BasisBibel (BB)
90

Das vierte Buch der Psalmen

Psalm 90–106

Wertvolle Lebenszeit

901EIN GEBET, VON MOSE90,1 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote., DEM MANN GOTTES.

Herr, ein Versteck90,1 Versteck: Anspielung auf den Tempel, der Schutz vor Verfolgung bietet. bist du für uns gewesen

von Generation zu Generation.

2Die Berge waren noch nicht geboren,

die ganze Welt lag in Geburtswehen90,2 Geburtswehen: Bild für die Erschaffung der Welt..

Da bist du, Gott, schon da gewesen,

vom ersten Anfang bis in alle Zukunft.

3Du bringst die Menschen zurück zum Staub90,3 Staub: Bild für das Totenreich, das unter der Erde liegt..

Andere rufst du ins Leben und sprichst:

Kommt zur Welt, ihr Menschenkinder90,3 Menschenkinder: Poetischer Ausdruck für die Menschheit.!

4Denn tausend Jahre vergehen vor deinen Augen,

als wäre es gestern gewesen.

Sie gehen so schnell vorbei wie eine Nachtwache.

5Du reißt die Menschen aus dem Leben,

sie vergehen wie der Schlaf.

Sie sind nichts weiter als Gras,

das am Morgen zu wachsen beginnt.

6Am Morgen blüht es und wächst hoch,

am Abend wird es geschnitten und welkt.

7Ja, durch deinen Zorn90,7 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. schwand unsere Lebenskraft,

deine Wut ließ uns zu Tode erschrecken.

8Du hast dir unsere Vergehen vorgenommen.

Und was wir vor dir verbergen wollten,

hast du ins Licht deines Angesichts gestellt.

9Ja, unsere Lebenszeit verging durch deinen Zorn,

wir verbrachten unsere Jahre wie einen Seufzer.

10Unser Leben dauert etwa 70 Jahre,

und wenn wir bei Kräften sind, auch 80 Jahre.

Das meiste daran ist nur Arbeit und vergebliche Mühe.

Schnell ist es vorüber, im Flug sind wir dahin.

11Wer weiß schon, wie mächtig dein Zorn ist?

Und wer kann ermessen, wie wütend du bist?

12Lass uns begreifen, welche Zeit wir zum Leben haben –

damit wir klug werden und es vernünftig gestalten.

13Herr90,13 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., wende dich uns wieder zu!

Wie lange90,13 wie lange noch: Typische Frage im Klagelied, die Gott an seine Barmherzigkeit erinnern soll. willst du noch zornig90,13 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. sein?

Hab Mitleid mit deinen Knechten90,13 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen.!

14Schenk uns doch schon am Morgen

die ganze Fülle deiner Güte!

So wollen wir jubeln und uns freuen

alle Tage unseres Lebens.

15Mach uns so viele Tage wieder froh,

wie du uns zuvor niedergedrückt hast.

Schenk uns so viele gute Jahre,

wie wir zuvor Unglück erfahren haben.

16Zeig an deinen Knechten deine Macht

und an ihren Kindern deine Herrlichkeit90,16 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor.!

17So soll sich an uns erweisen,

wie freundlich der Herr ist, unser Gott!

Lass das Werk unserer Hände gelingen!

Ja, das Werk unserer Hände, lass es gelingen!

91

Unter Gottes Flügeln

911Wer unter dem Schutz des Höchsten91,1 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. wohnt,

wer im Schatten des Gewaltigen91,1 der Gewaltige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. die Nacht verbringt,

2der sagt wie ich über den Herrn91,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.:

»Meine Zuflucht91,2 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt. ist er und meine Burg91,2 Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort.,

mein Gott, dem ich vertraue!«

3Ja, er rettet dich vor dem Netz91,3 Netz: Wird bei der Jagd eingesetzt, um Tiere darin zu fangen. des Jägers,

vor den Verderben bringenden Pfeilspitzen.

4Er breitet seine Schwingen aus über dir.

Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht.

Wie ein Schild91,4 Schild: Abwehrwaffe in der Schlacht und Bild für Gottes Schutz. schützt dich seine Treue,

wie eine Schutzmauer umgibt sie dich.

5Du brauchst keine Angst mehr haben:

weder vor den Gefahren, die in der Nacht drohen –

noch vor den Pfeilen, die am Tag daherfliegen.

6Du brauchst dich nicht zu fürchten:

weder vor der Pest, die sich heimlich ausbreitet –

noch vor den Seuchen, die offen wüten.

7Auch wenn tausend neben dir fallen,

zehntausend an deiner rechten Seite:

Dich wird das Unglück nicht erreichen.

