BasisBibel (BB)

Der Richter der Welt

941Herr94,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., du Gott der Vergeltung,

du Gott der Vergeltung, erscheine!

2Steh doch auf, du Richter der Welt!

Es gibt Leute, die voll Hochmut handeln.

Zahl ihnen ihre Taten heim!

3Wie lange noch94,3 wie lange noch: Typische Frage im Klagelied, die Gott an seine Barmherzigkeit erinnern soll., Herr, dürfen die Frevler94,3 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.,

wie lange dürfen die Frevler triumphieren?

4Sie reden wie ein Wasserfall und halten freche Reden.

Sie brüsten sich, alle diese Übeltäter!

5Sie trampeln auf deinem Volk herum, Herr,

und unterdrücken dein Eigentum94,5 Eigentum: Bezeichnung für das Volk Israel und Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen Gott, dem Land und seinem Volk..

6Sie töten die Witwen94,6 Witwe: Frau, deren Mann verstorben ist und die dadurch rechtlich, sozial und wirtschaftlich in eine schwierige Lage geriet. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Witwen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt. und Fremden94,6 Fremder: Person, die nicht zur Gemeinschaft Israels gehört und häufig wirtschaftlich schlechter gestellt war. Fremde sind durch das Gastrecht geschützt.

und ermorden die Waisenkinder94,6 Waise: Kind, dessen Eltern gestorben sind und dessen Versorgung dadurch nicht mehr sicher ist. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Waisen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt..

7Sie sagten: »Der Herr sieht es nicht!

Der Gott Jakobs94,7 Gott Jakobs: Bezeichnung für den Gott Israels. Sie steht für das persönliche Treueverhältnis zwischen Gott und dem Stammvater seines Volkes. merkt es nicht!«

8Merkt euch das, ihr Dummen im Volk!

Habt ihr denn gar keinen Verstand?

Wann kommt ihr nur zur Vernunft?

9Er, der den Menschen Ohren schenkte:

Sollte der selbst nicht hören können?

Er, der die Augen geschaffen hat:

Sollte der selbst nicht sehen können?

10Er, der die fremden Völker erzieht:

Sollte der denn nicht strafen können?

Er, der die Menschen Erkenntnis lehrt! –

11Der Herr kennt die Pläne des Menschen.

Er weiß, dass sie sich in Luft auflösen.

12Glücklich zu preisen ist der Mensch,

den du, Herr, für das Leben erziehst –

den du in der Heiligen Schrift94,12 Heilige Schrift: Im Judentum die Tora, die Weisung Gottes, wie sie in den fünf Büchern Mose steht. unterrichtest.

13So gibst du ihm Gelassenheit in schweren Zeiten,

bis man dem Frevler94,13 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. das Grab geschaufelt hat.

14Denn der Herr lässt sein Volk nicht im Stich.

Sein Eigentum94,14 Eigentum: Bezeichnung für das Volk Israel und Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen Gott, dem Land und seinem Volk. überlässt er keinem anderen.

15Denn die Rechtsprechung kehrt zur Gerechtigkeit94,15 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes. zurück.

Hinter ihr stehen alle, die aufrichtig sind.

16Wer leistet mir Beistand gegen die Bösen?

Wer verteidigt mich gegen die Übeltäter?

17Wäre der Herr mir nicht zu Hilfe gekommen,

wäre ich beinahe in Totenstille94,17 Totenstille: Steht hier für das Totenreich unter der Erde. versunken.

18Wenn ich dachte: »Mein Fuß verliert den Halt!«,

hat deine Güte, Herr, mich gestützt.

19Als viele Sorgen mich im Innern bedrückten,

hat dein Trost mich wieder froh gemacht.

20Darf sich das Willkürgericht auf dich berufen,

wenn es das Recht über die Maßen beugt?

21Gegen den Gerechten94,21 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. rotten sie sich zusammen

und Unschuldige wollen sie schuldig sprechen.

22Doch der Herr wurde für mich zur festen Burg94,22 Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort.,

mein Gott ist zum Fels meiner Zuflucht94,22 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt. geworden.

23Denn er zahlte ihnen ihre Verbrechen heim,

durch ihre eigene Bosheit vernichtet er sie.

Ja, er vernichtet sie, der Herr, unser Gott.