BasisBibel (BB)
71

Bis ins hohe Alter

711Bei dir, Herr71,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., suche ich Zuflucht71,1 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt..

Lass mich nicht scheitern, zu keiner Zeit.

2Befreie und rette mich, du bist doch gerecht.

Hab ein offenes Ohr für mich und hilf mir!

3Sei für mich ein Fels71,3 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt., ein Versteck71,3 Versteck: Anspielung auf den Tempel, der Schutz vor Verfolgung bietet.,

eine feste Burg71,3 eine feste Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort., in die ich mich retten kann.

Ja, du bist mein Fels und meine Burg!

4Mein Gott, rette mich aus der Hand der Frevler71,4 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen..

Befreie mich aus der Faust der Leute,

die mir Unrecht und Gewalt antun!

5Denn du bist meine Hoffnung, mein Herr.

Von meiner Jugend an, Herr,

bist du der Grund für meine Zuversicht.

6Seit ich zur Welt gekommen bin,

konnte ich mich auf dich verlassen.

Du hast mich vom Mutterleib entbunden,

darum galt immer nur dir mein Lobgesang.

7Was ich erlebte, brachte viele zum Erschrecken.

Aber du warst für mich eine starke Zuflucht71,7 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt..

8Mein Mund ist voll von deinem Lob.

Den ganzen Tag will ich dich rühmen.

9Jetzt, wo ich alt bin, lass mich nicht fallen!

Jetzt, wo meine Kräfte abnehmen,

lass mich nicht im Stich!

10Denn meine Feinde reden schon über mich.

Und die Leute, die mich belauern,

haben sich miteinander beraten:

11»Gott hat ihn verlassen!

Verfolgt ihn und packt ihn!

Denn es gibt keinen, der ihm hilft!«

12Ach Gott, bleib nicht fern von mir!

Mein Gott, komm mir schnell zu Hilfe!

13Die mich vor Gericht beschuldigen,

sollen scheitern und untergehen.

Die mein Unglück herbeiführen wollen,

sollen Schimpf und Schande erleben.

14Ich aber will stets nach dir Ausschau halten

und dazu beitragen, dass man dich noch mehr lobt.

15Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit erzählen

und den ganzen Tag von deiner Hilfe berichten.

Denn ich kann nicht schreiben.

16Ich komme, um die großen Taten meines Herrn zu preisen.

Nur an dich und deine Gerechtigkeit, Herr,

will ich erinnern.

17Gott, du hast mich von Jugend an unterwiesen.

Bis heute mache ich deine Wunder bekannt.

18Auch wenn ich alt bin und graues Haar habe,

so lass mich nicht im Stich, Gott!

Dann kann ich noch lange deine Taten verkünden,

Kindern und Enkeln von deiner Macht erzählen.

19Deine Gerechtigkeit, Gott, reicht bis zum Himmel.

Große Dinge hast du getan!

Gott, wer ist wie du?

20Viel Not und Unglück hast du mich erfahren lassen.

Nun schenk mir wieder neuen Lebensmut

und führ mich herauf aus den Fluten der Unterwelt71,20 Fluten der Unterwelt: Bild für den Herrschaftsbereich des Todes. Man stellte sich das Totenreich als Ort unter der Erde vor. Dort befand sich auch das unterirdische Meer.!

21Lass mein Ansehen wachsen!

Wende dich mir zu und tröste mich!

22Mit dem Spiel der Bassleier71,22 Bassleier: Großes Musikinstrument mit tief klingenden Saiten. will ich dir danken,

dass du zu mir gehalten hast, mein Gott.

Zur Leier71,22 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. will ich Loblieder für dich singen –

für Gott, den Heiligen Israels71,22 Heiliger Israels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, die vor allem im Buch Jesaja vorkommt..

23Meine Lippen sollen jubeln, wenn ich für dich singe –

zum Dank für mein Leben, das du gerettet hast.

24Auch meine Zunge soll den ganzen Tag davon reden,

dass du mir Gerechtigkeit verschafft hast.

Denn die mein Unglück herbeiführen wollten,

wurden enttäuscht und beschämt.

72

Segenswünsche zur Krönung des Königs

721Von SALOMO72,1 Salomo: Einer der berühmtesten Könige von Israel, der etwa 970–930 v. Chr. regierte..

