Gute Nachricht Bibel (GNB)
11

Der Ägypterkönig täuscht Alexander und bringt Syrien in seine Gewalt

111König Ptolemäus11,1 Ptolemäus VI. von Ägypten sammelte viele Truppen – die Menge seiner Soldaten war unzählbar wie die Sandkörner am Meeresstrand – und stellte eine starke Flotte auf. Er wollte Alexander mit List stürzen und dessen Herrschaftsgebiet seinem eigenen angliedern.

11,1-2
10,57-58

2Er rückte in Syrien ein und versicherte, in friedlicher Absicht zu kommen. Die Städte öffneten sich ihm und ihre Einwohner gingen ihm in Festzügen entgegen. Alexander selbst hatte befohlen, Ptolemäus als seinen Schwiegervater festlich zu empfangen.

3In jeder Stadt, die ihn aufnahm, hinterließ er einen Teil seiner Truppen als Besatzung. 4Als er nach Aschdod kam, zeigten ihm die Bewohner den niedergebrannten Tempel Dagons und die Verwüstungen in der Stadt und in den umliegenden Ortschaften. Am Wegrand hatten sie haufenweise die Leichen der Soldaten aufgeschichtet, die im Kampf mit Jonatan gefallen oder ein Opfer der Flammen geworden waren.

11,4
10,84
5Sie erzählten Ptolemäus, was Jonatan getan hatte, und hofften, den König damit gegen ihn einzunehmen. Doch der König ging nicht darauf ein.

6Jonatan kam ihm mit glänzendem Gefolge nach Joppe entgegen. Sie begrüßten einander und blieben die Nacht über dort. 7Jonatan begleitete den König noch bis zum Fluss Eleutherus und kehrte dann nach Jerusalem zurück.

8Ptolemäus brachte alle Städte an der Mittelmeerküste bis hinauf nach Seleukia in seine Gewalt. Er war entschlossen, Alexander zu stürzen. 9Von Seleukia aus schickte Ptolemäus an König Demetrius11,9 Demetrius II. folgende Botschaft:

»Lass uns ein Bündnis miteinander schließen: Ich werde dir meine Tochter Kleopatra, die Gemahlin Alexanders, zur Frau geben und du sollst die Herrschaft über das Reich deines Vaters bekommen.

11,9-10
10,67
10Ich bereue es, dass ich Alexander meine Tochter zur Frau gegeben habe; denn er hat versucht, mich zu ermorden.«

11Den Vorwurf gegen Alexander erhob Ptolemäus nur, weil er selbst die Herrschaft über Syrien ergreifen wollte. 12Er nahm also Alexander seine Tochter Kleopatra weg und gab sie Demetrius zur Frau. Er brach alle Beziehungen zu Alexander ab und jedem wurde klar, dass die beiden zu Feinden geworden waren.

13Dann zog er in die Hauptstadt Antiochia ein und setzte sich die Krone des Seleukidenreiches auf. So trug er jetzt also zwei Kronen, die von Ägypten und die von Vorderasien.

Das Ende Alexanders und des Ägypterkönigs

14König Alexander war zu der Zeit in Kilikien, weil dort ein Aufstand drohte. 15Als er hörte, was geschehen war, rückte er mit seinen Truppen heran. Aber Ptolemäus trat ihm mit einem starken Heer entgegen und schlug Alexanders Truppen in die Flucht. 16Alexander entkam nach Arabien und suchte dort Schutz; Ptolemäus aber stand auf dem Gipfel seiner Macht.

17Der Araberfürst Sabdiël ließ Alexander enthaupten und den abgeschlagenen Kopf Ptolemäus überbringen. 18Doch Ptolemäus selber starb zwei Tage darauf. Die Leute, die er in den befestigten Städten als Besatzung zurückgelassen hatte, wurden von den Einwohnern umgebracht 19und so konnte Demetrius11,19 Demetrius II. den Thron besteigen. Das war im 167. Jahr der griechischen Herrschaft.11,19 146/145 v.Chr.; genauer: Spätsommer 145.

Das Bündnis zwischen Jonatan und Demetrius II.

20Damals hatte Jonatan gerade die Männer Judäas zur Belagerung der Festung in Jerusalem aufgeboten und viele Belagerungsmaschinen in Stellung gebracht.

11,20
6,18-20
21Einige Juden, die das Gesetz Gottes missachteten, Feinde ihres eigenen Volkes, gingen zu Demetrius und berichteten ihm davon. 22Voller Zorn verlegte der König sofort sein Hauptquartier nach Ptolemaïs und gab Jonatan schriftlich den Befehl, die Belagerung abzubrechen und unverzüglich bei ihm in Ptolemaïs zu einer Unterredung zu erscheinen.

