Gute Nachricht Bibel (GNB)
6

Das Ende von Antiochus IV. Epiphanes. Sein Nachfolger Antiochus V.

(2 Makk 1,11-17; 9,1-29)

61Während König Antiochus6,1 Antiochus IV. Epiphanes (vgl. 1,10). die östlichen Länder seines Reiches durchzog, wurde ihm gesagt, die Stadt Elymaïs in Persien sei berühmt wegen ihres Reichtums an Gold und Silber. 2Besonders reich sei ihr Tempel; dort habe Alexander, der Sohn Philipps von Mazedonien, der erste König der Griechen, goldene Schilde, Rüstungen und Waffen als Weihegaben zurückgelassen. 3Antiochus wollte die Stadt einnehmen und plündern; aber die Einwohner hatten von seinen Absichten erfahren 4und traten gegen ihn zum Kampf an. Der König musste fliehen. Enttäuscht und verärgert machte er sich auf den Rückweg nach Babylon.

5Noch in Persien kam ein Bote zu ihm und meldete, das nach Judäa geschickte Heer sei in die Flucht geschlagen worden. 6Daraufhin sei Lysias selbst an der Spitze eines starken Heeres gegen die Israeliten angetreten, habe aber gleichfalls vor ihnen fliehen müssen. Die Männer Israels seien erheblich stärker geworden durch die Waffen und Rüstungen, die sie bei den geschlagenen Heeren erbeutet hätten. 7Sie hätten auch den neuen Altar, den der König oben auf dem großen Brandopferaltar im Tempel von Jerusalem habe errichten lassen, wieder abgerissen und das Heiligtum wie früher ringsum durch hohe Mauern befestigt. Auch die Stadt Bet-Zur hätten sie besetzt und zur Festung ausgebaut.

6,7
1,54

8Als der König das hörte, erschrak er und war ganz erschüttert. Er fiel auf sein Lager und wurde krank vor Schmerz darüber, dass er seine Ziele nicht erreicht hatte. 9Viele Tage lag er so da und bekam immer neue Anfälle tiefer Schwermut. Er merkte, dass es mit ihm zu Ende ging.

10Da ließ er den Kreis seiner Freunde kommen und sagte: »Ich kann nicht mehr schlafen. Die Sorgen haben mir das Herz gebrochen. 11Ich habe mich gefragt, wie ich nur in solche Not und Bedrängnis geraten konnte. Ich war doch während meiner ganzen Regierungszeit ein Wohltäter der Menschen und bei allen beliebt. 12Da fielen mir die schlimmen Untaten ein, die ich in Jerusalem verübt habe: Ich raubte dort die silbernen und goldenen Tempelgeräte und gab ohne Grund den Befehl, die Bewohner Judäas auszurotten. 13Jetzt habe ich begriffen: Das ist der Grund, warum dieses Unglück über mich gekommen ist. Deshalb muss ich hier fern von meinem Land in tiefer Verzweiflung sterben.«

14Er ließ Philippus, einen seiner Freunde, herantreten und vertraute ihm die Regierung an. 15Er übergab ihm Krone, Königsmantel und Siegelring und beauftragte ihn, für seinen Sohn Antiochus6,15 Antiochus V. (164–162 v.Chr.). zu sorgen und ihn zu erziehen, bis er die Herrschaft übernehmen könne. 16Dann starb Antiochus dort in Persien im 149. Jahr der griechischen Herrschaft.6,16 164/163 v.Chr. (genauer: Ende 164).

6,16
Dan 8,25

17Bisher war Lysias mit der Erziehung des jungen Antiochus betraut gewesen. Als er in Antiochia vom Tod des Königs erfuhr, setzte er sofort den Sohn des Verstorbenen als Herrscher ein und gab ihm den Beinamen Eupator (Sohn eines edlen Vaters).

