Gute Nachricht Bibel (GNB)
1

BRIEFE DER JUDEN IN JERUSALEM AN DIE JUDEN IN ÄGYPTEN

(1,1–2,18)

Erster Brief zum Fest der Wiederweihe des Tempels

11Die Juden in Jerusalem und in Judäa grüßen ihre Brüder, die Juden in Ägypten, und wünschen ihnen Wohlergehen.

2Wir beten zu Gott, dass er euch Gutes tut und an den Bund denkt, den er mit seinen treuen Dienern Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hat. 3Er mache eure Herzen bereit, ihn zu verehren und ihm zu gehorchen. 4Er mache euch fähig, seinem Gesetz und seinen Geboten zu folgen, und schaffe euch Frieden. 5Er erhöre eure Bitten, vergebe euch alle Schuld und verlasse euch nicht in Zeiten der Not. 6Das ist es, was wir hier und heute für euch erbitten.

7Im Jahre 169,1,7 Gemeint ist das Jahr 169 der griechischen Herrschaft (= 144/143 v.Chr.); vgl. Anmerkung c zu 1 Makk 1,10. unter König Demetrius,1,7 Demetrius II. (147–139 v.Chr.). hatten wir euch Folgendes geschrieben:

»Nachdem Jason und seine Leute sich von Gott, unserem König, losgesagt und sich dagegen aufgelehnt hatten, dass dieses Land ihm gehört, kam furchtbare Not über uns.

1,7
4,7-22
8Das Tor zum Tempelbezirk ging in Flammen auf und viele unschuldige Menschen wurden umgebracht. Aber wir beteten zum Herrn und wurden erhört: Bald konnten wir wieder Brand- und Speiseopfer darbringen. Wir konnten die Lampen im Heiligtum wieder anzünden und die geweihten Brote auslegen.«
1,8
1 Makk 4,38
2 Makk 8,33
5,6

9Jetzt möchten wir euch auffordern, im Monat Kislew sieben Tage lang das Fest der Wiederweihe des Tempels zu feiern – genauso lang wie das Laubhüttenfest.1,9 Der Text spricht nur vom Laubhüttenfest, doch ist mit dem »Laubhüttenfest im Monat Kislew« das Fest der Wiederweihe des Tempels gemeint (vgl. 10,1-8; 1 Makk 4,52-59), das in seiner Dauer dem Laubhüttenfest gleichkommt und im Dezember gefeiert wird.

1,9
1,18
1 Makk 4,3659
Joh 10,22
Ex 23,16

10aGeschrieben im Jahr 188.1,10a 124 v.Chr.

Zweiter Brief zum Fest der Wiederweihe des Tempels

(Kapitel 1,10b–2,18)

(9,1-29; 1 Makk 6,1-16)

10bDie Juden in Jerusalem und Judäa, vertreten durch den Ältestenrat und durch Judas, grüßen Aristobul, den Mann von höchster priesterlicher Abkunft und Lehrer des Königs Ptolemäus, sowie alle Juden in Ägypten und wünschen ihnen Gesundheit und alles Gute.

11Von ganzem Herzen danken wir Gott, der uns aus großer Gefahr gerettet hat. Er selbst hat sich König Antiochus1,11 Antiochus IV. Epiphanes (vgl. 4,7). entgegengestellt1,11 Er selbst ...: So vermutlich der ursprüngliche Sinn des Textes; G (wir danken Gott) als solche, die zum Kampf gegen den König bereit sind. 12und alle verjagt, die zum Kampf gegen die Heilige Stadt aufmarschiert waren. 13Als nämlich Antiochus mit seinem Heer, das unbesiegbar schien, nach Persien zog, wurden er und seine Gefolgschaft dort im Tempel der Göttin Nanäa erschlagen; sie fielen einem Anschlag der Priester zum Opfer.

14Antiochus war mit seinen engsten Vertrauten zu dem Heiligtum gekommen, als läge ihm daran, mit der Göttin die Heilige Hochzeit zu feiern. Doch ging es ihm nur um die Mitgift der Göttin, um die reichen Schätze des Tempels. 15Die Priester legten diese Schätze auch für ihn bereit und Antiochus ging, nur von wenigen seiner Leute begleitet, in das Innere des Heiligtums. Kaum aber war er eingetreten, da verschlossen die Priester den Tempel, 16öffneten eine geheime Luke in der getäfelten Decke des Raumes und töteten den König und seine Begleiter mit schweren Steinen, die sie von dort hinunterwarfen. Dann verstümmelten sie die Leichen, schnitten ihnen die Köpfe ab und warfen sie denen zu, die draußen warteten. 17Unser Gott hat seine Verächter dem Untergang preisgegeben; er sei für immer gepriesen.

