Gute Nachricht Bibel (GNB)
1

DIE ERHEBUNG DER JUDEN GEGEN DIE UNTERDRÜCKUNG IHRES GLAUBENS

(1,1–2,70)

Alexander der Große und seine Nachfolger

11Alexander, der Sohn Philipps von Mazedonien, brach zu einem Eroberungszug auf und besiegte Darius, den König von Persien und Medien. Er wurde König über dessen ganzes Reich, so wie er zuvor schon über ganz Griechenland geherrscht hatte.

1,1-9
Dan 8,1-820-22
2Er führte beständig Krieg und eroberte eine Festung nach der anderen; überall ließ er die Könige umbringen.
1,2-6
Dan 11,3-4
3Er drang bis in die fernsten Länder vor und plünderte sie aus. Auf der ganzen Erde gab es schließlich niemand mehr, der ihm noch Widerstand leistete. Da wurde er stolz und überheblich.
1,3
Ez 28,1-20
4Mithilfe seines riesigen Heeres unterwarf er Länder, Völker und ihre Herrscher und zwang sie, ihm regelmäßig Tribut zu zahlen.

5Plötzlich wurde er schwer krank. Er merkte, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. 6Da ließ er seine höchsten Offiziere kommen, die zusammen mit ihm erzogen worden waren, und teilte sein Reich unter sie auf, bevor er starb. 7Bei seinem Tod war er zwölf Jahre König gewesen.

8-9Sobald Alexander tot war, übernahmen seine Offiziere die Regierung. Sie machten sich zu Königen, jeder in dem Gebiet, das er bekommen hatte, und vererbten die Herrschaft auf ihre Nachkommen. Das ging so durch viele Generationen. Die Nachfolger Alexanders brachten viel Elend über die Menschen.

10Zuletzt wuchs unter ihnen ein besonders übler Verbrecher heran: Antiochus Epiphanes,1,10 Antiochus IV. (175–164 v.Chr.). Der Beiname Epiphanes (= Theos epiphanes) bedeutet: »Auf Erden erschienener Gott«. ein Sohn des Königs Antiochus.1,10 Antiochus III., der Große (223–187 v.Chr.). Nachdem er als Geisel in Rom gelebt hatte, wurde er im 137. Jahr der griechischen Herrschaft1,10 176/175 v.Chr.; wahrscheinlich Herbst 175. Die Jahre der griechischen Herrschaft werden gezählt vom Regierungsantritt des Königs Seleukus I. im Jahr 312 v.Chr. an. König über das Reich der Seleukiden.

1,10
2 Makk 4,7
Dan 11,21

Israeliten verraten ihren Glauben

(2 Makk 4,10-17)

11Damals traten im Volk Israel Verräter auf und verführten viele dazu, sich vom Gesetz Gottes abzuwenden. Sie forderten ihre Mitbürger auf: »Wir wollen uns mit den fremden Völkern verbrüdern, unter denen wir leben! Denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht.«

1,11 (seit ...)
Esra 9,1–10,17
Jer 44,18

12Ihr Vorschlag fand Anklang 13und einige aus dem Volk erklärten sich bereit, zum König zu gehen und seine Zustimmung einzuholen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Sitten der übrigen Völker zu leben. 14Darauf bauten sie in Jerusalem eine Sportanlage, wie sie bei den anderen Völkern üblich war, 15und ließen sich operieren, damit man ihnen nicht mehr ansah, dass sie beschnitten worden waren. So wurden sie zu Verrätern an dem Bund, den der Herr mit seinem Volk Israel geschlossen hatte. Sie taten sich mit den fremden Völkern zusammen und gaben sich dazu her, alles mögliche Böse zu tun.

Der Tempel in Jerusalem wird ausgeraubt

(2 Makk 5,1.11-16)

16Als Antiochus sah, dass seine Herrschaft gesichert war, fasste er den Plan, auch über Ägypten König zu werden und so über zwei Reiche zu herrschen.

1,16-20
Dan 11,25-28
17Er drang mit einem starken Heer in Ägypten ein, mit Streitwagen, Kriegselefanten, Reitern und einer großen Flotte. 18Er griff den ägyptischen König Ptolemäus1,18 Ptolemäus VI. (181–145 v.Chr.). an und schlug ihn, sodass er fliehen musste; das ägyptische Heer erlitt schwere Verluste. 19Dann eroberte Antiochus die befestigten Städte und plünderte das ganze Land aus.