6,17
2 Makk 10,10

Die Israeliten belagern die Festung von Jerusalem

18Die Besatzung der Festung in Jerusalem schloss das Volk, das sich im Tempel versammelte, von allen Seiten ein. Die Soldaten suchten den Leuten von Israel zu schaden, wo sie nur konnten, und bildeten einen festen Stützpunkt der fremden Macht.

6,18-20
11,20
12,36
13,2149
19Judas beschloss, dem ein Ende zu machen, und bot alle wehrfähigen Männer zur Belagerung der Festung auf. 20Als alle sich gesammelt hatten, begannen sie mit der Belagerung im 150. Jahr der griechischen Herrschaft.6,20 163/162 v.Chr. Sogar Belagerungstürme und Wurfmaschinen wurden gebaut.

21Einigen von der Besatzung gelang es, den Belagerungsring zu durchbrechen. Ein paar Verräter aus den Reihen der Israeliten schlossen sich ihnen an, 22gingen mit ihnen zum König und sagten: »Wie lange willst du noch damit warten, uns Recht zu verschaffen und Rache zu nehmen für das, was man unseren Brüdern angetan hat? 23Wir haben deinem Vater treu gedient, haben die Lebensweise angenommen, die er uns vorschrieb, und seine Anordnungen befolgt. 24Was haben wir nun davon? Unsere eigenen Mitbürger6,24 Einige Handschriften fügen hinzu: belagern die Festung und. betrachten uns als Feinde. Jeden von uns, den sie finden konnten, haben sie umgebracht und sein Hab und Gut geraubt. 25Aber nicht nur gegen uns, ihre Mitbürger, sind sie vorgegangen, nein, auch alle Nachbarvölker haben sie angegriffen. 26Und jetzt belagern sie die Festung in Jerusalem und wollen sie einnehmen. Außerdem haben sie den Tempel in Jerusalem und die Stadt Bet-Zur zu Festungen ausgebaut. 27Wenn du nicht sofort etwas unternimmst, werden sie noch Schlimmeres anrichten und du wirst sie nicht mehr aufhalten können.«

Lysias und der junge König kommen nach Judäa

(2 Makk 13,1-17)

28Der König geriet in Wut, als er das hörte, und rief den ganzen Kreis seiner Freunde zusammen: die Befehlshaber des Heeres und der Reiterverbände. 29Außer deren Truppen wurden auch noch Scharen von Söldnern aus anderen Königreichen und von den Mittelmeerinseln aufgeboten. 30Am Ende hatte Antiochus ein Heer von 100000 Mann zu Fuß, 20000 Reitern sowie zweiunddreißig Kriegselefanten beisammen.

31Er rückte durch das Gebiet von Idumäa heran und belagerte als erste Stadt Judäas Bet-Zur. Der Kampf zog sich lange hin. Die Gegner wollten auch Belagerungsmaschinen einsetzen, aber die Belagerten machten einen Ausfall und steckten die Maschinen in Brand. So leisteten sie heldenhaft Widerstand.

Die Schlacht bei Bet-Sacharja

32Nun brach Judas die Belagerung der Festung in Jerusalem ab und schlug bei Bet-Sacharja sein Lager auf, um dem königlichen Heer entgegenzutreten. 33Der König aber ließ am nächsten Morgen in aller Frühe den größeren Teil seines Heeres aufbrechen und in einem Eilmarsch nach Bet-Sacharja ziehen. Dort stellten sich die Truppen in Schlachtordnung auf.

Die Kriegstrompeten wurden geblasen 34und die Elefanten mit Wein und vergorenem Maulbeersaft wild gemacht für den Kampf. 35Die Tiere wurden auf die einzelnen Abschnitte der Schlachtreihe verteilt. Auf einen Elefanten kamen je 1000 Soldaten zu Fuß, ausgerüstet mit Kettenhemden und bronzenen Helmen. Jedem Elefanten waren außerdem 500 ausgesuchte Reiter zugeordnet. 36Diese und ihre Pferde waren darauf eingespielt, zusammen mit den Elefanten zu kämpfen und nicht von ihrer Seite zu weichen.

