BasisBibel (BB)
75

Der Becher zum Gericht

751FÜR DEN CHORLEITER.

NACH DER MELODIE: ZERSTÖRE NICHT!

EIN PSALM, VON ASAF75,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem., EIN LIED.

2Wir danken dir, Gott, wir danken dir,

dass du uns nahe bist in deinem Namen75,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum..

Deine Wunder75,2 Zeichen, Wunder: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar. erzählen davon.

3»Ich75,3 ich: Es ist Gott selbst, der hier spricht. werde einen Zeitpunkt bestimmen.

Dann halte ich umfassend Gericht75,3 umfassend Gericht halten: Gottes Gericht wird alle Völker gleichermaßen treffen..

4Sollte die Erde auch beben,

mit allen Bewohnern, die auf ihr leben –

ich selbst habe die Säulen75,4 Säulen: Man stellte sich vor, dass die Erdscheibe auf Säulen ruht, die im unterirdischen Meer verankert sind. Sie bilden die Fundamente der Welt. der Erde

auf festen Grund gestellt.« Sela75,4 Sela: Zeichen zum Atemholen..

5Ich sagte zu den Angebern:

»Seid doch nicht so eingebildet!«

Und zu den Frevlern75,5 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. sagte ich:

»Hebt euer Horn75,5 Horn: Das Horn eines Stiers ist Bild für Macht und Stärke. Wer sein Horn erheben kann, ist siegreich gewesen. nicht so hoch!

6Streckt euer Horn nicht in die Höhe!

Reckt euren Hals nicht so empor,

um freche Reden zu schwingen!«

7Denn weder vom Osten noch vom Westen

noch vom Süden habt ihr Grund dazu.

8Denn Gott allein ist der Richter75,8 Richter: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht..

Den einen wird er erniedrigen,

den anderen erhöhen.

9Ja, der Herr75,9 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. hält einen Becher75,9 Becher: Bild für das Gericht Gottes, das Menschen wie Betrunkene wanken lässt und zum Tod führt; vgl. Jeremia 25,15-29. bereit,

gefüllt mit schäumendem Wein,

vermischt mit bitteren Gewürzen.

Davon schenkt er ihnen der Reihe nach ein.

Selbst die Hefe müssen sie schlürfen.

Alle Frevler im Land müssen davon trinken.

10Ich aber will es für alle Zeiten verkünden

und davon singen, was der Gott Jakobs75,10 Gott Jakobs: Bezeichnung für den Gott Israels. Sie steht für das persönliche Treueverhältnis zwischen Gott und dem Stammvater seines Volkes. sagt:

11»Ich werde alle Hörner der Frevler75,11 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. abschlagen.

Aber die Hörner75,11 Hörner: Das Horn eines Stiers ist Bild für Macht und Stärke. Wer sein Horn erheben kann, ist siegreich gewesen. der Gerechten75,11 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. werden in die Höhe ragen.«

76

Gott zerbricht die Waffen

761FÜR DEN CHORLEITER.

ZUR MUSIK VON SAITENINSTRUMENTEN.

EIN PSALM, VON ASAF76,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem., EIN LIED.

2Gott ist in Juda76,2 Juda: Der südliche Teil des Landes, in dem die Israeliten lebten. wohlbekannt.

In Israel76,2 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. schätzt man seinen Namen76,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum..

3In Salem76,3 Salem: Kurzbezeichnung für Jerusalem. hat er sein Versteck76,3 Versteck: Bezeichnung für den Tempel, der den Menschen Schutz vor Verfolgung bot..

Auf dem Zion76,3 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. nahm er seine Wohnung.

4Dort zerbrach er Köcher76,4 Köcher: Behältnis für das Mitführen von Pfeilen. und Bogen,

Schild76,4 Schild: Abwehrwaffe in der Schlacht und Bild für Gottes Schutz., Schwert und Waffen des Kriegs. Sela76,4 Sela: Zeichen zum Atemholen..

5Im Feuerglanz bist du erschienen,

gewaltiger als ein reißender Löwe76,5 reißender Löwe: Der Text ist hier schwer zu deuten. Andere übersetzen mit der griechischen Überlieferung »gewaltiger als die uralten Berge«..

6Zur Beute wurden die tapferen Krieger.

Sie sanken zu Boden wie im Schlaf.

Und kein einziger unter den starken Helden

konnte etwas ausrichten mit seinen Händen.

7Als du sie bedroht hast, Gott Jakobs76,7 Gott Jakobs: Bezeichnung für den Gott Israels. Sie steht für das persönliche Treueverhältnis zwischen Gott und dem Stammvater seines Volkes.,

blieben Wagen76,7 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Rosse liegen wie betäubt.

8Ja, wo du erscheinst, verbreitest du Furcht.

Wer kann dir standhalten, wenn du zornig bist?

9Vom Himmel76,9 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. her hast du dein Urteil verkündet.

Da erschrak die Erde und schwieg still.

10So hast du dich zum Gericht76,10 Gericht, verurteilen: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht. erhoben, Gott,

um alle Unterdrückten der Erde zu retten. Sela76,10 Sela: Zeichen zum Atemholen..