20Nachdem er Ägypten besiegt hatte, wandte sich Antiochus im 143. Jahr der griechischen Herrschaft1,20 170/169 v.Chr.; wahrscheinlich Spätsommer 169. gegen Israel und zog mit einem großen Heer vor Jerusalem. 21In seiner Überheblichkeit drang er sogar in den Tempel ein und raubte den goldenen Räucheraltar, den siebenarmigen Leuchter mit allem, was dazugehört,

1,21
Ex 30,1-3
25,31-37
22den Tisch, auf dem die geweihten Brote ausgelegt werden, die Kannen und Schalen, die goldenen Räucherpfannen und den Vorhang. Die goldenen Kränze und den gesamten Goldschmuck an der Vorderfront des Tempels ließ er abschlagen.
1,22
Ex 25,23-30
26,31-33
23Das Gold und Silber, die kostbaren Geräte und alles, was er an versteckten Schätzen hatte finden können, 24ließ er in sein Land schleppen. Unter den Einwohnern Jerusalems richtete er ein Blutbad an und trat anmaßend und überheblich auf.

25Da kam große Trauer über ganz Israel,

an allen Orten erhob sich die Klage.

26Die Führer und die Alten stöhnten,

die jungen Leute verloren alle Kraft,

die Schönheit der Frauen welkte dahin;

27der Bräutigam sang die Totenklage

und die Braut saß weinend in ihrer Kammer.

28Selbst die Erde wurde von Beben erschüttert,

das Land litt mit seinen Bewohnern mit.

Schande bedeckte die Nachkommen Jakobs,

Schmach umhüllte sie wie ein Kleid.

Feinde besetzen die Heilige Stadt

(2 Makk 5,24-26)

29Zwei Jahre später schickte König Antiochus einen Beauftragten nach Judäa, um die Steuern einzutreiben. Mit einer starken Heeresmacht erschien er vor Jerusalem.

1,29-64
Dan 11,29-35
30Er erklärte jedoch, er komme in friedlicher Absicht, und die Bewohner glaubten ihm. Da ließ er plötzlich seine Soldaten in die Stadt einfallen. Sie warfen jeden Widerstand nieder und töteten viele Männer aus dem Volk Israel. 31Dann plünderten sie die Stadt, steckten sie in Brand und rissen Häuser und Stadtmauern ein. 32Frauen und Kinder schleppten sie mit und machten sie zu Sklaven; alles, was wertvoll war, nahmen sie als Beute an sich.

33Einen Teil Jerusalems, die sogenannte Davidsstadt, bauten sie als Festung aus. Ringsherum zogen sie eine hohe und starke Mauer mit mächtigen Türmen. 34Als Besatzung legten sie Männer aus fremden Völkern hinein, die das Gesetz Gottes nicht achteten. Diese setzten sich darin fest, 35versahen sich mit Waffen und Nahrungsvorräten und horteten dort auch die Beute, die sie in Jerusalem zusammengeraubt hatten. Sie waren für die Leute von Israel eine ständige Bedrohung.

36Ein Hinterhalt waren sie für den Tempel,

ein gefährlicher Feind für Israel zu jeder Zeit.

37Schuldlosen Menschen brachten sie den Tod

und vergossen ihr Blut rings um den Tempel;

so entweihten sie den heiligen Ort.

38Die Bewohner der Stadt ergriffen die Flucht

und Fremde ließen sich in ihr nieder.

Jerusalems eigene Kinder zogen davon,

denn die Stadt war ihnen keine Heimat mehr.

39Der Tempel war menschenleer wie die Wüste,

die Feste waren in Trauertage verwandelt,

der Sabbat geschändet und verhöhnt.

Statt Ehre erfuhr die Stadt nun Verachtung.

1,39-40
4,38

40So hoch ihr Ruhm einst gewesen war,

so tief war nun ihre Schande;

in Trauer versank Jerusalem.

Ein Reich – ein Volk – ein Glaube

(2 Makk 6,1-11)

41Danach bestimmte König Antiochus durch einen Erlass, dass alle Völker seines Reiches ein einziges Volk bilden sollten. 42Jedes Volk musste seine besonderen Gebräuche aufgeben. Alle anderen Völker fügten sich diesem Befehl 43und führten den Gottesdienst ein, den der König angeordnet hatte. Auch in Israel opferten viele vor den Götzenbildern und entweihten den Sabbat.

44Der König schickte seine Beauftragten nach Jerusalem und in die anderen Städte Judäas. Sie überbrachten Briefe, in denen er befahl, die neuen Gebräuche einzuführen.

1,44-50
Dan 8,11-12
45Die gewohnten Brand-, Mahl- und Trankopfer sollten eingestellt, die Sabbate und Festtage durch Arbeit entweiht 46und das Heiligtum und seine Priester1,46 Wörtlich: das Heiligtum und die Heiligen. Mit den Letzteren könnten auch die Tempelgeräte oder das ganze Volk gemeint sein. durch Einführung abscheulicher Bräuche geschändet werden.