37Auf dem Rücken jedes Elefanten war ein starker Holzturm befestigt. In ihm befanden sich gut geschützt jeweils vier Soldaten, die von dort oben aus in den Kampf eingriffen, und dazu der Inder, der das Tier lenkte. 38Die übrigen Reiterverbände waren am rechten und linken Flügel der Schlachtreihe aufgestellt. Dort konnten sie den Feind in der Flanke angreifen und gleichzeitig die eigenen Reihen gegen solche Angriffe schützen.

39Als die Sonne auf die goldenen und bronzenen Schilde schien und das Licht sich in ihnen brach, ließ der Widerschein die Berge aufleuchten wie brennende Fackeln. 40Ein Teil des königlichen Heeres hatte sich am Berghang aufgestellt, der andere darunter in der Ebene. Jetzt rückten sie sicher und geordnet heran. 41Beim Stampfen ihrer Füße und dem Klirren ihrer Waffen erzitterte jeder, der es hörte. Es war ein riesiges, furchterregendes Heer.

42Judas und seine Leute zogen den Feinden entgegen und nahmen den Kampf auf. 600 Soldaten des Königs mussten ihr Leben lassen. 43Eleasar mit dem Beinamen Awaran bemerkte einen Elefanten, der alle anderen überragte und besonders prächtig gepanzert war. Deshalb glaubte Eleasar, der König selbst sitze darauf. 44Um sein Volk zu retten und sich für alle Zeit einen Namen zu machen, war er entschlossen, sein Leben zu opfern. 45Mutig lief er auf den Elefanten zu, mitten hinein in die feindlichen Reihen. Mit tödlichen Schwerthieben nach rechts und nach links schlug er sich eine Bresche frei. 46Dann sprang er unter den Elefanten und brachte ihm eine tödliche Wunde bei. Das Tier brach zusammen, fiel auf ihn und erdrückte ihn.

47Aber die Männer Israels sahen, dass sie gegen die Übermacht und den Kampfgeist der königlichen Truppen nichts ausrichten konnten, und zogen sich zurück.

Der Zionsberg wird belagert

(2 Makk 13,18-23)

48Die Soldaten des Königs marschierten nach Jerusalem hinauf, um Judas und seine Leute dort zum Kampf zu stellen. Auch der König selbst kam mit dem anderen Teil des Heeres und schlug vor dem Berg Zion ein Lager auf.

49Mit der Besatzung von Bet-Zur hatte er Frieden geschlossen und ihr freien Abzug gewährt. Die Verteidiger hatten sich ergeben müssen, weil gerade ein Sabbatjahr war und die Lebensmittelvorräte in der Stadt nicht ausgereicht hatten, um eine längere Belagerung durchzustehen. 50Der König hatte Bet-Zur in Besitz genommen und eine Abteilung Soldaten dort zurückgelassen.

51Die Belagerung des Tempels zog sich lange Zeit hin. Der König ließ Belagerungstürme und Wurfmaschinen einsetzen, Schleudern für Brandgeschosse und für Steine, dazu Pfeilgeschütze. 52Aber auch die Belagerten bauten solches Kriegsgerät und setzten es dem ihrer Feinde entgegen. So wehrten sie sich lange und mit Erfolg.

53Doch in den Vorratsräumen des Tempels gab es bald keine Lebensmittel mehr. Das Jahr war ein Sabbatjahr und der Rest der Rücklagen vom Vorjahr war an die jüdischen Mitbürger ausgegeben worden, die sich vor den Verfolgungen im angrenzenden Ausland nach Judäa gerettet hatten. 54Der Hunger setzte den Belagerten so zu, dass die meisten sich davonmachten und in ihre Heimatorte zurückkehrten. Nur wenige blieben im Tempel.

Frieden mit Lysias und Antiochus V.

