in Kilikien, in Damaskus und Syrien, in Moab und Ammon, in ganz Judäa und in Ägypten bis hinauf zu den Quellflüssen des Nils.

13Im 17. Jahr seiner Regierung trat dann Nebukadnezzar allein mit seinem Heer gegen König Arphaxad an. Er besiegte ihn und jagte sein ganzes Heer mitsamt der Reiterei und allen Streitwagen in die Flucht. 14Er eroberte seine Städte und drang bis Ekbatana vor. Seine Kriegsleute besetzten die Türme, plünderten die Basare und verwandelten die ganze herrliche Stadt in einen armseligen Trümmerhaufen.

15Nebukadnezzar stellte Arphaxad im Bergland von Ragau, durchbohrte ihn mit seinen Speeren und machte ein Ende mit ihm. 16Dann kehrte er mit seinem ganzen gewaltigen Heer nach Ninive zurück. Dort feierte er zusammen mit seinen Soldaten bei Ess- und Trinkgelagen hundertzwanzig Tage lang seinen Sieg.

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Der Krieg Nebukadnezzars gegen die Völker des Westens

21Im 18. Jahr seiner Regierung, am 22. Tag des ersten Monats, machte Nebukadnezzar in seinem Palast seine Absicht bekannt, das Strafgericht an der ganzen Erde zu vollstrecken, wie er es angedroht hatte. 2Er ließ seine Minister und Ratgeber zusammenrufen, eröffnete ihnen den Plan, den er bei sich gefasst hatte, und verhängte mit seinem Machtwort Tod und Verderben über die Erde.

2,2
Jes 14,13-15
3Auch seine Ratgeber waren der Meinung, man müsse alle Menschen, die dem König nicht gehorcht hatten, vernichten.

4Der Assyrerkönig Nebukadnezzar ließ nach dieser Beratung Holofernes zu sich rufen. Holofernes war der Oberbefehlshaber des Heeres und nach dem König der zweite Mann im Staat. Nebukadnezzar sagte zu ihm:

5»Der große König, der Herr der ganzen Welt, ordnet hiermit an: Du machst dich sofort auf den Weg und nimmst Männer mit, die auf ihre eigene Kraft vertrauen, 120000 Soldaten zu Fuß und 12000 Reiter.

2,5
6,4
6Mit ihnen ziehst du gegen die ganzen Länder im Westen, die meinem Befehl nicht gehorcht haben.

7Du dringst in die Länder ein und machst überall bekannt: ›Haltet eine Handvoll Erde und eine Schale mit Wasser bereit für den großen König, zum Zeichen, dass ihr euch ihm unterwerft!2,7 Die Lebenselemente – Ackerboden und Wasser, ohne das nichts gedeiht – werden in die Hand des Eroberers gelegt. Er selbst wird kommen! Sein Zorn ist groß! Er wird die ganze Erde mit den Füßen seiner Krieger zerstampfen und ihnen alles zur Plünderung freigeben! 8Eure Verwundeten werden die Täler füllen; jeder Bach, jeder Fluss wird verstopft sein mit Toten! 9Und wen er gefangen nimmt, den verschleppt er bis ans Ende der Welt!‹

10Du sollst also hinziehen und die ganzen Länder für mich besetzen. Sie müssen sich dir unterwerfen und du hältst sie mir bereit für den Tag, an dem ich mit ihnen abrechne. 11Wenn dir aber ein Volk Widerstand leistet, musst du es auf der Stelle bestrafen. Gib es der Abschlachtung und Plünderung preis, überall wo du hinkommst!

12So gewiss ich lebe und König bin: Was ich angekündigt habe, das tue ich auch, und das mit eigener Hand! 13Du aber, Holofernes, wage nicht, eine einzige Anordnung deines Herrn zu übertreten! Führe genau aus, was ich dir befohlen habe, und fang sofort damit an!«

Holofernes beginnt den Krieg im Auftrag Nebukadnezzars

14Holofernes ging vom König weg und machte sich ans Werk. Er rief die Befehlshaber, Generäle und Offiziere des assyrischen Heeres zu sich. 15Wie sein Herr es befohlen hatte, wählte er für seinen Kriegszug tüchtige Männer aus, 120000 Soldaten zu Fuß und 12000 berittene Bogenschützen, 16und teilte sie in Kampfgruppen ein.

17Zum Transport des Kriegsgeräts und Gepäcks ließ er eine Unmenge von Kamelen, Eseln und Maultieren herbeischaffen, und zur Verpflegung der Truppe wurden unübersehbare Herden von Schafen, Rindern und Ziegen zusammengetrieben. 18Alle Kriegsleute erhielten reichlich Proviant. Für ihre Besoldung wurde Gold und Silber aus dem königlichen Schatz in großen Mengen mitgeführt.