47Der König schrieb vor, dass Opferstätten und Tempel für die fremden Götter errichtet werden sollten. Dort mussten Schweine und andere unreine Tiere geopfert werden.

1,47
Lev 11,1-23
48Die Leute von Israel durften ihre neugeborenen Söhne nicht mehr beschneiden und mussten alles Mögliche tun, was unrein macht und Gott verhasst ist. 49Auf diese Weise sollte das Gesetz des Herrn außer Kraft gesetzt werden; niemand durfte mehr seine Vorschriften befolgen. 50Der König drohte jedem, der seinem Befehl nicht gehorchte, mit der Todesstrafe.

51Entsprechende Verfügungen erließ Antiochus für sein ganzes Reich. Er ordnete auch an, dass der Reihe nach in allen Städten Judäas die neuen Opfergottesdienste veranstaltet werden sollten. Er setzte Beamte ein, die darüber wachen mussten, dass seine Anordnungen im ganzen Land befolgt wurden. 52Viele aus dem Volk Israel schlossen sich den Verrätern an; sie sagten sich vom Gesetz des Herrn los und taten, was dem Herrn ein Gräuel ist. 53Die treuen Israeliten mussten sich vor ihnen verstecken und in allen möglichen Schlupfwinkeln Zuflucht suchen.

Götzendienst im Tempel Gottes

54Am 15. Tag des Monats Kislew im 145. Jahr der griechischen Herrschaft1,54 Dezember 168 v.Chr. ließ König Antiochus oben auf dem großen Brandopferaltar des Tempels einen Götzenaltar aufstellen und entweihte dadurch den Tempel.1,54 Vgl. Sacherklärung »Scheusal, entsetzliches«. Auch in den anderen Städten Judäas ließ er Götzenaltäre bauen.

1,54
Dan 8,11-12
55Vor allen Häusern und auf allen Plätzen wurde Weihrauch verbrannt.

56Wenn die Beauftragten des Königs eine Buchrolle mit dem Gesetz Gottes fanden, rissen sie sie in Fetzen und verbrannten sie. 57Wer eine Gesetzesrolle bei sich versteckte oder das Gesetz Gottes befolgte, wurde aufgrund königlichen Erlasses zum Tod verurteilt. 58Monatelang gingen die Beauftragten des Königs in allen Städten mit roher Gewalt gegen die unter den Israeliten vor, die sich dem Befehl des Königs widersetzten.

59Am 25. Tag des Monats Kislew vollzogen sie auf dem Götzenaltar das erste Opfer.

60Frauen, die ihre Kinder beschneiden ließen, wurden nach der Anordnung des Königs hingerichtet; 61die Säuglinge hängte man ihnen dabei an den Hals. Auch alle ihre Angehörigen und der Mann, der die Beschneidung vorgenommen hatte, wurden umgebracht. 62Trotzdem blieben viele in Israel standhaft und aßen nichts, was nach dem Gesetz Gottes als unrein gilt.

1,62-63
2 Makk 6,18–7,19
63Sie nahmen lieber den Tod auf sich, als verbotene Speisen zu essen und den Bund mit dem Herrn zu brechen. 64Der Zorn des Herrn lag schwer auf Israel.

2

Die Trauer der Frommen

21Damals trat in Israel Mattatias auf, ein Sohn Johanans und Enkel Simeons, ein Priester aus der Priestergruppe Jojarib. Er stammte aus Jerusalem, war dann aber nach Modeïn gezogen.

2,1 (Jojarib)
1 Chr 24,7-18
2Er hatte fünf Söhne: Johanan, den man auch Gaddi nannte, 3Simeon mit dem Beinamen Tassi, 4Judas, der als der Makkabäer2,4 Das Wort ist wahrscheinlich vom aramäischen makkaba = Hammer herzuleiten und bedeutet dann etwa »Hämmerer«. Gaddi heißt »mein Glück«; Awaran könnte »der Blasse« bedeuten, Aphus »der Begünstigte«. bekannt wurde, 5Eleasar, der auch Awaran hieß, und Jonatan mit dem Beinamen Aphus.

6Als Mattatias hörte, wie in Jerusalem und in ganz Judäa Gott verhöhnt wurde, 7klagte er laut:

»Warum nur wurde ich geboren?

Warum muss ich es miterleben,

wie mein eigenes Volk zugrunde gerichtet

und die Heilige Stadt geschändet wird?