(2 Makk 11,13-15)

55-56Da hörte Lysias, dass Philippus Persien und Medien verlassen habe und mit dem Heer, das König Antiochus in den Osten mitgenommen hatte, im Anmarsch sei, um die Regierung des Reiches zu übernehmen. Der König hatte vor seinem Tod Philippus den Auftrag gegeben, seinen Sohn Antiochus6,55-56 Antiochus V.; siehe Verse 14-16. zu erziehen und an die Macht zu bringen.

57Lysias entschloss sich, die Belagerung sofort zu beenden und abzuziehen. Dem jungen König und den Offizieren und Mannschaften erklärte er: »Unsere Lage wird von Tag zu Tag schwieriger. Wir haben wenig zu essen und der Ort, den wir belagern, ist stark befestigt. Wir haben im Interesse des Reiches jetzt wichtigere Aufgaben zu erfüllen. 58Reichen wir doch diesen Männern die Hand und schließen wir Frieden mit ihnen und ihrem ganzen Volk. 59Gestatten wir ihnen, nach ihren eigenen Gesetzen und Bräuchen zu leben, so, wie sie es früher taten. Alle Schwierigkeiten, die wir mit diesem Volk haben, rühren doch nur daher, dass wir ihm nicht erlauben wollten, nach seinen Gesetzen und Bräuchen zu leben.«

60Der König und die Offiziere waren mit Lysias’ Vorschlag einverstanden. Den Belagerten wurde ein Friedensangebot gemacht und sie nahmen es an. 61Nachdem der König und seine Offiziere noch mit einem Eid versichert hatten, sich an alle vereinbarten Punkte zu halten, räumten die Belagerten ihre Festung.

62Darauf betrat der König den Berg Zion. Als er sah, wie gut der Tempelbezirk befestigt war, brach er sein Wort und ließ gegen die Vereinbarungen die Mauer ringsum einreißen. 63Dann zog er ab und kehrte in Eilmärschen nach Antiochia zurück. Philippus hatte schon von der Stadt Besitz ergriffen. Der junge König eröffnete den Kampf gegen ihn und eroberte die Stadt.

7

Demetrius I. wird König

(2 Makk 14,1-10)

71Im 151. Jahr der griechischen Herrschaft7,1 162/161 v.Chr. entwich Demetrius, der Sohn des Königs Seleukus,7,1 Demetrius I. (162–150 v.Chr.); Seleukus IV. (187–175 v.Chr.). aus Rom, landete mit nur ganz wenigen Männern in einer Stadt an der Mittelmeerküste und machte seinen Anspruch auf das Reich der Seleukiden geltend. 2Als er schließlich in Antiochia in den Königspalast einzog, nahmen die syrischen Truppen Antiochus7,2 Antiochus V. (164–162 v.Chr.). und Lysias fest und wollten sie ihm ausliefern. 3Man meldete es Demetrius, aber er sagte: »Ich will nichts von ihnen sehen.« 4So wurden die beiden von den Soldaten umgebracht und Demetrius ergriff die Herrschaft.

5Bald fanden sich alle aus Israel, die das Gesetz Gottes verraten hatten, bei ihm ein. Ihr Anführer war Alkimus; er machte sich Hoffnungen auf das Amt des Obersten Priesters. 6Sie verklagten ihre Mitbürger beim König; sie sagten zu ihm: »Judas und seine Brüder haben alle deine Anhänger umgebracht und uns aus unserem Land vertrieben. 7Wir bitten dich, schicke einen Mann deines Vertrauens. Er soll sich den Schaden ansehen, den man uns und dem Land des Königs zugefügt hat, und er soll Judas und seine Brüder zur Verantwortung ziehen, sie und alle ihre Helfershelfer.«

Bakchides und Alkimus

8Demetrius betraute Bakchides mit dieser Aufgabe. Bakchides gehörte zum Kreis der Freunde des Königs und war Statthalter über das ganze Gebiet diesseits des Eufrats, einer der wichtigsten Männer des Reiches und dem König treu ergeben. 9Zusammen mit Alkimus, dem Verräter, den der König sofort zum Obersten Priester ernannt hatte, wurde er losgeschickt, um den Vergeltungsschlag gegen die Israeliten durchzuführen. 10Mit einem starken Heer kamen die beiden nach Judäa und ließen heuchlerisch Judas und seinen Brüdern ein Friedensangebot überbringen. 11Aber diese trauten der Sache nicht; denn sie sahen das große Heer, mit dem Bakchides und Alkimus gekommen waren.