Gott, gib dem König72,1 König: Der von Gott eingesetzte Herrscher, der im Staat für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen hat. deine Rechtsvorschriften!

Schenk dem Thronfolger deine Gerechtigkeit!

2Er soll dein Volk gerecht regieren

und den Armen zum Recht verhelfen.

3Die Berge mögen dem Volk Frieden bringen

und die Hügel sich in Gerechtigkeit hüllen.

4Den Armen im Volk soll der König Recht schaffen.

Die Kinder der Besitzlosen soll er retten,

aber die Unterdrücker zermalmen.

5Lange soll er leben im Schein der Sonne

und des Mondes von Generation zu Generation!

6Wie ein Regen72,6 Regen: Der König soll für sein Land so gut sein wie Regen, der die Erde fruchtbar macht. soll er über die Wiesen niedergehen

und wie ein Regenschauer den Boden befeuchten.

7Die Gerechtigkeit soll aufblühen in seinen Tagen.

Und Frieden soll herrschen weit und breit,

so lange, bis es den Mond nicht mehr gibt.

8Er wird herrschen von einem Meer bis zum andern,

vom Strom72,8 Strom: Meint den Paradiesstrom, der in der Mitte der Erde entspringt und bis zu ihrem äußersten Rand fließt; vgl. 1. Mose/Genesis 2,10. bis zum äußersten Rand der Welt.

9Die Bewohner der Wüste72,9 Bewohner der Wüste: Meint alle Lebewesen, die in der Wüste leben, darunter auch wilde Tiere und böse Geister. sollen vor ihm niederknien

und seine Feinde den Staub vom Boden essen.

10Die Könige von Tarschisch72,10 Tarschisch: Landschaft und Hafenstadt an der Südküste Spaniens, zur Zeit des Alten Testaments das westliche Ende der bekannten Welt. und den Inseln72,10 Inseln: Bezeichnen den westlichen Rand der damals bekannten Welt.

sollen ihm Geschenke bringen.

Die Könige von Saba und Seba72,10 Saba, Seba: Weit entfernte Königreiche in Südarabien und im heutigen Äthiopien. zahlen Tribut72,10 Tribut: Geld- oder Sachleistungen, die ein unterworfenes Volk an die Großmacht zahlen muss..

11Alle Könige sollen sich ihm unterwerfen.

Alle Völker stellen sich in seinen Dienst.

12Ja, er rettet den Besitzlosen, der um Hilfe schreit,

und den Armen, der keinen Beistand hat.

13Er hat Mitleid mit Schwachen und Besitzlosen

und sorgt dafür, dass sie am Leben bleiben.

14Er befreit ihr Leben aus Bedrückung und Gewalt.

So wertvoll ist ihr Blut72,14 Blut: Bild für das Leben der Armen, um das sich Gott sorgt. in seinen Augen.

15Hoch soll er leben!

Das Gold aus Saba72,15 Saba: Land und Volk in Südarabien, durch seinen Handel mit Gold und Weihrauch bekannt. soll man ihm geben!

Ständig soll man für ihn beten,

jeden Tag soll man ihm Segen72,15 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen. Gott schenkt durch seinen Segen Leben, Kraft und Wohlergehen. wünschen!

16Im Land soll es Getreide im Überfluss geben,

auf den Bergen wiegen sich die Felder im Wind.

Die Feldfrüchte sollen gedeihen wie auf dem Libanon72,16 Libanon: Gebirgszug nördlich von Israel mit bis zu 3000 m hohen, dicht bewaldeten Bergen.,

die Ähren72,16 Ähre: Oberer Teil des Getreidehalms, an dem die Körner sitzen. sprießen wie Gras aus dem Boden.

17Sein Name soll für immer in Erinnerung bleiben,

im Schein der Sonne wächst sein Ruhm.

Die Völker sollen Segen empfangen durch ihn,

sie alle wünschen ihm Glück.

18Gepriesen sei Gott, der Herr72,18 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., der Gott Israels.

Er allein tut Wunder72,18 Zeichen, Wunder: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar..

19Gepriesen sei sein herrlicher Name72,19 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. alle Zeit,

seine Herrlichkeit72,19 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. erfülle die ganze Erde.

Amen72,19 Amen: Das hebräische Wort bedeutet »So ist es! / So soll es sein!«! Und nochmals: Amen!