18aWir wollen nun am 25. Kislew1,18a Mitte Dezember. das Fest der Wiederweihe des Tempels feiern, ebenso viele Tage wie das Laubhüttenfest, und halten es für unsere Pflicht, euch davon zu unterrichten, damit ihr es ebenso feiert.

1,18a
1,9

Das Feuerwunder zur Zeit Nehemias

18bDabei sollt ihr auch die Erinnerung an das Feuer wachhalten, das aufloderte, als Nehemia Tempel und Altar wieder aufgebaut hatte und zum ersten Mal wieder Opfer darbringen wollte. 19Als nämlich unsere Vorfahren nach Persien weggeführt wurden, nahmen die frommen Priester von damals heimlich etwas vom Feuer des Brandopferaltars und versteckten es in einer unterirdischen wasserlosen Zisterne. Dort war es so gut versteckt, dass niemand es entdeckte.

1,19
Lev 6,5-6

20Viele Jahre vergingen. Dann gefiel es Gott, dass Nehemia vom persischen König nach Jerusalem geschickt wurde. Nehemia beauftragte die Nachkommen jener Priester, die damals das Feuer versteckt hatten, nach dem Feuer zu sehen. 21Aber sie meldeten, es sei kein Feuer mehr zu finden, sondern nur schlammiges Wasser. Da ließ Nehemia etwas von dem Wasser bringen, und als alles für die Darbringung des Opfers vorbereitet war, befahl er den Priestern, einen Teil des Wassers über das Holz und die Opferstücke auf dem Altar zu gießen.

1,21-22
1 Kön 18,34-38
22Das taten sie, und als dann wenig später die Wolken am Himmel sich auflösten und die Sonne zu scheinen begann, loderte auf dem Altar ein großes Feuer auf. Alle sahen es voller Staunen. 23Während das Opfer in dem Feuer verbrannte, sprachen die Priester und alle Anwesenden ein Gebet. Jonatan betete vor und die anderen, auch Nehemia, stimmten mit ein.

24Sie beteten: »Herr, unser Gott, alles hast du geschaffen; du bist schreckenerregend in deiner Macht und doch gerecht und voller Erbarmen. Du allein bist König und keiner ist gut außer dir.

1,24
EstG C,2
25Nur du bist großzügig, freigebig und gerecht. Du bist der Herr der ganzen Welt und bist es für alle Zeiten. Du hast unsere Vorfahren erwählt und zu deinem besonderen Eigentum gemacht; du kannst Israel retten aus aller Not. 26So nimm dieses Opfer an, das wir für ganz Israel darbringen. Schütze das Volk, das dir gehört, und mach es zu deinem alleinigen Eigentum. 27Befrei alle aus unserem Volk, die als Sklaven in fremden Ländern leben müssen, und führe sie hierher zusammen. Hilf diesen Verachteten und Geschmähten, damit alle Völker erkennen, dass du unser Gott bist. 28Bestrafe die Herrscher, die uns unterdrücken und in ihrem Übermut ihr Spiel mit uns treiben. 29Pflanze dein Volk wieder ein an deiner heiligen Stätte, wie Mose es angekündigt hat.«
1,29
Ex 15,17

30Nach diesem Gebet sangen die Priester ihre Lieder zum Preis des Herrn. 31Als die Opferstücke verbrannt waren, ließ Nehemia den Rest des Wassers über einige größere Steine ausgießen. 32Auch dabei loderte Feuer auf, doch wurde es ganz überstrahlt von dem Feuerschein, der vom Altar her leuchtete.

33Das wurde überall bekannt, auch beim persischen König. Man berichtete ihm, dass genau an der Stelle, an der die Priester einst das Altarfeuer versteckt hatten, das Wasser zum Vorschein gekommen sei, mit dem Nehemia und seine Leute das Opfer entzündet hätten. 34Der König befahl, den Vorfall zu prüfen. Darauf ließ er den Ort, an dem das Feuer versteckt worden war, einzäunen und erklärte ihn zum heiligen Bezirk. 35Von den beträchtlichen Einnahmen, die er daraus zog,1,35 Deutung unsicher. machte er allen, die in seiner Gunst standen, großzügige Geschenke.