12Eine Gruppe von Gesetzeslehrern ging zu Alkimus und Bakchides und suchte mit ihnen zu verhandeln. 13Die Hasidäer unter ihnen waren sogar als Erste in Israel bereit, einen Friedensvertrag abzuschließen.

7,13
2,42
14Sie sagten: »Ein Priester aus der Nachkommenschaft Aarons hat die syrischen Truppen hierherbegleitet; der wird uns sicher keinen Schaden zufügen.«

15Alkimus sprach auch recht freundlich mit ihnen, er schwor sogar: »Wir werden uns nicht an euch und euren Freunden rächen.« 16Sie glaubten ihm, er aber ließ sechzig von ihnen verhaften und sie alle an einem Tag hinrichten. So geschah, was in den Heiligen Schriften steht:

17»Sie haben deine Diener getötet

und haben sie überall liegen gelassen.

Im ganzen Umkreis von Jerusalem

ist das Blut deines Volkes in Strömen geflossen

und niemand war da, der die Toten begrub.«

7,17
zit

18Jetzt bekam das ganze Volk Angst vor Alkimus und Bakchides, denn sie mussten mit Schrecken feststellen: »Sie sind hinterhältig und scheuen vor keinem Unrecht zurück. Sie haben unter Eid Versprechungen gemacht und sich nicht daran gehalten.«

19Bakchides verlegte sein Hauptquartier von Jerusalem nach Bet-Sajit. Er ließ dort viele aus Israel, die zu ihm übergelaufen waren, aber auch eine Reihe anderer Männer aus dem Volk festnehmen und bei der großen Zisterne abschlachten. 20Dann übertrug er Alkimus die Regierungsgewalt in Judäa. Einen Teil der Truppen ließ er zu dessen Unterstützung im Land. Er selbst kehrte zum König nach Antiochia zurück.

21Nun begann für Alkimus der Kampf um seine Anerkennung als Oberster Priester. 22Alle die Männer, die schon früher für Schrecken und Verwirrung im Volk gesorgt hatten, sammelten sich um ihn, brachten das Land unter ihre Kontrolle und richteten viel Unheil an.

23Judas sah all das Unglück, das Alkimus und seine Anhänger unter den Israeliten verursachten; sie trieben es schlimmer als die Fremden. 24Deshalb machte er sich auf, durchzog ganz Judäa und nahm Rache an den Überläufern. So machte er es ihnen unmöglich, sich frei im Land zu bewegen.

25Als Alkimus sah, dass Judas und seine Leute an Macht gewannen und er ihnen nicht mehr gewachsen war, wandte er sich an den König und erhob gegen sie die schlimmsten Anklagen.

Ein entscheidender Schlag: Sieg über Nikanor

(2 Makk 14,11-36; 15,1-36)

26Darauf wurde Nikanor, einer der bewährtesten Truppenführer des Königs, nach Judäa geschickt, um das Volk zu vernichten. Er war voller Feindschaft und Hass gegen Israel.

7,26
3,38
27Mit einem großen Heer kam er nach Jerusalem und versuchte Judas und seine Brüder durch ein Friedensangebot zu täuschen. Er ließ ihnen sagen: 28»Ich suche keinen Krieg mit euch; deshalb will ich in Begleitung ganz weniger Leute zu euch kommen und friedlich mit euch verhandeln.«

29Er kam auch zu Judas und sie begrüßten sich freundschaftlich. Nikanor hatte jedoch seine Begleiter angewiesen, Judas gefangen zu nehmen und zu entführen. 30Judas merkte, dass er einen Anschlag gegen ihn plante, und zog sich zurück. Er ließ sich auf keine weitere Begegnung ein.