Ohnmächtig sitze ich und sehe zu,

wie sie den Feinden ausgeliefert ist,

wie Fremde im Tempel schalten und walten.

8Das Heiligtum ist verächtlich geworden,

wie ein Mann, der seine Ehre verlor:

9Seine prachtvollen Schätze wurden geraubt

und als Beute der Feinde fortgeschleppt.

Die kleinen Kinder wurden hingemordet

auf den Straßen und Plätzen unserer Stadt;

die jungen Männer tötete das Schwert.

10Jedes Volk hat sich an ihr bereichert

und ein Stück der Herrschaft an sich gerissen.

11Die Stadt, einst frei, ist jetzt wie eine Sklavin;

sie haben ihr allen Schmuck genommen.

12Seht doch den Tempel, unseren ganzen Stolz:

Die Feinde haben ihn verwüstet,

die Fremden haben ihn entweiht!

13Was nützt uns dann das Leben noch?«

14Mattatias und seine Söhne zerrissen ihre Kleider, legten den Sack an und klagten laut wie bei einem Todesfall.

Ein Mann greift zum Schwert

15Die königlichen Beauftragten, die die Leute von Israel zum Abfall von ihrem Glauben zwingen sollten, kamen auch nach Modeïn. Sie ordneten einen Gottesdienst an, bei dem Opfer für fremde Götter dargebracht werden sollten. 16Viele versammelten sich dazu. Auch Mattatias und seine Söhne mussten erscheinen.

17Die Beauftragten des Königs wandten sich an Mattatias und sagten: »Du hast in dieser Stadt großen Einfluss; du bist angesehen und man hört auf dein Wort. Deine Söhne und die Familien deiner Brüder stehen geschlossen hinter dir.

2,17
Dan 11,32
18Darum komm als Erster nach vorn und tu, was der König angeordnet hat! Alle anderen Völker haben den Befehl des Königs befolgt und ebenso die Männer Judäas und alle, die in Jerusalem übrig geblieben sind. Wenn du vorangehst, zählt der König dich und deine Söhne zu seinen Freunden und ihr bekommt Silber und Gold in Menge und viele andere Geschenke dazu.«

19Mattatias antwortete so laut, dass alle es hören konnten: »Auch wenn alle Völker im Reich des Königs sich seinem Befehl fügen und anstelle ihrer eigenen Religion den neuen Glauben annehmen, den der König angeordnet hat – 20ich, meine Söhne und meine Brüder bleiben dem Bund treu, den Gott mit unseren Vorfahren geschlossen hat. 21Nie und nimmer gehen wir vom Gesetz des Herrn ab; wir werden keine einzige seiner Vorschriften aufgeben. 22Wenn der König das von uns verlangt, werden wir seinem Befehl nicht gehorchen.«

23Kaum hatte Mattatias das gesagt, da trat ein Jude aus der Menge vor und wollte auf dem Altar das Opfer darbringen, wie der König es angeordnet hatte. 24Als Mattatias das sah, ließ ihn die Leidenschaft für das Gesetz des Herrn alle Rücksicht vergessen. Bebend vor Entrüstung und von gerechtem Zorn erfüllt, sprang er vor und erstach den Verräter auf dem Altar. 25Auch den königlichen Beamten, der die Juden zum Opfer zwingen wollte, erschlug er und zerstörte den Altar. 26In seinem leidenschaftlichen Eifer für das Gesetz des Herrn handelte er genauso wie einst Pinhas, als er Simri, den Sohn von Salu, niederstach.

2,26
Num 25,6-15

27Danach ging Mattatias durch die Stadt und rief: »Wer ist bereit, für das Gesetz zu kämpfen? Wer steht treu zum Bund des Herrn? Er soll mit mir kommen!« 28Dann flüchtete er mit seinen Söhnen in die Berge. Ihren ganzen Besitz ließen sie in der Stadt zurück.

Auch am Sabbat wird gekämpft

29Viele, die dem Gesetz Gottes treu bleiben wollten, zogen sich damals in die Schluchten der judäischen Wüste zurück, um dort zu leben.

2,29-38
2 Makk 6,11
30Ihre Frauen und Kinder und selbst das Vieh hatten sie mitgenommen, denn zu Hause war ihre Lage unerträglich geworden.

31Als die königlichen Beamten in Jerusalem und die Besatzung der Davidsstadt hörten, dass eine große Zahl von Aufsässigen in die Höhlen der Wüste geflüchtet war, 32wurde eine starke Truppenabteilung gegen sie aufgeboten. Sie spürte die Flüchtlinge auf und machte sich sofort zum Kampf bereit, obwohl gerade Sabbat war.

