BasisBibel (BB)
8

Die Würde des Menschen

81FÜR DEN CHORLEITER.

ZU SPIELEN AUF DEM MUSIKINSTRUMENT AUS GAT.

EIN PSALM, VON DAVID8,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

2Herr8,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., unser Herrscher,

wie machtvoll ist dein Name8,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum.auf der ganzen Erde!

Deine Herrlichkeit8,2 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. strahlt über dem Himmel8,2 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. auf!

3Dem Geschrei von Kindern und Säuglingen

hast du Macht verliehen über deine Widersacher.

Feinden und Rachgierigen setzt du ein Ende.

4Schaue ich hinauf zum Himmel,

staune ich über das Werk deiner Finger8,4 Werk deiner Finger: Sonne und Mond, die Gott wie Lampen aus Ton geformt hat..

Betrachte ich den Mond und die Sterne,

die du dort oben befestigt hast, so frage ich:

5Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst,

das Menschenkind, dass du dich seiner annimmst?

6Kaum geringer als Gott8,6 kaum geringer als Gott: Der Mensch ist das Geschöpf, das Gott nach seinem Bild geschaffen hat; vgl. 1. Mose/Genesis 1,26-27.

so hast du den Menschen geschaffen.

Du schmückst ihn mit einer Krone8,6 Krone: Bild für die königliche Stellung des Menschen.

so schenkst du ihm Herrlichkeit und Würde8,6 Würde: Die Würde des Menschen ist von Gott verliehen und deshalb unantastbar..

7Die Werke deiner Hände hast du ihm anvertraut.

Alles hast du ihm zu Füßen gelegt:

8Schafe, Ziegen und Rinder – alle zusammen,

und dazu die wilden Tiere auf dem Feld,

9die Vögel am Himmel und die Fische im Wasser

und was sonst die Meere durchzieht.

10Herr, unser Herrscher,

wie machtvoll ist dein Name auf der ganzen Erde!

9

Hoffnung der Armen

91FÜR DEN CHORLEITER,

NACH DER MELODIE: JUNGE FRAUEN.

MAN SOLL ES DEM SOHN VORSINGEN.

EIN PSALM, VON DAVID9,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

2Ich will dir danken, Herr9,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., von ganzem Herzen.

Ich will von all deinen Wundertaten9,2 Zeichen, Wunder: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar. erzählen.

3Ich will mich freuen und über dich jubeln.

Ich will deinen Namen preisen, du Höchster9,3 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist..

4Denn meine Feinde mussten sich zurückziehen:

Bei deinem Anblick kamen sie ins Straucheln

und stürzten in ihr Verderben.

5Ja, du hast mir zum Recht verholfen.

Meinen Streitfall hast du für mich entschieden.

Du hast dich auf den Thron9,5 Thron: Bild für die Königsherrschaft Gottes. gesetzt –

du bist ein gerechter Richter.

6Völker hast du zurechtgewiesen,

Frevler9,6 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. ins Verderben gestürzt.

Ihre Namen9,6 Namen auslöschen: Ein Verstorbener lebt in der Erinnerung seiner Familie fort. Die Auslöschung des Namens bedeutet seine endgültige Vernichtung. hast du für immer ausgelöscht.

7Der Feind ist vernichtet, nur Ruinen sind geblieben.

Städte hast du zerstört, ihr Ruhm ist dahin.

8Im Zorn hat der Herr seinen Platz eingenommen,

seinen Thron9,8 Thron: Bild für die Königsherrschaft Gottes. zum Gericht für immer aufgestellt.

9Über den Erdkreis fällt er ein gerechtes Urteil.

Nationen richtet er nach Recht und Ordnung.

10So ist der Herr eine feste Burg9,10 Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort..

Wer benachteiligt wird, findet bei ihm Schutz.

Er ist eine feste Burg für die Zeiten der Not.

11Wer deinen Namen9,11 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. kennt, vertraut auf dich.

Denn du, Herr, lässt niemanden im Stich,

der deine Nähe sucht.

12Preist den Herrn, der auf dem Zion9,12 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. wohnt.

Verkündet seine Taten unter den Völkern:

13Wenn er gewaltsam vergossenes Blut9,13 Blut: Gilt bei Mensch und Tier als Sitz der Lebenskraft. Wer Blut vergießt, nimmt das Leben, das Gott gegeben hat. rächt,

denkt er an die unschuldigen Opfer.

Wenn die Armen um Hilfe schreien,

vergisst er sie nicht.

14Hab Erbarmen mit mir, Herr!

Sieh doch, wie ich unter ihrem Hass leide!

Schon stehe ich vor den Toren des Todes,

nur du kannst mich von dort wegholen.

15Dann werde ich von deinem Ruhm erzählen.

In den Toren der Tochter Zion9,15 Tochter Zion: Poetische Bezeichnung für die Stadt Jerusalem. werde ich stehen

und lachen vor Freude über deine Hilfe.

16Ganze Völker sind verschwunden –

in der Grube, die sie selbst gegraben haben.