23Jonatan befahl, die Belagerung fortzusetzen. Dann wagte er sich in die Höhle des Löwen und ging mit einigen ausgewählten Ratsältesten und Priestern nach Ptolemaïs. 24Er nahm Silber und Gold, kostbare Gewänder und viele andere Geschenke mit und es gelang ihm, die Gunst des Königs zu gewinnen. 25Verräter aus Israel, die mit Beschuldigungen gegen Jonatan auftraten, konnten daran nichts ändern.

26Demetrius behandelte Jonatan, wie es schon Alexander und Ptolemäus vor ihm getan hatten: In Anwesenheit aller Freunde des Königs wurde Jonatan mit hohen Ehren ausgezeichnet,

11,26
10,618-2088
27im Amt des Obersten Priesters und in allen anderen Ämtern und Würden bestätigt und in den Kreis der Ersten der Freunde des Königs aufgenommen.

28Jonatan bat sich von König Demetrius Steuerfreiheit aus für Judäa und die drei Bezirke Samariens,11,28 die drei Bezirke Samariens: vermutlicher Text. G die drei Bezirke und Samarien (vgl. 10,30.38; 11,34). die an Judäa angeschlossen worden waren, und versprach dafür eine einmalige Zahlung von 300 Zentnern Silber. 29Der König ging darauf ein und ließ für Jonatan eine schriftliche Bestätigung dieser Vereinbarungen ausfertigen:

30»König Demetrius grüßt seinen Bruder Jonatan und das jüdische Volk.

31Zu eurer Kenntnis lasse ich euch hiermit eine Abschrift des Briefes zukommen, den ich in eurer Angelegenheit an Lasthenes, Mitglied der königlichen Familie, geschrieben habe:

32›König Demetrius grüßt seinen väterlichen Freund Lasthenes. 33Das jüdische Volk hat seine Freundschaft zu mir durch die Tat bewiesen und ist allen seinen Verpflichtungen nachgekommen. Dafür will ich mich ihm erkenntlich zeigen und habe deshalb Folgendes beschlossen:

34Ich bestätige den Juden das Recht auf Judäa und auf die drei Bezirke Efraim, Lydda und Ramatajim; sie sind von Samarien abgetrennt und in vollem Umfang Judäa angeschlossen worden. Allen, die im Tempel von Jerusalem ihre Opfer darbringen, wird die Zahlung der Steuern erlassen, mit denen der König jährlich die Getreideernte und alle geernteten Baumfrüchte belegte. 35Auch die anderen Leistungen, auf die ich Anspruch habe, der Zehnte, die sonstigen Steuern, die Salzsteuer und die goldenen Ehrenkronen für den König, sind den Juden erlassen. 36Diese Anordnungen sind unwiderruflich; sie gelten für alle Zukunft. 37Sorge dafür, dass eine Abschrift von ihnen in eine Bronzetafel eingraviert und Jonatan übergeben wird. Sie soll auf dem Tempelberg an einer Stelle, wo sie allen zugänglich ist, aufgestellt werden.‹«

Jonatan rettet Demetrius II. aus großer Gefahr

38Als König Demetrius sah, dass das Land unter seiner Herrschaft zur Ruhe gekommen war und sich kein Widerstand mehr gegen ihn regte, löste er mit Ausnahme der Söldnertruppe, die er auf den griechischen Inseln angeworben hatte, sein ganzes Heer auf und schickte die Soldaten nach Hause.

Das nahmen ihm die Männer, die alle schon unter seinen Vorgängern gedient hatten, sehr übel. 39Tryphon, ein alter Anhänger Alexanders, sah, wie sehr sie alle über Demetrius verärgert waren. Er ging zu Jamliku, dem Araberfürsten, unter dessen Obhut Antiochus,11,39 Antiochus VI. (145–142 v.Chr.). der kleine Sohn Alexanders, heranwuchs. 40Dort blieb er längere Zeit und bedrängte Jamliku unablässig, er solle ihm Antiochus mitgeben, damit dieser in der Nachfolge seines Vaters Alexander die Herrschaft übernehme. Tryphon berichtete Jamliku auch, welche Anordnungen Demetrius getroffen hatte und wie sehr die Soldaten ihn hassten.

41Jonatan hatte inzwischen König Demetrius gebeten, die Besatzungstruppen aus der Festung in Jerusalem und aus den anderen Festungen in Judäa abzuziehen; sie kämpften nämlich immer noch gegen Israel.