31Als Nikanor sah, dass sein Plan entdeckt worden war, ließ er seine Truppen gegen Judas aufmarschieren. Bei Kafar-Salama kam es zum Kampf. 32Fast 500 Soldaten Nikanors fanden den Tod, der Rest floh in die Davidsstadt, die Festung von Jerusalem.

33Nach diesem doppelten Misserfolg erschien Nikanor auf dem Berg Zion. Eine Anzahl von Priestern und Ratsältesten gingen ihm entgegen; sie begrüßten ihn freundlich und zeigten ihm das Brandopfer, das für das Wohl des Königs dargebracht wurde.

7,33
Esra 6,10
34Aber Nikanor hatte nur ein Hohngelächter für sie. Er spuckte sie an, sodass sie unrein wurden, redete voller Anmaßung 35und schwor in seinem Zorn: »Wenn Judas und seine Leute mir nicht unverzüglich ausgeliefert werden, dann lege ich, wenn ich als Sieger hierher zurückkehre, diesen Tempel in Schutt und Asche!« Dann ging er wutschnaubend davon.

36Die Priester kehrten in den Tempelbezirk zurück. Sie stellten sich vor den Brandopferaltar, mit dem Gesicht zum Tempelhaus, und beteten unter Tränen:

7,36
Joel 2,17
37»Gott, du hast dieses Haus ausgewählt, um uns hier nahe zu sein. Es sollte das Haus sein, in dem dein Volk zu dir betet und dir seine Bitten vorträgt.
7,37
Dtn 12,5
1 Kön 8,29-30
38Bestrafe diesen Unmenschen und alle seine Leute! Vergiss nicht, wie sie dich gelästert haben. Lass sie alle durch das Schwert umkommen! Keiner soll am Leben bleiben!«

39Nikanor zog aus Jerusalem ab und schlug bei Bet-Horon sein Lager auf. Dort stieß eine neue syrische Abteilung zu ihm. 40Judas lag mit 3000 Mann bei Hadascha. Er betete: 41»Herr, als damals die Leute des Königs von Assyrien dich verhöhnten, kam dein Engel und erschlug in ihrem Lager 185000 Mann.

7,41
2 Kön 18,17-35
19,35
42So vernichte auch heute das Heer dort vor uns. Die Überlebenden sollen erkennen, dass du Nikanor bestraft hast, weil er gegen deinen Tempel geredet hat. Herr, vernichte den Schurken; gib ihm, was er verdient!«

43Am 13. Tag des Monats Adar7,43 Anfang März 161 v.Chr. kam es zur Schlacht. Nikanors Truppen wurden vernichtend geschlagen. Er selbst war der Erste, der im Kampf fiel; 44darauf warfen seine Soldaten die Waffen weg und flohen.

45Judas und seine Männer verfolgten sie bis nach Geser; das liegt einen Tagesmarsch weit von Hadascha entfernt. Während der Verfolgung bliesen sie die Trompeten. 46Daraufhin kamen die Männer aus allen Ortschaften Judäas, die am Fluchtweg lagen, und traten den Fliehenden entgegen. Diese fluteten zurück und liefen ihren Verfolgern ins Schwert. Nicht ein Einziger von dem ganzen Heer kam mit dem Leben davon.

47Die Männer von Israel nahmen Waffen und Gepäck des besiegten Feindes an sich. Nikanor schlugen sie den Kopf ab und auch die rechte Hand, die er so überheblich gegen den Tempel ausgestreckt hatte. Kopf und Hand wurden nach Jerusalem mitgenommen und dort für alle sichtbar aufgehängt.