19Dann brach Holofernes auf, um König Nebukadnezzar vorauszuziehen und alle Länder im Westen mit seiner riesigen Heeresmacht zu bedecken, mit seinen Wagen, Reitern und marschierenden Kolonnen. 20Auch Hilfstruppen aus anderen Völkern schlossen sich an, Menschenmengen wie Heuschreckenschwärme, unzählbar wie der Sand in der Wüste.

2,20
Ri 6,5
7,12

21Drei Tagesmärsche von Ninive entfernt erreichte das Heer die Ebene, in der die Stadt Bektilet (Mordhausen) liegt. Jenseits von Bektilet, am Fuß der östlichen Ausläufer des Taurusgebirges, schlugen sie ein Lager auf. 22Von hier aus drang Holofernes mit seiner ganzen Heeresmacht, den Fußtruppen, Reitern und Streitwagen, ins Bergland von Kleinasien vor. 23Im äußersten Westen Kleinasiens verwüstete er die Länder der Karer und Lyder. Auf dem Rückweg schwenkte er nach Süden und plünderte das Gebiet am Orontes und das Gebiet der Ismaeliter, die südlich vom Wohngebiet der Cheleer am Rand der syrischen Wüste leben.2,23 am Orontes: wörtlich der Leute von Rassis (= Rossos?). Die Cheleer lebten südlich von Palmyra.

24Dann setzte er über den Eufrat und durchzog das obere Mesopotamien. Alle befestigten Städte am Fluss Habor wurden dem Erdboden gleichgemacht. Danach wandte Holofernes sich erneut den Ländern am Mittelmeer zu. 25Im Norden besetzte er das Gebiet von Kilikien und machte alles nieder, was noch Widerstand leistete. Dann zog er nach Süden in das Gebiet von Jafet am Rand der arabischen Wüste. 26Seine Truppen umzingelten alle Midianiter in ihrem Weidegebiet, brannten die Zelte nieder und nahmen ihnen die Herden ab.

27Schließlich zog Holofernes mit seinem Heer in die Ebene von Damaskus. Es war kurz vor Beginn der Weizenernte. Er ließ die Kornfelder in Brand setzen und den ganzen Viehbestand – Schafe, Ziegen und Rinder – niedermetzeln. Die Städte wurden ausgeplündert, die Ländereien verwüstet und alle wehrfähigen jungen Männer wurden mit dem Schwert niedergemacht.

2,27
Dtn 20,19

Israels Nachbarn bitten um Frieden

28Da packte die Menschen entlang der Küste das Entsetzen. In den großen Städten am Meer, Sidon und Tyrus, Dor und Akko, Jamnia, Aschdod und Aschkelon, verbreiteten sich Furcht und Schrecken vor Holofernes.

3

31Sie schickten Boten zu Holofernes, die sollten ihn um Frieden bitten und sagen: 2»Wir sind Sklaven des großen Königs Nebukadnezzar und werfen uns vor dir zu Boden. Mach mit uns, was du willst! 3Unsere Dörfer und Höfe, der Weizen auf den Feldern, alle Schafe und Rinder samt dem Weideland stehen dir zur Verfügung. Mach damit, was du willst! 4Auch unsere Städte gehören dir, ihre Bewohner sind deine Sklaven. Komm und mach mit ihnen, was du für gut hältst.«

5Die Männer kamen zu Holofernes und brachten ihm diese Botschaft. 6Da zog er mit seinen Truppen in die Küstenebene hinunter, legte Besatzungen in die befestigten Städte und nahm die besten von den jungen Männern für sein Heer. 7Die Leute aus den Städten und der ganzen Umgebung empfingen ihn mit Kränzen und tanzten vor ihm zum Takt der Handpauken.

8Holofernes aber ließ alle ihre Heiligtümer zerstören und ihre heiligen Bäume umhauen; denn er hatte von Nebukadnezzar den Auftrag erhalten, alle Götter der Erde abzuschaffen. Die Völker der Welt sollten nur noch Nebukadnezzar verehren, die Menschen aller Sprachen und Nationen nur noch zu ihm als ihrem Gott beten.

3,8
Dan 6,8
11,36
2 Thess 2,4

9Danach zog Holofernes in die Ebene von Jesreel hinüber, vorbei an Dotan, das vor dem großen Aufstieg ins Bergland von Judäa liegt. 10Zwischen Geba und Skythopolis3,10 Griechischer Name für Bet-Schean. Geba ist am anderen (westlichen) Ende der Jesreel-Ebene zu suchen. schlug er sein Lager auf und blieb dort einen Monat lang, bis der ganze Tross seines Heeres nachgekommen war.