36Nehemia und seine Leute nannten das Wasser übrigens »Neftar«, d.h. »Reinigung«, nur beim Volk hieß es dann »Neftai«.1,36 Naphtha ist ein Erdöl, das sich leicht selbst entzündet; wahrscheinlich wollte man mit dieser Namengebung dem Vorgang in späterer Zeit eine »natürliche« Deutung geben.

2

Aus alten Urkunden

21In den alten Urkunden ist zu lesen, dass der Prophet Jeremia es war, auf dessen Weisung die Männer – wie eben gesagt – das Feuer versteckten, ehe sie in die Verbannung mussten. 2Weiter wird gesagt, dass Jeremia denen, die in die Verbannung gingen, das Buch des Gesetzes mitgegeben und sie aufgefordert habe, doch ja die Gebote des Herrn nicht zu vergessen. Sie sollten sich nicht irremachen lassen durch den Anblick der goldenen und silbernen Götzenbilder und durch all den Schmuck, mit dem sie behängt sind.

2,2
BrJer 1-72
3Noch manches dieser Art habe Jeremia ihnen gesagt und sie ermahnt, treu am Gesetz festzuhalten.

4In einer der Urkunden stand auch, Jeremia habe auf göttlichen Befehl angeordnet, das Heilige Zelt und die Bundeslade aus dem Tempel zu holen und hinter ihm herzutragen. Er sei damit zu dem Berg gegangen, von dem aus Mose einst das Land sehen durfte, das Gott unserem Volk versprochen hatte.

2,4
Dtn 34,1
5Dort habe Jeremia das Heilige Zelt, die Bundeslade und auch den Räucheraltar in einer Höhle versteckt und den Eingang der Höhle verschlossen. 6Einige aus seiner Begleitung seien später noch einmal hingegangen, um den Weg zur Höhle zu kennzeichnen, hätten sie aber nicht mehr finden können. 7Als Jeremia davon erfuhr, habe er ihnen Vorwürfe gemacht und gesagt: »Der Ort soll unbekannt bleiben, bis Gott sich über sein Volk erbarmt und es wieder hierher zusammenführt.
2,7
Jer 3,16
8Er selbst wird dann alles wieder zum Vorschein bringen. Dann werden auch die Herrlichkeit des Herrn und die Wolke wieder zu sehen sein, wie sie sich zur Zeit Moses gezeigt haben und auch später noch einmal, als Salomo betete, Gott möge den Tempel ganz und gar zu seinem Eigentum machen.«
2,8
Ex 24,16
40,34-38
1 Kön 8,10-13

9Vom weisen König Salomo wird auch erzählt, was geschah, als er zur Vollendung und Einweihung des Tempelbaus Gott Opfer bringen wollte:

2,9
1 Kön 8,62-63
10So wie Mose zum Herrn betete und daraufhin Feuer vom Himmel fiel und die Opferstücke verbrannte, so betete auch Salomo und Feuer fiel vom Himmel und verbrannte die Opfer. –
2,10
Lev 9,23-24
2 Chr 7,1
11Mose hat übrigens damals erklärt: Weil man das Fleisch des Sühneopfers nicht gegessen hat, wurde es vom Feuer verbrannt. –
2,11
Lev 10,16-18
12Schon Salomo feierte das Fest der Tempelweihe acht Tage lang.

13Alles, was wir hier schreiben, findet sich auch in den Berichten und persönlichen Aufzeichnungen Nehemias. Dort steht auch, dass Nehemia eine Bibliothek angelegt hat: Er sammelte die Schriften, die von den Königen und Propheten Israels handeln, auch die Buchrollen mit den Liedern Davids sowie die Begleitbriefe zu den Weihegaben, die ausländische Könige dem Tempel geschenkt hatten. 14Ebenso hat jetzt Judas für uns alle Schriften wieder gesammelt, die infolge des Krieges, den wir zu führen hatten, abhanden gekommen waren. Sie befinden sich bei uns. 15Sollte euch die eine oder andere Schrift fehlen, dann schickt Leute hierher und lasst sie euch bringen.

Abschluss des zweiten Briefes

16Wir selbst werden also das Fest der Wiederweihe des Tempels begehen und wir schreiben euch, weil wir wünschen, dass ihr es gleichfalls tut.

