Gute Nachricht Bibel (GNB)
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DIE URGESCHICHTE VON WELT UND MENSCH

(Kapitel 1–11)

Die Erschaffung der Welt

11Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.1,1 Das Begriffspaar Himmel und Erde bezeichnet die Welt in ihrer Gesamtheit. Vers 1 ist als Überschrift zur folgenden Schöpfungsgeschichte zu verstehen.

1,1–2,4a
Ps 8
104
Ijob 38,1–39,30
Joh 1,1-4
Sir 16,26–17,10
42,15–43,33

2Die Erde war noch leer und öde,

Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser,

und über den Fluten schwebte Gottes Geist.

3Da sprach Gott: »Licht entstehe!«,

und das Licht strahlte auf.

4Und Gott sah das Licht an: Es war gut.

Dann trennte Gott das Licht von der Dunkelheit

5und nannte das Licht Tag,

die Dunkelheit Nacht.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der erste Tag.

6Dann sprach Gott:

»Im Wasser soll ein Gewölbe1,6 Vgl. Sacherklärung »Himmelsgewölbe« im Anhang. entstehen,

eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!«

7So geschah es: Gott machte ein Gewölbe

und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe

von dem Wasser, das darüber war.

8Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der zweite Tag.

9Dann sprach Gott:

»Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe

soll sich alles an einer Stelle sammeln,

damit das Land hervortritt.«

So geschah es.

10Und Gott nannte das Land Erde,

die Sammlung des Wassers nannte er Meer.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

11Dann sprach Gott:

»Die Erde lasse frisches Grün aufsprießen,

Pflanzen und Bäume von jeder Art,

die Samen und samenhaltige Früchte tragen!«

So geschah es:

12Die Erde brachte frisches Grün hervor,

Pflanzen jeder Art mit ihren Samen

und alle Arten von Bäumen

mit samenhaltigen Früchten.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

13Es wurde Abend und wieder Morgen:

der dritte Tag.

14Dann sprach Gott:

»Am Himmel sollen Lichter entstehen,

die Tag und Nacht voneinander scheiden,

leuchtende Zeichen,

um die Zeiten zu bestimmen:

Tage und Feste und Jahre.

15Sie sollen am Himmelsgewölbe leuchten,

damit sie der Erde Licht geben.«

So geschah es:

16Gott machte zwei große Lichter,

ein größeres, das den Tag beherrscht,

und ein kleineres für die Nacht,1,16 Die Namen »Sonne« und »Mond« werden vermieden, weil sie bei manchen Nachbarn Israels als Namen für Götter verwendet wurden. Sie werden als Lichter (Lampen) bezeichnet, um klarzustellen, dass sie keine schicksalsbestimmende Macht haben – und natürlich erst recht nicht die anschließend genannten Sterne.

dazu auch das ganze Heer der Sterne.

17Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,

damit sie der Erde Licht geben,

18den Tag und die Nacht regieren

und Licht und Dunkelheit voneinander scheiden.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

19Es wurde Abend und wieder Morgen:

der vierte Tag.

20Dann sprach Gott:

»Das Wasser soll von Leben wimmeln,

und in der Luft1,20 in der Luft: wörtlich über die Erde, am Himmelsgewölbe; entsprechend in den Versen 26 und 28 am Himmelsgewölbe. sollen Vögel fliegen!«

21So schuf Gott die Seeungeheuer

und alle Arten von Wassertieren,

ebenso jede Art von Vögeln

und geflügelten Tieren.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

22Und Gott segnete seine Geschöpfe und sagte:

»Seid fruchtbar, vermehrt euch

und füllt die Meere,

und ihr Vögel, vermehrt euch auf der Erde!«

23Es wurde Abend und wieder Morgen:

der fünfte Tag.

24Dann sprach Gott:

»Die Erde soll Leben hervorbringen:

alle Arten von Vieh und wilden Tieren

und alles, was auf der Erde kriecht.«

So geschah es.

25Gott machte die wilden Tiere und das Vieh

und alles, was auf dem Boden kriecht,

alle die verschiedenen Arten.

Und Gott sah das alles an: Es war gut.

26Dann sprach Gott:

»Nun wollen wir Menschen machen,

ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!

Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer,

über die Vögel in der Luft,

über das Vieh und alle Tiere auf der Erde1,26 und alle Tiere ...: mit einer alten Übersetzung; H und die ganze Erde.

und über alles, was auf dem Boden kriecht.«

27So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild,

als Gottes Ebenbild schuf er sie

und schuf sie als Mann und als Frau.1,27 Wörtlich männlich und weiblich schuf er sie.

1,27
Mk 10,6Kol 3,10
Weish 2,23

28Und Gott segnete die Menschen

und sagte zu ihnen:

»Seid fruchtbar und vermehrt euch!

Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz!1,28 nehmt sie in Besitz: Die herkömmliche Übersetzung macht sie euch untertan hat oft Anlass gegeben zu dem Missverständnis, die Schöpfung sei der Willkür des Menschen ausgeliefert. Nach hebräischem Verständnis gehören Herrschaft und Fürsorge zusammen; die Könige und Fürsten im Alten Orient galten als »Hirten« des Volkes. Deshalb wird die Fortsetzung, die wörtlich lautet Herrscht über (die Fische usw.), wiedergegeben durch Ich setze euch über ... und vertraue sie eurer Fürsorge an.