11Sollen die Menschen doch kochen vor Wut,

sie müssen dich trotzdem preisen.

Und wenn dann einige noch immer kochen,

müssen auch sie dich feiern.

12Legt Gelübde76,12 Gelübde: Versprechen, das ein Mensch Gott gibt. Es muss in jedem Fall eingelöst werden. ab und erfüllt sie dem Herrn76,12 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., eurem Gott!

Alle ringsum sollen ihm Geschenke bringen,

dem, der zu fürchten ist.

13Er bricht den Hochmut der Fürsten.

Gefürchtet ist er bei den Königen der Welt.

77

Gottes Spuren werden nicht erkannt

771FÜR DEN CHORLEITER,

NACH DER MELODIE VON JEDUTUN77,1 Jedutun: Name eines Sängers, der für die Musik am Tempel zuständig war; vgl. 1. Chronik 25,1-7..

VON ASAF77,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem., EIN PSALM.

2Laut rufe ich zu Gott, ich schreie!

Laut rufe ich zu Gott, er wird mich hören!

3Als ich in Not war, suchte ich den Herrn.

Nachts breitete ich meine Hände aus

und wurde nicht müde beim Gebet77,3 Gebet: Reden des Menschen mit Gott..

Aber meine Seele77,3 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. ließ sich nicht trösten.

4Ich will an Gott denken, ich seufze!

Ich grüble und verliere den Mut. Sela77,4 Sela: Zeichen zum Atemholen..

5Meine Augenlider hältst du offen.

Ich bin aufgewühlt und kann kaum reden.

6So versinke ich in Gedanken an früher,

an die Jahre, die längst vergangen sind.

7Nachts beim Saitenspiel77,7 Saitenspiel: Musik, die auf Saiteninstrumenten wie Harfe oder Leier gespielt wird. denke ich nach.

Ich mache mir Gedanken in meinem Herzen.

In meinem Geist suche ich nach Antworten:

8»Wenn der Herr jemanden verstößt,

wird er dann für immer daran festhalten?

Wird er nie wieder gut zu ihm sein?

9Ist endgültig Schluss mit seiner Güte?

Gilt seine Verheißung77,9 Verheißung: Als Gott den Bund mit seinem Volk erneuert, erkennt Mose die Gnade Gottes; vgl. 2. Mose/Exodus 34,6-7. Das scheint hier infrage gestellt. nicht mehr

von Generation zu Generation?

10Hat Gott seine Barmherzigkeit vergessen?

Oder überwiegt der Zorn77,10 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. sein Mitleid?« Sela77,10 Sela: Zeichen zum Atemholen..

11Da sagte ich zu mir: »Es macht mich krank,

dass der Höchste77,11 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. so frei ist, sein Tun zu ändern.«

12Darum will ich mich an die Taten des Herrn77,12 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. erinnern.

Ja, ich will deine Wunder in Erinnerung rufen,

aus der Zeit, die längst vergangen ist.

13Ich denke nach über all dein Tun

und mache mir Gedanken über deine Werke:

14»Gott, dein Weg ist heilig!

Welcher Gott ist so gewaltig wie du?

15Du allein bist der Gott, der wirklich Wunder tut!

Unter den Völkern hast du deine Macht bewiesen:

16Mit starkem Arm hast du dein Volk befreit77,16 dein Volk befreit: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.,

die Nachkommen Jakobs und Josefs77,16 Nachkommen Jakobs und Josefs: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Josef ist einer seiner Söhne.Sela77,16 Sela: Zeichen zum Atemholen..

17Die Wasser sahen dich, Gott.

Die Wasser sahen dich und bebten.

Ja, die Fluten der Urzeit77,17 Fluten der Urzeit: Das Wasser, das vor der Schöpfung die gesamte Erde bedeckte; vgl. 1. Mose/Genesis 1,2. bebten vor Schreck!

18Die Wasser ergossen sich aus Wolken,

Donnerschläge krachten im Gewölk.

Ja, deine Blitze schossen wie Pfeile hervor.

19Dein Wagen77,19 Wagen Gottes: Im Hintergrund steht die Vorstellung, dass Gott mit seinem Wagen über den Himmel fährt und von dort seine Blitze auf die Erde schleudert. donnerte über den Himmel.

Grelle Blitze erhellten den Erdkreis.

Da wankte und schwankte die Erde.

20Durch das Schilfmeer77,20 Schilfmeer: Beim Auszug aus Ägypten rettete Gott sein Volk, indem er es durch das Schilfmeer führte; vgl. 2. Mose/Exodus 13,17–15,21. führte dein Weg

und dein Pfad durch gewaltige Wasser.

Doch niemand hat deine Spuren erkannt.

21Du hast dein Volk wie eine Herde77,21 Herde: Bild für das Volk Israel. Gott ist als Hirte seines Volkes verantwortlich für den Schutz und Bestand seiner Herde. geführt –

durch die Hand von Mose77,21 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote. und Aaron77,21 Aaron: Bruder von Mose und erster Hohepriester Israels. Er gilt in der Bibel als Stammvater der Priester..