20HIER ENDEN DIE GEBETE VON DAVID72,20 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete., DEM SOHN ISAIS.

73

Das dritte Buch der Psalmen

Psalm 73–89

Gott nahe zu sein, ist gut für mich

731EIN PSALM, VON ASAF73,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem..

Gott ist gut zu Israel73,1 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen.,

zu denen, die ein reines Herz haben!

2Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen.

Um ein Haar hätte ich den Halt verloren.

3Denn ich war neidisch auf die Angeber,

als ich sah, wie gut es den Frevlern73,3 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. ging.

4Sie leiden ja offenbar keine Schmerzen,

ihr Leib ist gesund und wohlgenährt.

5Die harte Arbeit der Menschen kennen sie nicht,

und die Sorgen der Leute berühren sie nicht.

6Darum tragen sie ihren Hochmut wie eine Halskette

und hüllen sich in einen Mantel von Gewalt.

7Aus ihren Augen grinst der Wohlstand hervor.

Vor lauter Einbildung hüpft ihnen das Herz.

8Sie spotten und reden in böser Absicht daher,

verdrehen die Worte und schüchtern ein.

9Sie reißen den Mund auf bis zum Himmel

und lassen auf der Erde ihrer Zunge freien Lauf.

10Darum wendet sich das Volk ihnen zu,

von ihren Reden bekommt es nicht genug.

11Sie sagen: »Wie sollte Gott davon erfahren?

Was weiß denn schon der Höchste73,11 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist.

12Schaut nur hin: So leben die Frevler!

Alle Zeit sind sie frei von Sorgen

und vermehren ihr Vermögen.

13Ja, umsonst behielt ich ein reines Herz

und wusch in Unschuld meine Hände.

14Denn die Sorgen blieben mir Tag für Tag,

jeder Morgen war für mich eine Strafe.

15Wenn ich gesagt hätte: »Ich will so reden wie sie«,

hätte ich die Gemeinschaft deiner Kinder73,15 Gemeinschaft deiner Kinder: Bezeichnung für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes. verraten.

16So dachte ich nach, um das zu verstehen.

Doch es war mühselig in meinen Augen.

17Schließlich ging ich in Gottes heilige Hallen73,17 heilige Hallen: Meint den Tempel in Jerusalem.

und begriff, welches Ende die Frevler73,17 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. erwartet:

18Ja, du hast sie auf glatten Grund geführt

und sie auf ihre Täuschung hereinfallen lassen.

19Ganz plötzlich kam für sie das Entsetzen.

Schlagartig fanden sie ein schreckliches Ende –

20wie bei einem Traum, dem ein böses Erwachen folgt.

Und wenn sie dann erwachen, Herr,

sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.

21Wenn mein Herz73,21 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens. verbittert ist

und mich die Nieren73,21 Nieren: Sitz innerer Gefühlsregungen und des Gewissens. stechen:

22Dann bin ich so dumm wie ein Rindvieh

und steh vor dir wie ein Ochse vor dem Berg.

23Trotzdem bleibe ich immer bei dir.

Du hast mich an die Hand genommen.

24Du führst mich nach deinem Plan73,24 Plan Gottes: Gott leitet und bestimmt das Leben des Einzelnen wie auch den Fortgang der Geschichte..

Und wenn mein Leben zu Ende geht,

nimmst du mich in deine Herrlichkeit auf.

25Wen habe ich denn im Himmel73,25 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt.?

Bei dir zu sein, ist alles,

was ich mir auf der Erde wünsche.

26Auch wenn mein Leib und mein Leben vergehen,

bleibst du, Gott, trotz allem mein Fels73,26 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt.

und mein Erbteil73,26 Erbteil: Anstelle von Land haben die Leviten den Dienst für Gott am Heiligtum als Erbbesitz erhalten. Ihr Lebensunterhalt wird durch Opfergaben an das Heiligtum gesichert. Deshalb nennt der Beter Gott sein Erbteil. für immer!

27Ja, wer sich von dir entfernt, der wird umkommen.

Wer sich von dir abwendet, den vernichtest du.

28Ich aber bekenne: Gott nahe zu sein, ist gut für mich.

Bei Gott, dem Herrn73,28 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., habe ich meine Zuflucht73,28 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt..

Von allen seinen Werken will ich gerne erzählen.