BasisBibel (BB)
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Gott meint es gut mit mir

861EIN GEBET, VON DAVID86,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

Herr86,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., hab ein offenes Ohr, antworte mir!

Denn ich bin niedrig und arm86,1 niedrig und arm: Selbstbezeichnung einer Gruppe von Menschen, die damit ihre ehrfürchtige Haltung gegenüber Gott und ihre soziale Stellung in der Welt kennzeichnen..

2Bewahre mein Leben, ich bin dir doch treu!

Hilf deinem Knecht86,2 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt., du bist ja mein Gott!

Ich verlasse mich auf dich.

3Hab Erbarmen mit mir, mein Herr!

Denn ich rufe zu dir den ganzen Tag.

4Gib deinem Knecht ein fröhliches Herz!

Meine ganze Sehnsucht gilt doch dir, mein Herr.

5Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben.

Deine Güte kommt zu allen, die zu dir rufen.

6Hör auf mein Gebet, Herr!

Achte auf mein Flehen um Gnade86,6 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.!

7In meiner Not rufe ich zu dir!

Denn du wirst mir antworten.

8Keiner ist wie du, mein Herr, unter den Göttern86,8 Götter: Einer alten Vorstellung zufolge thronte der höchste Gott im Himmel und war von anderen Göttern umgeben, die ihm dienten..

Kein anderer kann deine Werke vollbringen.

9Es kommen alle Völker, die du geschaffen hast.

Sie werfen sich vor dir nieder, mein Herr,

und geben deinem Namen86,9 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. die Ehre.

10Ja, groß bist du und tust Wunder86,10 Zeichen, Wunder: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar.,

du bist Gott, du allein.

11Lehre mich, Herr, deinen Weg!

Ich möchte nach deiner Wahrheit leben.

Lass eines in meinem Herzen wichtig sein,

dass ich deinem Namen mit Ehrfurcht86,11 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. begegne.

12Herr, mein Gott, dir will ich von Herzen danken

und deinem Namen für immer die Ehre86,12 Ehre, ehren: Einen Menschen oder Gott ehren heißt, ihn so zu behandeln, wie es seiner Stellung entspricht. geben.

13Denn deine Güte übertrifft alles in meinem Leben.

Du wirst mich aus dem Totenreich86,13 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt. ziehen,

ganz unten aus der Tiefe.

14Gott, unverschämte Leute stellen sich mir entgegen.

Zur Gewalt bereit, bedrohen sie mein Leben.

Doch dir schenken sie keine Beachtung.

15Mein Herr, du bist ein einzigartiger Gott:

Reich bist du an Barmherzigkeit und Gnade86,15 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.,

unendlich geduldig, voller Güte und Treue.

16Wende dich mir zu und hab Erbarmen mit mir!

Lass deinen Knecht86,16 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt. aus deiner Kraft schöpfen

und schenk dem Sohn deiner Magd die Freiheit.

17Zeig mir, dass du es gut mit mir meinst!

Alle, die mich hassen, sollen es sehen

und sich enttäuscht davonmachen.

Denn du allein bist der Herr!

Du hast mir geholfen und mich getröstet.

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Daheim in der Stadt Zion

871EIN PSALM, EIN LIED DER KORACHITER87,1 Korachiter: Eine Gruppe von Sängern am Tempel in Jerusalem..

Die Stadt ist seine Gründung,

sie liegt auf heiligen Bergen:

2Der Herr87,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. liebt Zion87,2 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. mit seinen Toren

mehr als alle anderen Orte Jakobs87,2 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt..

3Ehrenvolles wird über dich gesagt,

du Stadt, die Gott gehört. Sela87,3 Sela: Zeichen zum Atemholen..

4Leute aus Ägypten87,4 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. und Babylonien87,4 Babylonien: Gebiet am Unterlauf der Flüsse Eufrat und Tigris, südöstlich des heutigen Bagdad.

rechne ich87,4 ich: Hier spricht die Stadt Jerusalem. zu denen, die mich kennen.

Seht, da sind welche aus dem Philisterland!

Andere kommen aus Tyros87,4 Tyros: Hafenstadt am östlichen Mittelmeer und Hauptstadt der Phönizier, im heutigen Libanon gelegen. und Nubien87,4 Nubien: Wörtlich »Kusch«. Gebiet, das vom südlichen Ägypten bis in den heutigen Sudan reicht..

Von vielen meiner Besucher kann ich sagen:

Dieser da ist in der Stadt Zion87,4 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. geboren!

5So nennt man die Stadt Zion87,5 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. auch eine Mutter87,5 Mutter: Die Übersetzung folgt der griechischen Überlieferung..