42Demetrius ließ Jonatan darauf ausrichten: »Gern erfülle ich deinen und deines Volkes Wunsch. Ich werde dich und dein Volk auch noch mit den höchsten Ehren auszeichnen, sobald es die Umstände mir erlauben. 43Im Augenblick aber wäre es gut, wenn du mir Kriegsleute schicktest, auf die ich mich verlassen kann, denn alle meine Truppen sind von mir abgefallen.«

11,43
10,36

44Jonatan schickte 3000 kampferprobte Soldaten nach Antiochia und der König war sehr froh über ihr Erscheinen. 45Wenig später kam es zu einem Volksaufstand. Das Volk von Antiochia rottete sich im Zentrum der Stadt zusammen – etwa 120000 Menschen – und war entschlossen, den König zu beseitigen. 46Demetrius flüchtete in seinen Palast, das Volk riegelte alle Zugänge ab und traf Vorbereitungen, den Palast zu stürmen.

47Da rief der König die Juden zu Hilfe. Sie waren sofort zur Stelle, schwärmten in der Stadt aus und erschlugen an dem Tag etwa 100000 Aufständische. 48Sie steckten die Stadt in Brand und machten reiche Beute. So retteten sie den König.

49Als die Aufständischen merkten, dass die Juden die Stadt völlig in ihrer Hand hatten und mit ihr machen konnten, was sie wollten, war es mit ihrem Mut vorbei. Sie flehten den König an: 50»Schließ Frieden mit uns! Wenn nur die Juden aufhören, gegen uns und die Stadt zu wüten!«

51Sie warfen ihre Waffen weg und ergaben sich. Hoch geehrt vom König und hoch angesehen bei allen seinen Leuten im Reich, konnten die Juden beutebeladen nach Jerusalem heimziehen.

Jonatan im Dienst des Gegenkönigs Antiochus VI.

52Als Demetrius die Zügel wieder fest in der Hand hatte und Ruhe im Land herrschte, 53wollte er nichts mehr von all dem wissen, was er den Juden versprochen hatte. Statt die Dienste zu belohnen, die Jonatan ihm erwiesen hatte, wandte er sich von ihm ab und verfügte harte Maßnahmen.

54Dann aber kehrte Tryphon nach Syrien zurück und brachte den jungen Antiochus11,54 Antiochus VI. mit. Antiochus setzte sich die Krone auf und trat die Herrschaft an. 55Alle Soldaten, die Demetrius entlassen hatte, standen sofort auf seiner Seite und zogen gegen Demetrius zu Feld. Demetrius musste fliehen. 56Tryphon erbeutete die Kriegselefanten und nahm Antiochia ein.

57Der junge König schrieb Jonatan einen Brief, in dem er ihn als Obersten Priester bestätigte, seine Herrschaft über Judäa und die drei von Samarien abgetrennten Bezirke anerkannte und ihn in den Kreis seiner Freunde aufnahm. 58Zugleich übersandte er ihm goldenes Tafelgeschirr und verlieh ihm das Recht, aus goldenem Becher zu trinken und das Purpurgewand und die goldene Spange zu tragen. 59Simeon, den Bruder Jonatans, ernannte er zum Befehlshaber aller Streitkräfte im Bereich zwischen der Tyrischen Treppe11,59 Ein hoher, unmittelbar ins Meer abfallender Bergrücken etwa 15 Kilometer südlich von Tyrus, die natürliche Grenze zwischen Phönizien und Palästina. und der ägyptischen Grenze.

60Jonatan brach von Jerusalem auf und durchzog das Gebiet westlich des Eufrats; er besuchte vor allem die großen Städte. Alle Truppen, die Demetrius entlassen hatte, schlossen sich ihm an.

Als Jonatan nach Aschkelon kam, zogen ihm die Bürger der Stadt zur Begrüßung entgegen. 61In Gaza jedoch verschloss man vor ihm die Tore. Jonatan belagerte die Stadt und plünderte und verbrannte die Ortschaften in ihrer Umgebung. 62Darauf waren die Leute von Gaza bereit, sich zu unterwerfen. Jonatan schloss Frieden mit ihnen, nahm aber die Söhne der führenden Männer als Geiseln und ließ sie nach Jerusalem bringen. So durchzog er das ganze Land bis hinauf nach Damaskus.

63Als Jonatan wieder nach Judäa zurückgekehrt war, wurde ihm gemeldet, dass die Heerführer des Königs Demetrius mit einer großen Streitmacht bei Kedesch in Galiläa erschienen seien, um seinen Unternehmungen ein Ende zu setzen. 64Er zog ihnen entgegen und übergab das Kommando in Judäa seinem Bruder Simeon.

65Simeon zog mit seinen Truppen vor Bet-Zur, kämpfte längere Zeit gegen die Stadt und hielt sie eingeschlossen. 66Schließlich baten die Belagerten um Frieden. Simeon nahm das Angebot an; doch mussten alle die Stadt verlassen. Er nahm Bet-Zur in Besitz und legte Truppen hinein.