48Im Volk herrschte unbeschreiblicher Jubel. Man beging den Tag – es war der 13. des Monats Adar7,48 Der Nikanortag geht demnach unmittelbar dem Purim-Fest voraus; vgl. Est 9,16-22. – als einen großen Freudentag 49und beschloss, ihn jedes Jahr als Festtag zu feiern.

50Nach diesem Sieg über Nikanor hatte Judäa für kurze Zeit Ruhe.

8

Die Römer treten ins Blickfeld

81Damals hörte Judas von den Römern und dem großen Namen, den sie sich gemacht hatten. Sie seien stark und mächtig und freuten sich über jedes Volk, das sie als Bundesgenossen gewinnen könnten. Jedem, der sich an sie wende, böten sie ihre Freundschaft an.

2Man berichtete Judas insbesondere von den Heldentaten, die die Römer in ihren Kämpfen gegen die Kelten vollbracht hatten, und wie sie sie niedergeworfen und tributpflichtig gemacht hatten.8,2 Gedacht ist an die Unterwerfung der Gallier in Norditalien 189 v.Chr. 3Auch in Spanien – so wurde ihm berichtet – hatten die Römer mit Erfolg gekämpft, um die Silber- und Goldgruben in ihre Gewalt zu bekommen. 4Durch Klugheit und Ausdauer hatten sie es geschafft, das ganze Land an sich zu bringen, obwohl es so weit von ihnen entfernt liegt. Könige von den fernsten Ländern8,4 Die karthagischen Heerführer Hannibal und Hasdrubal. waren gegen Rom angetreten und hatten furchtbare Niederlagen erlitten; wer von ihrem Volk am Leben geblieben war, musste den Römern jährlich Tribut zahlen.

5Auch die mazedonischen Könige Philippus und Perseus und die anderen, die sich mit ihnen zusammen gegen die Römer auflehnten, wurden besiegt und unterworfen. 6Sogar Antiochus der Große, der König von Vorderasien,8,6 Der Seleukidenkönig Antiochus III. (223–187 v.Chr.). der den römischen Truppen mit 120 Kriegselefanten, mit Reitern und Streitwagen und einem gewaltigen Heer entgegentrat, erlitt eine vernichtende Niederlage. 7Er blieb zwar am Leben, aber die Römer erlegten ihm und seinen Nachfolgern hohe Tributzahlungen auf. Ferner musste Antiochus Geiseln stellen und einen Teil seines Gebietes abtreten. 8Länder, die zu den einträglichsten seines Reiches gehörten – Jonien, Mysien,8,8 G Indien, Medien (vermutlich Abschreibfehler). Lydien –, nahmen die Römer ihm weg und gaben sie König Eumenes.8,8 Eumenes II. von Pergamon.

9Als die Griechen einen Vernichtungsfeldzug gegen die Römer beschlossen hatten 10und der Plan den Römern bekannt wurde, schickten diese nur einen einzigen ihrer Heerführer; der brachte den Griechen eine schwere Niederlage bei, führte ihre Frauen und Kinder als Gefangene ab, nahm ihr Hab und Gut als Beute, besetzte ihr Land und riss alle Befestigungen nieder. Seither werden die Griechen von den Römern beherrscht.

11-12Auch die anderen Königreiche und die Inselstaaten, die sich gegen Rom erhoben, wurden besiegt und der Herrschaft der Römer unterstellt. So unterwarfen sie die Könige nah und fern. Wer nur von ihnen hörte, bekam schon Angst. Ihren Verbündeten aber und allen, die sich ihrem Schutz unterstellten, waren sie stets zuverlässige Freunde. 13Wem sie zur Herrschaft verhelfen wollten, der kam an die Herrschaft, und wen sie absetzen wollten, den setzten sie ab. So wurden sie groß und mächtig.