Ob von hier oder von dort, alle sind in ihr daheim.

Der Höchste87,5 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. selbst sichert ihren Bestand.

6Der Herr schreibt es in das Verzeichnis der Völker:

»Dieser da ist in der Stadt Zion geboren.« Sela87,6 Sela: Zeichen zum Atemholen..

7Und sie singen und tanzen im Kreis:

»All meine Quellen entspringen in dir.«

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Dem Totenreich nahe

881EIN LIED, EIN PSALM DER KORACHITER88,1 Korachiter: Eine Gruppe von Sängern am Tempel in Jerusalem..

FÜR DEN CHORLEITER, ZUM KREISTANZ88,1 Kreistanz: Übersetzung nach der griechischen Tradition. Der hebräische Ausdruck könnte auch eine Melodieangabe oder ein Musikinstrument bezeichnen..

EIN WEISHEITSLIED FÜR HEMAN88,1 Heman: Name eines Musikers, der das Orchester am Tempel leitete; vgl. 1. Chronik 25,1-7., DEN ESRACHITER.

2Herr88,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., Gott, du kannst mich retten!

Am Tag schreie ich um Hilfe,

in der Nacht stehe ich vor dir:

3»Ach, lass doch mein Gebet88,3 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. zu dir dringen!

Hab ein offenes Ohr für meine Klage!«

4Denn ich habe es satt, so erbärmlich zu leiden.

Ich fühle mich dem Totenreich88,4 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt. ganz nahe.

5Man zählt mich schon zu denen,

die in die Grube88,5 Grube: Wörtlich »Zisterne«. Der aus dem Felsen gehauene, unterirdische Hohlraum zum Speichern von Wasser ist hier Bild für das Totenreich. hinabmüssen.

Ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.

6Ich habe mein Lager schon bei den Toten,

wie die Erschlagenen, die im Grab liegen.

An sie denkst du nicht mehr.

Sie sind ja deiner Macht entzogen.

7Du hast mich in die unterste Grube88,7 Grube: Wörtlich »Zisterne«. Der aus dem Felsen gehauene, unterirdische Hohlraum zum Speichern von Wasser ist hier Bild für das Totenreich. versetzt,

an finstere Orte, in tiefste Abgründe.

8Dein Zorn88,8 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. ist über mich gekommen.

Mit gewaltigen Wellen hast du mich

unter Wasser gedrückt. Sela88,8 Sela: Zeichen zum Atemholen..

9Meine Vertrauten hast du von mir entfernt.

Du hast sie dazu gebracht, sich vor mir zu ekeln.

Ich bin gefangen und komme nicht hinaus.

10Mein Auge mag dieses Elend nicht mehr sehen.

Jeden Tag rufe ich zu dir, Herr.

Ich breite meine Hände aus zum Gebet88,10 Gebet: Reden des Menschen mit Gott..

11Tust du Wunder an den Verstorbenen?

Oder stehen die Schatten88,11 Schatten: Die Verstorbenen sind im Totenreich nur noch ein Schatten. der Toten auf,

um dich zu preisen? Sela88,11 Sela: Zeichen zum Atemholen..

12Erzählt man im Grab von deiner Güte,

im Totenreich von deiner Zuverlässigkeit?

13Sind am finstern Ort deine Wunder bekannt?

Und kennt man dort noch deine Gerechtigkeit,

im Land, wo alles in Vergessenheit versinkt88,13 Land, wo alles in Vergessenheit versinkt: Weitere Bezeichnung für das Totenreich.?

14Ich aber88,14 ich aber: Der Beter distanziert sich von den Verstorbenen, die Gott nicht mehr loben können. rufe zu dir, Herr, um Hilfe,

am Morgen schicke ich mein Gebet88,14 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. zu dir.

15Warum verstößt du mich, Herr,

und verbirgst du dein Angesicht88,15 Angesicht verbergen: Wenn Gott sein Gesicht verbirgt, nimmt er die Bitten des Beters nicht an. vor mir?

16Ich fühle mich elend und sterbenskrank – von Jugend an.

Ich ertrug deine Zumutungen – starr vor Entsetzen.

17Dein glühender Zorn88,17 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. ging über mich hinweg,

deine Schrecken ließen mich verstummen.

18Sie umfluten mich täglich wie Wasser,

von allen Seiten dringen sie auf mich ein.

19Du hast Freund und Nachbar von mir entfernt.

Meine Vertrauten sind fort – Finsternis88,19 Finsternis: Bild für die Einsamkeit, in der der Beter lebt.!