33Die Soldaten riefen den Geflüchteten zu: »Ihr seht, es gibt für euch keinen Ausweg mehr! Kommt heraus aus euren Höhlen und tut, was der König verlangt; dann bleibt ihr am Leben!«

34Sie aber antworteten: »Nein, wir kommen nicht zu euch heraus; wir tun nicht, was der König verlangt! Wir werden aber auch nicht den Sabbat entweihen.«

35Da gingen die Soldaten zum Angriff über. 36Die Gesetzestreuen leisteten keinerlei Widerstand; sie warfen keine Steine auf die Angreifer und versperrten nicht einmal die Zugänge zu den Höhlen. 37Sie riefen: »Lieber wollen wir alle sterben als vor Gott schuldig werden. Himmel und Erde sind Zeugen dafür, dass ihr uns gegen alles Recht ermordet.« 38Obwohl es Sabbat war, drangen die Soldaten auf sie ein und brachten alle um, auch die Frauen und Kinder und das Vieh. Etwa tausend Menschen kamen auf diese Weise ums Leben.

39Mattatias und seine Anhänger hörten davon; sie hielten eine große Trauerfeier für die Toten. 40Aber dann sagten sie zueinander: »Wenn wir es alle so machen wie unsere Freunde, dann sind wir in kürzester Zeit ausgerottet. Wir müssen uns gegen unsere Feinde wehren und um unser Leben und für unsere Gesetze kämpfen.«

41Darum beschlossen sie noch am selben Tag: »Wenn uns jemand am Sabbat angreift, werden wir uns wehren. Wir wollen nicht alle umkommen wie unsere Brüder in ihren Höhlen!«

Erste Erfolge im Befreiungskampf

42Den Leuten um Mattatias schlossen sich damals auch die Hasidäer an, eine Gemeinschaft gesetzestreuer Juden, lauter kampftüchtige Männer. 43Auch alle anderen, die vor den Verfolgern flüchten konnten, stießen zu ihnen und verstärkten ihre Reihen. 44So bildeten die Anhänger des Mattatias eine beachtliche Streitmacht. Sie gingen rücksichtslos gegen die Verräter im eigenen Volk vor, die dem Gesetz Gottes untreu geworden waren. Wer ihnen entrann, floh über die Grenze, um sich in Sicherheit zu bringen.

45Mattatias und seine Leute unternahmen Streifzüge durch das ganze Land; sie rissen die Götzenaltäre nieder 46und beschnitten mit Gewalt alle unbeschnittenen kleinen Jungen, die sie im Gebiet Israels fanden. 47Sie verfolgten alle, die in ihrer Überheblichkeit das Gesetz des Herrn abschaffen wollten, und trieben die Befreiung Israels voran. 48Sie kämpften gegen fremde Völker und Könige für die Geltung des göttlichen Gesetzes. Sie brachen im ganzen Land die Macht des abscheulichen Antiochus.

Das Vermächtnis des alten Mattatias

49Als Mattatias spürte, dass er sterben musste, sagte er zu seinen Söhnen:

»Schlimme Zeiten sind über uns gekommen! Verbrecher schalten und walten im Land; der Herr ist zornig auf uns und straft uns hart. 50Darum, meine Söhne, kämpft für das Gesetz und setzt euer Leben ein für den Bund, den Gott mit unseren Vorfahren geschlossen hat.

2,50-61
Sir 2,10
51Nehmt euch ein Vorbild an den Taten, die unsere Vorfahren in der großen alten Zeit vollbrachten! Dann werdet auch ihr berühmt werden und euer Name wird nie in Vergessenheit geraten.

52Denkt an Abraham: Von Gott auf die Probe gestellt, blieb er treu; und dies rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an.

2,52
Gen 22,1-18
15,6

53Denkt an Josef: Er ließ sich nicht verführen, sondern gehorchte Gottes Gebot, und so wurde er Herrscher über Ägypten.

2,53
Gen 39,7-20
41,40-41

54Denkt an unsern Vorfahren Pinhas: Er kämpfte leidenschaftlich für die Sache Gottes, darum versprach Gott ihm, dass seine Nachkommen für alle Zeiten Priester sein sollten.

2,54
Sir 45,23-25

55Denkt an Josua: Er erfüllte den Auftrag, den Mose ihm gab, darum wurde er Richter in Israel.

2,55
Ex 17,9-13
Num 27,18-23
Jos 1,1-9

56Denkt an Kaleb: Vor dem ganzen Volk bezeugte er die Wahrheit, darum bekam er einen Anteil an Israels Land.