Ich setze euch über die Fische im Meer,

die Vögel in der Luft

und alle Tiere, die auf der Erde leben,

und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

1,28
Weish 9,2

29Weiter sagte Gott zu den Menschen:

»Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen

und die Früchte, die an den Bäumen wachsen,

überall auf der ganzen Erde.

1,29
9,3

30Den Landtieren aber und den Vögeln

und allem, was auf dem Boden kriecht,

allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen,

weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu.«

So geschah es.

31Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte,

und sah: Es war alles sehr gut.

Es wurde Abend und wieder Morgen:

der sechste Tag.

1,31
1 Tim 4,4

2

21So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt.

2Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet

und ruhte von aller seiner Arbeit aus.

2,2-3
Ex 20,8-10
Hebr 4,9-10

3Und Gott segnete den siebten Tag

und erklärte ihn zu einem heiligen Tag,

der ihm gehört,

denn an diesem Tag ruhte Gott,

nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.

4aDies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel und Erde;

so hat Gott sie geschaffen.

Der Mensch im Garten Eden (Das Paradies)

4bAls Gott, der HERR,2,4a Eigentlich der HERR Gott; ebenso in der Fortsetzung bis 3,24. »Der HERR« in dieser Schreibweise steht in der Übersetzung stets für den Gottesnamen; siehe dazu die Sacherklärung »HERR«. Erde und Himmel machte, 5gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. 6Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden.

7Da nahm Gott, der HERR, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen2,7 Im Hebräischen gehören Mensch (adam) und Erde (adama) auch sprachlich zusammen. Später wird Adam zum Eigennamen des ersten Menschen (siehe Anmerkung zu 3,17). Staub ist ein Hinweis auf die Hinfälligkeit des Menschen; vgl. 3,19. und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen.2,7 Wörtlich eine lebende nefesch. Das hebräische Wort nefesch wird herkömmlich mit »Seele« übersetzt. Gemeint ist damit ein Lebewesen wie Mensch oder Tier im Unterschied zu den Pflanzen (vgl. auch Sacherklärung »Seele«).

2,7
Ijob 33,4
Ps 104,29-30
Koh 12,7
1 Kor 15,45-49

8-9Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte.

In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist.2,8-9 Wörtlich der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten (siehe dazu Anmerkung zu Vers 17).

2,8-9
Offb 22,14

10In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. 11Der erste heißt Pischon; er fließt rund um das Land Hawila, wo es Gold gibt. 12Das Gold dieses Landes ist ganz rein, außerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. 13Der zweite Strom heißt Gihon; er fließt rund um das Land Kusch. 14Der dritte Strom, der Tigris, fließt östlich von Assur.2,14 Gemeint ist die Stadt dieses Namens; siehe Sacherklärung. Der vierte Strom ist der Eufrat.

15Gott, der HERR, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. 16Weiter sagte er zu ihm: »Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, 17nur nicht vom Baum der Erkenntnis.2,17 Erkenntnis: wörtlich Erkenntnis des Guten und Schlechten. Gemeint ist nicht die Fähigkeit, zu unterscheiden, was sittlich gut oder böse ist, sondern ein umfassendes Wissen von allem, was für das menschliche Leben nützlich oder schädlich ist. Ein solches Wissen kann den Menschen zu der Meinung verführen, sein Leben in eigener Regie führen zu können. Das würde ihn überfordern und die ihm anvertraute Schöpfung zerstören, weil er der Versuchung zum Missbrauch der damit gegebenen Möglichkeiten nicht gewachsen ist (vgl. 4,1-8.23; 6,5; 11,1-9 sowie Ez 28,1-19). Sonst musst du sterben.«

Die Erschaffung der Frau

18Gott, der HERR, dachte: »Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt.«

19So formte Gott aus Erde die Tiere des Feldes und die Vögel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er jedes Einzelne nennen würde; denn so sollten sie heißen.

20Der Mensch gab dem Vieh, den wilden Tieren und den Vögeln ihre Namen, doch unter allen Tieren fand sich keins, das ihm helfen konnte und zu ihm passte.

21Da versetzte Gott, der HERR, den Menschen in einen tiefen Schlaf, nahm eine seiner Rippen heraus und füllte die Stelle mit Fleisch. 22Aus der Rippe machte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. 23Der freute sich und rief:

»Endlich! Sie ist’s!

Eine wie ich!2,23 Endlich ...: wörtlich Gebein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch.

Sie gehört zu mir,

denn von mir ist sie genommen.«2,23 Sie gehört ...: Die Zugehörigkeit ist im Hebräischen in der Namengebung ausgedrückt. Diese enthält ein Wortspiel, das sich im Deutschen nicht nachahmen lässt: »Sie wird ischa (= Frau) genannt werden, denn vom isch (= Mann) ist sie genommen.«

24Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.2,24 sind dann eins ...: wörtlich sind dann ein Fleisch, womit die volle leiblich-seelische Einheit bezeichnet wird.
2,24
Mk 10,7Eph 5,31

25Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.