67Jonatan bezog mit seinem Heer ein Lager am See Gennesaret. Von dort brach er frühmorgens auf und marschierte weiter in die Ebene von Hazor. 68In der Ebene kam ihnen das feindliche Heer entgegen. Jonatan wusste nicht, dass die Feinde eine Abteilung vorausgeschickt und im Gebirge einen Hinterhalt gelegt hatten. Während das Hauptheer von vorn angriff, 69fiel die Truppe aus dem Hinterhalt den Leuten Jonatans in die Flanke. 70Das ganze jüdische Heer ergriff die Flucht; alle ließen Jonatan im Stich außer zwei Truppenführern: Mattatias, dem Sohn Abschaloms, und Judas, dem Sohn Halfis.

71Jonatan zerriss seine Kleider, streute sich Erde auf den Kopf und betete. 72Dann nahm er den Kampf mit den Feinden auf und zwang sie zur Flucht. 73Als die Juden, die vor den Feinden davongelaufen waren, es sahen, kehrten sie um und nahmen mit Jonatan zusammen die Verfolgung auf. Sie trieben die Feinde zurück bis in ihr Lager bei Kedesch.

74An diesem Tag waren etwa 3000 Syrer gefallen. Darauf kehrte Jonatan nach Jerusalem zurück.

12

Jonatans Bündnisse mit Rom und Sparta

121Als Jonatan sah, dass sich alles so vorteilhaft für ihn entwickelte, schickte er eine Gesandtschaft nach Rom, um die alte Freundschaft mit den Römern zu bestätigen und zu erneuern.

12,1
8,17-32
2Zum gleichen Zweck ließ er auch den Spartanern und anderen Völkern Briefe überbringen.

3Die Gesandtschaft reiste nach Rom, trat dort vor die Ratsversammlung und richtete ihren Auftrag aus: »Der Oberste Priester Jonatan und das jüdische Volk haben uns zu euch gesandt, um den alten Beistandspakt zu erneuern.«

4Die Römer versahen die Gesandten darauf mit Begleitschreiben für ihre Rückreise nach Judäa. Darin wurden die Behörden aller Länder aufgefordert, für sicheres Geleit zu sorgen.

5Den Spartanern ließ Jonatan folgendes Schreiben überbringen:

6»Der Oberste Priester Jonatan, der Rat der Ältesten des Volkes, die Priester und das ganze Volk der Juden grüßen ihre Brüder, die Spartaner.

12,6-18
12,20-23
14,20-23
2 Makk 5,9
7Schon vor längerer Zeit hat einer eurer Könige, Arëus,12,7 Gemeint ist Arëus I., der von 309–265 v.Chr. regierte. einen Brief an unseren Obersten Priester Onias12,7 Onias I., der ca. 323–300 v.Chr. Oberster Priester war. gerichtet und darin festgestellt, dass ihr mit uns blutsverwandt seid. Wir haben noch die Abschrift jenes Briefes. 8Onias hat den Überbringer seinerzeit ehrenvoll empfangen und hat den Brief entgegengenommen, in dem ihr uns einen Beistandspakt antrugt.

9Wir sind zwar auf eure Unterstützung nicht angewiesen, unsere Kraft beziehen wir aus den Heiligen Schriften, die wir besitzen,

12,9
2 Makk 15,9
Röm 15,4
10dennoch wollten wir jetzt diese Botschaft an euch richten und die brüderliche Gemeinschaft und den Freundschaftspakt mit euch erneuern. Wir wollen einander nicht fremd werden, zumal schon einige Zeit verstrichen ist, seitdem ihr eure Gesandtschaft zu uns geschickt habt.

11Wir haben euch in der Zwischenzeit nicht vergessen: Bei den Festen und allen anderen Gelegenheiten, bei denen Opfer dargebracht werden, erinnern wir uns an euch und schließen euch in unsere Gebete ein; das sind wir euch als unseren Brüdern schuldig!

12Wir freuen uns, dass ihr zu so großer Berühmtheit gelangt seid. 13Bei uns nahmen die Schwierigkeiten und Kriege kein Ende. Immer wieder wurden wir von den Königen im Norden und im Süden angegriffen. 14Wir wollten euch wie auch den anderen Völkern, mit denen wir befreundet und verbündet sind, nicht zur Last fallen und haben euch nicht zu Hilfe gerufen. 15Wir haben ja im Himmel den, der uns hilft; er hat uns gerettet und unsere Feinde zu Boden geschlagen.