2,16
1 Makk 4,59
17Denn Gott hat sein ganzes Volk befreit und allen, die zu seinem Volk gehören, das Land zurückgegeben, mit dem Königtum, dem Priestertum und dem Opferdienst –
2,17-18
Dtn 30,3-5
18ganz so, wie er es im Gesetz versprochen hat.2,18 Anspielung auf Ex 19,5-6, wo es in Vers 6 wörtlich heißt: Ihr sollt mir ein Königtum von Priestern sein und ein heiliges Volk (in 2 Makk 2,17 heißt es für Opferdienst wörtlich die Heiligung).

Wir sind auch der festen Hoffnung, dass Gott uns bald sein volles Erbarmen zeigen, uns aus allen Ländern sammeln und an seiner heiligen Stätte wieder zusammenführen wird. Er hat uns ja aus so großen Gefahren errettet und uns dazu verholfen, dass wir den Tempel wieder von Neuem weihen konnten.

VORWORT DES VERFASSERS DER FOLGENDEN SCHRIFT

(2,19-32)

19Große Dinge ereigneten sich zur Zeit des Makkabäers Judas und seiner Brüder. Sie konnten den heiligen Tempel in Jerusalem von den Spuren des Götzendienstes reinigen und den Altar wieder weihen. 20Erfolgreich kämpften sie gegen König Antiochus Epiphanes und seinen Sohn Eupator. 21Ja, sogar himmlische Mächte griffen in den Kampf ein und standen den tapferen und unermüdlichen Verteidigern des jüdischen Glaubens zur Seite. So gelang es ihnen, obwohl sie nur wenige waren, das ganze Land zurückzuerobern und die Heere der Fremden zu verjagen.

2,21
3,25
5,2
10,29
11,8
22Sie brachten das in aller Welt berühmte Heiligtum wieder in ihren Besitz, befreiten die Stadt und setzten die Gesetze wieder in Kraft, die der Feind abschaffen wollte. Dies alles ließ ihnen der Herr in seiner großen Güte gelingen.

23Der Geschichtsschreiber Jason aus Kyrene hat diese Ereignisse in fünf Büchern ausführlich beschrieben. Ich habe versucht, den Inhalt in einem Buch zusammenzufassen. 24Ich hatte nämlich den Eindruck, dass die vielen Zahlen und die Fülle der Einzelheiten es schwer machten, der Darstellung zu folgen. 25Meine Bearbeitung sollte jedem etwas bieten: angenehme Unterhaltung für die, die Lesestoff suchen; klare Übersicht für die, die den Stoff dem Gedächtnis einprägen wollen; und jedenfalls Nutzen für alle, die das Buch in die Hand bekommen.

26Es ist mir allerdings nicht leichtgefallen, diese Zusammenfassung zu machen; es war eine mühsame Arbeit, die mich viele Nächte den Schlaf gekostet hat. 27Wer ein Festessen veranstaltet und seine Gäste zufriedenstellen will, muss eben manche Mühe auf sich nehmen. Das habe auch ich gerne getan; denn ich glaube, dass viele es mir danken werden.

28Alle Einzelheiten genau festzuhalten konnte ich unserem Geschichtsschreiber überlassen. Mir ging es nur darum, den Anforderungen zu genügen, die man an eine Zusammenfassung stellt. 29Wenn ein Haus gebaut wird, trägt der Architekt die Verantwortung für das Ganze; wer nur die Räume ausschmückt, kann sich auf seine begrenzte Aufgabe beschränken. So sehe auch ich meine Tätigkeit. 30Wer ein Geschichtswerk schreibt, muss alles genau erforschen und die Tatsachen ausführlich und sorgfältig aufzeichnen. 31Wer aber nur nacherzählt, darf sich kürzer fassen und muss nicht alles bis in die letzte Einzelheit verfolgen.

32Doch es wird Zeit, dass ich mit meiner Erzählung beginne; ich habe mich schon viel zu lange mit dem Vorwort aufgehalten. Es wäre ja unsinnig, eine lange Vorrede zu machen, wenn man die Erzählung selbst kurz halten will.

3

ENTWEIHUNG DES TEMPELS. STANDHAFTE GLAUBENSZEUGEN. ENDE DES TEMPELSCHÄNDERS

(3,1–10,8)

Der Verrat Simeons am Tempel

31Unter dem Obersten Priester Onias3,1 Onias III. (192–175 v.Chr.), ein Sohn von Simeon II. (vgl. Sir 50,1-24). herrschten in der heiligen Stadt Jerusalem Frieden und Wohlstand. Die Bürger hielten sich genau an die Gesetze, weil auch Onias selbst den Herrn ernst nahm und alles Unrecht hasste. 2Immer wieder kam es vor, dass sogar Könige den Tempel ehrten und ihn mit den kostbarsten Geschenken bedachten.