2,56
Num 14,6-924
Jos 14,13-14

57Denkt an David: Er war Gott treu, darum versprach ihm Gott, dass sein Königtum für alle Zeiten bestehen werde.

2,57
2 Sam 7,16

58Denkt an Elija: Er kämpfte mit Leidenschaft für das Gesetz des Herrn, darum fuhr er lebendig zum Himmel auf.

2,58
1 Kön 18,20-40
19,10
2 Kön 2,11

59Denkt an Hananja, Asarja und Mischaël: Sie vertrauten fest auf den Herrn, darum rettete er sie aus dem glühenden Ofen.

2,59
Dan 1,6-7
3,1-30

60Denkt an Daniel: Weil Gott keine Schuld an ihm fand, rettete er ihn vor den Löwen.

2,60
Dan 6,15-23

61Durchforscht die ganze Vergangenheit Israels und ihr werdet sehen: Gott lässt niemand im Stich, der ihm vertraut. 62Habt also keine Angst, wenn euch dieser abscheuliche Verbrecher droht! Er mag noch so großspurig auftreten, bald fressen die Würmer sein faulendes Fleisch. 63Heute noch steht er mächtig da, aber morgen schon ist es mit ihm vorbei. Er muss zu Staub werden und mit seinen Plänen ist es aus.

2,63
Ps 37,35-36
146,3-4
64Seid also mutig und standhaft, meine Söhne, und kämpft für das Gesetz des Herrn; denn das wird euch Ehre bringen.«

65Dann fuhr Mattatias fort: »Wenn ich tot bin, sollt ihr euren Bruder Simeon wie euren Vater achten. Ich weiß, dass er ein sicheres Urteil hat. Hört deshalb immer auf seinen Rat! 66Judas, der Makkabäer, soll die Kriegführung übernehmen und unser Heer befehligen. Von Jugend auf hat er sich im Kampf ausgezeichnet. 67-68Sammelt alle um euch, die treu zum Gesetz halten. Zahlt den Fremden heim, was sie eurem Volk angetan haben! Beachtet die Vorschriften des Gesetzes!«

69Mattatias segnete seine Söhne und wurde im Tod mit seinen Vorfahren vereint. 70Er starb im 146. Jahr der griechischen Herrschaft.2,70 167/166 v.Chr. Seine Söhne bestatteten ihn in der Grablege seiner Väter in Modeïn und ganz Israel hielt eine große Totenklage um ihn.

3

DIE TATEN VON JUDAS, DEM MAKKABÄER

(3,1–9,22)

Judas, der große Befreier

31Judas, der Makkabäer, trat nun an die Stelle seines Vaters Mattatias. 2Alle seine Brüder standen hinter ihm; auch alle, die sich seinem Vater angeschlossen hatten, leisteten ihm Gefolgschaft. Begeistert setzten sie den Kampf für die Befreiung Israels fort.

3Zu welchem Ruhm hat er sein Volk gebracht –

Judas, ein wahrer Riese im Kampf!

Er zog den Panzer an und griff zu den Waffen.

Er führte das Heer in die Schlacht

und gab ihm Sicherheit durch sein Schwert.

4Beim Angriff glich er einem jungen Löwen,

der sich brüllend auf die Beute wirft.

5Alle, die Gottes Gesetz übertraten,

spürte er auf und bestrafte sie.

Und alle, die sein Volk verwirrten,

rottete er mit Feuer aus.

6Die Furcht vor ihm ließ alle erzittern,

sie verloren den Mut und vergingen vor Angst.

So gelang es ihm, sein Volk zu befreien.

7Manchem König machte er viel Verdruss,

doch Israel brachte er große Freude.

Das Andenken an ihn und seine Taten

sei für immer in Ehren gehalten!

8Er zog durch alle Städte von Juda

und rottete dort die Treulosen aus;

so rettete er Israel vor Gottes Zorn.

9Er sammelte, was schon verloren war.

Bis in die fernsten Länder reicht sein Ruhm!

Judas besiegt Apollonius und Seron

10Apollonius zog syrische Truppen sowie ein starkes Heer aus Samarien zusammen und rückte an, um den Aufstand in Israel niederzuwerfen. 11Judas erfuhr davon und zog Apollonius entgegen. Er besiegte das feindliche Heer und tötete Apollonius; auch viele der feindlichen Soldaten kamen um, die übrigen flohen. 12Die Männer Israels rüsteten sich mit den erbeuteten Waffen aus. Judas nahm das Schwert von Apollonius an sich; in allen weiteren Kämpfen war es von jetzt an seine Waffe.