8Vielmehr wirst du es mit eigenen Augen sehen

und erleben, wie die Frevler91,8 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. bestraft werden.

9Ja, du sagst wie ich: »Der Herr ist meine Zuflucht91,9 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt.

Beim Höchsten91,9 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. hast du ein Versteck gefunden.

10Kein Unheil wird über dich hereinbrechen

und kein Schicksalsschlag wird dein Zelt treffen.

11Denn er wird seinen Engeln91,11 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. befehlen,

dich zu beschützen, wohin du auch gehst.

12Auf ihren Händen werden sie dich tragen,

damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

13Über Löwen und Kobras91,13 Kobra: Tödliche Giftschlange. Im Alten Orient ist das Schreiten über gefährliche Tiere ein Bild für die Herrschaft von Göttern und Königen. wirst du hinwegschreiten.

Junglöwen und Giftschlangen wirst du zertreten.

14»Weil er mit Liebe an mir hängt, will ich91,14 ich: Hier spricht Gott. ihn retten!

Ich beschütze ihn, weil er meinen Namen kennt.

15Wenn er mich ruft, antworte ich ihm.

Ich bin für ihn da, wenn ihm Gefahr droht.

Ich reiße ihn heraus und sorge dafür,

dass er wieder zu Ansehen kommt.

16Ich werde ihm ein langes Leben schenken.

Meine heilvolle Zukunft soll er sehen.«

92

Voller Saft und Kraft

921EIN PSALM, EIN LIED.

FÜR DIE FEIER AM SABBAT92,1 Sabbat: In der Bibel der siebte Tag der Woche, heute unser Samstag. Er gilt im Judentum als Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf..

2Schön ist es, dem Herrn92,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. zu danken

und deinen Namen92,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum., du Höchster92,2 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist., zu preisen.

3Gerne verkünde ich am Morgen deine Güte

und erzähle in den Nächten von deiner Treue –

4zum Klang der Bassleier92,4 Bassleier: Großes Musikinstrument mit tief klingenden Saiten. mit zehn Saiten,

zum rhythmischen Spiel der Handleier92,4 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden..

5Ja, dein Tun, Herr, hat mich froh gemacht.

Ich will jubeln über die Werke deiner Hände.

6Wie großartig sind doch deine Werke, Herr.

Was du planst, hat einen tiefen Sinn.

7Ein Dummkopf, wer das nicht erkennt!

Und wer seinen Verstand nicht gebraucht,

wird nichts davon begreifen.

8Wenn Frevler92,8 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. wie Gras aus dem Boden wachsen,

dann sollen sie nur blühen, all diese Übeltäter!

Am Ende blüht ihnen, dass sie vernichtet werden!

9Du aber thronst für immer in der Höhe, Herr!

10Sieh hin, es sind ja deine Feinde, Herr!

Sieh hin, deine Feinde verschwinden.

Die Übeltäter zerstreuen sich in alle Winde.

11Du aber hast mich stark gemacht wie einen Stier92,11 Stier: Wörtlich »du hast mein Horn erhöht gleich dem Stier«. Im Alten Orient ist das Horn ein Bild für die königliche Macht..

Mit frischem92,11 frisch: Wörtlich »grün«. Ein besonders feines Öl, das aus Oliven frisch gepresst wird. Salböl92,11 Salböl: Ein mit wohlriechenden Zusätzen vermengtes, kostbares Öl. Es wird bei bestimmten religiösen Handlungen verwendet. hast du mich übergossen.

12Meine Augen sahen auf meine Verleumder herab.

Und von den Bösen, die mich bekämpft haben,

werden meine Ohren noch hören.

13Doch der Gerechte92,13 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. wird wachsen wie eine Palme.

Er wird groß werden wie eine Zeder92,13 Zeder: Bis zu 30 m hoher Gebirgsbaum, der vor allem im Libanon wächst. im Libanon92,13 Libanon: Gebirgszug nördlich von Israel mit bis zu 3000 m hohen, dicht bewaldeten Bergen..

14Die beim Haus des Herrn92,14 Haus Gottes: Bezeichnet den Tempel in Jerusalem. eingepflanzt sind,

werden in den Höfen92,14 Höfe: Der Tempel in Jerusalem war von einem inneren und äußeren Vorhof umgeben. unseres Gottes wachsen.

15Noch im hohen Alter tragen sie Frucht.

Voller Saft und Kraft werden sie sein.

16Sie werden verkünden: »Der Herr ist gerecht!

Er ist mein Fels92,16 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt., bei ihm gibt es kein Unrecht.«