14Und doch – wurde Judas berichtet – habe sich niemand von ihnen je eine Krone aufgesetzt oder ein Purpurgewand angelegt, um dadurch Ansehen zu gewinnen. 15Vielmehr hätten sie sich eine Ratsversammlung geschaffen, deren 320 Mitglieder täglich zusammenkämen, um über alles zu beraten und zu beschließen, was die Ordnung im Volk und das allgemeine Wohl betrifft. 16Einem Einzelnen übertrügen sie jeweils für ein Jahr die Regierungsverantwortung und die Herrschaft über ihr ganzes Gebiet. Und alle würden diesem einen gehorchen; Neid und Eifersucht kennten sie nicht.

Das Bündnis mit Rom

17Judas wählte Eupolemus aus, den Sohn von Johanan und Enkel von Koz, sowie Jason, den Sohn von Eleasar, und schickte sie nach Rom. Sie sollten mit den Römern einen Beistandspakt abschließen

8,17
2 Makk 4,11
18und sie veranlassen, Israel von der griechischen Herrschaft zu befreien. Denn die Römer mussten längst bemerkt haben, dass die griechischen Herrscher Israel grausam unterdrückten.

19So unternahmen Eupolemus und Jason die weite Reise nach Rom, traten dort vor die Ratsversammlung und trugen ihr Anliegen vor. Sie sagten: 20»Judas, auch der Makkabäer genannt, und seine Brüder und das Volk der Juden haben uns zu euch geschickt. Wir wollen eurer Friedensordnung beitreten, einen Beistandspakt mit euch schließen und in die Liste eurer Freunde und Bundesgenossen aufgenommen werden.«

21Der Antrag fand die Zustimmung der Ratsmitglieder. 22Die Ratsversammlung stellte eine Urkunde aus, deren Wortlaut auf Bronzetafeln eingraviert und nach Jerusalem geschickt wurde, um die Juden ständig an dieses Bündnis zu erinnern. Der Inhalt der Urkunde lautete:

8,22
14,182648

23»Glück und Gelingen den Römern und dem jüdischen Volk für alle Zeiten zu Wasser und zu Land! Mögen beide Völker von Krieg verschont bleiben!

24Wenn aber doch Krieg ausbricht und die Römer oder einer ihrer Verbündeten irgendwo in ihrem Herrschaftsgebiet angegriffen werden, 25soll das jüdische Volk, je nachdem die Lage es erfordert, mit in den Kampf ziehen und zu entschiedenem Einsatz bereit sein. 26Es darf dem Gegner keinerlei Unterstützung gewähren, weder in Form von Nahrungsmittel- oder Waffenlieferungen noch durch Geld noch durch Bereitstellung von Schiffen. So hat es Rom für gut befunden. Diesen Verpflichtungen hat das jüdische Volk ohne Anspruch auf Entschädigung nachzukommen.

27Das Gleiche gilt umgekehrt: Wenn das jüdische Volk angegriffen wird, werden die Römer, je nachdem die Lage es erfordert, mit in den Kampf ziehen und zuverlässige Bundesgenossen sein. 28Sie werden den Gegnern des jüdischen Volkes keine Unterstützung gewähren, weder durch Nahrungsmittel- oder Waffenlieferungen noch durch Geld noch durch Bereitstellung von Schiffen. So hat es Rom für gut befunden. Diesen Verpflichtungen werden die Römer ohne jeden Hintergedanken nachkommen.

29Dies ist der Wortlaut des Vertrages, den die Römer mit dem jüdischen Volk geschlossen haben. 30Wenn beide Seiten später übereinkommen, etwas hinzuzufügen oder zu streichen, ist das zulässig; solche Zufügungen oder Streichungen sind dann gültig.

31An König Demetrius8,31 Demetrius I.; siehe 7,1. aber haben wir wegen seines Vorgehens gegen die Juden geschrieben: ›Warum gehst du so rücksichtslos mit den Juden um? Sie sind unsere Freunde und Bundesgenossen! 32Wenn sie sich noch einmal deinetwegen bei uns beschweren, werden wir ihnen zu ihrem Recht verhelfen und zu Wasser und zu Land gegen dich Krieg führen.‹«