12,15
3,18-22

16Jetzt haben wir Numenius, den Sohn von Antiochus, und Antipater, den Sohn von Jason, nach Rom geschickt, um den alten Beistandspakt mit den Römern zu erneuern. 17Gleichzeitig haben wir die beiden angewiesen, auch zu euch zu gehen. Sie sollen euch unsere Grüße übermitteln und diesen Brief überbringen, in dem wir euch anbieten, die brüderliche Gemeinschaft mit uns zu erneuern. 18Wir würden uns freuen, auf dieses Angebot eine Antwort zu erhalten.

19Wir fügen eine Abschrift des Briefes bei, den Onias seinerzeit von eurem König Arëus erhielt:

20›Arëus, der König der Spartaner, grüßt den Obersten Priester Onias.

12,20-23
12,6-18

21In einer Schrift, die über die Spartaner und die Juden handelt, fand sich der Nachweis, dass beide Völker von Abraham abstammen und also miteinander blutsverwandt sind. 22Seit uns das bekannt geworden ist, drängt es uns, zu erfahren, wie es um euch steht. Wir würden uns freuen, darüber etwas von euch zu hören, 23und werden euch dann antworten. Eure Viehherden und euer sonstiger Besitz gehört ja uns, wie auch unser Besitz euch gehört. Unsere Gesandten sind beauftragt, euch in dieser ganzen Angelegenheit alle nötigen Erklärungen zu geben.‹«

Weitere Kämpfe gegen Truppen und Verbündete von Demetrius II.

24Jonatan erfuhr, dass die Heerführer des Königs Demetrius12,24 Demetrius II. erneut gegen ihn im Anmarsch seien, und zwar mit einem größeren Aufgebot als beim ersten Mal. 25Er brach von Jerusalem auf und rückte ihnen bis in die Gegend von Hamat entgegen. Sie sollten gar nicht erst die Möglichkeit haben, in sein Gebiet vorzudringen.

26Jonatan schickte Spione ins feindliche Lager und erfuhr durch sie, dass die feindlichen Truppen für die kommende Nacht einen Überfall auf das jüdische Lager planten. 27Bei Sonnenuntergang befahl er deshalb allen seinen Leuten, wach zu bleiben, die Waffen nicht aus der Hand zu legen und sich die Nacht über für den Kampf bereitzuhalten. Rings um das Lager stellte er Posten auf.

28Als die Soldaten im feindlichen Lager erfuhren, dass Jonatan und seine Leute sich zum Kampf gerüstet hatten, verließ sie aller Mut. Sie zündeten in ihrem Lager die Feuer an und machten sich davon. 29Jonatan und seine Leute sahen die Lagerfeuer brennen und merkten erst am Morgen, was geschehen war. 30Sie nahmen zwar die Verfolgung auf, konnten die feindlichen Truppen aber nicht mehr einholen; sie hatten den Eleutherus schon überschritten.

31Jonatan wandte sich darauf gegen den Araberstamm der Sabbadäer. Er besiegte sie und nahm ihnen alle Waffen ab. 32Dann zog er nach Damaskus, um in dem ganzen Gebiet dort nach dem Rechten zu sehen.

33Simeon war inzwischen nicht untätig gewesen. Er war auf Aschkelon und die anderen Festungen in diesem Gebiet zumarschiert, dann aber plötzlich nach Joppe abgebogen. Er hatte die Stadt eingenommen 34und eine Besatzung hineingelegt. Ihm war nämlich zu Ohren gekommen, dass die Bewohner ihre Stadt den Leuten des Königs Demetrius übergeben wollten.

Jonatans Festungsbauten in Judäa und Jerusalem

35Nach seiner Rückkehr aus dem Gebiet von Damaskus versammelte Jonatan den Kreis der Ratsältesten und beriet mit ihnen über die Anlage von Festungen in Judäa.

12,35
13,33
36Auch die Stadtmauern von Jerusalem sollten erhöht und zwischen Stadt und Festung sollte eine besonders hohe Mauer errichtet werden. Dadurch sollte die Festung von der Stadt völlig abgeschnitten und der fremden Besatzung jede Möglichkeit genommen werden, in die Stadt zu kommen, um sich dort mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen zu versorgen.
12,36
6,18-20

37Bei den Arbeiten zur Befestigung der Stadt wirkte das ganze Volk mit. Ein Teil der Mauer über dem Kidrontal stürzte ein und musste wieder aufgebaut werden. Auch der Stadtteil, der Kafnata heißt, wurde wieder aufgebaut.

38Simeon stellte die Stadt Hadid auf den westlichen Ausläufern des judäischen Berglandes wieder her und befestigte sie mit Mauern und gut zu sichernden Toren.