In dem Netz9,16 Netz: Wird bei der Jagd eingesetzt, um Tiere darin zu fangen., das sie heimlich auslegten,

hat sich ihr eigener Fuß verfangen.

17So hat der Herr gezeigt, dass er Gericht hält:

Frevler9,17 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. kommen zu Fall durch die Gewalt,

die sie mit ihren eigenen Händen ausüben.

Denkpause9,17 Denkpause: Wörtlich »Gemurmel«. Das hörbare Murmeln steht im Hebräischen für das Nachdenken.. Sela9,17 Sela: Zeichen zum Atemholen..

18So müssen die Frevler9,18 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. hinunter ins Totenreich9,18 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt.

und mit ihnen alle Völker, die Gott vergessen!

19Der Besitzlose aber wird nicht auf Dauer vergessen.

Der Arme braucht die Hoffnung nie aufzugeben.

20Steh auf9,20 steh auf: Charakteristischer Ausdruck in den Psalmen. Die Aufforderung soll Gott zum Eingreifen bewegen., Herr!

Lass die Menschen nicht zu mächtig werden!

Vor dir sollen die Völker zur Rechenschaft gezogen werden.

219,21 Vers 21: In der griechischen Überlieferung werden Psalm 9–10 als ein Psalm gezählt. Versetz sie in Furcht und Schrecken, Herr!

Dann werden die Völker erkennen,

dass sie nur Menschen sind. Sela9,21 Sela: Zeichen zum Atemholen..

10

Hilferuf der Armen

10110,1 Vers 1: In der griechischen Überlieferung werden Psalm 9–10 als ein Psalm gezählt. Warum bleibst du in der Ferne, Herr10,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.?

Warum verschließt du deine Augen in Zeiten der Not?

2Voller Hochmut geht der Frevler10,2 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. vor,

mit Leidenschaft verfolgt er den Armen.

Er schnappt ihn mit List und Tücke,

wie er es sich ausgedacht hat.

3Der Frevler brüstet sich mit seiner Habgier.

Er segnet seinen unrechtmäßigen Gewinn

und verhöhnt auch noch den Herrn.

4Hochnäsig, wie der Frevler ist, sagt er:

»Er straft doch nicht! Also gibt es keinen Gott!«

Alles tut er mit List und Tücke.

5Sein Weg führt immer zum Erfolg.

Fern im Himmel10,5 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. werden deine Urteile gefällt.

Darum meint er, sie betreffen ihn nicht.

Gegen alle Widersacher läuft er Sturm.

6Dabei denkt er in seinem Herzen10,6 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens.:

»Ich werde ganz bestimmt nicht wanken.

Nie und nimmer wird mich ein Unglück treffen.«

Verflucht soll er sein!

7Sein Mund ist voll Betrug und Erpressung.

Leid und Unheil lauern unter seiner Zunge.

8In Hinterhöfen legt er sich auf die Lauer.

Im Verborgenen tötet er den Unschuldigen.

Seine Augen halten Ausschau nach dem Schwachen.

9Er lauert im Versteck wie ein Löwe im Busch.

Er lauert nur darauf, den Armen zu packen.

Er schnappt den Armen, zieht ihn in sein Netz10,9 Netz: Wird bei der Jagd eingesetzt, um Tiere darin zu fangen..

10Er schlägt zu, beugt sich über sein Opfer.

Die Schwachen fallen durch seine Pranken.

11Dabei denkt er in seinem Herzen nur:

»Auch das hat Gott bereits vergessen!

Er hat ja sein Gesicht bedeckt,

die ganze Zeit schon nichts gesehen!«

12Steh auf10,12 steh auf: Charakteristischer Ausdruck in den Psalmen. Die Aufforderung soll Gott zum Eingreifen bewegen., Herr! Greif ein, Gott!

Vergiss die Armen nicht!

13Warum darf der Frevler10,13 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Gott verhöhnen?

Wie kann er behaupten, dass du nicht strafst?

14Du hast das Elend und Leid doch gesehen!

Jetzt nimm die Sache selbst in deine Hand!

Der Schwache kann sich auf dich verlassen.

Dem Waisenkind10,14 Waise: Kind, dessen Eltern gestorben sind und dessen Versorgung dadurch nicht mehr sicher ist. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Waisen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt. bist du ein Helfer gewesen.

15Brich die Macht des Frevlers und des Bösen!

Verfolge das Unrecht, das er begangen hat,

bis du nichts mehr davon findest.

16Der Herr ist König10,16 König: Ehrentitel für Gott, der als Herrscher der Welt verehrt wird und für Recht und Gerechtigkeit sorgt. für immer und alle Zeit!

Verschwunden sind die Völker aus seinem Land.

17Du hast gehört, Herr,

wonach die Unterdrückten sich sehnen.

Mach ihnen Mut! Öffne dein Ohr für sie!

18So hilfst du den Waisen und Benachteiligten,

dass sie zu ihrem Recht kommen.

Niemals wieder sollen Menschen auf der Erde

Angst und Schrecken verbreiten.