BasisBibel (BB)
62

Einkehr in die Stille

621FÜR DEN CHORLEITER,

NACH DER MELODIE VON JEDUTUN62,1 Jedutun: Name eines Sängers, der für die Musik am Tempel zuständig war; vgl. 1. Chronik 25,1-7..

EIN PSALM, VON DAVID62,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

2Bei Gott schweigt meine Seele62,2 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen.still.

Von ihm kommt die Hilfe, die ich nötig habe!

3Nur er ist mein Fels62,3 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt.und meine Rettung –

meine feste Burg62,3 Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort., sodass ich nicht wanke.

4Wie lange wollt ihr gegen einen allein anstürmen?

Wollt ihr denn alle gegen ihn anrennen –

wie gegen eine Hauswand, die sich schon neigt,

wie gegen eine Stadtmauer, die gleich einstürzt?

5Sie planen, ihn aus seiner hohen Stellung zu stürzen.

Wenn es dazu beiträgt, lügen sie gern.

Mit dem Mund segnen sie,

aber in ihrem Herzen fluchen sie. Sela62,5 Sela: Zeichen zum Atemholen..

6Bei Gott schweigt meine Seele62,6 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen.still.

Von ihm kommt Hilfe, die ich nötig habe!

7Nur er ist mein Fels62,7 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt.und meine Rettung –

meine feste Burg62,7 Burg: Bild für Gottes Schutz, vgl. Psalm 46. Der Beter denkt dabei auch an den Tempel als Zufluchtsort., sodass ich nicht wanke.

8Auf Gott gründet sich meine Freiheit und Würde.

Mein starker Fels ist er,

meine Zuflucht62,8 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt. ist bei Gott.

9Vertraut ihm zu jeder Zeit, ihr aus dem Volk!

Schüttet euer Herz aus vor ihm,

Gott ist unsere Zuflucht. Sela62,9 Sela: Zeichen zum Atemholen..

10Nur ein Hauch62,10 Hauch: Bild für das flüchtige und vergängliche Dasein des Menschen. sind die Menschenkinder62,10 Menschenkinder: Poetischer Ausdruck für die Menschheit..

Ein trügerisches Nichts sind die Sterblichen!

Legt man sie auf eine Waage, schnellen sie hoch62,10 schnellen sie hoch: Bild dafür, dass Besitz und Fortschritte der Menschheit bei Gott kein Gewicht haben..

Alle zusammen sind leichter als ein Hauch.

11Darum verlasst euch nicht auf erpresstes Gut.

Gestohlene Habe wird euch nichts nützen.

Wenn euer Wohlstand wächst,

dann hängt euer Herz nicht daran!

12Eines hat Gott geredet,

zwei Dinge habe ich gehört:

Gott besitzt vollkommene Macht.

13Und du, mein Herr, bist voller Güte.

Du ziehst jeden zur Rechenschaft

für das, was er getan hat.

63

Meine Seele dürstet nach Gott

631EIN PSALM, VON DAVID63,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete.,

ALS ER IN DER WÜSTE JUDA63,1 in der Wüste Juda: Auf seiner Flucht vor seinem Sohn Abschalom hielt König David sich dort auf, vgl. 2. Samuel 15–17. WAR.

2Gott, du bist mein Gott, dich suche ich,

meine Seele63,2 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. dürstet nach dir.

Mein Leib63,2 Leib: Mit Seele und Leib sehnt sich der ganze Mensch nach Gott. schmachtet nach dir im dürren Land,

er lechzt nach Wasser, aber es ist keines da.

3So halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum.

Ich will deine Kraft und Herrlichkeit63,3 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. erfahren.

4Ja, deine Güte bedeutet mir mehr als das Leben.

Meine Lippen sollen dich loben.

5So will ich dich preisen mein Leben lang.

Mit deinem Namen63,5 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. auf den Lippen

erhebe ich meine Hände zum Gebet63,5 Gebet: Reden des Menschen mit Gott..

6Wie von Speise und Trank63,6 Speise und Trank: Wörtlich »Fettes und Saftiges«. Das wird oft von einem Opfer gesagt. Man darf deshalb an eine Opfermahlzeit im Tempel denken. wird meine Seele63,6 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. satt.

Lauter Jubellieder kommen von meinen Lippen.

7Oft lag ich in meinem Bett und dachte an dich.

Ich durchwachte Nächte und überlegte mir:

8Du bist es gewesen, der mir geholfen hat!

Im Schatten deiner Flügel preise ich dich.

9Meine Seele63,9 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. klammert sich an dich.

Deine starke Hand hält mich fest.

10Doch diese Leute wollen mir grundlos ans Leben.

In die Tiefen der Erde63,10 Tiefen der Erde: Bild für das Totenreich, das unter der Erde liegt. sollen sie hinabstürzen.

11Der Gewalt des Schwerts soll man sie ausliefern.

Sie werden zur sicheren Beute für die Schakale63,11 Schakal: Nachtaktiver Wildhund, der in der unbewohnten Steppe lebt..

12Aber der König63,12 König: Der von Gott eingesetzte Herrscher, der im Staat für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen hat. darf sich freuen über Gott!

Jeder darf sich rühmen, der bei ihm geschworen63,12 bei Gott geschworen: Meint die am Gerichtsverfahren Beteiligten, die einen Eid abgelegt haben und sich nicht von falschen Zeugen täuschen lassen. hat.

Ja, endlich wird den Lügnern das Maul gestopft!

64

Das Herz des Menschen – ein Abgrund

641FÜR DEN CHORLEITER.

EIN PSALM, VON DAVID64,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

2Höre mein Rufen, Gott! Dir klage ich mein Leid!

Behüte mein Leben vor dem schrecklichen Feind!

3Versteck mich vor der Truppe der Bösen,

vor dem schlimmen Treiben der Übeltäter.

4Die haben ihre Zunge64,4 Zunge: Durch Lügen und Verleumden kann sie großen Schaden anrichten. wie ein Schwert geschärft.

Der Pfeil auf ihrem Bogen ist ein giftiges Wort.

5Aus der Deckung schießen sie auf Unschuldige.

Sie schießen ganz plötzlich, man sieht sie nicht.

6Sie sind fest entschlossen zur bösen Tat.

Sie verabreden sich, Fallen zu verstecken,

und prahlen: »Wer kann sie entdecken?«

7Sie denken sich lauter Bosheiten aus.

Was sie auch planen, halten sie geheim.

Ja, das Innere des Menschen ist unergründlich

und in seinem Herzen tut sich ein Abgrund auf!

8Gott aber schoss seinen Pfeil auf sie ab.

Da waren sie wie vom Schlag getroffen.

9Ihre eigene Zunge hat sie zu Fall gebracht.

Jeder, der es sah, schüttelte sich vor Lachen.

10Doch alle Menschen wurden von Furcht ergriffen.

Sie erzählten davon, was Gott getan hat,

und verstanden sein Handeln.

11Der Gerechte64,11 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. darf sich freuen über den Herrn64,11 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.

bei ihm wird er seine Zuflucht64,11 Zuflucht: Ort, der Schutz bietet. Oft werden Gott oder sein Tempel als Zufluchtsort genannt. suchen.

Jeder darf sich rühmen, der ein ehrliches Herz hat.