Jonatan in den Händen des Verräters Tryphon

39Tryphon wollte König Antiochus beseitigen, um sich selbst die Krone Vorderasiens aufzusetzen.

12,39
11,39
40Aber er fürchtete, dass Jonatan das nicht zulassen und gegen ihn kämpfen werde. Darum suchte er ihn in seine Gewalt zu bekommen und umzubringen. In dieser Absicht zog er mit einem Heer nach Bet-Schean.

41Jonatan kam ihm dorthin entgegen; er hatte ein Heer von 40000 kampferprobten Männern bei sich. 42Als Tryphon das sah, fürchtete er sich, etwas gegen Jonatan zu unternehmen. 43Er empfing ihn mit allen Ehren, stellte ihn seinen Freunden vor, machte ihm Geschenke und befahl seinen Freunden und den Soldaten, Jonatan genauso zu gehorchen wie ihm selbst.

44Dann sagte er zu Jonatan: »Warum bemühst du ein ganzes Heer, wo uns doch gar kein Krieg droht? 45Schicke die Kriegsleute nach Hause und behalte nur einige Männer bei dir. Du sollst mich nach Ptolemaïs begleiten. Ich will Ptolemaïs und den Rest der Festungen samt den Truppen und den zivilen Behörden in jenen Gebieten deinem Befehl unterstellen. Nur deshalb bin ich gekommen. Dann ziehe ich wieder ab.«

46Jonatan glaubte Tryphon. Er schickte das Heer nach Judäa zurück 47und behielt nur 3000 Mann bei sich. Davon ließ er 2000 in Galiläa, sodass nur 1000 ihn bis nach Ptolemaïs begleiteten. 48Aber kaum hatte Jonatan die Stadt betreten, da schlossen sich hinter ihm die Tore. Er wurde festgenommen und alle seine Begleiter wurden mit dem Schwert erschlagen.

49Sofort schickte Tryphon Fußvolk und Reiterei nach Galiläa und in die Jesreel-Ebene, um Jonatans Truppen dort zu vernichten. 50Die jüdischen Einheiten hatten erfahren, dass Jonatan gefangen war, und meinten, er sei mit allen seinen Begleitern umgebracht worden. Da machten die Männer sich gegenseitig Mut und traten in fest gefügter Schlachtordnung den feindlichen Verbänden entgegen.

51Als die Feinde merkten, dass die Juden zu einem Kampf auf Leben und Tod entschlossen waren, machten sie kehrt. 52Ohne Verluste konnten die jüdischen Einheiten Judäa erreichen, aber sie beklagten den Tod Jonatans und seiner Begleiter und machten sich Sorgen wegen der Zukunft.

In ganz Israel herrschte nun große Trauer. 53Alle Nachbarvölker aber machten sich bereit, das jüdische Volk zu vernichten. Sie sagten sich: »Jetzt haben sie keinen Anführer mehr, keinen, der sie retten kann. Wir greifen sie an und vernichten sie so gründlich, dass sich kein Mensch mehr an sie erinnern wird.«

13

SIMEON VOLLENDET DAS WERK SEINER BRÜDER

(13,1–16,24)

Simeon übernimmt die Führung

131Simeon hörte, dass Tryphon mit einem großen Heer bereitstand, um den vernichtenden Schlag gegen Judäa zu führen. 2Er sah auch, welche Panik diese Nachricht im Volk auslöste. Da ging er nach Jerusalem und berief eine Volksversammlung ein.

3Er machte dem Volk Mut und sagte: »Ihr wisst, wie wir – meine Familie, meine Brüder, ich selbst – uns für das Gesetz Gottes und den Tempel eingesetzt und welche Kämpfe und Gefahren wir auf uns genommen haben. 4Alle meine Brüder haben ihr Leben dabei gelassen, sie sind für Israel gestorben, bis schließlich nur ich allein übrig blieb.

13,4
2,2-5
6,4347
9,1836-38
12,50
5Aber ich denke nicht daran, in der Stunde der Gefahr mein Leben zu schonen. Soll es mir besser gehen als meinen Brüdern? 6Nein, jetzt, da all die fremden Völker sich wieder zusammengetan haben und uns in ihrem Hass vernichten wollen, werde ich für mein Volk und für den Tempel kämpfen; ich werde eure Frauen und Kinder schützen!«

7Diese Rede machte dem Volk wieder Mut 8und alle riefen Simeon zu: »Führe du uns! Tritt an die Stelle deiner Brüder Judas und Jonatan! 9Nimm unsere Sache in die Hand! Wir tun alles, was du befiehlst!«

10Simeon rief sofort alle wehrfähigen Männer zu den Waffen. Er beeilte sich, den Mauerbau in Jerusalem zum Abschluss zu bringen und die Stadt ringsum zu sichern. 11Jonatan, den Sohn Abschaloms, schickte er mit einem hinreichend starken Heer nach Joppe. Die Einwohner mussten ihre Stadt verlassen; Jonatan und seine Truppen setzten sich in ihr fest.