13Seron, der Oberbefehlshaber der syrischen Streitkräfte, hörte, dass Judas eine Schar gesetzestreuer und kampfentschlossener Männer um sich gesammelt hatte. 14Da sagte er: »Ich werde gegen diese Leute Krieg führen, weil sie die Befehle des Königs missachten. Dadurch kann ich im ganzen Reich berühmt werden.« 15Ein großes Heer schloss sich ihm an, lauter gottvergessene Leute, die ihm helfen wollten, den Vergeltungsschlag gegen Israel zu führen.

16Judas zog ihnen mit einer kleinen Schar entgegen. An der Steige von Bet-Horon trafen sie aufeinander. 17Als die Männer das feindliche Heer sahen, sagten sie zu Judas: »Wir sind nur eine Handvoll Leute, wie sollen wir gegen eine solche Übermacht kämpfen? Außerdem sind wir ganz erschöpft, wir haben den ganzen Tag noch nichts gegessen!«

18Judas antwortete: »Es kann leicht geschehen, dass viele von wenigen überwältigt werden. Gott kann sein Volk durch eine kleine Zahl genauso retten wie durch eine große.

3,18-19
Ri 7,2-8
1 Sam 14,6
19Denn Gottes Kraft schafft den Sieg, nicht die Größe des Heeres. 20Diese Männer kommen voller Anmaßung und Feindschaft gegen das Gesetz Gottes daher und wollen uns, unsere Frauen und Kinder umbringen und unser Hab und Gut rauben. 21Aber wir kämpfen um unser Leben und für die Aufrechterhaltung unserer Gesetze. 22Deshalb wird Gott die Feinde vor unseren Augen vernichten. Habt nur ja keine Angst vor ihnen!«

23Judas ließ sofort angreifen und Seron und sein Heer wurden vernichtend geschlagen. 24Judas und seine Leute verfolgten sie die Steige von Bet-Horon hinunter bis in die Ebene. Von den Gegnern fielen an die achthundert Mann. Der Rest floh in das Gebiet der Philister.

25Da fing man an, Judas und seine Brüder zu fürchten. Schrecken befiel die Völker ringsum. 26Überall erzählte man von seinen Taten und auch der König erfuhr davon.

Der König beauftragt Lysias, das jüdische Volk zu vernichten

27Als Antiochus von den Vorfällen hörte, wurde er sehr zornig. Er ließ alle Truppen seines Reiches zusammenziehen, ein gewaltiges Heer. 28Er stellte aus dem königlichen Schatz Sold für ein Jahr bereit und befahl den Soldaten, sich für jeden Fall bereitzuhalten.

29Er musste jedoch feststellen, dass er damit sein ganzes Geld verbraucht hatte. Auch das Steueraufkommen war stark zurückgegangen, weil Antiochus durch die Aufhebung der alteingewurzelten Bräuche viel Unfrieden und Unglück über die Länder seines Reiches gebracht hatte. 30Der König war nun in Sorge, dass er – wie es früher schon mehrmals vorgekommen war – seinen Aufwand einschränken müsste und keine Geschenke mehr verteilen könnte. Er war nämlich bisher sehr freigebig gewesen, mehr als seine Vorgänger.

31In seiner großen Verlegenheit beschloss er, nach Persien zu ziehen, von den dortigen Ländern die Steuern einzutreiben und so wieder genug Geld zusammenzubringen. 32Als Statthalter über das Gebiet zwischen dem oberen Eufrat und der ägyptischen Grenze ließ er Lysias zurück, einen angesehenen Mann aus der königlichen Familie. 33Ihm vertraute er auch für die Zeit seiner Abwesenheit die Erziehung seines Sohnes Antiochus3,33 Antiochus V. (164–162 v.Chr.). an.

34Antiochus unterstellte Lysias die Hälfte aller seiner Truppen, dazu die Kriegselefanten, und gab ihm Anweisungen für alle anstehenden Maßnahmen, auch für das Vorgehen gegen die Bewohner von Judäa und Jerusalem. 35Nach dem Willen des Königs sollte Lysias ein Heer entsenden und den Widerstand dieses Volkes ein für alle Mal brechen. Er sollte Israel und den Rest von Jerusalem so gründlich vernichten, dass nichts mehr an dieses Volk erinnern würde. 36In dem ganzen Gebiet sollte eine fremde Bevölkerung angesiedelt und das Land durch das Los an sie verteilt werden.

37Mit der anderen Hälfte seiner Truppen brach der König aus seiner Hauptstadt Antiochia auf und zog über den Eufrat in die östlichen Länder seines Reiches. Das war im 147. Jahr der griechischen Herrschaft.3,37 166/165 v.Chr.; wahrscheinlich Frühjahr 165.