3,2-3
Ps 68,30
3Seleukus,3,3 Seleukus IV. (187–175 v.Chr.). der König von Vorderasien, bestritt sogar aus seinen Einkünften alle Kosten für den Opferdienst im Tempel.

4Die Verwaltung des Tempels lag jedoch damals in den Händen eines gewissen Simeon, eines Nachfahren von Bilga. Dieser Simeon zerstritt sich mit Onias über Fragen der städtischen Marktordnung.

3,4
1 Chr 24,5
5Da er sich gegen den Obersten Priester nicht durchsetzen konnte, wandte er sich an Apollonius, den Sohn von Thraseas, der damals Oberbefehlshaber in Zölesyrien und Phönizien war. 6Er erzählte ihm, der Tempelschatz in Jerusalem sei unvorstellbar reich; das Geld sei gar nicht zu zählen. Da das wenigste davon für die Beschaffung der Opfer gebraucht würde, könnte man es ohne Weiteres der Verfügungsgewalt des Königs unterstellen.

Heliodor in Jerusalem

7Als Apollonius mit dem König zusammentraf, berichtete er ihm von dem Geld, von dem Simeon ihm erzählt hatte. Darauf gab der König seinem Kanzler Heliodor den Auftrag, nach Jerusalem zu gehen und sich das Geld aushändigen zu lassen. 8Heliodor machte sich sofort auf den Weg. Er tat so, als wolle er die Städte in Zölesyrien und Phönizien inspizieren, in Wirklichkeit aber ging es ihm nur darum, den Auftrag des Königs auszuführen.

9Als er nach Jerusalem kam, wurde er vom Obersten Priester und den Bürgern der Stadt freundlich empfangen. Doch dann kam er auf den Grund seines Besuches zu sprechen und wollte wissen, ob die Angaben über den Tempelschatz zutreffend seien. 10Der Oberste Priester erklärte darauf, bei dem Geld handle es sich um Beträge, die Witwen und Waisen dort für sich hinterlegt hätten, 11zum Teil auch um Einlagen von Hyrkanus, dem Sohn Tobijas, einem hochgestellten und einflussreichen Mann. Die Angaben des ruchlosen Simeon seien eine freche Lüge und die gesamte Summe betrage nur 40 Zentner Silber und 200 Zentner Gold. 12Dieses Geld herauszugeben sei ganz und gar unmöglich; es wäre ein schweres Unrecht gegenüber den Menschen, die es im Vertrauen auf die Heiligkeit des Ortes und die Würde und Unantastbarkeit des weltberühmten Heiligtums im Tempel hinterlegt hätten.

13Heliodor aber berief sich auf den Befehl des Königs und bestand darauf, dass die Gelder dem königlichen Schatz zuzuführen seien. 14aDann setzte er einen Termin fest und erschien im Tempel, um sich einen Überblick über die vorhandenen Gelder zu verschaffen.

Das Volk von Jerusalem betet

14bGroße Unruhe befiel alle Menschen in der Stadt. 15Die Priester warfen sich in ihren Priesterkleidern vor dem Altar nieder und riefen zu Gott, er möge für die Sicherheit des Geldes sorgen, das im Tempel hinterlegt worden sei; denn er selbst habe doch das Gesetz über anvertrautes Gut gegeben.

3,15
Ex 22,6-7

16Wer den Obersten Priester sah, war tief erschüttert: Er war ganz bleich im Gesicht und an seinen Zügen war abzulesen, wie der Schmerz in ihm tobte. 17Er zitterte am ganzen Leib vor Angst und Sorge und alle konnten erkennen, was er in seinem Herzen litt.

18Scharenweise stürzten die Leute aus den Häusern und versammelten sich zum öffentlichen Gebet, um den Schaden abzuwenden, der dem Ansehen des Tempels drohte. 19Frauen mit dem Sack bekleidet, die Brust entblößt, füllten die Straßen; die jungen Mädchen, die von ihren Eltern im Haus festgehalten wurden, liefen an die Tür oder zum Fenster oder an die Hofmauer.

20Sie alle streckten ihre Hände zum Himmel aus und flehten zu Gott um Hilfe. 21Es war zum Erbarmen, wie das Volk sich wild durcheinander zum Gebet niederwarf und der Oberste Priester von Angst und Sorge gequält wurde.