13,11
12,33-34

Tryphons Misserfolg. Jonatans Tod

12Tryphon brach mit einem starken Heer von Ptolemaïs auf, um in Judäa einzumarschieren. Simeons Bruder Jonatan führte er als Gefangenen mit.

13Simeon schlug sein Lager bei Hadid am Rand der Küstenebene auf.

13,13
12,38

14Als Tryphon erfuhr, dass Simeon die Stelle seines Bruders Jonatan eingenommen habe und schon gerüstet sei, den Kampf mit ihm aufzunehmen, ließ er ihm folgende Botschaft übermitteln: 15»Ich halte deinen Bruder Jonatan nur fest, weil er der königlichen Kasse Gelder schuldig geblieben ist, die er aufgrund seiner Ämter zahlen muss. 16Ich lasse ihn sofort wieder frei, wenn du mir 100 Zentner Silber schickst und dazu zwei seiner Söhne als Geiseln. Ich will sichergehen, dass er nicht gegen mich Partei ergreift, sobald er wieder auf freiem Fuß ist.«

17Simeon wusste genau, dass Tryphon nicht Wort halten würde. Trotzdem ließ er das Geld und die Kinder herbeischaffen, um sich nicht den Hass des Volkes zuzuziehen. 18Es sollte ihm nicht vorwerfen können, er sei schuld an Jonatans Tod, weil er das Lösegeld und die Geiseln verweigert habe.

19Simeon schickte also Tryphon das Geld und die beiden Kinder. Der aber leugnete ab, irgendetwas versprochen zu haben, und gab Jonatan nicht heraus.

20Jetzt wollte Tryphon auf judäisches Gebiet vorstoßen, um sein Vernichtungswerk zu beginnen. Dabei suchte er Simeon auszuweichen und wählte den Umweg über Adorajim. Aber wohin er auch marschierte, überall war Simeon mit seinem Heer schon zur Stelle und hinderte ihn, in Judäa einzufallen.

21Die feindliche Besatzung der Festung von Jerusalem schickte Boten an Tryphon, die ihn zur Eile drängten. Sie forderten ihn auf, von der Wüste her einen Durchbruch zu versuchen und Nahrungsmittel für sie heranzuschaffen.

13,21
6,18-20
22Für dieses Unternehmen bot Tryphon seine gesamte Reiterei auf. Aber gerade in dieser Nacht schneite es sehr stark und er konnte deshalb nicht durchkommen.

Tryphon ließ darauf seinen Plan fallen und zog ab in Richtung Gilead. 23In der Nähe von Baskama ließ er Jonatan umbringen und bestatten. 24Dann marschierte er weiter und kehrte in sein Land zurück.

Die Grabanlage in Modeïn

25Simeon holte den Leichnam seines Bruders nach Modeïn und bestattete ihn in der Stadt seiner Vorfahren.

13,25
2,69-70
9,19
26Ganz Israel hielt eine große Totenklage für Jonatan; tagelang beweinte ihn das Volk.

27Über der Grabstätte seines Vaters und seiner Brüder errichtete Simeon einen großen, weithin sichtbaren Bau, der an der Vorder- und Rückseite mit polierten Steinplatten verblendet war. 28Auf dem Bau erhoben sich sieben Pyramiden, von denen sechs paarweise einander zugeordnet waren und an Simeons Vater, seine Mutter und seine vier Brüder erinnern sollten. 29Die Anlage war eingefasst durch hohe Säulen, die mit steinernen Bildwerken geschmückt waren. Die einen zeigten Rüstungen und Waffen und verkündeten so den Kriegsruhm der Toten, die anderen zeigten Schiffe, die man schon vom Meer aus sehen konnte.13,29 Die Verse 28 und 29 sind in manchen Einzelheiten nicht sicher zu deuten. 30Die Grabanlage, die Simeon baute, steht bis heute in Modeïn.

Das neue Bündnis mit Demetrius II.: Freiheit für Judäa

31Tryphon ließ den jungen König Antiochus heimtückisch ermorden

13,31
12,39
32und setzte sich selbst die Krone Vorderasiens auf. Das Land hatte schwer unter ihm zu leiden.

33Simeon baute die Festungen in Judäa aus. Sie erhielten starke Mauern, hohe Türme und gut gesicherte Toranlagen. In den Festungen legte er Lebensmittelvorräte an.