Lysias schickt Gorgias und Nikanor nach Judäa

(2 Makk 8,8-11)

38Lysias beauftragte Ptolemäus, den Sohn von Dorymenes, sowie Nikanor und Gorgias, drei tüchtige Männer aus dem Kreis der Freunde des Königs,

3,38
2 Makk 4,45
39und schickte sie mit 40000 Mann und 7000 Reitern nach Judäa. Sie sollten den Befehl des Königs ausführen und das Land zur Wüste machen. 40Ihr Heer setzte sich in Marsch, kam nach Judäa und schlug in der Ebene bei Emmaus sein Lager auf. 41Dort schlossen sich noch Truppen aus Idumäa3,41 G Syrien. Im hebräischen Original des Berichts war »Edom« (= Idumäa) und »Aram« (= Syrien) leicht zu verwechseln. an. Die Händler der Umgebung hörten davon und fanden sich im Lager ein, um die gefangenen Männer Iraels als Sklaven aufzukaufen. Zu dem Zweck hatten sie eine Menge Silber und Gold und auch die nötigen Fußfesseln mitgebracht.

Die Juden bereiten sich auf den Kampf vor

(2 Makk 8,12-23)

42Judas und seine Brüder sahen, dass die Lage sich gefährlich zugespitzt hatte und das feindliche Heer bereits in Judäa stand. Sie hörten auch, dass der König den Befehl erteilt hatte, das Volk der Juden endgültig zu vernichten. 43Da sagten sie zueinander: »Wir werden der Erniedrigung unseres Volkes ein Ende machen; wir werden für unser Volk und für das Heiligtum kämpfen!«

44Alle Männer Israels kamen zusammen, um sich für den Kampf zu rüsten und im Gebet Gottes Erbarmen und Hilfe zu erflehen; aber:

45Jerusalem lag unbewohnt,

leer wie die Wüste war die Stadt.

Von allen, denen sie einst Heimat war,

ließ sich niemand mehr in ihr sehen.

Der heilige Tempel war entweiht

und Ausländer saßen in der Festung;

sie war ein Lagerplatz für alle Fremden.

Die Freude war aus Israel verschwunden,

Flöten und Harfen blieben stumm.

3,45
Dan 8,13

46Deshalb zog die versammelte Menge nach Mizpa, einem Ort in der Nähe von Jerusalem, an dem Israel früher eine Gebetsstätte hatte.
3,46
Ri 20,1
47Dort zerrissen sie alle ihre Kleider, legten den Sack an, streuten Asche auf ihren Kopf und fasteten den ganzen Tag.

48Sie breiteten die Buchrolle mit dem Gesetz Gottes aus, um aus ihm eine Weisung zu empfangen, wie sie sich die fremden Völker durch Befragung ihrer Götterbilder geben lassen. 49Sie hatten auch die Priestergewänder mitgebracht und die ersten Früchte der Getreideernte und die Erstgeburten des Viehs und den Zehnten. Auch die Gottgeweihten, deren Gelübde abgelaufen war, hatte man nach Mizpa bestellt.

50Die versammelte Menge schrie zu Gott: »Was sollen wir mit diesen heiligen Gaben und mit diesen Menschen machen? Wo sollen wir sie hinbringen? 51Dein Heiligtum ist zertreten und entweiht und deine Priester sind erniedrigt und trauern. 52Und jetzt sind die Fremden gegen uns angetreten und wollen uns ausrotten. Du weißt, was sie mit uns vorhaben. 53Wie sollen wir ihrem Angriff standhalten, wenn du uns nicht hilfst?« 54Die Trompeten wurden geblasen und es erhob sich ein lautes Geschrei.

55Darauf bestimmte Judas die Anführer für die Tausend- und Hundertschaften des Heeres und für die Einheiten von fünfzig und zehn Mann. 56Alle, die erst kürzlich geheiratet oder ein Haus gebaut oder Weinberge angelegt hatten, und alle, die Angst hatten, wurden entsprechend der Vorschrift im Gesetz des Herrn nach Hause geschickt.

3,56
Dtn 20,5-8
57Danach brach das Heer von Mizpa auf und bezog südlich von Emmaus sein Lager.

58Judas sagte zu den Männern: »Nehmt all euren Mut zusammen und haltet euch bereit! Morgen in der Frühe werden wir das Heer der Fremden angreifen, das sich zusammengerottet hat, um uns und unser Heiligtum zu vernichten. 59Lieber wollen wir kämpfend sterben, als den Untergang unseres Volkes und des Heiligtums mit ansehen zu müssen. 60Aber Gott weiß, was er beschlossen hat. Sein Wille soll geschehen!«