Gott beschützt seinen Tempel

22Während das Volk von Jerusalem Gott, den Herrscher der Welt, anflehte, er möge das Geld schützen, das im Tempel hinterlegt worden war, 23machte Heliodor sich ans Werk und wollte sein Vorhaben ausführen.

24Schon stand er mit seinen Leibwächtern in der Schatzkammer, da ließ ihn der Herr aller Geister und Gewalten eine schreckenerregende Erscheinung sehen. Heliodor und alle, die es gewagt hatten, mit ihm die Kammer zu betreten, bekamen die Macht Gottes auf eine Weise zu spüren, dass sie vor Angst wie gelähmt dastanden.

25Sie sahen ein Pferd, mit herrlichem Geschirr geschmückt, und auf ihm einen Reiter in goldener Rüstung, dessen Anblick Furcht und Schrecken einflößte. Das Pferd stürmte auf Heliodor los, bäumte sich vor ihm auf und schlug mit seinen Vorderhufen auf ihn ein.

3,25
2,21
26Zugleich erschienen zwei junge Männer in strahlendem Gewand und von ungewöhnlicher Kraft und Schönheit. Sie traten, der eine von rechts, der andere von links, an Heliodor heran und peitschten ihn unbarmherzig aus.

27Heliodor stürzte zu Boden und sah sich plötzlich in tiefe Finsternis versetzt. Man hob ihn auf, legte ihn auf eine Bahre 28und trug ihn hinaus. Er, der soeben erst mit großem Gefolge und mit seiner ganzen Leibgarde in die Schatzkammer eingedrungen war, wurde nun, hilflos mit all seinen Waffen,3,28 mit all ...: so mit einem Teil der Überlieferung. hinausgetragen, nachdem Gott ihm seine Macht sichtbar gezeigt hatte.

29Da lag er nun also, hingestreckt durch Gottes Eingreifen; er konnte nicht mehr reden und es bestand keine Hoffnung, dass er mit dem Leben davonkommen würde. 30Das Volk von Jerusalem aber pries den Herrn, weil er seinen Tempel auf so wunderbare Weise geschützt hatte. Eben waren im Tempel noch alle voller Angst und Verwirrung gewesen, jetzt jubelten sie in überschwänglicher Freude: Der Herrscher der ganzen Welt hatte offen seine Macht gezeigt.

Onias betet für Heliodor

31Während Heliodor in den letzten Zügen lag, baten einige seiner Freunde den Obersten Priester Onias, er möge doch für ihn zum höchsten Gott beten und ihm das Leben retten. 32Onias hatte Angst, der König könnte denken, die Juden hätten Heliodor umgebracht. Deshalb brachte er Gott ein Opfer und betete für Heliodor.

33Während der Oberste Priester das Sühneopfer vollzog, sah Heliodor wieder dieselben jungen Männer mit dem strahlenden Gewand, die ihm in der Schatzkammer des Tempels erschienen waren. Sie sagten zu ihm: »Du bist dem Obersten Priester Onias großen Dank schuldig; um seinetwillen schenkt der Herr dir das Leben! 34Und nachdem du vom Himmel herab ausgepeitscht wurdest, verkünde jetzt allen Menschen, wie groß und mächtig Gott ist!«

Nach diesen Worten verschwanden sie wieder.

Heliodor verkündet die Macht Gottes

35Heliodor ließ nun auch seinerseits dem Herrn ein Opfer darbringen und gelobte, ihm reiche Geschenke zu machen, weil er ihm das Leben geschenkt hatte. Danach verabschiedete sich Heliodor von Onias und kehrte mit seinem Gefolge zum König zurück. 36Überall verkündete er, was der Herr, der größte aller Götter, getan hatte und was er ihn mit eigenen Augen sehen ließ.

37Als der König ihn fragte, wen er denn jetzt noch nach Jerusalem schicken könnte, gab Heliodor zur Antwort: 38»Wenn du einen Feind hast oder einen Mann weißt, der dir die Herrschaft streitig machen möchte, dann schick ihn hin! Er wird ausgepeitscht zu dir zurückkommen – wenn er überhaupt am Leben bleibt; denn wahrhaftig: An jener Stätte wirkt eine gewaltige göttliche Macht. 39Der Gott, der im Himmel seine Wohnung hat, wacht über diesen Tempel und schützt ihn und er bringt jeden um, der in böser Absicht dorthin kommt.«

40So also erging es Heliodor und so wurde der Tempelschatz vor Plünderung bewahrt.