13,33
12,35

34Darauf schickte er eine Gesandtschaft zu König Demetrius,13,34 Demetrius II. um bei ihm Steuernachlass zu erwirken. Denn Tryphon hatte das Land rücksichtslos ausgeraubt.

13,34
11,52-56
35Die Gesandtschaft kehrte mit folgendem Antwortschreiben zurück:

36»König Demetrius grüßt Simeon, den Obersten Priester und Freund der Könige, sowie den Rat der Ältesten und das ganze jüdische Volk.

13,36-40
10,25-45

37Ich habe den goldenen Kranz und den Palmzweig, den ihr mir übersandt habt, empfangen und bin bereit, endgültig mit euch Frieden zu schließen. Ich werde meine Behörden anweisen, euch Steuernachlass zu gewähren. 38Alle Vorrechte, die ich euch früher schon einmal gewährt habe, bleiben in Kraft. Auch die Festungen, die ihr angelegt habt, sollen euch nicht genommen werden.

39Ich vergebe euch alle Fehler und Vertragsverletzungen, deren ihr euch in jüngster Vergangenheit schuldig gemacht habt, und erlasse euch zugleich die Lieferung der goldenen Ehrenkrone, die ihr mir schuldig seid. Sollten sonst noch irgendwelche Steuern in Jerusalem erhoben worden sein, so sind auch diese in Zukunft nicht mehr zu zahlen.

40Wenn es bei euch junge Leute gibt, die geeignet sind, in meiner Leibgarde Dienst zu tun, werden sie von mir angenommen. Zwischen uns soll endgültig Frieden herrschen.«

41So wurde Israel im 170. Jahr der griechischen Herrschaft13,41 143/142 v.Chr.; wahrscheinlich Mai 142. vom fremden Joch befreit.
13,41
Jer 30,8
42Von da an leitete man in Israel Urkunden und Verträge mit dem Satz ein: »Im soundsovielten Jahr der Regierung Simeons, des großen Obersten Priesters, des Heerführers und Oberhauptes der Juden.«

Simeon erobert Geser

43Damals ging Simeon auch gegen die Stadt Geser vor und schloss sie mit seinen Truppen ein. Er ließ einen mächtigen Belagerungsturm bauen und an einen Turm der Stadtbefestigung heranfahren. Der Stadtturm wurde erobert 44und die Besatzung des Belagerungsturmes drang in die Stadt ein.

Unter der Bevölkerung entstand eine Panik. 45Die Männer kamen mit ihren Frauen und Kindern auf die Stadtmauer. Alle zerrissen ihre Kleider und schrien und flehten, Simeon solle Frieden mit ihnen schließen, 46er solle doch Gnade vor Recht ergehen lassen.

47Simeon ließ sich erweichen. Der Kampf wurde eingestellt; aber alle Einwohner mussten die Stadt verlassen. Die Häuser, in denen man Bilder der fremden Götter fand, wurden rein gemacht; dann hielt Simeon mit seinen Leuten unter Preis- und Dankliedern Einzug in die Stadt. 48Alle Spuren des alten Götzendienstes wurden beseitigt und Männer angesiedelt, die dem Gesetz Gottes gehorchten.

Simeon ließ die Befestigungsanlagen von Geser noch weiter ausbauen und für sich selbst einen Palast errichten.

Die Festung von Jerusalem in jüdischer Hand

49Die Besatzung der feindlichen Festung in Jerusalem war inzwischen von jeder Verbindung abgeschnitten. Die Belagerten konnten nicht mehr einkaufen und hatten kaum mehr etwas zu essen; viele verhungerten.

13,49
6,18-20
50Da baten sie Simeon um Frieden. Simeon schenkte ihnen das Leben, befahl ihnen aber, die Festung zu räumen. Dann ließ er alles daraus entfernen, was gegen das Gesetz Gottes verstieß.

51Mit Jubelrufen und mit Palmzweigen in der Hand zogen nun die Männer Israels in die Festung ein. Zur Begleitung von Lauten, Harfen und Zimbeln sangen sie Dank- und Freudenlieder, weil der letzte und gefährlichste Stützpunkt des Feindes gefallen war. Das war am 23. Tag des 2. Monats im Jahr 171 der griechischen Herrschaft.13,51 Mai/Juni 141 v.Chr.

13,51
1,31-37
52Simeon bestimmte, dass dieser Tag jedes Jahr gefeiert werden sollte. Er ließ die Mauern des Tempelbezirks auf der Seite zur Festung hin verstärken und machte die Festung zum Wohnsitz für sich und sein Gefolge.

53Seinen Sohn Johanan, der inzwischen zu einem Mann herangewachsen war, ernannte Simeon zum Befehlshaber des gesamten Heeres. Johanan nahm seinen Amtssitz in Geser.